Constantin Brâncusi Materie und Konzept
31. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
I Prolog 3
II Hauptteil 4
1. Die Hauptwerke 4
1.1 Die Endlose Säule 4
1.2 Der Fisch. 5
1.3 Der Vogel im Raum. 6
2. Der Sockel: Ursprung und Entwicklung 8
2.1 Ikonographie und Funktion der Brâncusi-Sockel 8
2.2 Der Ursprung des Sockels und dessen Konzept in der Entstehung. 9
2.3 Die Entwicklung des Vogelthemas 10
3. Kombinatorische Beziehung zwischen Skulptur und Sockel 11
4. Kunstgeschichtliche Aufarbeitung. 12
III Epilog. 14
I 15
V Literaturverzeichnis 18
VI Abbildungsverzeichnis 19
VII Abbildungen. 21
Seite 2
I Prolog
Constantin Brâncusi 1 (Abb. 1) etablierte sich dank seiner für das westliche Kunstgeschehen eher exotischen Herkunft und seiner spielerisch-reflexiven Arbeitsweise relativ schnell; er pflegte unter Anderem Kontakt mit Rodin und weiteren Zeitgenossen der Kunstszene. 2 In dieser Arbeit wird das Gewicht auf die Beziehung von Sockel und Skulptur gelegt; es werden drei Hauptwerke vorgestellt und anhand Vergleiche Entwicklungen, die Rolle des Sockels und dessen Aufarbeitung bearbeitet. nicht nur
in seiner materiellen Ausarbeitung interessant; Kombinatorik eines der wichtigsten Werkzeuge des Künstlers sowie das dazugehörige Konzept zeichnen die oft aus sehr unterschiedlichen Elementen bestehenden Werke aus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Constantin_Brancusi#Weblinks - Konsultiert um 19:51, 20.07.2010.
2 Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die bisherige Beziehung zur Kunst gebrochen. Avant-Gardistische Strömungen, Minimalismus, Kubismus, Dekonstruktion wurden populärer, während man die Traditionen doch noch nicht ganz loslassen wollte. Der sich mit der Industrialisierung entwickelnde Der unabhängige Bildhauer und Fotograf Brâncusi hatte also in mehreren Dimensionen Raum um sich entfalten zu können.
II Hauptteil
1. Die Hauptwerke Sie
sind unter den Titeln Endlose Säule (Abb. 2), Fisch (Abb. 3) und Vogel im Raum (Abb. 4) bekannt. In den folgenden Unterkapiteln wird eine kurze Werkbetrachtung der Skulpturen ge- Von weiterführenden ikonologischen Untersuchungen wird jedoch Abstand genommen. Diese drei Werke repräsentieren in einem breiten Spektrum ; die Endlose Säule ist als geschichtliches Teilmonument repräsentiv für den öffentlichen Zeitgeist. Der Fisch steht wie der Vogel im Raum für eine Reihe für den Künstler typische Skulptur-Sockelkombinationen, deren Elemente sich durch ihre Gegensätze wieder ausgleichen ohne dabei an Aussagekraft einzubüssen.
1.1 Die Endlose Säule
Die Endlose Säule 3 zählt zu den monumentalen Werken , denen eine architektonische Note durchaus nicht fehlt. Es gehört zu einem Ensemble aus drei Einzelmonumenten 4 und befindet sich seit 1937-38 5 in Tîrgu Jiu 6 . 7
Das Monument ist 29.35 m hoch und weist eine quadratische Grundfläche auf, deren Seiten je 90 cm messen. Das Gesamtgewicht liegt bei ungefähr 29 Tonnen. Als Material wurde Gusseisen gewählt, das mit gelblich-goldenem Messing beschichtet wurde. 8 Das Monument besteht aus 15 Elementen die auf einem dreiteiligen Stahlkern aufgereiht sind. Die Säule wird von oben und unten von je zwei Halbelementen abgeschlossen, wobei das Untere in ein in den Boden eingelassenes Betonfundament übergeht. 9 Die einzelnen Elemente sind rhombenförmig und wurden exakt im Verhältnis 1:2:4 angefertigt. 10 Das Monument weist also einen streng geometrischen, additiven Aufbau auf, obwohl es als Gesamtwerk einen subtraktiven Eindruck macht. Die einzelnen Elemente reihen sich repetitiv in einer Linie auf, und bilden so eine neue Form. Die Endlose Säule steht frei im Raum und bietet sich dem Betrachter von jeder Seite an, wobei sich durch das Umschreiten des Monuments
3 chnet.
4 ebenfalls
von Constantin Brâncusi stammen. Parigoris 1984, S. 79.
5 Datiert in Georgescu-Gorjan 1964.
6 Eine rumänische Stadt.
7 Bach 1987, S. 500.
8 Bach 1987, S. 500.
9 Bach 1987, S. 500.
10 Bach 1987, S. 171.
nur minimal veränderte Ansichten bieten.
Brâncusi fertigte in seiner Laufbahn zahlreiche Versionen der Endlosen Säule an, von denen aber nur wenige als monumental bezeichnet werden können. Die grösseren Skulpturen erreichen eine Höhe von 12-14 m, während die kleineren sich im Meterbereich befinden. Einige der
gewählte Arbeitsmaterial blieb aber für die meisten der Skulpturen dieser Gruppe Holz. Das dreiteilige Denkmal wurde von Sanda Miller geschichtlich aufgearbeitet um neue Erkennt- 11 Dasdamals für die
Errichtung der Monumente verantwortliche Komitee erarbeitete den Auftrag um 1934-35 als das Amt der Präsidentin der National League of Gorj 12 Women mit Aretie Taitairescu 13 besetzt war. Aretie wurde im Laufe der Besprechungen von einer Freundin 14 an Constantin Brâncusi verwiesen, der den Auftrag zwei Jahre später 15 schliesslich akzeptierte und ab 1937 die Arbeit aufnahm. Unklar bleibt, warum zwischen dem Auftrag und dessen Annahme zwei Jahre verstrichen. 16 Gewidmet wurde das Denkmal den jungen Männern die in der entscheidenden Schlacht am Ufer des Flusses Jîu 17 im ersten Weltkrieg gefallen waren.
1.2 Der Fisch
Der Fisch 18 aus dem Jahr 1930 gehört einer der etwas weniger prominenten Skulpturgruppen an. Sie besteht aus einem einzelnen Marmorstück und ist 53.3 cm hoch, 180.3 cm lang und 13 cm breit. Der glatt polierte blaue Marmor ist blau und von grauweissen Äderungen durchzogen. 19
Der dazugehörige Sockelaufbau 20 ist dreiteilig und misst 74 cm in der Gesamthöhe 21 . Auf der u- seumof Modern Art 22 in New York. 23
Die Form wurde subtraktiv aus einem Marmorblock herausgearbeitet, ist aber als Gesamtwerk
11 Parigoris schliesst sich Sanda Miller im weiten Sinne an. Parigoris 1984, S. 76-79.
12 Ein rumänischer Kreis in Tîrgu Jiu.
13 Die Frau des damaligen rumänischen Prime Ministers, Georghe Taitairescu.
14 Militsa Pattragcu, die im Zentrum von Tîrgu Jiu ein Monument für die lokale Heldin Ecaterina Teodoriou errichten liess.
15 Es ist nicht bekannt, warum der Auftrag erst zwei Jahre später vom Künstler angenommen wurde.
16 Parigoris 1984, S.79.
17 An besagter
19 Bach 1987, S. 490.
20 Von oben nach unten: Zylinder, Marmor: Höhe 13 cm, Ø 19 cm. Zylinder, Stein: Höhe 33 cm, Ø 82 cm. Zylinder, Stein: Höhe 28 cm, Ø 54 cm.
21 Ohne die eigentliche Skulptur.
22 Inv. Nr. 695.49, erworben 1948/49 vom Künstler.
23 Bach 1987, S. 490.
mit dem auch vom Künstler gefertigten Sockelaufbau zusammen zu betrachten. Der additiv aufgebaute Sockel selbst besteht aus streng geometrischen Formen; dem perfekten Kreis und der Fläche, deren Kanten exakt im 90°-Winkel stehen. Im Kontrast dazu steht die Oberflächenbeschaffenheit der Sockel, die eher rauer Natur ist. Die Hauptskulptur scheint nur eine Andeutung geometrischer Formen zu machen. Es manifestieren sich je nach Position des Betrachters Kreise, Ellipsen und Keile. Man ist sehr versucht, darin eine organische Form zu erkennen.
Da die Position des Betrachters bei dieser Skulptur einen signifikanten Einfluss auf die Wahrnehmung des Werkes hat, hat Brâncusi für den Fisch ein Konzept der Ausstellung entwickelt bei der der Betrachter zyklisch die ganze Form in ihrer Spannung erfassen kann; im Sockelaufbau wurde ein Motor montiert, der die Skulptur langsam um sich selbst rotieren lässt. Dieses Prinzip wurde auch bei anderen von Skulpturen, wie zum Beispiel der Leda 24 (Abb. 7) angewandt. 25 Als der Fisch in die USA verkauft wurde, änderte sich sein Sockel auf eine dramatische Weise; der Mühlstein auf dem er ursprünglich montiert war machte einem kleineren Sockel Platz. Die Dynamik der Skulptur wird dadurch zwar beschleunigt; der Aufbau lässt sie aber auch fragiler erscheinen. 26
Auch vom Fisch existieren mehrere Versionen mit nahezu identischen Proportionen; davon sind einige in vergleichbarer Grösse aus Marmor. Die Mehrheit machen aber kleinere Fische aus polierter Bronze (Abb. 8) aus, die auch oft auf glattpolierten Bronzeplatten 27 ausgestellt wurden. Zusätzlich sind diverse Fischstudien aus Gips 28 bekannt.
1.3 Der Vogel im Raum
Die Skulptur die als Vogel im Raum 29 bezeichnet wird, gilt als eines der häufig zitierten Werke d- net. 30
Die aus polierter Bronze bestehende Skulptur wurde in einem Stück gegossen und ist 185.5 cm hoch. Der maximale Umfang beträgt 45.7 cm. Der dazugehörige Untersockel 31 besteht aus zwei
24 Bach 1987, S. 185.
25 Bach 1987, S. 17.
26 Bach 1987, S. 50.
27 Vgl. 222: S.482/183, Bach 1987, S. 467.
28 Durch das spitze Ende eines Gipsabgusses konnte man die Entwicklung des Fisches von der kleinen Fischform ableiten. Bach 1987, S. 490.
29
30 Bach 1987, S. 493.S.
31 Von oben nach unten: Messingscheibe: Höhe 0.16 cm, Ø 14.6 cm. Zylinder, Kalkstein: Höhe 21.6 cm, Ø 22.2 cm.
Zylinder, Stein: Höhe 28 cm, Ø 54 cm.
Teilen und hat eine Gesamthöhe von 21.76 cm. Die sich im Norton Simon Museum 32 in Pasadena befindende Skulptur trägt ausserdem die Si 33
Wie bei der Skulptur des Fisches ist die Sockelkombination streng geometrisch gehalten; die Hauptskulptur steht dazu nun in grösserem Kontrast. Trotz der immer noch geometrisch gehaltenen Grundlinien und die hohe Abstraktion gewinnt die Skulptur durch die geschwungene Formgestaltung an Dynamik, die organisch anmutet. Durch die Unterteilung in zwei Kompartimente gleicht sie sich selbst aus; das obere, massivere Segment ist leicht gebogen und läuft nach oben hin mit einer fast mathematischer Präzision in einer etwas abgeflachten Spitze aus, während es sich im unteren Bereich erneut verengt. Das untere Segment nimmt den Schwung des oberen Skulptursteils wieder auf, ist aber kürzer und weniger linear ausgeführt, da es in seiner Mitte eine sanfte Einschnürung aufweist. Die Form dieses Segments wirkt durch das scheinbare Fehlen einer Symmetrieachse umso organischer.
Auch diese Skulptur wurde von Brâncusi mit Vorliebe im freien Raum ausgestellt. Um die Form vollständig zu erfassen wird der Betrachter durch die Formgebung des Vogels im Raum dazu angeregt, die Figur aus eigenem Antrieb zu umschreiten. Brâncusi m- entsprechendgibt es auch zahlreiche Skulpturen die sich mit dem Vogelthema auseinandersetzen. Die Werke gelten trotz ihrer Fragilität 34 als prominente Vertreter der Dekonstruktion. 35 Die Entwicklung 36 des Themas gipfelte in den vom Künstler ab 1923 erschaffenen Skulpturen die unter dem Namen Vogel im Raum 37 bekannt sind. Allein aus dieser Serie sind 27 Skulpturen 38 bekannt. Interessant ist, dass sich die Wahl des Sockels der Skulptur anpasst, er aber dennoch austauschbar bleibt.
Jede der verschiedenen Entwicklungsstufen wird an der spezifischen Grundform aufgemacht, die sich innerhalb der Skulpturgruppe proportional minim verändert. Verschiedene Grössenunterschiede sind aber zu beobachten. Als Material wurde oft polierte Bronze, weisser oder
32 The Norton Simon Foundation, California. Inv. NR. F. 72.8.S., gekauft von Slg. Peg Branyen (1943 erhalten bei der Scheidung von Y.R. Holkar, der seinerseits um 1933/34 die Skulptur vom Künstler erworben hatte).
33 Bach 1987, S. 493.
34 Durch deren Transportierung wurden bereits viele der Skulpturen beschädigt. Spear 1997, S. 102.
35 Beata Tworek-Matuszkiewicz, Spear 1997, S. 101.
36 Durch die Vielzahl an Skulpturen und deren Dokumentation lässt sich die Entwicklung der Thematik ableiten. Als Vorläufer gilt die Majastra (Abb. 9), deren Grundform zum Vogel (Abb. 10) und dem Vögelchen (Abb. 11) (eine kleine Serie) übergeht und deren Abschluss der im Vogel im Raum bildet.
37
38 Beata Tworek-Matuszkiewicz, Spear 1997, S. 101
schwarzer Marmor 39 gewählt; auch Gipsausführungen sind bekannt. Parallel zur Entwicklungslinie des Vogelthemas ist auch eine Entwicklung 40 des Sockels für die zugehörige Skulptur zu beobachten, die im Kapitel 2.3 dieser Arbeit eingehender untersucht wird.
2. Der Sockel: Ursprung und Entwicklung
In den Skulptur-Sockel-Kombinationen schimmert puristisch das Charisma des Künstlers wieder. Friedrich Teja Bach glaubt hier das Echo eines Weisen, weltentrückten Bauern erkennen zu können. 41 Doch was liegt wirklich im Ursprung der Gebilde?
2.1 Ikonographie und Funktion der Brâncusi-Sockel
Die Aufbauten bestehen meist aus mehreren Elementen die aus Holz oder anorganischen Materialen wie Bronze, Marmor oder anderen Steinen bestehen. Die Formgestaltung wird minimalistisch gehalten und hält sich an meist einfache geometrische Formen, wobei auch organisch anklingende Formgebungen nicht selten sind.
Der Hauptskulptur wurde bei der Ausarbeitung im Vergleich zum Sockel aber sichtbar grössere Sorgfalt gewidmet; die komplexe Kombination verschiedener Formen sowie die präzise Oberflächenbearbeitung verweist auf ein striktes Konzept, einen manifestierten Denkvorgang des Künstlers. Um die Form selbst zu finden war es für Brâncusi oft notwendig, sich jahrelang Studien mit unterschiedlichen Materialien und Proportionen zu widmen, aus denen nicht unbeachtliche Serien hervorgingen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Skulptur mit dem Namen Vogel im Raum, deren Perfektion ihn mehrere Jahrzehnte bis zu seinem Tod beanspruchte: I am always working on it. I have not 42
Als Verbindung zwischen Hauptskulptur und der realen Welt fungiert der Sockel, dessen Bearbeitung im Vergleich zur zu tragenden Figur augenfällig roh ausfiel. Brâncusi widmete dem Sockel aber nicht weniger Aufmerksamkeit; dieser gewinnt durch die Kombination aus verschiedenen Elementen an Charakter und gleicht mit Form, Komposition und Masse die Hauptskulptur wieder aus. Die nun entstandene Harmonie ist die Geburt des eigentlichen Werks; der Sockel ist hierbei der roh gearbeitete wenn auch fein durchdachte Katalysator, durch den das Hauptwerk funktioniert.
zwei Teilen gefertigt werden, die schlussendlich durch eine Metallstrebe verbunden wurden.
40 So wird beispielsweise für die Majastra oft mindestens einer der Sockel aus Holz hergestellt. Dieser wird bei späteren Vogelskulpturen kürzer, weniger skulptural. Ausserdem fiel die Materialwahl des Künstlers für die späteren Sockel zunehmend auf anorganische Materialien.
41 Bach 1987, S. 30.
42 Liberman 1974, S. 171.
Arbeit zitieren:
Lena Papailiou, 2010, Constantin Brâncusi, München, GRIN Verlag GmbH
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