Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Einleitung 1
1 Theoretische Grundlagen 3
1.1 Die Kreative Klasse 3
1.1.1 Theorie der Kreativen Klasse 3
1.1.2 Kreative Berufe nach Florida. 4
1.1.3 Studie von McGranahan Wojan. 6
1.2 Kreativität und Beruf. 8
1.2.1 Kreativität 8
1.2.2 Beruf und Berufsklassifizierung. 10
1.2.3 Kreativer Beruf. 12
1.2.4 Erkenntnisse zur Messung von Kreativität in Organisationen 13
1.2.5 Messung von kreativen Berufen. 15
1.3 Kreatives Potential. 17
1.3.1 Überblick Komponentenmodell 18
1.3.2 Kreativer Prozess 21
1.3.3 Kreativitäts- relevante Prozesse 22
1.3.4 Domänen-relevante Fähigkeiten. 24
1.3.5 Arbeitsmotivation 25
1.3.6 Arbeitsumfeld. 28
1.3.7 Messmöglichkeiten des Kreativen Potentials 34
1.4 Zwischenzusammenfassung 36
2 Empirische Sekundäranalysen. 36
2.1 Vorbemerkungen 37
2.1.1 Befragtenkreis und Datenerhebung. 37
2.1.2 Bearbeitung Daten für Analysezwecke 38
II
2.2 Empirische Abbildung der Kreativitätsmaße 39
2.2.1 Kreatives Potential 39
2.2.2 Kreatives Produkt 47
2.3 Analysen. 48
2.4 Ergebnisse 49
2.4.1 Kreative Berufsgruppen 49
2.4.2 Kreative Berufsuntergruppen 51
2.4.3 Vergleich Ergebnisse Berufsgruppen und- untergruppen. 53
2.5 Diskussion. 55
2.5.1 Konstruktvalidität der gemessenen Kreativität. 56
2.5.2 Konstruktvalidität der kreativen Berufe von Richard Florida. 65
2.5.3 Stärken und Schwächen der Sekundäranalyse. 69
3 Zusammenfassung. 72
4 Literaturverzeichnis 74
5 Anhang 82
Anhang 1: Hilfsvariablen und ausgeschlossene Items 82
Anhang 2: Übersicht Umkodierung Items 83
Anhang 3: Aus Analysen ausgeschlossene Berufsuntergruppen. 86
Anhang 4: Unkreative Berufsgruppen und -untergruppen 87
Anhang 5: Kreative Berufsgruppen des Produkts 89
Anhang 6: Kreative Berufsgruppen des Potentials. 89
Anhang 7: Komponenten der Berufsgruppen 90
Anhang 8: Kreative Berufsuntergruppen des Produkts. 93
Anhang 9: Kreative Berufsuntergruppen des Potentials. 95
Anhang 10: Komponenten der Berufsuntergruppen 97
III
Abkürzungsverzeichnis
BAuA Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung- und Forschung
bzw. beziehungsweise
CAT Consensual Assessment Technique
EM extrinsische Motivation
ILO International Labour Office
ISCO-88 Internationale Standardklassifikation der Berufe aus dem Jahr 1988
IM intrinsische Motivation
KldB 1988 Klassifizierung der Berufe der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr
1988
KldB 1992 Klassifizierung der Berufe des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 1992
O*NET Occupational Information Network
SEM synergetische extrinsische Motivation
SOC Standard Occupational Classification
u.a. unter anderem
z.B. zum Beispiel
IV
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: KREATIVITÄT NACH AMABILE
ABBILDUNG 2: KREATIVER BERUF.
ABBILDUNG 3: ERFASSUNGSPROBLEMATIK DURCH BEWERTUNG
ABBILDUNG 4: KURZFASSUNG DER KOMPONENTEN DES POTENTIALS.
ABBILDUNG 5: MESSMETHODIK DER DA.
ABBILDUNG 6: KOMPONENTENMODELL
ABBILDUNG 7: KONZEPTIONELLES MODELL, DEM KEYS ZUGRUNDE LIEGT.
ABBILDUNG 8: KURZVERSION ZUR ERMITTLUNG POTENTIELL KREATIVER BERUFE
V
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1: RICHARD FLORIDAS HILFSINDIKATOR 5
TABELLE 2: GLIEDERUNGSEBENEN DER ISCO-88. 10
TABELLE 3: ANGABEN ZUM "SKILL LEVEL" BEI ISCO-88. 11
TABELLE 4: BERUFSHAUPTGRUPPEN UND "SKILL LEVEL" DER ISCO-88 11
TABELLE 5: VORGABEN AMABILE UNTERSCHIEDLICHER KREATIVITÄTSNIVEAUS 20
TABELLE 6: ÜBERSICHT MESSINSTRUMENTE- STUDIE VON MUNO-DOYAGUE UND KOLLEGEN 35
TABELLE 7: ÜBERSICHT ITEMS ZUR MESSUNG KREATIVITÄTS- RELEVANTER PROZESSE. 40
TABELLE 8: ITEMS ZUR MESSUNG DER ARBEITSMOTIVATION. 42
TABELLE 9: ITEMS ZUR MESSUNG DOMÄNE-N RELEVANTER FÄHIGKEITEN. 45
TABELLE 10: ITEMS ZUR MESSUNG DES PRODUKTS 47
TABELLE 11: LISTE KREATIVER BERUFSGRUPPEN (AUS VERGLEICH PRODUKT UND POTENTIAL) 49
TABELLE 12: AUSPRÄGUNG PRODUKT UND 3 KOMPONENTEN DES POTENTIALS (BERUFSGRUPPE) 50
TABELLE 13: KREATIVE BERUFSUNTERGRUPPEN (AUS VERGLEICH PRODUKT UND POTENTIAL) 51
TABELLE 14: AUSPRÄGUNGEN BERUFSUNTERGRUPPEN 52
TABELLE 15: LISTE KREATIVER BERUFE IN DEUTSCHLAND 53
TABELLE 16: MAXIMALE UND MINIMALE AUSPRÄGUNG VON PRODUKT UND POTENTIAL IN BEIDEN
GLIEDERUNGSEBENEN 56
TABELLE 17: UNTERSCHIEDLICHE NIVEAUS KREATIVER BERUFSGRUPPEN 57
TABELLE 18: UNTERSCHIEDLICHE NIVEAUS BERUFSUNTERGRUPPEN 59
TABELLE 19: BERUFSGRUPPEN MIT UNKREATIVEN UNTERGRUPPEN 61
TABELLE 20: FINALE LISTE KREATIVER BERUFE IN DEUTSCHLAND 62
TABELLE 21: KREATIVE BERUFE NACH SOC UND ISCO-88 67
VI
Einleitung
Kreativität gilt in unserer Wissensgesellschaft als die Schlüsselressource, da sie den Ausgangspunkt von Innovationen und damit wirtschaftlichem Wachstum darstellt (Amabile et al., 1996; Heinze et al., 2009; Miron et al., 2004). Der amerikanische Ökonom Richard Florida argumentiert in seinem Buch The rise of the creative Class, dass die Kreative Klasse der Grund für zukünftiges urbanes und regionales Wirtschaftswachstum ist. Dies sind nach seiner Auffassung Menschen, deren ökonomischer Beitrag hauptsächlich im kreativen Arbeiten und Leben besteht. Um den Anteil von Kreativität in einer Region zu messen, bedient er sich seines Hilfsindikators, der kreativen Berufe (Florida, 2004). Jedoch wurde dieser bereits stark kritisiert und das Gros der Stimmen bezieht sich auf die mangelnde Validität der durch seine Berufe gemessenen Kreativität (Boschma & Fritsch, 2008; McGranahan & Wojan, 2007). Hierbei handelt es sich um ein generelles Problem der Kreativitätsforschung:
„One of the trickiest aspects of studying creativity is figuring out an appropriate way to measure the construct.“ (Kaufman et al., 2008, S.171)
Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Konstrukt Kreativität? Seit Jahrhunderten herrscht die romantische Vorstellung, dass es sich bei Kreativität um eine Fähigkeit von besonderen Menschen handelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren in der Psychologie Fallstudien von besonders erfolgreichen kreativen Individuen (z.B. Mozart oder Picasso) beliebt. Allmählich rückten dann normale Menschen in den Blickpunkt, deren Fähigkeiten zunächst in Laborstudien untersucht wurden. Den Ausgangspunkt der neueren Kreativitätsforschung stellt Guilfords erstmalig anerkannte Definition des Konstrukts aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts dar (Amabile, 1996, S.4; Bilton, 2007, S. 14; Preiser, 1986, S.1-15). Seitdem versuchten viele Psychologen unterschiedlicher Forschungsschwerpunkte, dieses komplexe Konstrukt theoretisch und empirisch zu erfassen (Simonton, 2000; Cropley, 2000). Heute wird der Begriff in der Öffentlichkeit inflationär verwandt (Preiser, 1986, S. 1). Als kreativ gelten nicht selten Menschen, die sich in einem Töpferkurs betätigen oder an Zeichenkursen teilnehmen. In der Wissenschaft herrscht zum jetzigen Zeitpunkt Konsens, dass Kreativität auf einem Prozess und der Interaktion von Person und Umwelt beruht (Amabile, 1996). Das Produkt dieses
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Prozesses ist zumeist eine neue und nützliche Idee, welche in unterschiedlichen Niveaus vorliegt (Amabile, 1996, S.33). Auf Grundlage dieser Erkenntnisse könnte die Konstruktvalidität Floridas kreativer Berufe überprüft werden. Deshalb besteht das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit (im Folgenden DA genannt) in der Beantwortung der Frage, ob Richard Floridas kreative Berufe tatsächlich Kreativität messen. Hierfür ist zunächst die Beantwortung folgender Teilfragen notwendig: (1) Welche Berufe werden von Florida als kreativ eingestuft? (2) Was verbirgt sich aus Sicht der Kreativitätsforschung hinter dem Konstrukt? (3) Eignen sich Berufe überhaupt zur Kreativitätsmessung? und (4) Wie kann man Kreativität messen?
Der Beantwortung dieser Teilfragen wird sich im ersten Teil der Arbeit zugewandt. Im Kapitel 1.1 wird zunächst ein Überblick über Floridas Verständnis von Kreativität, dessen kreative Berufe und die Kritiken an selbigen gegeben. Um die Validität seines Hilfsindikators zu überprüfen, wird sich in Kapitel 1.2 der zweiten Teilfrage gewidmet und eruiert, was sich hinter dem Konstrukt der Kreativität verbirgt. Daran anknüpfend wird die dritte Fragestellung beantwortet und gezeigt, warum sich Berufe zur Kreativitätsmessung eignen können. Nach einem kurzen Überblick über bisherige Messmethoden erfolgt die Darstellung des der DA zugrunde liegenden Vorgehens zur Erfassung kreativer Berufe. Dieses besteht in dem Abgleich des kreativen Produkts mit dem Potential. Als theoretisches Fundament für das Potential dient das von Amabile entwickelte Komponentenmodell, dessen Aspekte sowie Messmöglichkeiten im Kapitel 1.3 näher betrachtet werden. In Kapitel 1.4 werden die bisherigen Ausführungen zusammengefasst. Im zweiten Teil der DA erfolgen die empirischen Sekundäranalysen. Die Daten entstammen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2005/2006, einer Repräsentativbefragung von 20.000 Erwerbstätigen. In Kapitel 2.1 wird die Datengrundlage sowie deren Bearbeitung für die Sekundäranalysen dargestellt. Anschließend wird sich im Kapitel 2.2 der empirischen Abbildung des kreativen Potentials und Produkts gewidmet. In Kapitel 2.3 erfolgt die Darstellung des analytischen Vorgehens zur Ermittlung kreativer Berufe. Im darauf folgenden Kapitel werden die einzelnen Ergebnisse aufgeführt, woraus die Liste kreativer Berufe in Deutschland resultiert. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse hinsichtlich der Konstruktvalidität der in der Liste aufgeführten kreativen Berufe kritisch beleuchtet und auf dieser Grundlage mit den Tätigkeiten von Florida verglichen. Gleichzeitig werden Empfehlungen für zukünftige Erhebungen von Kreativität in einer Reihe von Berufen gegeben.
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1 Theoretische Grundlagen
Die vorliegende DA hat zum Ziel, die Konstruktvalidität der durch Floridas gemessene Kreativität zu überprüfen. Hierzu wird im Folgenden dargestellt, was Florida unter der Kreativen Klasse versteht und welche Berufe er benannte, um damit Kreativität in einer Region zu messen. Hierbei wird kurz beleuchtet, welchen Kritikpunkten sein Hilfsindikator ausgesetzt ist und eine amerikanische Studie näher betrachtet, welche die mangelnde Konstruktvalidität seiner Berufe aufgriff. Hieran schließt sich die Darstellung des Konstrukts der Kreativität aus Sicht der psychologischen und Organisationsforschung an. In diesem Zusammenhang wird die Verknüpfung der Konstrukte Kreativität und Beruf aufgezeigt und eruiert, was in der vorliegenden DA unter dem Synonym kreativer Beruf verstanden wird. Dabei werden Messmöglichkeiten und die in der DA verwandte Methode aufgeführt: Abgleich des kreativen Potentials mit dem Produkt. Im Anschluss erfolgt die ausführliche Darstellung des Zustandekommens kreativer Leistungen.
1.1 Die Kreative Klasse
In seinem Buch The Rise of the Creative Class beschreibt Richard Florida die Schlüsselrolle der Kreativen Klasse für urbanes und regionales
Wirtschaftswachstum. Im Folgenden soll zunächst ein Überblick über seine Theorie und somit sein Verständnis von Kreativität gegeben werden. Anschließend wird gezeigt, wie Florida Kreativität in einem Raum misst: über seinen Hilfsindikator der kreativen Berufe. Gleichzeitig wird die Kritik an jenem kurz aufgezeigt. Einen Kritikpunkt, die mangelnde Konstruktvalidität der Berufe, griffen amerikanische Wissenschaftler in einer Studie auf. Diese wird näher betrachtet und aufgezeigt, welche Studien sich in Deutschland bereits mit der Messung von Kreativität in einer Reihe von Berufen beschäftigten.
1.1.1 Theorie der Kreativen Klasse
Die Kreative Klasse ist nach Richard Florida eine Ansammlung von Menschen, welche besondere Merkmale aufweisen und für jene bezahlt werden. Er nimmt an, dass Kreativität vom Menschen kommt. Das Output der kreativen Arbeiter ist das Abgrenzungskriterium zur restlichen Bevölkerung. Dieses spezifiziert er
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dahingehend, dass ihre Tätigkeit auf die Ausbringung von neuen bedeutungsvollen Formen („create meaningful new forms“) gerichtet sei (Florida, 2004, S.68). Somit unterscheiden sie sich von der Arbeiter und -Serviceklasse, deren Hauptaufgabe in der Erfüllung bestimmter Pläne liegt und nicht im Kreieren von etwas Neuem (Florida, 2004, S.8). Hieraus wird deutlich, dass nicht ein Qualifikationslevel die Basis für die Zugehörigkeit zur Kreativen Klasse bildet, sondern was die Menschen wirklich tun (Boschma & Fritsch, 2009). Das Ergebnis der kreativ Tätigen stellen Innovationen dar, welche wiederum den wirtschaftlichen Aufschwung in bestimmten Regionen begründen (Boschma & Fritsch, 2009; Fritsch & Stützer, 2007; Florida, 2004). Auf seinen Hypothesen aufbauend, analysierte er mit entsprechenden Indikatoren über 200 Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die empirischen Ergebnisse bestätigen den positiven Zusammenhang von Kreativer Klasse und Wirtschaftswachstum in den Regionen (Florida, 2004, S.235-266). Zur empirischen Abbildung der Kreativen Klasse nutzte er seinen Hilfsindikator: eine Aufstellung kreativer Berufe.
1.1.2 Kreative Berufe nach Florida
Zur Messung von Kreativität in einer Region wählte Florida bestimmte Berufe, welche er in zwei Gruppen unterteilte: den Hochkreativen Kern („Super-Creative Core“) sowie die kreativen Fachmänner („creative professionals“). Das
Unterscheidungsmerkmal beider Gruppen ist ihre Hauptaufgabe und daher deren Einfluss auf die ökonomische sowie technische Entwicklung.
Der Hochkreative Kern nimmt dabei eine höhere Stellung ein als die kreativen Fachmänner. Individuen, welche zu dieser Gruppe zählen, sind vollständig im kreativen Prozess involviert und produzieren neue Formen. In ihrer täglichen Arbeit finden Sie primär Lösungen für bestehende Probleme, die weitreichend nutzbar sowie transferierbar sind (Florida, 2004, S.68; Fritsch & Stützer, 2007). Personen, auf die diese Merkmale zutreffen, umfassen folgende Berufsbezeichnungen: „[…]scientists and engineers, university professors, poets and novelists, artists, entertainers, actors, designers and architects, as well as the thought leadership of modern society: nonfiction writers, editors, cultural figures, think-tank researchers, analysts and other opinion makers […] software programmers or […] filmmakers.“ (Florida, 2004, S.68). Diesen Berufen des Hochkreativen Kerns folgen jene der
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Kreativen Fachmänner, welche die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen. Ihre Hauptaufgabe besteht im Gegensatz zur ersten Gruppe nicht im Produzieren von neuen Formen. Vielmehr ist ihre Tätigkeit darauf ausgerichtet, spezifische Probleme in ihren alltäglichen Situationen zu lösen. Sie kombinieren gewohnte Denkweisen und probieren von Zeit zu Zeit etwas Neues aus. Diese Berufe erfordern ein hohes Maß an formaler Bildung (Florida, 2004, S.68; Fritsch & Stützer, 2007). Sie umfassen Personen, welche in den folgenden wissensintensiven Industrien tätig werden: „[…] high- tech sectors, financial services, the legal and health care professions, and business management.“ (Florida, 2004, S.68). Die Grenzen zwischen den beiden Gruppen der Kreativen Klasse sind beiderseitig offen. Sollte sich die Hauptaufgabe eines Subjektes ändern, steigt es entweder auf bzw. ab. Äquivalent verhält es sich mit anderen Erwerbstätigen. Mitglieder der Service- oder Arbeiterklasse können ebenso in die Kreative Klasse aufsteigen, wenn sich deren Umfang an kreativen Tätigkeiten erweitert (Florida, 2004, S.69-71). Es ist evident, dass Floridas Annahmen darin bestehen, dass grundsätzlich jeder Mensch kreativ ist, aber sich das Niveau der neuen und bedeutungsvollen Formen unterscheidet.
Zur empirischen Abbildung seiner kreativen Berufe wählte er bestimmte Berufsgruppen des Standard Occupational Classification (SOC) Systems aus, welche der Tabelle 1 zu entnehmen sind (Florida, 2004, S.328).
Tabelle 1: Richard Floridas Hilfsindikator
Computer and mathematics occupations
Architecture and engineering occupations Life, physical and social science occupations Education, training and library occupations Arts, design, sport and entertainment occupations Creative professionals Management occupations Business and financial operations occupations Legal occupations
Healthcare practioners and technical occupations High-end sales
Seine Analysen ergaben für den amerikanischen Raum einen Anteil von 30,0 % der Kreativen Klasse an der gesamten Arbeiterschaft. (Florida, 2004, S.330). Aus einer Studie von 2004, die den Raum Europas in 14 Ländern untersuchte ging hervor, dass der Anteil der Kreativen in Deutschland 18,7% beträgt (Florida & Tinagli, 2004).
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Fritsch und Stützer (2007) ermittelten in ihrer Studie einen Anteil von 12,1 % der Personen in Deutschland, die in einem kreativen Beruf beschäftigt sind. Jedoch beruht diese Zahl auf einer Statistik, die lediglich drei Viertel aller Erwerbstätigen in Deutschland erfasst (Fritsch & Stützer, 2007).
Hinsichtlich seines Hilfsindikators der Kreativen Klasse wurde Florida bereits von mehreren Seiten stark kritisiert (Boersma & Fritsch, 2009; Glaeser, 2005; Fritsch & Stützer, 2007; Mc Granahan & Wojan, 2007). Die kritischen Stimmen beziehen sich vor allem auf die Konstruktvalidität der durch seine Berufe gemessenen Kreativität. Zum einen wird kritisiert, dass seine genannten Berufe ein hohes kognitives Niveau erfordern und er deshalb im Grunde nur hohe Bildungsabschlüsse misst. Deshalb erhebe er im Grunde Humankapital und nicht Kreativität (Glaeser, 2005; Fritsch & Stützer, 2007). Zum anderen wird die Wahl der Berufsgruppen auf Grundlage der SOC kritisiert, welche ein hohes Maß an Kreativität erfordern sollen. Diese Gruppen entsprechen jedoch nicht Eins zu Eins der tatsächlich zugrunde liegenden Tätigkeit, sondern stellen Zusammenfassungen von verschiedenen Beschäftigungen dar. Deshalb wird kritisiert, dass die Berufsgruppen nach der SOC zu weit gefasst sind und dadurch Berufe erfassen, welche im Grunde nicht das Konstrukt der Kreativität messen (McGranahan & Wojan, 2007).
1.1.3 Studie von McGranahan & Wojan
Die mangelnde Konstruktvalidität der kreativen Berufe versuchten amerikanische Wissenschaftler aufzulösen, um den Einfluss der Kreativen Klasse auf das Wirtschaftswachstum in ländlichen Gegenden zu untersuchen (McGranahan & Wojan, 2007). Floridas Liste fungierte als Grundlage, um hierauf zwei Filter zur Erhöhung der Konstruktvalidität der kreativen Berufe anzuwenden: (a) geringe Kreativitätsausprägung sowie (b) primäre Funktion in der ökonomischen Reproduktion. Im Folgenden wird in Hinblick auf die Zielstellung der vorliegenden DA das Vorgehen des ersten Filters näher betrachtet.
Der erste Filter umfasste den Vergleich der von Florida benannten kreativen Berufe mit denen von McGranahan und Wojan empirisch ermittelten Tätigkeiten. Zur Messung von Kreativität in einer Reihe von Berufen nutzten sie Daten aus einem amerikanischen Berufsinformationsnetzwerk (O*NET), welches u.a. detaillierte
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Informationen von mehr als 1000 Berufen liefert. Grundlage für ihre Analysen bildete das „Thinking Creatively“ Item: „What decisions are made and problems solved in performing this job? […] developing, designing or creating new applications, ideas, relationships, systems or products, including artistic contributions„ (McGranahan & Wojan, 2007, S.200; O*NET Resource Center, 2010, S.21). Dieses operationalisierte die selbstberichtete Kreativität, ergo das kreative Produkt oder Output der Erwerbstätigen, indem jene ihre kreative Leistung auf einer Skala von eins bis sieben einordneten. Ihre Analysen bezogen sich auf Berufsgruppen und -untergruppen. Die Ergebnisse zeigten unterschiedliche Kreativitätsausprägungen innerhalb der verschiedenenTätigkeiten. Die Gruppen und Untergruppen, welche sie aufgrund ihres hohen Wertes als kreativ einstuften, verglichen sie mit jenen der Kreativen Klasse. Hierdurch konnten die Berufe Farmer und Farmmanager,
Betriebsspezialisten, andere Finanzspezialisten sowie Techniker aus den Bereichen Natur,- Sozial- und Biowissenschaft aufgrund zu geringer Kreativitätsausprägungen ausgeschlossen werden (McGranahan & Wojan, 2007). Deshalb deuten die Ergebnisse an, dass die Kritik der mangelnden Konstruktvalidität der von Florida als kreativ postulierten Berufe berechtigt ist.
Die angewandte Messmethode (Verwendung eines Items) beinhaltet jedoch die Gefahr der subjektiven Verzerrung der gemessenen Kreativität. Dies liegt zum einen an der Möglichkeit der Erfassung des sozialen Erwünschtheits-Bias. Das bedeutet, dass sich die Erwerbstätigen bei ihrer Einschätzung von einem gewünschten Zustand lenken lassen könnten, wodurch nicht der reale Zustand abgebildet werden würde (Shalley et al., 2000). Weiterhin ist die Bezeichnung „Thinking Creatively“ kritisierbar, da sich hinter Kreativität weit mehr als kreatives Denken verbirgt (Amabile, 1996, S.3-7; Runco, 2008).
Die Literaturrecherche für die vorliegende DA ergab, dass in Deutschland bisher noch keine ähnliche Liste kreativer Berufe existiert, welche auf empirischen Analysen beruht. Lediglich in einer Studie von Kirchgeorg & Kästner (2010) wurde das kreative Potential von Berufen in Deutschland gemessen. Das Ziel der Studie bestand darin, aus den gewonnenen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen für Arbeitnehmer zur besseren Ausschöpfung des Kreativitätspotentials ihrer Arbeitnehmer zu geben. Hieraus resultierte jedoch keine Liste kreativer Berufe (Kirchgeorg & Kästner, 2010). Somit stellt die vorliegende DA den ersten Versuch dar, eine solche Liste in
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Deutschland auf Grundlage empirischer Daten aufzustellen. Die von McGranahan und Wojan verwandte Messmethodik wird dabei aufgegriffen und erweitert.
1.2 Kreativität und Beruf
Im vorangegangenen Kapitel wurde dargestellt, mit welchem Kreativitätsverständnis Richard Florida die Existenz seiner Klasse legitimiert und wie amerikanische Wissenschaftler die Konstruktvalidität der kreativen Berufe aufzulösen versuchten. Im Folgenden soll sich dem Konstrukt aus der Perspektive der Kreativitätsforschung angenähert werden. Da das Themenfeld überaus breit ist, wird sich hier auf den anerkannten Ansatz aus dem Bereich der Organisationsforschung bezogen. Anschließend wird die Verknüpfung der Konstrukte Kreativität und Beruf dargestellt sowie eruiert, was in der vorliegenden DA unter dem Synonym kreativer Beruf verstanden wird. Dabei werden Messmöglichkeiten und die in der DA verwandte Methode aufgeführt: Abgleich des kreativen Potentials mit dem Produkt. Im Anschluss erfolgt die ausführliche Darstellung des Zustandekommens kreativer Leistungen.
1.2.1 Kreativität
Obgleich in den letzten Jahrzehnten mehr als 9000 publizierte Arbeiten zum Thema entstanden, existiert bis zum heutigen Zeitpunkt keine allgemeine Definition des Begriffes der Kreativität (Prabhu et al., 2008; Batey & Furnham, 2006). Vielmehr bestehen verschiedene Definitionen entsprechend des jeweiligen
Forschungsschwerpunktes (Amabile 1996, S.3-7; Heinze et al., 2009). Die bekanntesten Teilaspekte der Kreativitätsforschung („4p“) umfassen das kreative Produkt („product“), die kreative Person („person“), kognitive Prozesse („process“) sowie die kreative Umwelt („press“) (Batey & Furnham, 2006; Cropley, 2000; El-Murad & West, 2004; Ivcevic, 2009; Preiser, 1986, S.35-75). Über die verschiedenen Bereiche hinweg herrscht Konsens, dass es sich bei Kreativität um etwas neues und nützliches handelt (Heinze et al., 2009; James et al., 2004; Sternberg & Lubart, 1999).
Auch bei Amabile (1996) kommt dieser Aspekt zum tragen. Sie definiert Kreativität als das Produkt aus der Interaktion von Person und Umwelt, was in der Fachlektüre
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als sozial-psychologische Perspektive verstanden wird (Amabile, 1996, S.3-7). Ein Produkt ist dann als kreativ zu bezeichnen, wenn es neu und angebracht, nützlich, korrekt oder wertvoll in Bezug auf die zugrunde liegende Aufgabe ist. Zudem muss das zugrunde liegende Problem heuristischen Charakter aufweisen (Amabile, 1996, S.35). Sie versteht unter einer heuristischen Tätigkeit eine offene und schlecht strukturierte Aufgabe, bei der kein direkter Denkpfad für eine Lösung feststeht. Das Gegenstück stellen algorithmische Aufgaben dar. Der Umfang des kreativen Produkts bemisst sich nach der Bewertung geeigneter Personen, welche unabhängig voneinander in ihrem Urteil bezüglich des Kreativitätsniveaus übereinstimmen (Amabile, 1996, S.35-37). Hieraus wird deutlich, dass die Umwelt das Niveau der Kreativität bestimmt. Amabile (1996) schließt zudem ein, dass nicht allein das Produkt, sondern auch der Prozess von geeigneten Beobachtern als kreativ bezeichnet werden kann. In der folgenden Abbildung sind die getroffenen Aussagen zum besseren Verständnis graphisch dargestellt.
Abbildung 1: Kreativität nach Amabile
Zur Beantwortung der Frage, ob Richard Florida mit seinen Berufen tatsächlich Kreativität misst, wird sich in der DA auf die Auffassungen von Amabile berufen. Erstens, da ihr Verständnis von Kreativität als anerkannt im Bereich der Organisationsforschung gilt (Gumusluoglu & Ilsev, 2009; Shalley et al., 2000). Zweitens eignen sich ihre Vorstellungen aufgrund des Produktcharakters von Kreativität, da eine Idee als Ausgangspunkt von Innovationen gilt und als Motor für Wirtschaftswachstum anerkannt ist (Amabile et al., 1996; Madjar et al., 2002; Fritsch
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& Stützer, 2007). Innovation wird in der DA verstanden als die erfolgreiche Implementierung neuer Ideen (Miron et al., 2004). Drittens wird aus Amabiles Begriffsbestimmung deutlich, dass es sich bei Kreativität um ein Produkt mit universellem Charakter handelt. Folglich sind kreative Leistungen in jedem Beruf möglich (James et al., 2004; Shalley et al., 2000).
1.2.2 Beruf und Berufsklassifizierung
Unter einem Beruf versteht man eine auf Dauer angelegte spezialisierte Tätigkeit, welche auf dem Kenntnisstand, Fertigkeiten sowie Erfahrungen einer Person aufbaut (Seißinger, 2008; Tiemann et al., 2008). Folglich grenzen sich Berufe durch die Art der Tätigkeit voneinander ab. Dies bildet zugleich die Grundlage von Berufsklassifizierungen (Tiemann et al., 2008). Die Vielzahl der deutschen Berufe wird derzeit durch zwei nationale und ein internationales Klassifikationssystem geordnet. Bei den zwei nationalen Ordnungssystemen handelt es sich zum einen um die „Klassifizierung der Berufe“ des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 1992 (KldB1992) und zum anderen um die „Klassifizierung der Berufe“ der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 1988 (KldB1988). Beim internationalen System handelt es sich um die Internationale Standardklassifikation der Berufe des „International Labor Office“ aus dem Jahr 1988 (ISCO-88) (Hartmann & Schütz, 2006, S.5). Da in der DA der Vergleich der deutschen mit den amerikanischen Berufen erfolgen soll, wird sich auf die ISCO-88 berufen. Nach Elias (1997) baut die hierarchische Systematik der ISCO-88 auf der Zusammenfassung aller Tätigkeiten zu Berufen auf. Die Rangordnung resultiert in der Folge aus zwei Kriterien: (1) dem Ähnlichkeitsgrad der Tätigkeit sowie (2) dem, in diesem Gebiet erforderlichen speziellen Wissen (skill specialisation) sowie dem Komplexitätsgrad der zugrunde liegenden Aufgabe (skill level). Aus der Zusammenfassung nach dem Ähnlichkeitsgrad der Tätigkeiten zu Berufen resultieren vier Gliederungsebenen, die der Tabelle 2 zu entnehmen sind.
Tabelle 2: Gliederungsebenen der ISCO-88
Quelle: International Labour Office, 2010 und Warwick Institute for Employment Research, 2010.
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Auf der obersten Gliederungsebene befinden sich die Berufshauptgruppen. Diese (und somit auch den darunter liegenden Ebenen) werden entsprechend dem „skill level“ -dem in diesem Gebiet erforderlichen speziellen Wissen sowie dem Komplexitätsgrad der zugrunde liegenden Aufgabe- sortiert (Elias, 1997, S.6). Die ISCO-88 umfasst dabei vier Fähigkeits-Ebenen, welche Aussagen über das jeweilige Niveau eines Berufs zulassen. Entsprechend diesem Fähigkeitsgrad werden die Tätigkeiten hierarchisch angeordnet, wie der Tabelle 3 zu entnehmen ist.
Tabelle 3: Angaben zum "skill level" bei ISCO-88
Quelle: Elias, 1997, S.7 (Tabelle 1).
Hieraus resultiert die hierarchische Anordnung der Berufsgruppen von “1. Legislators, senior officials and managers” bis „10. Armed forces“, welche in Tabelle 4 dargestellt sind.
Tabelle 4: Berufshauptgruppen und "skill level" der ISCO-88
Wie hieraus deutlich wird, wurden die ersten und letzt aufgeführten Berufsgruppen keinem „skill level“ zugeordnet. Dies wird von Elias (1997) damit begründet, dass der Aufgabenbereich der ersten Berufshauptgruppe als zu umfangreich gilt, um jene direkt einem speziellen Fähigkeitslevel zuzuordnen. Bei der letzten
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Berufshauptgruppe war der Mangel an notwendigen Informationen der Grund, weshalb eine statistische Klassifikation nicht erfolgte (Elias, 1997, S.7).
1.2.3 Kreativer Beruf
Wie aus der Berufsdefinition deutlich wird, ist die Tätigkeit das Produkt aus den Kenntnissen und praktischen Fertigkeiten. Nach der Definition von Amabile ist die u.a. neue und nützlich bewertete Idee die Antwort auf eine zugrunde liegende Aufgabe. Deshalb scheint die Messung von unterschiedlichen Kreativitätsniveaus in einer Reihe von Berufen möglich, da die Tätigkeit das kreative Produkt darstellt, deren unterschiedliche Niveaus aus der externen Bewertung resultieren. In Abbildung 2 ist der Zusammenhang der beiden Konstrukte Kreativität und Beruf dargestellt.
Abbildung 2: Kreativer Beruf
Allerdings beinhaltet der Berufsbegriff aufgrund des Einschlusses der Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten zwei weitere Aspekte von Kreativität. Diese werden im Komponentenmodell von Amabile dargestellt, welches das kreative Potential -ergo das Zustandekommen des Produkts- beschreibt (Amabile, 1996, S.81-131). Der Berufsbegriff überschneidet folglich unterschiedliche Kreativitätsdimensionen. In Hinblick auf die zugrunde liegende Zielstellung, der Messung von kreativen Berufen, liegt der Fokus auf der Messung des Produkts.
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Von einem kreativen Beruf kann in der vorliegenden Arbeit gesprochen werden, wenn ein bestimmtes Kreativitätsniveau vorliegt. Amabile (1996) trifft hierzu die Aussage, dass es insgesamt drei unterschiedliche Niveaus gibt: hoch, mittel und niedrig. In der DA wird festgelegt, dass man bei Ausprägung eines mittleren sowie hohen Rangs von einem kreativen Beruf sprechen kann. Die hierdurch ermittelten Tätigkeitsbereiche spiegeln in der Folge ein bestimmtes Kreativitätsniveau wider. Deshalb kann an dieser Stelle festhalten werden, dass die Messung des Konstrukts der Kreativität durch kreative Berufe möglich scheint. Im Folgenden soll nun untersucht werden, wie man Kreativität in den Berufen messen kann.
1.2.4 Erkenntnisse zur Messung von Kreativität in Organisationen
Kreativität in Organisationen (Kreativität von Mitarbeitern am Arbeitsplatz) ist ein junges Forschungsfeld, welches erst Ende der 80er Jahre begann und auf den Erkenntnissen aus der Psychologie aufbaute. Das Gros der empirischen Studien basiert zum einen auf Laborstudien, die das Verhalten von Probanden untersuchen und zum anderen in Organisationen durchgeführten Feldstudien (Shalley & Zhou, 2008, S.16-21). Das gebräuchlichste und anerkannte Instrument zu Messung von Kreativität stellt die „consensual assesment technique“ (CAT) von Amabile dar (Kaufman et al., 2008; Shalley & Zhou, 2008, S.17). Diese lehnt sich an das in Kapitel 1.2.1 aufgeführte Verständnis von Kreativität an. In ihren ursprünglichen Studien ließ Amabile Probanden z.B. Gedichte erstellen und Lehrer, Experten sowie Mitglieder der sozialen Gruppe das Ausmaß der Kreativität dieser Produkte bewerten. Infolge dieser externen Gutachten konnten unterschiedliche Niveaus von Kreativität ermittelt werden (Amabile, 1996, S.41-81). Die Konstruktvalidität der CAT wurde in zahlreichen empirischen Studien belegt (z.B. Gumusluoglu & Ilsev, 2009; Kaufman et al., 2008; Ruscio et al., 1998).
An dieses Prinzip knüpft die gewöhnlichste Messmethode bei Feldstudien an. Dies ist eine subjektive Messmethode, bei der die Kreativität von Mitarbeitern durch ihre Vorgesetzten bewertet wird. Hierbei müssen die Vorgesetzten die kreative Leistung ihrer Mitarbeiter auf Skalen einschätzen. Die dabei verwandten Items überschneiden sich inhaltlich (z.B. hinsichtlich der Ideengenerierung), aber unterscheiden sich aufgrund von bestimmten Berufstypen (z.B. Forscher vs. Berufe, die ein geringes Kreativitätsniveau erfordern) (Shalley & Zhou, 2008, S.18-20). Dies bedeutet, dass
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die Messinstrumente auf bestimmte Berufstypen zugeschnitten sind. Es ist offensichtlich, dass diese Messinstrumente für die vorliegende DA nicht genutzt werden können, da sie bereits von Vornherein bestimmte Berufe als besonders kreativ klassifizieren. Shalley und Zhou (2008) führen noch objektivere, oft genutzte Methoden zur Messung von Kreativität am Arbeitsplatz in Feldstudien auf: „[…] number of patents, patent disclosures, technical reports and research papers, and ideas submitted to organizational suggestion systems“ (Shalley & Zhou, 2008, S.19). Bei diesen Messmethoden gilt jedoch die Einschränkung, dass sie Berufe ausschließen, deren Arbeitsleistung nicht in z.B. Patenten mündet. (Shalley & Zhou, 2008, S.20). Daher sind auch diese Messmethoden für die vorliegende DA nicht geeignet, da hierdurch z.B. Berufe aus dem sozialen Bereich unterrepräsentiert werden würden.
Aus Kapitel 1.1.3 wurde bereits deutlich, wie amerikanische Wissenschaftler Kreativität in den Berufen gemessen hatten: durch Nutzung selbstberichteter Kreativität. Die angewandte Messmethode (Verwendung eines Items) beinhaltet jedoch die Gefahr der subjektiven Verzerrung der gemessenen Kreativität. Dies liegt zum einen an der Möglichkeit der Erfassung des sozialen Erwünschtheits-Bias. Das bedeutet, dass sich die Erwerbstätigen bei ihrer Einschätzung von einem gewünschten Zustand lenken lassen könnten, wodurch nicht das reale Verhältnis abgebildet werden würde (Shalley et al., 2000). Weiterhin ist die Bezeichnung „Thinking Creatively“ kritisierbar, da sich hinter Kreativität weit mehr als kreatives Denken verbirgt (Amabile, 1996, S.3-7; Runco, 2008). Auch in anderen Studien aus dem Bereich der psychologischen und- Organisationsforschung wurde das Konstrukt durch das selbstberichtete Produkt erhoben, jedoch flossen hierbei mehrere Items in die Messung ein (Oldham & Cummings, 1996; Prabhu et al., 2008; Rice, 2006; Shalley et al., 2000; 2009; Suh, 2002). Da die der DA zugrunde liegenden Feldstudie des BIBB/ BAuA lediglich ein Item zur Messung des Neuheitsgrads einer Idee beinhaltet, wird die empirische Abbildung des Produkts durch die Messung des Potentials ergänzt.
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1.2.5 Messung von kreativen Berufen
In der vorliegenden DA wird zunächst an die subjektive Messmethode der selbstberichteten Kreativität angeknüpft. Die theoretische Grundlage bildet hierbei Amabiles Auffassung des kreativen Produkts. Infolge der in der DA angestrebten Messmethode wird jedoch die externe Bewertung, welche anerkannt objektiv die unterschiedlichen Kreativitätsniveaus bestimmt, durch die interne ersetzt, was der folgenden Abbildung zu entnehmen ist.
Abbildung 3: Erfassungsproblematik durch Bewertung
Um den Gefahren der subjektiven Verzerrung der gemessenen Kreativität entgegen zu wirken, erfolgt der Vergleich mit dem Potential, da hierfür mehr Items in die Analysen eingehen und folglich ein höherer Aussagegehalt der Ergebnisse zu erwarten ist. Da jenes (als Komponentenmodell dargestellt) in Kapitel 1.3 ausführlich behandelt wird, wird an dieser Stelle lediglich ein kurzer Überblick gegeben. Nach Amabile (1996) erklärt das Komponentenmodell das Zustandekommen des Produkts, ergo die Interaktion von Person und Umwelt. Kreativität ist das Resultat aus dem kreativen Prozess, auf den drei Komponenten wirken. Diese umfassen die Domänenrelevanten Fähigkeiten, Kreativitäts-relevanten Prozesse sowie die Arbeitsmotivation. Die Abbildung 4 soll als Überblick der Komponenten dienen, deren ausführliche Darstellung in den Kapiteln 1.3.1 bis 1.3.4 erfolgt.
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Abbildung 4: Kurzfassung der Komponenten des Potentials
Die unterschiedliche Ausprägung der einzelnen Komponenten führt zu unterschiedlichen Kreativitätsniveaus: hoch, mittel und niedrig (Amabile, 1996, S.83-107). Deshalb wird in der DA die Messung der einzelnen Komponenten angestrebt, welche nach Amabile Rückschlüsse auf das Kreativitätsniveau zulassen. Hierbei wird ein höherer Aussagegehalt der Ergebnisse erwartet, da mehrere Aspekte von Kreativität in die Messung einfließen. Das hierdurch ermittelte Niveau wird mit jenem des Produkts verglichen, was in Abbildung 5 dargestellt ist. Dies hat drei Beweggründe: Erstens bildet das Produkt die tatsächliche erbrachte Leistung des Erwerbstätigen ab und aus dem Potential können lediglich Rückschlüsse auf das letztendliche Produkt gezogen werden. Der Abgleich fungiert theoretisch als Gegentest, ob die Voraussetzungen der Kreativitätsleistung auch tatsächlich in jener münden. Zweitens werden mit der Erhebung des Potentials zwei weitere Aspekte des Berufsbegriffs erfasst. Folglich wird hiermit das Konstrukt des Berufs empirisch umfassender abgebildet. Drittens müsste der Aussagegehalt der ermittelten kreativen Berufe erhöht werden, da aus dem Vergleich der Ergebnisse der subjektiven mit der objektiveren Messmethode ein höherer Aussagegehalt zu erwarten ist.
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Arbeit zitieren:
Peggy Kelterborn, 2010, Ermittlung Kreativer Berufe in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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