Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis VI
1 Einleitung 1
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung 4
2.1 Ursprüngliche Fassung 4
2.1.1 Der intraindustrielle Ansatz 7
2.1.2 Der interindustrielle Ansatz 8
2.1.3 Der interregionale Ansatz 9
2.2 Die Kojima-Erweiterungen 9
2.2.1 Handelsfördernde FDI 11
2.2.2 Die vereinbarte Spezialisierung 12
3 Die wirtschaftliche Entwicklung Ostasiens nach dem Gänseflugmodell 14
3.1 Beschreibung der Rohdaten 14
3.2 Struktur der komparativen Vorteile in Ostasien 16
3.2.1 Der Revealed Comparative Advantage Index 16
3.2.2 Die Verlagerung der komparativen Vorteile in Ostasien 17
I
3.2.2.1 SITC-Gruppe 0 18
3.2.2.2 SITC-Gruppe 1 19
3.2.2.3 SITC-Gruppe 2 21
3.2.2.4 SITC-Gruppe 3 22
3.2.2.5 SITC-Gruppe 4 23
3.2.2.6 SITC-Gruppe 5 24
3.2.2.7 SITC-Gruppe 6 26
3.2.2.8 SITC-Gruppe 7 27
3.2.2.9 SITC-Gruppe 8 29
3.2.2.10 SITC-Gruppe 9. 30
3.3 Ostasien und FDI 32
3.3.1 Ostasien als Empfänger von FDI 32
3.3.2 Die Rolle der japanischen FDI in Ostasien 34
a. Nicht-verarbeitende Industrien 37
b. Verarbeitende Industrien 42
3.4 Die vereinbarte Spezialisierung 50
4 Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse 53
5 Fazit und Ausblick 59
A Anhang 62
A.1 Internationaler Warenverzeichnis für den Außenhandel 62
A.2 Exportvolumen und RCA-Index ausgewählter Länder 1985-2004 66
Literaturverzeichnis 76
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2.1
Das Gänseflugmodell der ökonomischen Entwicklung. Grundstruktur ……………….. 6 Abbildung 2.2
Die moderne Fassung des Gänseflugmodells .………………………. ………………. 10 Abbildung 2.3
Die Kojima-Erweiterungen des Gänseflugmodells ..……………………………….… 13 Abbildung 3.1
SITC-Gruppe 0: Der RCA-Index 1985-2004 ……………...…………………………. 18 Abbildung 3.2
SITC-Gruppe 1: Der RCA-Index 1985-2004 ………………………………………… 20 Abbildung 3.3
SITC-Gruppe 2: Der RCA-Index 1985-2004 ………………………………………….21 Abbildung 3.4
SITC-Gruppe 3: Der RCA-Index 1985-2004 …………………………...……………. 22 Abbildung 3.5
SITC-Gruppe 4: Der RCA-Index 1985-2004 ……………………………...…………. 24 Abbildung 3.6
SITC-Gruppe 5: Der RCA-Index 1985-2004 ……………………………………….... 25 Abbildung 3.7
SITC-Gruppe 6: Der RCA-Index 1985-2004 ………………………………………… 26 Abbildung 3.8
SITC-Gruppe 7: Der RCA-Index 1985-2004 ………………………………………… 28 Abbildung 3.9
SITC-Gruppe 8: Der RCA-Index 1985-2004 ………………………………..………. 29 Abbildung 3.10
SITC-Gruppe 9: Der RCA-Index 1985-2004 ………………………………………… 31 Abbildung 3.11
SITC-Gruppen 0-9: Der RCA-Index Japans 1985-2004 ………………………...…… 52
III
Tabellenverzeichnis
Tabelle 3.1
Entwicklung der FDI-Bestände in und FDI-Zuflüsse nach Ostasien ………………… 33 Tabelle 3.2
Quellen von FDI-Zuflüssne in ausgewählten Ländern Ostasiens ……………….....… 34 Tabelle 3.3
Japanische FDI-Zuflüsse in ausgewählten Ländern Ostasiens ................... ………….. 36 Tabelle 3.4
Japanische FDI-Zuflüsse. Hong-Kong, nicht-verarbeitende Industrien ….................... 37 Tabelle 3.5
Japanische FDI-Zuflüsse. Singapur, nicht-verarbeitende Industrien …......................... 37 Tabelle 3.6
Japanische FDI-Zuflüsse. Indonesien, nicht-verarbeitende Industrien …..................... 38 Tabelle 3.7
Japanische FDI-Zuflüsse. V. R. China, nicht-verarbeitende Industrien ….................... 39 Tabelle 3.8
Japanische FDI-Zuflüsse. Thailand, nicht-verarbeitende Industrien …......................... 39 Tabelle 3.9
Japanische FDI-Zuflüsse. Malaysia, nicht-verarbeitende Industrien …........................ 40 Tabelle 3.10
Japanische FDI-Zuflüsse. R. Korea, nicht-verarbeitende Industrien …......................... 40 Tabelle 3.11
Japanische FDI-Zuflüsse. Philippinen, nicht-verarbeitende Industrien …..................... 41 Tabelle 3.12
Japanische FDI-Zuflüsse. Vietnam, nicht-verarbeitende Industrien …......................... 41 Tabelle 3.13
Japanische FDI-Zuflüsse. V. R. China, verarbeitende Industrien …............................. 43 Tabelle 3.14
Japanische FDI-Zuflüsse. Thailand, verarbeitende Industrien ….................................. 44
IV
Tabelle 3.15
Japanische FDI-Zuflüsse. Indonesien, verarbeitende Industrien …............................... 45 Tabelle 3.16
Japanische FDI-Zuflüsse. Malaysia, verarbeitende Industrien ….................................. 46 Tabelle 3.17
Japanische FDI-Zuflüsse. Singapur, verarbeitende Industrien ….................................. 47 Tabelle 3.18
Japanische FDI-Zuflüsse. R. Korea, verarbeitende Industrien ….................................. 47 Tabelle 3.19
Japanische FDI-Zuflüsse. Hong-Kong, verarbeitende Industrien …............................. 48 Tabelle 3.20
Japanische FDI-Zuflüsse. Philippinen, verarbeitende Industrien ….............................. 49 Tabelle 3.21
Japanische FDI-Zuflüsse. Vietnam, verarbeitende Industrien ….................................. 50
V
Abkürzungsverzeichnis
a. n. g. anderweitig nicht gekennzeichnet
ASEAN Association of South East Asian Nations
bzw. beziehungsweise
EDV Elektronische Datenverarbeitung
EU Europäische Union
FDI Foreign Direct Investment
FG Flying Geese
HK Hong-Kong
JPY Japanischer Yen
Mill. Millionen
MNU Multinationale Unternehmen
NIEs Newly Industrialized Economies
o. g. oben genannte(r)
R. Republik
RCA Revealed Comparative Advantage
Sing. Singapur
SITC Standard International Trade Classification
u. a. unter anderem
US United States
USA Die Vereinigten Staaten
V. R. Volksrepublik
Vgl. Vergleiche
VI
1 Einleitung
1 Einleitung
Die Welt hat nach dem zweiten Weltkrieg auf wirtschaftlicher Ebene mehrere Erfolgsgeschichten erlebt, darunter drei asiatische: der japanische Aufstieg direkt nach dem Krieg, das rapide ökonomische Aufholen der asiatischen Newly Industrialized Economies (NIEs) und das chinesiche Wunder, welches seit ein paar Jahren in Vorbereitung ist. Die erste Frage, die sich stellt, ist wieso stammen all diese Länder aus Ostasien? Und was erklärt die fast ähnliche industrielle Entwicklung dieser Länder? Was ist der Motor dieser enormen wirtschaftlichen Veränderungen?
Vorliegende Arbeit versucht eine Antwort auf diese Fragen zu geben. Sie untersucht die Entwicklung der ostasiatischen Produktions- und Handelsverflechtungen anhand des
„Flying Geese“ (FG) Modells, welches auf die Arbeit von Akamatsu Kaname 1 zurückgeht. Dieses Modell wurde konzipiert, um die wirtschaftliche Entwicklung Japans zu erklären. Es wurde dann auf den ostasiatischen Raum erweitert, und stellt heutzutage ein Konzept der regionalen Entwicklung dar, das am besten die interaktive
wirtschaftliche Entwicklung Ostasiens 2 erfasst. Die von Akamatsu Kaname entwickelte und Kojima Kiyoshi erweiterte makroökonomische Theorie des Gänsefluges liefert für
diese Analyse einen passenden Rahmen. Es wird von vielen Theoretikern 3 auch als das Modell bezeichnet, welches am besten die Interaktion zwischen Produktion und Handel
in der Region Ostasien erklären kann 4 .
1 Akamatsu, Kaname (1961), S. 196ff.
2 Vgl.: Ozawa, Terutomo (1993), S. 129.
3 Wie Korhonen, Pekka (1994) oder Ozawa, Terutomo (1999)
4 Ha, Ngo Trinh (2004), S. 3ff.
1
1 Einleitung
Dieses Modell erklärt die Besonderheiten der regionalen Arbeitsteilung in Ostasien. Diese führte und führt zur „Ausdehnung des intraregionalen Handels, zur effektiven Kooperation bei Direktinvestitionen und schließlich zur Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit Ostasiens auf den globalen Märkten“ 5 .
Mit dieser Arbeit soll ein empirischer Beitrag zur Erfassung des Phänomens der aktuellen Situation im ostasiatischen Wirtschaftsraum geleistet werden. In der Analyse werden u. a. folgende Länder einbezogen: Japan, Hong-Kong, Singapur, Republik Korea, Thailand, Malaysia, Philippinen und Indonesien. Was die o.g. Länder angeht, so gibt es zahlreiche Studien und empirische Arbeiten, die die wirtschaftlichen Verflechtungen untersuchen. Die Volksrepublik China, das zweite asiatische Wunder
nach Japan 6 , auf Grund der Komplexität, Größe und nicht zuletzt der Geschwindigkeit ihrer Entwicklung wird wenig betrachtet, wobei auch für Vietnam wenig empirische Arbeit geleistet wurde. Ein möglicher Grund könnte die späte Angliederung Vietnams in das ostasiatische Netzwerk sein. So bezieht folgende Arbeit die letzt genannten zwei Länder in die Analyse mit ein. Der Betrachtungszeitraum reicht von 1985 bis 2004. Es ist ein interessanter Zeitraum, geprägt von einem rapiden Wachstum der ostasiatischen Märkte und der auf dieser Weise nicht ausreichend untersucht wurde.
Was den Aufbau der Arbeit angeht, so wird in Kapitel 2 zunächst das Wildgänsemodell der wirtschaftlichen Entwicklung vorgestellt. Danach folgt in Kapitel 3.2 die ausführliche Analyse der Verlagerung von komparativen Vorteilen in den betrachteten Ländern der Region. Die Analyse der komparativen Vorteile ist der Start des Prozesses der Beschreibung von Handelsstrukturen in der Entwicklungstheorie. So wie die komparativen Vorteile die Handelsverflechtungen reflektieren, reflektieren die Transfers von ausländischen Direktinvestitionen (FDI) und hiermit Technologie und Know-how die Produktionsverflechtungen. Somit wird im Kapitel 3.3 auf die japanischen FDI-Zuflüsse in den betrachteten Ländern eingegangen. Kapitel 3.4 behandelt eine Analyse der vereinbarten Spezialisierung. Die Resultate der empirischen Analyse und eine
5 Hwang, Sun-Gill (1998), S.1.
6 Vgl.: Ozawa, Terutomo (2002), S. 700.
2
1 Einleitung
ausführliche Diskussion der Ergebnisse werden im Kapitel 4 präsentiert. Im Anschluß an einer Zusammenfassung sollen einige weiterführende Aspekte der Untersuchung dieses bedeutenden Themas vorgestellt werden.
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
2.1 Ursprüngliche Fassung
Das Wildgänsemodell der Entwicklung, „the flying geese modell“ 7 wurde in den dreißiger Jahren von Akamatsu Kaname entwickelt. Als Grundlage diente Akamatsu die Analyse der Industrialisierungserfahrungen Japans. Das Modell wurde weiterentwickelt
und ergänzt von Kiyoshi Kojima 8 , einem Schüler Akamatsus. Sein wichtigster Beitrag ist der Ausbau des regionalen Ansatzes und des Transmissionsmechanismus. Im vorliegenden Kapitel wird zunächst die ursprüngliche Fassung des Wildgänsemodells erläutert. In Kapitel 2.2 soll dann auf die wichtigsten Erweiterungen Kojimas eingegangen werden.
Der Name „Gänseflugmodell“ stammt von der grafischen Präsentation (siehe Abbildung 2.1) der drei sequentiellen Kurven: Import, einheimische Produktion und Export. Das ist
das Grundmuster, das auf Produkt 9 -, Industrie- oder Länderebene angewendet werden kann. Das Erscheinungsbild dieser Kurven ähnelt der Flugformation von Wildgänsen, daher auch der etwas unkonventionelle Name dieses Modells. Die Grundidee ist, dass die Entwicklung einer modernen Industrie in einem Entwicklungsland typischerweise
mit dem Import moderner Produkte aus entwickelten Ländern startet. 10 Danach folgen die einheimische Produktion und anschließend die Exporte. Die involvierten Wirtschaften befinden sich ständig in Bewegung, und zwar in Richtung höherer Stadien
7 Akamatsu, Kaname (1961), S. 196ff.
8 Kojima, Kiyoshi (2000), S. 375ff.
9 Produkt sollte auch verstanden werden als Produktgruppe, wenn nicht anders spezifiziert.
10 Vgl.: Yamazawa, Ippei (1990), S.3.
4
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
der industriellen Entwicklung. 11 Dies ist eine der wenigen Entwicklungstheorien, die zu nationalen und regionalen Strategien führte, die wiederum das „ostasiatische Wunder“ 12 zur Folge haben.
Die involvierten Länder werden hierarchisch nach dem Entwicklungsstand in drei
Gruppen eingeteilt: „leading“, „newly rising“ und „follower countries“ 13 . Die „leader“, also die „voranfliegenden“ Länder gelten als Leiter im regionalen Industrialisierungsprozess. Die „follower“, die „hinterherfliegenden“ Länder, sind Entwicklungsländer, die in der Flugformation - also auf der Industrialisierungsleiternoch am Anfang stehen. „Newly rising countries“ oder Schwellenländer sind solche, die sich schneller entwickeln als die anderen zwei Gruppen. Die Einordnung eines Landes in eine der drei Gruppen hängt von der betrachteten Region ab: So galten die USA und Europa in Akamatsus Ursprungsmodell als voranfliegend, Japan als Schwellenland und die anderen asiatischen Staaten als Entwicklungsländer. Innerhalb Asiens übernahm Japan nach dem Zweiten Weltkrieg die Rolle eines Industrielandes, China und Indien galten als Schwellenländer und die anderen ostasiatischen Länder als
Entwicklungsländer. 14
Obwohl die Hierarchie einfach erscheinen mag, handelt es sich um ein dynamisches Modell, denn die Länder sind auf ihren Positionen nicht fixiert. Jedes Entwicklungsland kann sich auf der Leiter der Industrialisierung nach oben bewegen, ebenso können voranfliegende Länder zurückfallen.
11 Vgl.: Korhonen, Pekka (1994), S. 95ff.
12 Begriff oft benutzt von den westlichen Medien für die Bezeichnung der ostasiatischen
Wirtschaftsentwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten.
13 Kojima, Kiyoshi (2000), S. 377ff.
14 Hwang, Sun-Gill (1998), S. 2f.
5
Abbildung 2.1: Das Wildgänsemodell der ökonomischen Entwicklung; Grundstruktur
Quelle: Kojima, Kiyoshi 15
Die Grundstruktur des Modells 16 wird repräsentiert durch die drei Phasen Import, einheimische Produktion und Export. In der ersten Phase, die in der oberen Abbildung in t 1 anfängt, werden ausländische Güter importiert. In der zweiten Phase - ab t 2 in der Abbildung 2.1 - werden diese selbst für den einheimischen Markt produziert und in der dritten Phase - ab t 3 - werden selbst produzierte Güter exportiert. Entwicklungsländer haben nach Korhonen mindestens einen, meistens aber alle drei Vorteile: niedrige
Löhne, billige Rohstoffe und einen nahen Absatzmarkt 17 . Die industrielle Entwicklung vollzieht sich nach Akamatsu auf zwei Arten: inter- und intraindustriell, wobei
15 Kojima, Kiyoshi (2000), S. 378.
16 Ebd., S. 377ff.
17 Vgl.: Korhonen, Pekka (1994), S. 96.
6
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
komparative Vorteile regional weitergegeben werden können - ab t 3 in der Abbildung 2.1. Dieser letzte Punkt stellt den interregionalen Ansatz dar, in dessen Untersuchung
Dowling und Cheang 18 von einem mehrschichtigen Catching-up-Prozess der Industrialisierung sprechen. Akamatsus Ansätze werden im Folgenden näher behandelt werden.
2.1.1 Der intraindustrielle Ansatz
Die Grundidee des intraindustriellen Ansatzes ist, dass sich Industrien im Zeitablauf von der Herstellung einfacher zur Herstellung hochwertiger Produkten entwickeln. Das wohlbekannte Beispiel Akamatsus ist die Entwicklung der japanischen Textilindustrie von der einfachen Baumwoll- zur Wollstoffindustrie zur Herstellung synthetischer
Stoffe. Es ist der Prozess, der als „catching-up product cycle“ 19 bekannt ist. Dabei durchläuft die Industrie die drei Phasen des Grundmodells: Import, einheimische Produktion und anschließend Export.
Phase I: In der ersten Phase öffnet sich ein Entwicklungsland dem Weltmarkt. Preisgünstige Konsumgüter werden importiert aus entwickelten Länder, da sie qualitativ
besser 20 sind als die selbst produzierten.
Phase II: Nun fängt das Entwicklungsland an, die davor importierten Produkte selbst zu produzieren, dabei dient der einheimische Absatzmarkt als Testmarkt, was das Sammeln von Erfahrungen (Lerneffekte) ermöglicht. Werden diese Produkte standardisiert, so kann der interne Absatzmarkt immer mehr durch die einheimische Produktion befriedigt werden und der Import dieser Produkte sinkt.
Phase III: Die dritte Phase ist erreicht, wenn die einheimische Produktion so weit gereift ist, dass die einst importierten Güter nun exportiert werden können. Die komparativen Vorteile in der Wollstoffindustrie aus dem Beispiel Akamatsus sinken, dafür entwickelt das Land Vorteile im höherwertigen Industriezweig der synthetischen
18 Vgl.: Dowling, Malcolm, Cheang, Chia Tien (2000), S. 444.
19 Siehe hierfür Vernons Theorie des „catchin-up product cycle“.
20 Vgl.: Kojima, Kiyoshi (2000), S. 377ff.
7
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
Stoffe. Diese werden nun exportiert. Die Ansammlung von Know-how führt somit zu
einer Diversifizierung der Produktion in Richtung höherwertige Produkte 21 . Zunächst sind diese Produkte einfach, mit der Zeit werden sie aber qualitativ besser und preiswerter. Dieser Prozess wird immer aufs Neue wiederholt und führt somit zu einer raschen positiven Wirtschaftsentwicklung.
2.1.2 Der interindustrielle Ansatz
Die Grundlage des interindustriellen Ansatzes ist die Idee, dass mit dem Vorlauf des allgemeinen technologischen Niveaus einer Volkswirtschaft es möglich wird, auch Kapitalgüter zu produzieren. Es geht also nicht nur um eine Diversifizierung der lokalen Produktgruppen und Industrien, sondern um den Vorlauf einer Wirtschaft auf höhere
Stadien der Entwicklung 22 . Dabei können folgende Phasen unterschieden werden:
Phase I: Ein hinterherfliegendes Land ist spezialisiert auf einfache, arbeits- und rohstoffintensive Industrien, deren Erzeugnisse auch exportiert werden. Erzeugnisse technologie- und kapitalintensiver Industrien werden importiert.
Phase II: Die in der ersten Phase importierten Güter werden nun selbst produziert und die Produktion arbeitsintensiver Produkte wird dann in hinterherfliegenden Länder ausgelagert.
Phase III: In der dritten Phase werden einfache, arbeitsintensive Produkte importiert (in der Abbildung 2.2 sind diese die Rückwärtsimporte) und Kapitalgüter exportiert.
Dieser Prozess zeigt das Entwicklungsniveau der Gesamtwirtschaft, die Bewegung in Richtung technologisch hochwertige Industrien, die Spezialisierung auf technologie-und kapitalintensive Güter bzw. Industrien. Jeder Produktzyklus trägt dazu bei, die
Wirtschaft durch Diversifizierung auf ein höheres Entwicklungsniveau zu bringen. 23 Am Ende der dritten Phase, wenn die einheimische Produktion unvorteilhaft wird 24 ,
21 Kojima, Kiyoshi (2000), S. 380.
22 Ebd., S. 379.
23 Vgl.: Kojima, Kiyoshi (2000) S. 374.
24 Z. B. auf Grund höherer Löhne, da die Arbeitseffizienz durch Anhäufung von Know-How steigt.
8
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
wird sie rationalisiert 25 und die Produktion in hinterherfliegende Länder ausgelagert. Dies ist die vierte Phase, die im interregionalen Ansatz näher erläutert wird.
2.1.3 Der interregionale Ansatz
Das vierte und letzte Stadium in Akamatsus Wildgänsemodell ist erreicht, wenn das nachfolgende Land beginnt, einst vom voranfliegenden Land importierten Güter in das voranfliegende Land zu exportieren. Somit wird der Zyklus abgeschlossen. Typisch für diese vierte Phase ist, dass der Export von Konsumgütern wieder abnimmt, da die Produktion dieser in hinterherfliegende Länder ausgelagert wurde und nun Kapitalgüter,
die es in der dritten Phase selbst produziert hat, exportiert werden. 26 Nach Akamatsu kommt so eine Entwicklung in Form eines Wildgänseflugs in Gang 27 , eine Flugformation mit einer sukzessiven Aneinanderreihung der Länder nach dem Entwicklungsstadium. Komparative Vorteile, die FG-Industrialisierung werden also regional weitergegeben. Ozawa spricht in diesem Zusammenhang von einem regionalen
Recycling der komparativen Vorteile 28 . Dieser Prozess wiederholt sich natürlicherweise mit einer Zeitverzögerung in allen Ländern der Flugformation, und somit sind diese in stetiger Bewegung was den Entwicklungsstand angeht.
2.2 Die Kojima-Erweiterungen
Kojima Kiyoshi, ein Schüler Akamatsus, hat das Gänseflugmodell erweitert und um zwei wichtige Punkte ergänzt: ausländische Direktinvestitionen und die vereinbarte
Spezialisierung der Länder. 29 Pekka Korhonen spricht in diesem Zusammenhang von einer Kombination aus Akamatsus Modell und der Integrationstheorie 30 . Die
25 Vgl.: Kojima, Kiyoshi (2000), S. 380.
26 Vgl. Akamatsu, Kaname (1961), S. 208.
27 Ebd.
28 Ozawa, Terutomo, Berri David (1997), S. 40.
29 Vgl.: Kojima, Kiyoshi (2000), S. 382 ff.
30 Vgl.: Korhonen, Pekka (1994), S. 104.
9
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
Einbindung der o.g. zwei Erweiterungen in die ursprüngliche Modellfassung Akamatsus sind in Abbildung 2.2 ersichtlich. Dieses ist auch als die moderne Fassung der Gänseflugmodells bekannt.
Abbildung 2.2: Die moderne Fassung der Gänseflugmodells
Quelle: Eigene Darstellung
Der Beitrag Kojimas ist die Erkenntnis, dass eine deutliche Arbeitsteilung zwischen den Ländern einer Region zu einer „erfolgreichen und effektiven regionalen
Zusammenarbeit“ 31 führt. In den beiden folgenden Kapiteln werden die zwei Erweiterungen Kojimas erklärt.
31 Hwang, Sun-Gill (1998), S. 1.
10
2 Das Gänseflugmodell der wirtschaftlichen Entwicklung
2.2.1 Handelsfördernde FDI
In der vierten Phase des Modells spricht Akamatsu von der regionalen Übertragung des FG-Musters, der Auslagerung der Produktion mit komparativen Nachteilen in ein hinterherfliegendes Land, das in der ausgelagerten Industrie komparative Vorteile besitzt. Der wichtigste Kanal für die regionale Übertragung der FG-Industrialisierung sind für Kojima die handelsfördernden Direktinvestitionen. Kojima analysierte die Wirkung der ausländischen Direktinvestitionen in der Region und erkannte, dass die japanischen FDI makroökonomisch fokussiert sind, also handelsfördernd. Im Gegensatz dazu seien FDI aus dem Westen mikroökonomisch fokussiert, also auf eine
„Gewinnentwicklung im Vorteil der ausländischen Firmen.“ 32 Kojima versteht unter FDI ein festes Paket aus technischem Wissen bzw. überlegenen Technologien, Kapital
und Managementkenntnissen 33 . Dieses fördert die Auslandsproduktion des „lead goose“ und beschleunigt die Industrialisierung des Gastlandes, üblicherweise ein „follower goose“. Dies hat zur Folge, dass der Export von Kapitalgütern, das o.g. Paket, im „lead goose“-Land steigt. Gleichzeitig wird das „follower“-Land zum „gezwungenen“ Exporteur in der neu angesiedelten Industrie. Denn der „leader“ ist nun gezwungen, diese Produkte zu importieren. Dies ist der Prozess, der diese FDI handelsfördernd macht.
Die handelsfördernden FDI führen zu einer Steigerung der komparativen Vorteile in beiden Ländern und festigen die Produktions- und Handelsverflechtungen zwischen den involvierten Ländern. Das Ergebnis der Verlagerung von komparativen Vorteilen ist der Anstieg dieser, der Handel zwischen den beiden Ländern sowie eine Verstärkung des
Produktivitätswachstums 34 . Dies ist der erste Schritt einer erfolgreichen regionalen Integration. Noch wichtiger sind möglicherweise die Spillover-Effekte durch die Entwicklung einer Zulieferindustrie und die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Entwicklung von Management-Qualitäten. Dies führt wiederum zu einer Verbesserung der Arbeitsqualität und -moral durch Ausbildung und Erfahrungen. Letztlich führen die
32 Peng, Dajin (2000), S. 1.
33 Kojima, Kiyoshi (2000), S. 383.
34 Ebd., S. 376.
11
Arbeit zitieren:
Raluca Cojocaru, 2007, Die Entwicklung der Handels- und Produktionsverflechtungen in der Region Ostasien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Volkswirtschaftslehre: neuer Titel erschienen: Die Entwicklung der Handels- und Produktionsverflechtungen in der Region Ostasien
Raluca Cojocaru hat einen neuen Text hochgeladen
Cross Regional Trade Agreements
Understanding Permeated Region...
Saori N. Katada, Mireya Solis
Multilateralism, Regionalism and Bilateralism in Trade and Investment
2006 World Report on Regional ...
Philippe de Lombaerde
Die Entwicklung lokaler Nachhaltigkeit am Beispiel der Region Kautzen ...
Bedingungen, Erfolge und Probl...
Josef Baum
Aktuelle Entwicklungen im Handels-, Arbeits- und Zivilprozessrecht
Giuseppe B. Portale, Luca Nogler, Matthias Rossi, Irene von der Heyde, Michael Stürner
Aid for Trade: Global and Regional Perspectives
2nd World Report on Regional I...
Philippe de Lombaerde, Lakshmi Puri
East Asian Economic Regionalism
Feasibilities and Challenges
Choong Yong Ahn, Richard E. Baldwin, Inkyo Cheong
0 Kommentare