Nostalgie unterscheidet. […] Heute können wir die Vergangenheit nur durch eine Manifestation der Gegenwart verstehen.“ 2
Unter dem Denkmal liegt der sogenannte Ort der Information mit ca. 800 qm Präsentationsfläche. Er dient dazu, „die abstrakte Form der Erinnerung, die das Denkmal vermittelt, durch Informationen zu den Opfern zu ergänzen.“ 3 Auch stehen verschiedene Bildungsangebote zur Verfügung, wie Führungen, Workshops, Projekte und Materialien zur Vor- und Nachbereitung. Die Angebote orientieren sich dabei an Lehrplänen und Bildungsstandards.
Geschichte sehen, fühlen und hören
Wie der Name bereits verrät, ist das Denkmal für die ermordeten Juden Europas zusammen mit dem angeschlossenen Ort der Information ein Ort, an dem die Verbrechen des NS-Regimes an der jüdischen Bevölkerung in ganz Europa thematisiert werden. Der unterirdische Ort der Information gliedert sich dabei in vier Haupträume, die ein „reflexionsorientiertes historisches Lernen“ 4 ermöglichen sollen. Der Rundgang startet zunächst mit zwei Foyers. Die Besucher haben dort die Möglichkeit, sich über die historischen Ereignisse zwischen 1933 und 1945 in Bezug auf die Verfolgung und Vernichtung europäischer Juden zu informieren, um die Informationen und Eindrücke der folgenden Räume besser einordnen zu können. Dazu stehen in chronologischer Reihenfolge erläuternde Texte auf einem horizontalen Streifen an der Wand, die durch Fotos und Abbildungen aus dieser Zeit unterstützend visualisiert werden. Die Form des Heranführens an das Thema durch eine solch umfangreich gestaltete Zeitleiste, kann gerade für Schüler eine große Hilfe darstellen und mögliche Fragen der Einordnung bereits im Vorfeld klären.
2 Rede von Peter Eisenman zur Architektur des Denkmals 1998, veröffentlicht auf www.stiftung‐denkmal.de
Stand 13.03.10
3 http://www.stiftung‐denkmal.de/dasdenkmal/ortinformation Stand 13.03.10
4 Aus www.stiftung‐denkmal.de
„Denn je mehr heute im Geschichtsunterricht mit thematischer Schwerpunktsetzung und
Inselbildung gearbeitet wird, um so wichtiger wird ein orientierender Überblick, der es
Schülerinnen und Schülern erst erlaubt, Einordnungen vorzunehmen und Bezüge herzustellen
oder - um im Bild zu bleiben - die Lage der Inseln im Meer der Geschichte zu bestimmen.“ 5
Am Ende des Raumes sind sechs Portraits im Großformat zu sehen, die die 6 Millionen jüdischen Opfer repräsentieren sollen. Außerdem wird dabei Wert darauf gelegt, dass jedes Portrait zusätzlich eine bestimmte Geschlechts- und/oder Altersgruppe widerspiegelt.
Daraufhin gelangen die Besucher in den sogenannten „Raum der Dimensionen“. An der Wand entlang stehen jüdische Opferzahlen aus allen europäischen Ländern. Dadurch soll das Ausmaß der Vernichtungen deutlich werden. Durch die nüchterne Darstellung mit schwarzer Schrift auf weißer Wand, wird nicht von den Zahlen abgelenkt. Das Hauptaugenmerk allerdings liegt in diesem Raum auf beleuchteten Elementen im Boden. Dort sind exemplarische Zitate aus erhalten gebliebenem Schriftgut jüdischer Personen ausgestellt. Hier ist eine erste Identifikation mit dem Thema möglich, da dieses nicht durch eine möglichst objektive Darstellung, sondern rein subjektiv aus der Sicht der Opfer veranschaulicht wird. Mit den Fakten an der Wand und den Zitaten im Boden wird sowohl die Dimension der Anzahl der Opfer, als auch die Dimension des Ausmaßes an Grausamkeiten gegenüber der jüdischen Bevölkerung deutlich.
Die Identifikation wird im daran angrenzenden „Raum der Familien“ weiter vorangetrieben. Blieb die Betrachtungsweise zuvor noch eher distanziert, so wird eine erneute Annäherungsweise hier ermöglicht. Dargestellt sind 15 exemplarische Schicksale jüdischer Familien. Auch hier wird wiederum auf die Vielfältigkeit Wert gelegt und so werden unterschiedliche soziale, nationale und kulturelle Lebenswelten dargestellt. Dadurch wird einer generellen Pauschalisierung entgegengewirkt und auf die Verschiedenheit europäischer Juden hingewiesen. Die Familien werden durch Bilder und abgebildete Zeugnisse mit ihren verschiedenen Mitgliedern und deren Lebenswegen vorgestellt. Auch die Geburts- und Sterbedaten sind angegeben. Ermöglicht wird dadurch ein Vergleich mit der eigenen Familie, dem eigenen Umfeld und dem eigenen Lebensweg.
5 Aus Michael Sauer „die Zeitleiste“, in Hans‐Jürgen Pandel, Gerhard Schneider (Hrsg.) „Handbuch Medien im
Geschichtsunterricht“, S. 198, erschienen im Wochenschau Verlag Schalbach/Ts. 2007, 4. Auflage
Eine weitere Möglichkeit etwas über die jüdischen Opfer zu erfahren, bietet sich im folgenden Raum, dem „Raum der Namen“. Um die Abstraktion der Zahl 6 Millionen aufzulösen, werden hier Namen mit einer dazugehörigen Kurzbiographie der ermordeten oder verschollenen Juden verlesen. Gleichzeitig werden auf allen vier Wänden der Name, das Geburts- und das Sterbejahr projeziert. Diese Verlesung würde ungefähr sechs Jahre und acht Monate dauern und ist auch unter www.raumdernamen.com im Internet abrufbar. Mit dem Wissen um die Dauer der
Verlesung, wird die Anzahl von 6 Millionen jüdischen Opfern greifbarer und vorstellbar, da hier eine lineare Zuordnung von Menge und Zeit stattfindet. Außerdem wird der Besucher durch parallel auftretende akustische und visuelle Reize verstärkt dazu veranlasst, sich auf eine Reflexion der Verfolgung jüdischer Mitbürger einzulassen. Im Kontrast zu der immensen Anzahl an Personen, deren Namen verlesen werden, ist der Raum, in dem dies geschieht, groß aber vollkommen leer. Dies könnte die durch die Ermordung von Großteilen der jüdischen Bevölkerung entstandene Leere symbolisieren. Lässt man sich auf diesen Gedanken ein, dann wirkt diese Leere beklemmend, was die Identifikation und die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Geschichte auch auf der Ebene des Empfindens ermöglicht.
Das Anliegen des letzten der Themenräume ist es, die Ausdehnung der Verfolgung und Vernichtung auf den ganzen europäischen Kontinent zu verdeutlichen. In einer Endlosschleife wird dazu auf vier Großbildleinwänden historisches Film- und Fotomaterial gezeigt. Es vermittelt Massenerschießungen, Vernichtungs- und Konzentrationslager, Ghettos, sogenannte Euthanasiestätten aber auch Deportationswege und Todesmärsche an 220 exemplarischen Orten, die sich auf ganz Europa verteilen. Um auf das Gesehene näher eingehen und exemplarische Orte vorstellen zu können, werden auf acht Stelen (auch die Architektur des Denkmals findet sich häufig in der Gestaltung des Ortes der Information wieder) die sieben Vernichtungslager und als Beispiel für zahlreiche weitere die Massenerschießung von Babij Jar bei Kiew durch Fotos und erläuternde Texte dargestellt. Auch hier kommt eine weitere Ebene der Informationsvermittlung hinzu: An Hörstationen können die Besucher einen weiteren Eindruck zu diesen acht Orten gewinnen. Zu Hören sind dabei Zeitzeugen, die ihre Berichte und Erinnerungen schildern. Eine solche Form der Geschichtsvermittlung ist für viele Schüler ungewohnt, da sie sich so grundlegend unterscheidet von der Vermittlung durch
Arbeit zitieren:
Verena Schneider, 2010, Das Holocaust-Mahnmal in Berlin und der dazugehörige Ort der Information, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte - Didaktik: neuer Titel erschienen: Das Holocaust-Mahnmal in Berlin und der dazugehörige Ort der Information
Verena Schneider hat einen neuen Text hochgeladen
Memorial to the Murdered Jews of Europe: Guide to the Information Cent...
Memorial to the Murdered Jews of Europe
Selbstverständnis und Weiterbi...
Barbara Thimm, Gottfried Kößler, Susanne Ulrich
Four Girls from Berlin: A True Story of a Friendship That Defied the H...
A True Story of a Friendship T...
Marianne Meyerhoff
0 Kommentare