pastperfect.at ist ein noch unvollendetes Projekt, das sowohl durch immer neue visuelle Möglichkeiten, als auch durch neue der Forschung entsprechende inhaltliche Aspekte erweitert wird.
Aufbau, Navigation und Möglichkeiten
Gibt man die Internetadresse pastperfect.at ein, so gelangt man zunächst auf eine Startseite, auf der man die Möglichkeit hat, aus verschiedenen Versionen auszuwählen. Entscheidet man sich dazu als Erst-User zunächst die „Einführung“ zu durchlaufen, wird man mit dem Klick auf das entsprechende Feld mit einem „Coming soon“ vertröstet, was zeigt, dass das Projekt weiter in Arbeit ist, um die Möglichkeiten im Sinne der User noch zu erweitern.
Des Weiteren bleibt die Wahl zwischen einer Flash- und einer Textversion. Um die Flash - Version voll nutzen zu können, muss auf dem PC ein Plugin der Software „Macromedia Flash“ installiert sein, die Textversion läuft in der Regel ohne Weiteres, lässt aber nur gering erahnen, welche Möglichkeiten die Flash - Version zusätzlich bietet.
Gelangt man nun in die Flash - Version, hat man eine Landkarte vor Augen, die den europäischen Kontinent abbildet, einzelne Städte sind eingezeichnet und an der Küste zum Atlantischen Ozean liegt ein nicht ganz maßstabgetreues Schiff. Man erkennt angedeutete Breiten- und Längengrade und das Zeitrad, mit Hilfe dessen man die Jahreszahlen einstellen kann, erinnert stark an ein nautisches Utensil. Der Eindruck, der dem User damit vermittelt wird ist eindeutig: Man taucht ein, in die Welt der Abenteurer, Entdecker und Seefahrer. Ob dieser Eindruck der historischen Wirklichkeit gerecht wird, ist fraglich, jedoch wirkt alles sehr ansprechend und man möchte in der Tat gerne auf eine Entdeckungsreise durch die Website gehen. Wie bereits erwähnt lassen sich die Jahreszahlen zwischen 1492 und 1558 über ein Zeitrad einstellen. Unter jeder Jahreszahl gibt es eine bestimmte Anzahl an Ereignissen, über die man sich durch einen Text, der unterhalb der Landkarte des europäischen Kontinents automatisch eingeblendet wird, näher informieren kann. Je nachdem, wo dieses Ereignis stattfand, wird auf der Landkarte die Stadt
eingezeichnet und so kann man sich anhand der eingezeichneten Städte bei einer bestimmten Jahreszahl, von Ereignis zu Ereignis durcharbeiten. Wird der Text zu einem bestimmten Ereignis eingeblendet, öffnen sich darüber kleine Felder, die Themenbereiche anzeigen, denen dieses Ereignis zugeordnet werden könnte. Dies vereinfacht das Suchen nach bestimmten Ereignissen, möchte man sich beispielsweise nur mit den Kriegen in dieser Zeit auseinandersetzen. Mit einem Klick auf besagtes Schiff, das immer an der Küste liegt, verschwindet der europäische Kontinent von der Landkarte und eine Weltkarte eröffnet sich. Auch dort sind einzelne Städte eingezeichnet, unter denen man Ereignisse finden kann, die außerhalb Europas stattfanden, aber in direktem Zusammenhang damit standen. Ein erneuter Klick auf das Schiff und man gelangt wieder nach Europa. Eine sehr spielerische und damit auch ansprechende Art und Weise sich mit Geschichte zu beschäftigen. Des Weiteren hat man die Möglichkeit, sich die Texte vorlesen zu lassen.
Auf der linken Seite befindet sich eine Leiste, durch die man zu den weiteren Möglichkeiten von pastperfect.at gelangen kann. So kann man sich über historische Kontexte informieren, um sich ein Ereignis besser einbetten zu können, man kann etwas über die Rezeptionsgeschichte bestimmter Ereignisse erfahren oder sich unter dem Punkt Reflexionen, erweiternde Texte der Autoren durchlesen, in denen sie ihre Gedanken über bestimmte Themen oder pastperfect.at im Allgemeinen äußern. Die Navigation unter den Bereichen Kontexte, Rezeptionen und Reflexionen ist unglaublich komplex, was einerseits das Interesse aufrecht erhalten soll, da man mit jedem Bereich anders umzugehen lernen muss, andererseits besteht durch diese Komplexität und die Vernetzung aller Bereiche ein hohes Risiko, das der User sich „verirrt“ und zu seinem eigentlichen Vorhaben nur mit Mühe zurückgelangen kann. Dem soll eine Funktion entgegenwirken, die sämtliche Stationen seit dem Besuch auf der Webseite speichert und die man unter „Verlauf“ in der Leiste auch jederzeit erreichen kann. Fraglich ist nur ob der User auch seine Konzentration entsprechend schnell wieder auf sein eigentliches Ziel richten kann.
Des Weiteren gibt es eine Suchfunktion, die allerdings nicht immer hilfreich ist, da die Suchbegriffe doch sehr speziell formuliert sein müssen. So ergibt die Suche nach „Kolumbus“ beispielsweise keine Treffer.
Je nachdem in welchem Jahr man sich befindet, gibt es eventuell noch verschiedene Zusatzinformationen, die ebenfalls in der linken Leiste aufgeführt werden. So gibt es
in der Regel immer ein Glossar, aber auch Bilder und Biographien sind möglich. Kaum zu finden aber doch vorhanden, sind Informationen zu pastperfect.at, seinen Machern und dessen Hintergründe. Über kleine, unscheinbare, da leere, quadratische Felder gelangt man zu Informationen über das Projekt an sich, man findet ein Impressum, sowie ein Literaturverzeichnis und hat außerdem die Möglichkeit sich eine Druckversion anzeigen zu lassen und diese dann zu drucken.
Didaktische Analyse
„Gerade weil unkontrollierte und unbegleitete, meist marktorientierte mediale Geschichtsvermittlung so wirkmächtig scheint, ist der Versuch einer fachdidaktischen Normsetzung vor der konkreten Projektarbeit sinnvoll.“ 1
pastperfect.at zeichnet sich durch eine große Fülle verschiedenster Themenbereiche aus. So finden Aspekte aus Leben und Alltag genauso ihren Platz wie politische. Bei einem Abgleich mit dem von Danker und Schwabe entworfenen geschichtsdidaktischem Kriterienkatalog 2 stößt man allerdings auch direkt auf markante Nachteile des Internetprojekts.
Durch die Darstellung mit kurzen überblickenden Texten wird durch die Verschiedenheit der Inhalte zwar ein Bewusstsein für soziale Problemfelder erzeugt, eine Identität oder Gruppenzugehörigkeit mit entsprechenden Moralvorstellungen und einem Wertesystem wird allerdings nicht vermittelt. Der User bleibt immer nur Leser. Auch eventuell vorhandene Bilder, die zu einzelnen Texten gehören, werden nicht eingeblendet, sodass der reine Text nicht weiter visualisiert wird und somit entsprechende Gefühl im User kaum erreicht werden können. Was das Kriterium der Geschichtlichkeit betrifft, liegt der Nachteil wieder in der stückhaften Darstellung einzelner Ereignisse. Es fällt schwer als User Zusammenhänge zu erkennen und somit ein Bewusstsein für die verschiedenen Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu entwickeln. Die Dimension des Raumes hingegen präsentiert sich
1 Aus Uwe Danker und Astrid Schwabe „ Normative fachdidaktische Anforderungen an virtuelle
Geschichtspräsentationen“ S. 60
2 Siehe Anhang
Arbeit zitieren:
Verena Schneider, 2009, Das Lernportal pastperfect.at, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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