Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Geschichte des Grand Guignol 3
2.1 Vorläufer des Grand Guignol. Das Théâtre Libre und die comédies rosses 3
2.2 Die Gründung des Grand Guignol unter Oscar Météniere 4
2.3 Der Direktor Max Maurey und der Starautor André de Lorde 5
2.4 Das Theater unter der Leitung von Camille Choisy und die Schauspielerin Paula
Maxa 6
2.5 Der Direktor Jack Jouvin und das Ende des Théâtre du Grand Guignol 6
3. Darstellungsmethoden des Grand Guignol Theaters 7
3.1 Spezialeffekte auf der Bühne des Grand Guignol 7
3.2 Unterschiede in der Darstellung und der Rezeption des Grand Guignol zum
Horrorfilm 9
4. Der Einfluss des Grand Guignol auf den Horrorfilm 9
4.1 Horrorfilme die das Théâre du Grand Guignol direkt zitieren 9
4.2 Ästhetische Übernahmen des Grand Guignol-Theaters im Horrorfilm 11
5. Schlussbemerkung 13
6. Literaturverzeichnis 14
7. Filmverzeichnis 15
1. Einleitung
Der Horrorfilm ist so facettenreich wie seine Geschichte. Seine Wurzeln kann man nahezu überall finden. Diese liegen unter anderem in der Geschichte der Kunst und der Literatur, der Darstellung von Monstern alter Kulturen sowie im Wirken historischer Persönlichkeiten. Sie reichen weit in die Weltgeschichte zurück, wodurch es schwer ist ihren genauen Ursprung zu bestimmen. Es war ein eher unscheinbares Theater in Frankreich, genauer gesagt in der 20 Rue Chaptal in Paris, das ebenfalls dazu bei trug, dass der Horrorfilm zu dem wurde, was er heute ist. Dort befand sich bis im November 1962 das so genannte Théâtre du Grand Guignol. Es wurde von Oscar Méténier im Jahre 1897 gegründet und erhielt seinen Namen „[...] after the name of the popular Punch and Judy puppet character“ 1 . Es ist verwunderlich, dass Méténier seinem Theater einen Namen gab, welcher das französische Pendant zum Kasperletheater darstellt. Denn das Theater wurde unter anderem als „Theatre of Fear and Terror“ 2 bezeichnet und das, was auf der 7x7 Meter breiten Bühne so vor sich ging war ganz und gar nicht für Kinder geeignet. 3 Das Bemühen des Grand Guignol lag in erster Linie darin, sein Publikum durch die realistische Darstellung und Aufführung von jenen Handlungsweisen, die man dem Begriff Sadismus zuordnen kann, zu beeindrucken und dadurch Angst und Schrecken zu erzeugen. Von Misshandlungen und Vergewaltigungen bis hin zu Verstümmelungen und einfachen Morden bot das „Theater des Lachens und des Entsetzens“ 4 seinen Zuschauern für mehr als 60 Jahre ein buntes Potpourri aus Horror und Gewalt, gepaart mit ein wenig latenter Erotik und komödiantischen Elementen. Das Theater entwickelte sich von einer festen Institution in Frankreich hin zu einer weltweiten Touristenattraktion, welche sich „[...] rasch ein [eigenes] Stammpublikum erobert[e]“ 5 . Heute ist das Grand Guignol in Vergessenheit geraten, weder seine Gründungsväter, die Autoren noch die beliebtesten Stücke konnten in der Theatergeschichte große Fußstapfen hinterlassen. Das Ziel dieser Arbeit ist, das Grand Guignol-Theater in verschiedensten Facetten zu durchleuchten und dadurch dessen Einfluss auf den Horrorfilm darzustellen. Hierfür wird zunächst ausführlich seine Geschichte dargestellt und dabei ein kurzer Blick in sein Repertoire geworfen. Daran anschließend werden die Darstellungsmethoden des Theaters erläutert. Dabei werden die verwendeten Arten von Spezialeffekten des Theater of Fear and Terror und anschließend die Unterschiede, die sich in der Aufführung und der Rezeption, zwischen der Bühne des Grand Guignol und dem Horrorfilm ergeben, aufgezeigt. Daraufhin wird das Hauptaugenmerk auf dem
1 Gordon 1997 (Revised Edition), S. 14.
2 Ebd., S. 2.
3 Vgl. Hand und Wilson 2002, S. 31.
4 Kersten und Neubaur 1976, S. 7.
5 Ebd., S.7.
2
Einfluss, welchen das Grand Guignol auf den Horrorfilm ausübte, gelegt. Dabei werden ausgewählte Horrorfilme, die das Theater direkt zitieren und solche, die nur indirekt darauf Bezug nehmen, näher betrachtet. Beendet wird die Arbeit mit einer Schlussbemerkung, in der die Ergebnisse der oben genannten Punkte knapp zusammengefasst und dadurch eine Antwort auf die Frage gefunden werden soll, wie und in wieweit das Théâtre du Grand Guignol den Horrorfilm beeinflusste.
Der Fakt, dass das Theater bis Heute nicht mehr sonderlich bekannt ist, trägt zu der relativ schlechten Quellenlage bei. Es gibt nur noch vereinzelt Fachliteratur, die entweder kaum noch zur Verfügung steht, oder aber ausschließlich in französischer Sprache abgedruckt ist. Ein paar wenige englischsprachige Werke, wie zum Beispiel Mel Gordons The Grand Guignol: Theatre of Fear and Terror 6 und Richard J Hand und Michael Wilsons Grand Guignol. The French Theatre of Horror 7 , sowie erhaltene Programme und Abbildungen, erleichterten aber den Umgang mit diesem speziellen Thema. Zusätzlich hat sich eine überschaubare Fankultur entwickelt, die sich in verschiedenen Internetseiten und Fanportalen widerspiegelt und dort detaillierte Informationen über das Theater anbietet. 8 Die einzige nennenswerte deutschsprachige Quelle ist das Buch Grand Guignol: Das Vergnügen tausend Tode zu sterben. Frankreichs blutiges Theater 9 von Karin Kersten und Caroline Neubaur, welches zahlreiche ins deutsche übersetzte französische Originaltexte beinhaltet, die sich mit und rund um das Grand Guignol-Theater beschäftigen.
2. Die Geschichte des Grand Guignol
2.1. Vorläufer des Grand Guignol. Das Théâtre Libre und die comédies rosses Die Wurzeln des Théâtre du Grand Guignol liegen in der naturalistischen Pariser Theaterbewegung der späten 1880er Jahre. 10 André Antoine gründete im Jahr 1887 das so genannte Théâtre Libre. Sein Mitbegründer war der bereits erwähnte Oscar Méténier. Er galt als „ [...] the master of the rosse play.“ 11 „Rosse plays“, oder aber auch „comédies rosses“ 12 spiegelten das Leben der Pariser Unterwelt wieder und machten den größten Teil des naturalistischen Programms des Théâtre Libre aus. Es waren kurze dramatische Stücke, in denen es vorwiegend um „Thievery, prostitution, alcohol addiction, sexual depence and humilation [...], jealousy incest, [...], brutality to women, and
6 New York 1997
7 Exeter: University of Exeter Press 2002
8 http://www.grandguignol.com/
9 Berlin 1976
10 Vgl. Gordon 1997 (Revised Edition), S. 8.
11 Vgl. ebd., S. 13.
12 Hand und Wilson 2002, S. 3.
3
vengeance [...]“ 13 ging. Sie waren nicht länger als 15 Minuten, dafür aber umso effektiver und bildeten das Fundament des Genremerkmals des Grand Guignol. 14 Irgendwann aber entschied sich Antoine, diesem sehr gewalttätigen und obszönen Genre den Rücken zu kehren und wendete sich letztendlich von Méténier ab. Die beiden gingen von nun an getrennte Wege und Antoines Theater musste aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten im Jahr 1893 schließen. Méténier hielt jedoch an der Art der Darstellung fest und beschloss den naturalistischen Geist des Théâtre Libre und seine comédies rosses in seinem eigenen Theater, dem Théâtre du Grand Guignol, wieder aufleben zu lassen. 15
2.2. Die Gründung des Grand Guignol unter Oscar Météniere
Oscar Méténier eröffnete das Grand Guignol feierlich am 13. April 1897, nicht weit entfernt vom ehemaligen Théâtre Libre. Es bot Platz für 285 Zuschauer und galt zu Beginn als bloße Kopie und Erweiterung dessen. Das Programm am Eröffnungsabend bestand aus sieben Stücken. Einem so genannten „curtain raiser“ 16 mit dem Titel „Gossip from Mademoiselle Guignol“ von Hughes Delorme, zwei rosse plays von Méténier persönlich, sowie zwei Komödien von Georges Courteline und ebenfalls zwei Dramen von Jean Lorrain. Méténier wollte sich mit dem Repertoire des Grand Guignol vom Théâtre Libre abwenden und nutzte die bunte Mixtur aus kurzen Komödien und Horrordramen um letzteren Wirkung zu intensivieren. Er verwendete dafür den Vergleich von „hot and cold showers“ 17 . Da der Eröffnungsabend ein voller Erfolg war, folgte Méténier diesem Weg und entschloss sich nach der ersten Saison das Rahmenprogramm des Grand Guignol nach folgenden Programmpunkten aufzubauen, welche sich nach Belieben entweder von Woche zu Woche wiederholten oder aber ersetzt werden konnten: „1) a slapstick curtain raiser, 2) a light drama, 3) a comedy, 4) the horror play, and 5) a farce“. 18 19
Nach einiger Zeit beschloss Méténier das Repertoire des Grand Guignol noch zu erweitern. Von nun an wurden zusätzlich Stücke aufgeführt, die auf so genannten „faits divers“ 20 basierten, was auf Deutsch mit „vermischte Meldungen“ zu übersetzen ist. Dies waren kurze Nachrichten der französischen Regenbogenpresse, die den Leser mit blutigen Kriminalgeschichten aus dem echten Leben versorgten. Diese waren später so erfolgreich, dass es sogar hieß: „The fait divers prefigured
13 Gordon 1997 (Revised Edition), S. 10.
14 Vgl. ebd., S. 13.
15 Vgl. Hand und Wilson 2002, S. 4.
16 Gordon 1997 (Revised Edition), S. 16.
17 Ebd., S. 16
18 Ebd., S. 16 19 Vgl. ebd., S. 16.
20 Ebd., S. 7.
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Arbeit zitieren:
Eric Bouley, 2010, Vorgeschichten des Horrorfilms, München, GRIN Verlag GmbH
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