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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
S. 4
2.1 Bestandaufnahme 5
2.2 Kontextualisierung in Bezug auf kritische Ansätze 6
S. 8
S. 13
4.1 Bestandsaufnahme 14
4.2 Die erste öffentliche Erwähnung 16
5. Schlussbetrachtung 17
6. Bibliographie S 18
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1. Einleitung Die Sehnsucht nach Italien
Seit Anfang des 16. Jahrhunderts entwickelten sich ein starkes Interesse und schon bald eine feststehende Tradition nordeuropäischer Künstler gen Süden, nach Italien zu reisen. Hier bot sich eine außergewöhnliche Mannigfaltigkeit epochaler Kunst der Antike und Renaissance. Vor allem in Rom bot sich für die Tramontani ein gezieltes Studium der Antike. Durch die Anschauung der Ruinen und Architekturfragmente der Säulen und Kapitelle entstand ein richtungsweisender Kanon, welcher die Architektur bis ins 19. Jahrhundert hinein maßgeblich inspirierte und definierte. Bildhauer und Maler orientierten ihre Betrachtungen an denen der Antike orientierten Statuen, welche in der Zeit der Renaissance und des Barocks entstanden. Das antike Ideal der menschlichen Anatomie, die klassische Sichtweise der Proportionen und die expressive Kraft der schon im Altertum bezeichnende Gesten- und Gebärdensprache wurden ebenso wissbegierig in Augenschein genommen. Ein besonderes Augenmerk ist zu legen auf die niederländischen Maler, welche sich auf den Weg nach Italien begaben. Die holländischen Künstler waren Augenmenschen, die nach dem Sichtbaren ihrer Umwelt fahndeten. Nicht das antike Wissen interessierte sie, sondern die optischen Reize, die sich in den trüben Flachlandschaften, den burlesken Szenen aus dem Bauernmilieu und dem bürgerlichen Ambiente ihrer Städte nicht mehr boten. Sie holten sich das Licht des Südens in ihre Bilder. Mit innovativen Ideen für vom Licht durchflutete, sonnige Landschaften kehrten sie nach Hause zurück und malten, wieder im trüben Ambiente ihres Landes, auch ihre heimatlichen Landschaften in sonnigen Farben. Das niederländische Publikum entwickelte hohe Affin
Werke auf dem Kunstmarkt des 17. Jahrhunderts. Ein weiterer Vertreter der Italien-Sehnsucht darf an dieser Stelle nicht außer Acht gelassen werden: Herr Johann Wolfgang Goethe. Die Reise nach Italien glich im Grunde einer Flucht. Die Arbeit als Minister in Weimar hemmte seine literarische Kreativität. Er spürte die Notwendigkeit eines Tapetenwechsels. Schon seit seiner Kindheit war das klassische Italien der griechisch-römischen Kultur sein Traum. Er hoffte darauf, dass er in dieser Umgebung zu seiner persönlichen künstlerischen Renaissance finden würde. Anfangs reiste Goethe unter falschen Namen, um das Land ohne Rechtfertigung genießen zu können. Für einen langen Zeitraum wusste Niemand, wo sich Goethe befand, da er weder seine Familie noch Freunde darüber informierte, dass er sich auf den Weg gen Süden begab. Ursprünglich sollte seine Reise nur ein paar Monate dauern, dehnte sich dieser Vorsatz doch auf 2 Jahre aus. Man vermutet, er interessierte sich eher für das alltägliche italienische Leben, anstatt für die Großen Meister der italienischen Malerei. Weiterhin malte er unaufhörlich. Er brachte circa tausend Zeichnungen und Aquarelle zurück nach Weimar. Es existiert die Anekdote, er habe sich in Italien als Künstler ausgegeben. Das Tagebuch seiner Italienreise wurde erst 1829 veröffentlicht, es zeigt ein Abbild des Goetheschen Italien, sein Italien, das er nur so erleben und beschreiben konnte. In diesem Zusammenhang sei ein Gedicht Goethes zitiert, welches zum klassischen Ausdruck der Italien Sehnsucht wurde:
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Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, Kennst du es wohl? Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn! 1
2. Adolph von Menzel - Piazza d'Erbe in Verona
anstarrend jetzt die altertümlichen Gebäude, dann die Menschen, die in geheimnisvoller Hast dazwischen wimmelten, und endlich wieder den gottblauen Himmel, der das seltsame Ganze wie ein kostbarer Rahmen umschloss, und dadurch gleichsam zu einem Gemälde erhob. Es ist aber eigen, wenn man in dem Gemälde, das man eben betrachtet hat, selbst steckt, und hie und da von den Figuren desselben angelächelt wird, und gar von den weiblichen, wie´s mir auf der Piazza delle Erbe so lieblich geschah. 2
1 http://www.reise-nach-italien.de/goethe-italien1.html (30.06.09)
2 Heinrich Heine zit. in: Luciano Pelizzari und E. A. Seemann Verlag in der Seemann Henschel GmbH & Co. KG, Leipzig 2008, S. 81.
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2.1 Bestandsaufnahme und Beschreibung
Erst im Alter von 65 Jahren reiste Adolph Menzel (1815 1905) das erste Mal im Jahre 1881 nach Italien. Insbesondere reizte ihn die Stadt Verona im Norden des Landes. Übliche und sehr beliebte Reiseziele wie Rom und Florenz interessierten ihn nicht sonderlich. Er begann sich dem Land zu nähern, indem er auf zeichnerische Weise auf Tuchfühlung ging und die italienische Szenerie in Skizzenbüchern festhielt. Auf seiner 2. Italienreise fasste er den Vorsatz, den berühmten Piazza d´Erbe Veronas mit seiner bunten Geschäftigkeit in einem Ölbild festzuhalten. Er begann eine intensive Detailstudie, die sich in zahlreichen Skizzen widerspiegelte. Zur Inspiration dienten auch diverse Marktgeschehen anderer Städte. Seine Arbeit findet ihren Abschluss durch die dritte Reise nach Italien mit ihrem Ende in Berlin. Er
Kultur und den italienischen Habitus der Italiener sehr genau und fast minutiös in seine Skizzen studierte. 3
Datiert ist Menzel´s Gemälde Piazza d´Erbe um 1884 und die Maße belaufen sich auf 73,5 x 127 cm. Es handelt sich um Öl auf Leinwand. Ausgestellt wird es in der Gemäldegalerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlung Dresdens.
Um das perfekte räumliche Ausmaß des Werkes zu sehen und zu erfassen, braucht es Zeit. Es bedarf an Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen des Rezipienten, sich ohne Angst mitreißen zu lassen. Dieses Werk vermittelt eine starke Ausgewogenheit und zwar in vielerlei Hinsicht. Dies betrifft seine Atmosphäre, seinen widergespiegelten Raum und die unterschiedlichsten Emotionen, die von den Menschen ausgehen. Man erkennt Dynamiken verschiedener Coleur, die aus mancherlei Richtung kommen. Aber sie sind allesamt nach einem Schwerpunkt ausgerichtet. Die Menschen kommen aus allen Richtungen und blockieren sämtliche Wege. 4 An jedem erdenklichen Winkel der Piazza gibt es Leben. Der Alltag mit all seinen Facetten ist sichtbar. Die Menschen sind geschäftig und geschwätzig, man spürt förmlich die Lautstärke, die an diesem Ort entstehen muss. Ein Mädchen, welches gerade hingefallen ist, weint lautstark. (Vordergrund, linkes Drittel). Ebenso hört man die Schläge der Straßenarbeiter (Steinsetzer mit Hammer) im vorderen Feld. Es vermengen sich grelle Rufe der Verkäufer, die Schreie der Marktschreier und die Tratschereien all der Leute, die hier in vielfältiger Mixtur zusammentreffen. Alte und junge Menschen, reiche sowie arme Bevölkerungsschichten, Arbeiter und Bettlerkinder; Schöne und Hässliche, welche sich alle
3 vgl. Sven Kuhrau: Menzels letztes Bild, die Piazza d´Erbe zu Verona (1884) auf http://www.jstor.org/pss/4126033. (13.05.09)
4 Vgl. Luciano Pelizzari und E. A. Seemann Verlag in der Seemann Henschel GmbH & Co. KG, Leipzig 2008, S. 127.
Arbeit zitieren:
2009, Et in Arcadia Ego - Bildbesprechungen von Menzel, Dürer, Tischbein, München, GRIN Verlag GmbH
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