INHALT
1. EINLEITUNG 2
2. DEFINITION: JUGENDLICHE 3
3. ELTERN UND FAMILIE ALS TRADITIONELLE ERZIEHER 4
4. PEERGROUPS ALS „HEIMLICHE“ ERZIEHER 6
5. PEERGROUP UND SCHULE 10
6. FAZIT 15
7. BIBLIOGRAPHIE 17
1
1. Einleitung
Zwei Kernelemente der Lebenswelt Jugendlicher sind zweifellos Schule, auf der einen, und Peergroups, auf der anderen Seite. Dass diese nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, sondern vielmehr eng miteinander Verbunden sind versteht sich von selbst. Im Folgenden soll nun der Frage nachgegangen werden, in welchem Verhältnis diese beiden Institutionen des Heranwachsens zueinander stehen.
Um diese Aufgabe adäquat anzugehen, gilt es zunächst eine eindeutige Grundlage zu schaffen, d. h. einige entscheidende Begriffe zu definieren. Dazu bedarf es zunächst einmal der demographischen Einordnung und der Definition des Begriffs „Jugendliche“ (2.1). Die Peergroups, manchmal auch als die „heimlichen“ Erzieher 1 beschrieben, übernehmen mit dem Eintritt in die Adoleszenz immer stärker die Sozialisation vieler Jugendlicher, und drängen so die traditionellen Erziehern, vor allem Eltern und Familie, in den Hintergrund. Daher soll als nächstes ein Blick auf das Elternhaus in seiner Rolle als traditioneller Erzieher geworfen werden (2.2), bevor anschließend der Begriff „Peergroup“ demgegenüber gestellt und so definiert wird (2.3).
Die Analyse soll schließlich das Verhältnis zwischen Peergroup und Schule untersuchen und sich dabei u. a. an folgenden Fragen orientieren: Sind Schule, als Pflichterfüllung, und Peergroup, als mehr oder weniger sorgfältig ausgewähltes Umfeld, automatisch Gegensätze oder können beide auch komplementäre Wirkungen entfalten? Wirken Peerbeziehungen leistungsfördernd oder doch eher leistungshemmend auf den schulischen Erfolg? Welchen indirekten Einfluss hat eine Gleichaltrigengruppe möglicherweise auf Außenstehende? Das abschließende Fazit trägt die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal zusammen und liefert so einen Gesamtüberblick.
Zur Terminologie sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Begriffe „Peergroup“, „Gleichaltrige“ bzw. „Gleichaltrigengruppe“ und „Gleichgesinnte“ im Folgenden synonym verwendet, d. h. als bedeutungsgleich und daher austauschbar behandelt, werden. Ebenso wird zwischen den Begriffen „Eltern“ bzw. „Elternhaus“ und „Familie“ nicht unterschieden, es sei denn es wird explizit darauf hingewiesen.
1 Wißkirchen, Hubert. Die heimlichen Erzieher. München: Kösel (2002).
2
2. Definition: Jugendliche
Um eine eindeutige Diskussionsgrundlage zu gewährleisten, gilt es zunächst einmal die in der Fragestellung als „Jugendliche“ beschriebene Gruppe genauer zu definieren. Durch eine „stark kommerzialisierte und mediatisierte Jugendkultur“ werden Jugendliche teilweise sehr früh mit den Aufgaben des Heranwachsens bzw. der Adoleszenz konfrontiert. Dazu zählen „die Auseinandersetzung mit Sexualität, die Veränderungen in den Beziehungen zu den Eltern und die von der Gleichaltrigengruppe an sie herangetragenen Erwartungen, sich in angemessener Weise als ‚jugendlich’ und ‚weiblich’ bzw. ‚männlich’ darzustellen“ 2 . Das Alter von Heranwachsenden die sich in der Adoleszenz, d. h. zwischen Kindheit und Erwachsensein befinden, wird von der World Health Organization (WHO) mit zehn bis 19 Jahren angegeben 3 . Diese Angabe soll im Folgenden als Orientierung dienen, wobei sich eine darüber hinausgehende Subkategorisierung als sinnvoll erwiesen hat. Die Schwelle für diese zusätzliche Unterteilung liegt bei 12 bis 13 Jahren. Von da an, dem Eintritt in die Pubertät, sind die Heranwachsenden „in Kindheitskategorien nicht mehr angemessen beschreibbar“, dabei aber „dem Erwachsensein noch sehr fern“ 4 . Hier findet also ein deutlicher Schnitt statt, der sich auch darin widerspiegelt, dass Mädchen und Jungen sich nicht länger parallel entwickeln. Sowohl was die körperlichen Veränderungen als auch das soziale Umfeld betrifft gehen die Entwicklungen hier getrennte wegen, worauf hier aber nicht näher eingegangen werden soll, da es die Fragestellung nicht erfordert. Darüber hinaus verändert sich die Zusammensetzung der Peergroups von geschlechtshomogenen zu -heterogenen Gruppen. Wenn hier also von Jugendlichen die Rede ist, sind männliche und weibliche Heranwachsende im Alter von 12 bis 19 Jahren gemeint. Inhaltlich befinden sich die Jugendlichen in einem bewussten wie unbewussten Lernprozess, in welchem „jeweils angemessene geschlechtliche und jugendliche Orientierungen und Praktiken entwickelt, ausprobiert und verhandelt werden“ 5 .
2 Breitenbach, Eva. Mädchenfreundschaften in der Adoleszenz. Opladen: Leske+Budrich (2000). S. 10
3 http://www.who.int/child-adolescent-health/overview/ahd/adh_over.htm. Abgerufen: 30.09.2006
4 Tillmann, Klaus-Jürgen. „‚Spielbubis’ und ‚eingebildete Weiber’ - 13- bis 16jährige in Schule und peer-group“. In: Jugend männlich - Jugend weiblich. Sozialisation, Geschlecht, Identität. Opladen: Leske+Budrich (1992). S. 13
5 Breitenbach, Eva. Mädchenfreundschaften in der Adoleszenz. S. 12
3
Folglich stellt diese Zeit „wie kaum eine andere Entwicklungsphase […] einen neuralgischen Punkt auf dem oft steinigen Weg zur reifen Persönlichkeit dar“ 6 . Neben der Persönlichkeitsentwicklung sehen sich die Jugendlichen mit den schulischen Anforderungen konfrontiert, und damit, die eigenen, aber auch fremdez. B. elterliche - Erwartungen an ihre schulischen Leistungen zu erfüllen. Im Folgenden wird deutlich werden, welche Rolle in diesem Prozess die Peergroup bzw. die Schule spielt und wann beide Akteure eine komplementäre bzw. konträre Wirkung entfalten.
3. Eltern und Familie als traditionelle Erzieher
Als traditionelle Erzieher werden, neben der Schule, vor allem die Eltern bzw. die Familie betrachtet. Daher ist es zunächst einmal interessant, ob diese Vorstellung nach wie vor ihre Gültigkeit hat oder ob sich bedeutsame Veränderungen ergeben haben. Wie sehen also die familiären Hintergründe der Jugendlichen heutzutage aus?
Auf den ersten Blick ergibt sich ein scheinbar offenkundiger Wandel der Familienstrukturen. Es wird nicht nur seltener und später geheiratet, sondern es werden auch deutlich mehr Ehen geschieden. So stieg die Scheidungsrate in Deutschland zwischen 1970 und 2003 kontinuierlich von 17,9 Prozent auf etwas über 40 Prozent 7 . Die Folgerung, dass dadurch der Anteil an allein erziehenden Eltern erheblich zugenommen haben dürfte, erweist sich jedoch als Trugschluss: Mehr als drei Viertel der Kinder in Deutschland lebten im Jahr 2000 nach wie vor in einer „Ursprungsfamilie“ 8 , d. h. bei einem verheirateten und zusammenlebenden Elternpaar. Dies lässt sich teilweise auf die gleichzeitige Abnahme der Geburtenrate zurückführen, von durchschnittlich 2,10 auf 1,31 zwischen 1970 und 2003 9 , liegt aber
6 Klosinski, Gunther. „Zur Bedeutung der Gleichaltrigen-Gruppe im Jugendalter - Chancen und risiken aus jugendpsychiatrischer Sicht“. In: Nörber, Martin. Peer Education. Bildung und Erziehung von Gleichaltrigen durch Gleichaltrige. Weinheim: Beltz (2003). S. 66
7 http://www.bpb.de/wissen/NHXRDM,0,Entwicklung_der_Scheidungsrate.html. Statistisches Bundesamt (2004). Abgerufen: 02.10.2006
8 http://www.bpb.de/wissen/1D1AW4,0,Kinder_nach_Familienstand_der_Eltern.html. Statistisches Bundesamt (2004). Abgerufen: 02.10.2006
9 http://www.bpb.de/wissen/0OBM9A,,0,Entwicklung_der_Geburtenziffer.html. Statistisches Bundesamt (2004). Abgerufen: 02.10.2006
4
vor allem in der Tatsache begründet, dass es überwiegend kinderlose Ehen sind, die wieder geschieden werden.
Auch die Statistiken bezüglich der Geschwisterzahl widersprechen der Annahme, dass durch den Rückgang der Geburtenrate die Zahl der Einzelkinder steigen müsste: Es gilt nach wie vor der seit 1991 gleich bleibende Wert von lediglich knapp 25 Prozent für Kinder in Deutschland die ohne Geschwister aufwachsen 10 . Dies hat seine Ursache vor allem darin, dass immer mehr Ehen gänzlich kinderlos bleiben und folglich in dieser Statistik nicht auftauchen.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass, entgegen der weitläufigen Meinung, mehr als 75 Prozent der Kinder in Deutschland bei ihren zusammenlebenden Eltern aufwachsen. Davon haben wiederum 75 Prozent einen Bruder oder eine Schwester bzw. mehrere Geschwister. Diese Zahlen bedeuten, dass, rein statistisch betrachtet, die Familienstrukturen in Deutschland größtenteils nach wie vor sehr traditionell geblieben sind. Ob das auch auf die Rolle der Familie in der Sozialisation Jugendlicher zutrifft, soll im Folgenden näher betrachtet werden. Die Familie als traditioneller Erzieher stellt nicht nur die materielle Versorgung des Heranwachsenden sicher, sondern ist vor allem auch als moralischer und emotionaler Rückhalt gefordert. Es findet zwar eine zunehmende Abnabelung von der Familie in die Eigenständigkeit statt, doch dieser „Prozess der Distanzierung und Ablösung steht nicht im Gegensatz zu der Erwartung, dass die Eltern gerade in dieser Phase Ansprechpartner und Lebenspartner sein mögen“ 11 . Paradoxerweise erfüllt also gerade das wovon sich die Heranwachsenden emanzipieren wollen gleichzeitig die Rolle eines wichtigen Vertrauten und Ratgebers. Hierbei gilt es allerdings einen entscheidenden Unterschied zu berücksichtigen: Während die Mutter für Mädchen wie Jungen eine sehr wichtige Vertrauensperson ist, kommt dem Vater in dieser Hinsicht nur eine untergeordnete Rolle zu. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass die Beziehung zwischen Mutter und Tochter besonders vertraut ist. Hierbei spielt neben psychologischen Ursachen sicher auch der Zeitfaktor eine Rolle, da Väter nach wie vor weniger zu Hause sind als Mütter, und Mädchen ihre Freizeit häufiger in der Familie verbringen als Jungen 12 .
10 http://www.bpb.de/wissen/RCQ36N,,0,Kinder_nach_Geschwisterzahl_im_Haushalt.html. Statistisches Bundesamt (2004). Abgerufen: 02.10.2006
11 Tillmann, Klaus-Jürgen. „Söhne und Töchter in bundesdeutschen Familien - Mehr Kontinuität als Wandel?“. In: Jugend männlich - Jugend weiblich. S. 42
12 Ebd. S. 42
5
Arbeit zitieren:
Jan Micha Hoekstra, 2006, Jugendliche zwischen Peergroup und Schule, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pädagogik / Erziehungswissenschaften: neuer Titel erschienen: Jugendliche zwischen Peergroup und Schule
Jan Micha Hoekstra hat einen neuen Text hochgeladen
Bildungsorientierungen Jugendlicher in Familie und Schule
Die Bedeutung der Sekundarschu...
Susann Busse
Freundschaft und Verwandtschaft
Zur Unterscheidung und Verflec...
Johannes F. K. Schmidt, Martine Guichard, Peter Schuster, Fritz Trillmich
Jugend zwischen Familie und Schule
Eine Studie zu pädagogischen G...
Werner Helsper, Rolf-Torsten Kramer, Merle Hummrich, Susann Busse
Freundschaften unter Kindern und Jugendlichen
Interdisziplinäre Perspektiven...
Lutz-Michael Alisch, Jürgen W. L. Wagner
Pubertät - wenn Erziehen nicht mehr geht
Gelassen durch stürmische Zeit...
Jesper Juul, Mathias Voelchert
0 Kommentare