Inhaltsverzeichnis
1. Abstract 3
2. Einleitung 4
3. Grundsätzliches zu Wittgensteins Philosophie 5
3.1 Der Ausgangspunkt 5
3.2 Grundsätzliches zu seiner Spätphilosophie 5
4. Wittgensteins Spätphilosophie 6
4.1 Ausgangspunkt seiner Sprachauffassung 6
4.2 Genauere Beschaffenheit seiner Sprachauffassung 9
4.2.1 Sprachspiele 9
4.2.2 Familienähnlichkeit 9
4.2.3 Lebensformen 10
4.2.4 Naturtatsachen 11
4.3 Konklusion zu Wittgensteins Spätphilosophie 11
5. Wittgensteins Spätphilosophie als Erkenntnistheorie 13
5.1 Positivismus 13
5.2 Relativismus 13
5.3 Wittgensteins Lösung 14
5.4 Übertragung auf Wissenschaft 15
6. Konklusion 16
7. Literaturverzeichnis 19
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1. Abstract
Das Thema meiner Abhandlung lautet „Wittgensteins Spätphilosophie als Erkenntnistheorie“. Es wird behandelt im Zuge von zwei wesentlichen Abschnitten. Einem ersten zu Wittgensteins Spätphilosophie, die hier den Ausgangpunkt bildet und einem zweiten in dem sich die eigentliche Untersuchung vollzieht, die Ableitung von Implikationen aus dem im ersten Teil dargelegten Ansatz in Bezug auf Erkenntnistheorie.
Philosophie befasst sich mit philosophischen Problemen. Wittgenstein vertritt die Annahme, sie seien eigentlich nur Scheinprobleme, die auf einem falschen Verständnis von Sprache basieren und befasst sich daher mit philosophischen Problemen, betreibt also Philosophie, indem er dies zu zeigen versucht.
Um dieses grundsätzliche Ziel seines gesamten philosophischen Werkes zu erreichen, gelte es eine solche falsche Sprachauffassung nachzuweisen und verständlich zu machen, wie Sprache tatsächlich funktioniert. Dazu entwickelt er mit seinem Spätwerk eine eigene Sprachauffassung in Abgrenzung zu einer Sprachauffassung, die der allgemeinen philosophiegeschichtlichen Tradition zuzuordnen ist und die er selbst noch in seinem Frühwerk vertreten hatte. Anhand beispielhafter Beschreibungen von Verwendungen von Sprachre zeigt er deren Unzulänglichkeiten auf und entwickelt seinen eigenen Ansatz, der auf der Annahme basiert, die Bedeutung eines Wortes zeige sich in seinem Gebrauch.
Eine Ableitung von Implikationen in Bezug auf Erkenntnistheorie, die sich aus dem sprachphilosophischen Ansatz der Spätphilosophie Wittgensteins ergeben, wird im anschließenden zweiten wesentlichen Teil vollzogen. Sie und auch ihr Nutzen werden deutlich, wenn man die Spätphilosophie Wittgensteins vor dem Hintergrund der erkenntnistheoretischen Kontroverse zwischen Positivismus und Relativismus betrachtet. Der erkenntnistheoretische Positivismus basiert auf der Annahme, es gebe durch Erfahrung gegebene, unbezweifelbare, also beobachtungsunabhängige Tatsachen, weshalb die Bedeutung eines sinnvollen Satzes allgemeingültig durch den Sachverhalt beschrieben sei, den der Satz abbilde. Dementsprechend gebe es allgemeingültige Wahrheit und sie determiniere Realität. Der erkenntnistheoretische Relativismus lehnt diese Annahme ab, Wahrheit von Aussagen sei stets arbiträr, also eine allgemeingültige Wahrheit von Aussagen nicht möglich. Wittgenstein bietet mit seinem sprachphilosophischen Ansatz eine Lösung für diese Kontroverse und umgeht damit auch gewisse Probleme, die mit beiden Positionen jeweils verbunden sind. Zwar sei Wahrheit, also auch Erkenntnis und Realität wesentlich durch Sprache konstruiert, jedoch seien die Möglichkeiten der Sprache dabei nicht uneingeschränkt. Nämlich gebe es natürliche Grenzen, die durch „Naturtatsachen“ gegeben sind und einer jeden Lebensform und damit auch einem jeden Sprachspiel zugrunde liegen. Etwa seien es Naturtatsachen, das Menschen denken und Sprache verwenden. Erkenntnis ist damit letztlich weder vollkommen determiniert durch außersprachliche Tatsachen, noch vollkommen relativ. Jegliche wissenschaftliche Teildisziplinen ergeben sich somit als künstliche, konstruierte Sprachen, die mögliche Welten erzeugen.
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2. Einleitung
Die Philosophie Ludwig Wittgensteins ist einzigartig und revolutionär, sowohl im Hinblick auf ihre methodischen Ansätze, als auch angesichts ihrer Zielsetzung. Man nennt ihn einen „der großen Philosophen des 20. Jahrhunderts“ (Pitcher 1967, S. 9).
Sein grundsätzliches Ziel besteht letztlich darin, zu zeigen, dass traditionelle Philosophie überhaupt fehlgeleitet ist, um sie so zu einem entgültigen Abschluss, zu ihrer Auflösung zu führen. Entgegen der allgemeinen philosophiegeschichtlichen Tradition, sucht er nicht im gewöhnlichen Sinne Ant-worten auf philosophische Fragen. Ihm geht es darum philosophische Probleme aufzulösen, wodurch „nicht nur die bisherigen philosophischen Antworten, sondern auch die Fragen verschwinden“ (Kienzler 2007, S. 10) sollen. Die methodischen Ansätze, die er dazu verfolgt lassen sich trotz wichtiger Kontinuitäten in zwei Teile gliedern, die jeweils einer seiner Schaffensperioden, seinem Früh- und seinem Spätwerk zuzuordnen sind.
Sprachphilosophie im Allgemeinen, so auch die Philosophie Wittgensteins, sind bestrebt „die Er-kenntnistheorie durch die Sprachphilosophie abzulösen“ (Vossenkuhl 1995, S. S. 14). Das bedeutet, ihr entsprechend wird die Sprache als das Primäre aufgefasst, Realität sei uns nur vermittelt durch Sprache gegeben, weshalb auch Erkenntnistheorie und ihre vereinfachte Grundfrage „Was können wir wissen?“ (Vollmer 1985, XXIV) nur vor diesem Hintergrund zu behandeln sind. Mit seinem Spätwerk, seiner Spätphilosophie, die für diese Abhandlung zentral ist, entwickelt Wittgenstein einen sprachphilosophischen Ansatz der eine genauere Bestimmung des Verhältnisses von Sprache und Realität beinhaltet und aus dem sich somit eine Antwort auf die Frage nach dem richtigen Umgang mit der erkenntnistheoretischen Grundfrage ableiten lässt. Diese Ableitung bedeutet das hier verfolgte Forschungsinteresse.
Um sie zu erreichen, soll zunächst eine grundständige thematische Basis hergestellt werden. In Anbetracht der gegebenen formalen Rahmenbedingungen, soll dabei der Fokus der Betrachtung auf substantiellen Inhalten liegen, die unmittelbar zur Entfaltung des Themas relevant sind. Die Spätphilosophie Wittgensteins findet im wesentlichen Ausdruck in seinem zweiten Hauptwerk, den „Philosophischen Untersuchungen“, die daher hier als primäre Literaturgrundlage dienen. In einem ersten Abschnitt soll dazu der genannte Ausgangspunkt genauer erläutert werden, um ein grundsständiges Verständnis der Beschaffenheit und Intention der Philosophie Wittgensteins zu ermöglichen. Darauf aufbauend soll der mit seiner Spätphilosophie einhergehende sprachphilosophische Ansatz dargestellt werden, um wiederum eine Basis für die beschriebene Ableitung herzustellen. Sie ergibt sich durch eine Einordnung der Spätphilosophie Wittgensteins vor dem Hintergrund der erkenntnistheoretischen Kontroverse zwischen Positivismus und Relativismus. Zur Verdeutlichung sollen dabei vor allem eine allgemeine Beschreibung der Grundzüge dieser Positionen, sowie der Implikationen des sprachphilosophischen Ansatzes Wittgensteins und eine Übertragung auf einen genaueren Ansatz zur Erkenntnisgewinnung, auf Wissenschaft, dienen.
3. Grundsätzliches zu Wittgensteins Philosophie
Noch vor der genaueren Beschäftigung mit den wesentlichen Teilen des gegebenen Themas, der Spätphilosophie Wittgensteins und ihrem Bezug auf Erkenntnistheorie, soll zunächst Grundsätzliches zur Philosophie Wittgensteins vorangestellt werden, um ein grundständiges Verständnis seiner Spätphilosophie zu ermöglichen.
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3.1 Der Ausgangspunkt
Philosophie befasst sich mit philosophischen Problemen. Wittgenstein befasst sich mit philosophischen Problemen und betreibt also Philosophie, indem er versucht sie vollkommen zu klären. Er vertritt die Annahme, es handle sich dabei um „keine echten Probleme“ (Goeres 2000, S. 163), weshalb die angestrebte Klarheit eine Auflösung bedeutet, mit der „die philosophischen Probleme vollkommen verschwinden“ (PU §133).
Um dieses grundsätzliche Ziel zu erreichen, verfolgt er die Strategie „dem Denken eine Grenze [zu] ziehen, oder vielmehr - nicht dem Denken, sondern dem Ausdruck der Gedanken: Denn um dem Denken eine Grenze zu ziehen, müßten wir
beide Seiten dieser Grenze denken können (wir müßten also denken können, was sich nicht denken läßt).“ (TLP Vorwort)
Indem er nun dem Ausdruck der Gedanken, das heißt nach seinem Verständnis der Sprache, eine Grenze zieht, kann er auch sein grundsätzliches Ziel erreichen, nämlich zeigen, dass philosophische Probleme außerhalb dieser Grenze liegen und mit „mit falschen Vorstellungen vom Funktionieren der Sprache zusammenhängen“ (Kienzler 2007, S. 10). Der Sprache eine Grenze zu ziehen meint nichts anderes, als verständlich zu machen, wie Sprache tatsächlich funktioniert. In seinen zwei Schaffensperioden entwickelt er dazu verschiedene sprachphilosophische Ansätze. Dabei bewirken die mit ihnen einhergehenden Auflösungen nicht, dass die vermeintlichen Probleme wertlos werden, denn erst durch sie könne die Bedeutung und der Nutzen des sprachphilosophischen Ansatzes deutlich werden, der zu ihrer Klärung führte:
„Die Ergebnisse der Philosophie sind die Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns und Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache geholt hat. Sie, die Beulen, lassen uns den Wert jener Entdeckung erkennen.“ (PU §119)
Wittgenstein strebt keine theoretische Konzeption zur Lösung philosophischer Probleme an; es geht ihm vor allem um eine Methode, die darauf abzielt „die eher praktische Fähigkeit [auszubilden], mit philosophischen Fragen umzugehen und sie richtig zu behandeln“ (Kienzler 2007, S. 10). Er will den Menschen, die sich mit ihnen plagen, mit Problemen, die im Allgemeinen die Form haben „Ich kenne mich nicht aus.“ (PU §123) von seiner falschen Sprachauffassung, aus seiner Verwirrung befreien, gleichsam „Der Fliege der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“ (PU §309)
3.2 Grundsätzliche Beschaffenheit seiner Spätphilosophie
Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“ mögen, besonders im Hinblick auf die hochgradig systematisierte Form seines ersten Hauptwerkes, zunächst schemenhaft wirken. Mit seinem Vorwort bekennt er, dass alles was er leisten könne „immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden“. Damit umschreibt er die Unvollkommenheit, die er in seinem Werk sieht; er habe vergeblich versucht „ein gutes Buch“ hervorzubingen, insofern es ihm nicht gelungen sei dessen Inhalte derart zu gestalten, dass „die Gedanken von einem Gegenstand zum andern in einer natürlichen und lückenlosen Folge fortschreiten“. (vgl. PU Vorwort)
Dennoch erweisen sich die gegebenen einzelnen Bemerkungen als sehr komprimiert und anspruchsvoll, da jede kleinste Textmenge den Anspruch erhebt das Ganze der Gedanken Wittgensteins zu repräsentieren. Daraus ergibt sich eine gewisse Sprödigkeit, die es schwer macht einzelne Passagen durch Umformung zu interpretieren, ohne ihren Inhalt dabei gleichsam zu zerbrechen. Entgegen seinem Frühwerk, das Wittgensteim im Nachhinein als dogmatisch versteht, zeichnet sich seine Methode in seinem Spätwerk dadurch aus, dass er mit ihm ausschließlich Beschreibungen geben will und jegliche Erklärungen ablehnt:
„Die Philosophie stellt eben alles bloß hin, und erklärt und folgert nichts. - Da alles offen daliegt, ist auch nichts zu erklären.“ (PU 126)
Da es sich hier um einen sprachphilosophischen Ansatz handelt, ist Sprache das zu Beschreibende, sie wird als das Grundlegende, das nicht zu Erklärende verstanden. Das Fehlen der Möglichkeit von
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Erklärungen der Sprache bedeute jedoch keinen Mangel. Denn eine Beschreibung der Erscheinungen von Sprache, also eine Beschreibung des Sprachgebrauchs, könne das leisten, was eine Erklärung von Sprache verspricht, aber selbst nicht halten kann, „nämlich ein besseres Verständnis der Sprache“ (Kienzler 2007, S. 23). Eine Erklärung würde versuchen „Sprache durch etwas [zu] erklären, was der Sprache zugrunde liegt und dann seinerseits erklärt werden müsste“ (Kienzler 2007, S. 23). Sie ende damit in einem unendlichen Regress und erkläre also im Grunde gar nichts. „Sprachgebrauch ist nicht von der Existenz exakter Definitionen abhängig“ (Kienzler 2007, S. 45) und allein durch seine Beschreibung sei das Funktionieren von Sprache hinreichend verständlich zu machen. Die Begründung dieser zentralen These des hier thematisierten sprachphilosophischen Ansatzes, soll im Folgenden nachgezeichnet werden.
4. Wittgensteins Spätphilosophie
Nach diesen einleitenden, grundsätzlichen Bemerkungen zur Philosophie Wittgensteins, soll nun, entsprechend der einleitend erklärten Strategie, die Beschaffenheit des sprachphilosophischen Ansatzes seiner Spätphilosophie. Um die unumgängliche Vereinfachung der gegebenen Gedanken zu minimieren, und in Anbetracht der erwähnten Sprödigkeit der gegebenen Bemerkungen, werden dazu, besonders zu Anfang, teils größere Teile der Argumentation direkt nachgezeichnet. Die Entwicklung zu seinem hier zentralen Spätwerk, zu seiner Spätphilosophie, bedeutet dabei einen wesentlichen Wandel, der vor allem in Auseinandersetzung mit seinen zuvor vertretenen Ansichten heraus und aus einer Kritik daran vollzogen wird. Sein Frühwerk bedeutet einen sprachphilosophischen Ansatz, dem die „Abbildtheorie der Sprache“ wesentlich ist, die wiederum auf einer „gegenständlichen Bedeutungstheorie“ beruht. Ihr entsprechend besteht die Bedeutung eines Namens in dem außersprachlichen Gegenstand, den er abbildet. „Der Name bedeutet den Gegenstand.“ (TLP 3.203) In diesem Sinne wird Sprache als Mittel zur Abbildung von außersprachlich bestehenden Tatsachen verstanden.
Ausschlaggebend für seine Abkehr von dieser Sprachauffassung, war für Wittgenstein die schlichte Einsicht, dass „die Bedeutung weiterleben kann, wenn der Träger längst nicht mehr existiert“ (Schulte 1989, S. 172). Die Definition eines Namens „N“ könnte verschiedenste Merkmale beinhalten, unter anderem den vermeintlichen Träger des Namens. Jedoch auch, wenn sich die verschiedenen Merkmale als nicht zutreffend herausstellen und deshalb als Bestandteil der Definition fallengelassen werden, und auch, wenn sich der vermeintliche Träger des Namens als tatsächlich nicht mit „N“ assoziierbar herausstellt, kann es noch einen Gebrauch des Namens geben. Man gebrauche „den Namen „N“ ohne feste Bedeutung“ (vgl. PU §79).
4.1 Ausgangspunkt seiner Sprachauffassung
Die Philosophischen Untersuchungen setzen mit einer Auseinandersetzung mit der beschriebenen Sprachauffassung ein, die nicht nur Wittgensteins Frühwerk, sondern der allgemeinen philosophiegeschichtlichen Tradition zuzuordnen ist. Dazu wird, im Anschluss an das Vorwort, zunächst ein Zitat des Augustinus angeführt, das der kritisierten Position Ausdruck verleiht, die als „traditionelle Sprachauffassung“ bezeichnet werden soll.
Augustinus beschreibt darin sein eigenes Erlernen seiner Muttersprache. Ausgangspunkt dessen seien seine Wahrnehmung und sein Begreifen davon gewesen, dass „die Erwachsenen“ manchmal „irgend einen Gegenstand“ nannten, sich ihm dabei zuwandten und ihn so, „durch sie Laute, die sie aussprachen“ bezeichneten, um auf ihn hinzuweisen. Als Mittel, das sein Verstehen und somit seinen Spracherwerb möglich machte, nennt er die Gebärden, die „natürliche[...] Sprache aller Völker“. Durch sie sei es möglich, auch ohne die zu erlernende Sprache zu beherrschen, zu verstehen, wenn jemand „etwas begehrt, oder festhält, oder zurückweist, oder flieht“. So lernte Augustinus
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Richard Wermes, 2009, Wittgensteins Spätphilosophie als Erkenntnistheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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