Inhaltsverzeichnis 1
Inhaltsverzeichnis
0 Vorwort 3
1 Gehirn 5
1.1 Aufbau des Gehirns hinsichtlich der Emotionen 5
1.2 Biochemische Prozesse 6
1.2.1 Botenstoffe im Gehirn 6
Opiate beim Lernprozess - Der „Aha-Effekt“ 8
1.2.2
1.3 Spiegelneuronen 9
1.4 Genetische Determination 10
1.5 Prägung 11
2 Glück im Alltag 13
2.1 Definition von Glück 13
2.2 Glück und Gesellschaft 15
2.2.1 Bruttosozialglück 15
2.2.2 Vergleichsprozess an mehreren Beispielen 18
2.3 Glück im engen sozialen Umfeld 23
2.3.1 Partnerschaften und Familie 23
2.3.1.1 Ansprüche und Konflikte einer Partnerschaft 25
2.3.1.2 Symbiose zwischen Kind und Eltern 27
2.3.2 Glaube und Religion 28
2.3.3 Bedeutungszunahme von virtuellen Communitys 34
2.4 Flow-Effekt 37
3 Studie zum Flow-Effekt 41
3.1 Zielsetzung der Studie 41
3.2 Probleme bei der Untersuchung 41
3.3 Konzept und Durchführung der Studie 41
3.3.1 Pacman als Spiel zur Untersuchung 41
Inhaltsverzeichnis 2
3.3.2 Untersuchungsablauf 42
3.4 Ergebnisse der Untersuchung 43
3.5 Auswertung der Untersuchung 46
3.6 Fazit und Weiterführung der Untersuchung 48
4 Literaturverzeichnis 50
5 Anhang 53
Vorwort 3
0 Vorwort
Ein Gefühl was jeder haben möchte, doch keiner richtig beschreiben kann ist vor allem Glück. Gerade wegen dieses schwierigen Sachverhaltes ist es mein Ziel eine grundlegende Arbeit vorzulegen, die neben biologischen Inhalten auch gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt. Erst seit den 50er-Jahren wird intensiv in dieser Richtung geforscht. Durch fortschreitende Technik, wie EEG und MRT, war es möglich Aktivitäten von Gehirnstrukturen während Glücksgefühlen zu analysieren. Doch auch interhumane Beziehungen wurden Bestandteil des Fuß fassenden Forschungsgebietes. Erst seit wenigen Jahren ist die Glücksforschung etabliert. Zuvor wurde sich stark auf Krankheitsbilder spezialisiert. Dissertationen zur Volkskrankheit Depression gibt es in Unmengen. Seit 1960 wurden allerdings 3000 Studien mit hedonistischen Inhalten veröffentlicht. Die Fachzeitschrift „Journal of happiness studies“ gibt es sogar erst seit dem Jahr 2000. Grund für das steigende Interesse war die Frage, ob man durch die Forschungsergebnisse zum Beispiel Depressionen erfolgreich vorbeugen oder das Arbeitsleben angenehmer gestalten kann. Diese erst seit einigen Jahren intensive Forschung erschwert das Finden von bereits veröffentlichtem Fachmaterial. Die Suche belief sich größtenteils auf das Internet, weil diese Quelle derzeit noch die neuesten Informationen liefert. Einige Studienergebnisse sind noch zweifelhaft, weshalb man einigen Informationen kritisch begegnen muss. Aufgrund der fortschreitenden Globalisierung im Studien- und Forschungsbereich waren viele Studien und Dissertationen englischsprachig, wodurch die Übersetzung von Fachbegriffen länger dauerte.
Abstand nahm ich von Glücksratgebern, die sich in einer Vielzahl in den Regalen von Buchläden sich finden lassen. Diese bieten keine wissenschaftliche Grundlage, sondern vielmehr rein theoretische Maßnahmen um sich das Leben angenehmer zu gestalten. Warum die Anweisungen helfen sollen, wird allerdings nicht wissenschaftlich erklärt. Grundsätzlich habe ich populärwissenschaftliche Arbeiten abgelehnt. Weil viele Menschen nach Glück streben sind solche Bücher in Unmengen zu finden. Einige Bücher versprechen dem Leser, dass sie durch die Befolgung der Anweisungen dauerhaftes Glück erlangen können. Dies ist biologisch betrachtet unmöglich. Genau deswegen sollte man von diesen Büchern Abstand nehmen.
Vorwort 4
Glück zu definieren ist sehr kompliziert. Auch deswegen ist dies ein interessantes Thema, weil Glück durch die Schwierigkeit der Definitionsfindung etwas Übernatürliches, nahezu Unerklärbares, ist. In dieser Arbeit wird auf eine Definition von Glück verzichtet, aber trotzdem auf einige Aspekte hingewiesen. Dies wollte ich so, weil ich das Augenmerk auf Forschungsergebnisse legen wollte. Eine Begriffsbestimmung hat bei diesem Thema einen sehr philosophischen Charakter und könnte in einer zusätzlichen Arbeit Platz finden. Durch diese Monografie sollte ein kleiner Einblick in die aktuellen Forschungsergebnisse gegeben werden.
Der von mir durchgeführte Versuch mit Probanden sollte Studienresultate bestätigen und zeigen, dass man selbst die beschriebenen Flow-Effekte in einem kleinen Versuchsrahmen durchführen kann. Der Versuch erwies sich als zeitintensive Studie, die allerdings durch gründliche Vorbereitungen ohne Komplikationen ablief.
Ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit den Leser das Thema näher bringe. Meiner Meinung nach ist es Zeit, dass auch der Mensch sich mit dem Phänomen des Glückes beschäftigt. Durch die Kenntnis über einige Aspekte verbessert sich womöglich auch das Lebensgefühl.
Aufbau des Gehirns hinsichtlich der Emotionen 5
1 Gehirn
1.1 Aufbau des Gehirns hinsichtlich der Emotionen
Der Grund für das Empfinden von Gefühlen, wie Angst, Stress, Trauer, aber auch von Freude und Lust ist unser Gehirn. Anders als Schiller in seiner Ode „Freude schöner Götterfunken“ den Göttern die Ursache des Glückes zugestand, sind Wissenschaftler seit 1954 den wahren Gründen auf der Spur. Vor allem amerikanische Wissenschaftler wendeten sich der positiven Psychologie zu und erforschten das menschliche Gehirn, um Zentren für Glück, Optimismus, Geborgenheit oder auch Vertrauen zu finden und deren Funktionsweise zu verstehen. Die Forschungsdisziplin der positiven Psychologie beschäftigt sich demnach mit den positiven Aspekten der Psyche.
Die Neurowissenschaftler James Olds und Peter Milner implementierten 1954 kleine Elektroden in das Gehirn von Ratten. Die damit zugeführten Stromstöße aktivierten Hirnregionen, die für positive Gefühle zuständig waren. Dadurch lernten die Ratten sogar einen Hebel zu aktivieren um diesen Glücksrausch zu erleben. 1 Dies führten die Ratten sogar soweit aus, dass sie starben, weil sie keine Nahrung mehr zu sich nahmen. Das heißt also, dass selbst primäre Bedürfnisse, wie Nahrungsaufnahme oder Fortpflanzung (man stellte paarungsbereite Weibchen in den Käfig), für das Glücksgefühl ignoriert wurden. Durch dieses Experiment wusste man nun, dass im Gehirn ein Belohnungs- bzw. Lustsystem vorhanden ist. Auch beim Menschen existiert dieses System. Das Belohnungssystem besteht aus drei Teilen:
- dem Nucleus accumbens,
- dem ventralen tegmentalen Areal im Mittelhirn und
- den präfrontalen Regionen des Mittelhirns.
Dabei ist allerdings der Nucleus accumbens die Schlüsselstelle des emotionalen Empfindens. Er ist damit eine Art „Sensor für positive, lustvermittelnde und
1 Vgl.: Braun, T.: Chemie des Glücks, in: Gehirn und Geist 04/2002 (2002), S.13
Biochemische Prozesse 6
motivierende Schlüsselreize.“ 2 Diesen Teil kann man mit zu dem limbischen System zählen. Dopaminerge Fasern enden im Nucleus accumbens, welche Dopamin ausschütten. Diese Faserzüge sind für eine positive Verstärkung und Anreizmotivation verantwortlich. Man unterscheidet jedoch zwei unterschiedliche Fasern. Myelinisierte (=elektrisch isolierte Axone) Fasern sind schnell leitende Bahnen, um nach einer elektrischen oder chemischen Reizung (wie z. B. Kokain) eine positive Verstärkung zu übermitteln. Die zweite Art von Fasern ist wenig myelinisiert und leitet daher nur langsam. Diese übermitteln Bedürfnisse wie Hunger und Durst, also die Triebreize.
1.2 Biochemische Prozesse
1.2.1 Botenstoffe im Gehirn
Hormone steuern unseren gesamten Organismus. Die Medizinwissenschaft geht davon aus, dass es deutlich mehr als die 150 bekannten chemischen Botenstoffe gibt. Eine Schlüsselrolle für das Wohlbefinden ist Dopamin (DA). DA hat die Summenformel und zählt aufgrund des Besitzes einer Aminogruppe (NH 2 ) zu den Monoaminen. Das im Volksmund als „Glückshormon“ bezeichnete DA wird indirekt über die Nahrung aufgenommen. Die α-Aminosäure Tyrosin, welche erstmals in Käse nachgewiesen wurde, ist der Ausgangsstoff für die Biosynthese. Säugetiere sind jedoch fähig diese Aminosäure aus L-Phenylalanin zu bilden. Der nächste Vorläufer L-Dopa (Abk. für L-3,4-Dihydroxyphenylalanin) entsteht durch eine Hydroxylierung, d.h. unter Anbindung einer Hydroxylgruppe (-OH). Dieser Stoff wurde übrigens gegen die Parkinsonkrankheit eingesetzt, da dieser neurologischen Krankheit ein Mangel an DA zugrunde liegt. Das endgültige DA entsteht nach einer Decarboxylierung. Der Botenstoff wird dann durch einen axonalen Transport in den synaptischen Endknöpfchen gespeichert. 3 Das gespeicherte DA wird unter anderem dann freigegeben, wenn ein Vergleichsprozess positiv ausfällt. Ein Vergleichsprozess fällt immer dann positiv aus, wenn man selbst erkennt, dass man besser ist als eine andere vergleichbare Person. Der genaue Vorgang wird später noch einmal
2 Spitzer, M. et al.: Hirnforschung für Neu(ro)gierige, Stuttgart 2009, S.9
3 Vgl.: Römer, S.: Dopamin und Persönlichkeit. Überprüfung des Zusammenhangs zwischen
basaler dopaminerger Aktivität und Extraversion oder Spontaneität, Diplomarbeit, Universität
Trier, 2005.
Biochemische Prozesse 7
aufgegriffen. DA strömt auf Grund des positiven Vergleiches aus der dopaminergen Zellgruppe A10 im Mittelhirn über Dopaminbahnen in den frontalen Cortex und den Gyrus cinguli. Dank der Arbeiten der amerikanischen Neurowissenschaftlerin Goldman-Rakic weiß man, dass das Frontalhirn durch den Dopaminschub leistungsfähiger ist. Der Frontallappen besteht aus einem Motorcortex, dem prämotorischen Cortex und dem präfrontalen Cortex. Der Motorcortex ist für die Bewegungen zuständig, wobei der prämotorische Cortex für die Auswahl der Bewegungen verantwortlich ist. Der präfrontale Cortex regelt die kognitiven Prozesse. Dies ist ein erwünschter Effekt für das Lernen. Das Dopamin fördert dadurch die Denkfähigkeit, sodass sich ein Erfolg einstellen kann und so die Person weiter an der Aufgabe interessiert ist. Es stellt sich neben dem Glücksgefühl, da man die Aufgabe richtig gelöst hat, auch ein Forschungsdrang.
Ein Teil des DA gelangt aber auch in den Nucleus accumbens. Dieser Teil des Gehirns produziert dabei Eiweiße. Diese Eiweiße sind Opioide, welche der Gruppe der Endorphinen zuzuordnen sind. Eine Gefahr besteht, wenn im Nucelus accumbens zu wenig DA freigesetzt wird, da der Organismus dadurch „lustlos (anhedonisch), möglicherweise depressiv und nicht selten auch sehr empfindlich für Schmerzreize.“ 4 wird.
Es sei bemerkt, dass allerdings einige Wissenschaftler davon ausgehen, dass DA nicht die Ursache für das Glücksempfinden sei. Kent Berridge, ein amerikanischer Psychologe, Neurowissenschaftler und Professor der University of Michigan, sieht DA „als Ursprung des Verlangens.“ 5 Er zerstörte bei Ratten die Dopaminrezeptoren, wodurch eine Ausschüttung des Proteins verhindert wurde. Zur Folge hatte es eine Lustlosigkeit der Ratten. Das Grundbedürfnis Essen wurde nicht mehr erfüllt. Wurden die Ratten aber dazu gezwungen erlebten sie trotzdem einen Glückszustand. Das heißt also, dass andere Hormone für das Empfinden der Freude zuständig sein müssen. Trotzdem ist das Dopamin extrem wichtig, da es „ein Verlangen [erzeugt] und so dem Körper ein Bedürfnis [signalisiert]“ 6 , was letztendlich zum Glückserlebnis führt.
4 Spitzer, M. et al.: Hirnforschung für Neu(ro)gierige, Stuttgart 2009, S.9
5 Vogelmann, K.: Das Glück sitzt im Gehirn: Neurowissenschaftler erforschen die biologischen
Grundlagen der Freude (2003), URL:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/233104.html (Stand: 26.07.2010)
6 Ders., URL: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/233104.html?page=1
(Stand: 26.07.2010)
Biochemische Prozesse 8
1.2.2 Opiate beim Lernprozess - Der „Aha-Effekt“
Der amerikanische Psychologe und Sprachwissenschaftler Karl Bühler beschrieb den „Aha-Effekt“ (auch „Aha-Erlebnis) als „ein eigenartiges im Denkverlauf auftretendes-lustbetontes Erlebnis, das sich bei plötzlicher Einsicht in einen zuerst undurchsichtigen Zusammenhang einstellt.“ 7 Hintergrund dieses Effektes sind die hormonellen und neuronalen Zusammenhänge im Gehirn. Auch in diesem Zusammenhang spiegelt sich die Bedeutung von Dopamin wieder. Der Neurotransmitter und Neuromodulator Dopamin kann auch direkt im frontalen Cortex ausgeschüttet werden, was zum besseren Denken führt. Durch die Ausschüttung von Dopamin im Nucleus accumbens werden endogene Opioide gebildet. Opioide sind opiatähnliche Stoffe, die ein gutes angenehmes Gefühl vermitteln. Dieser Ausschüttung von Dopamin, wodurch es zur Bildung von endogenen Opioiden kam, ging eine Handlung voraus. Die Handlung, die voranging, wird dadurch weiterverarbeitet und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit abgespeichert. Das Gehirn lernt.
Das „Aha-Erlebnis“ führt also zur Ausschüttung von Dopamin. Dies wirkt sich als Glücksgefühl im Körper aus, wodurch wir nach diesem Erlebnis süchtig werden. Das Gehirn will den nächsten „Drogenhigh“, weshalb der Erkenntnisdrang und Wissensdurst maximiert wird. Der amerikanische Forscher Irving Biedermann testete bei Probanden die These, dass bei erhöhter Aktivität regionaler Zentren von Opioidrezeptoren, auch das Glücksempfinden sich erhöht. Den Versuchspersonen wurden angenehme Bilder gezeigt, während die Hirnaktivität über ein fMRT (funktionelle Magnetresonanztomografie) aufgezeichnet wurde. Man erkannte, dass die Opioidzentren aktiver waren, je schöner und glücklicher die Bilder waren. Zeigte man die Bilder jedoch erneut, so ist die Aktivität geringer als beim vorigen Betrachten des Bildes. Ein Grund ist hierfür der Vergleichsprozess. Da man das Bild bereits kennt, sucht das Gehirn nach neuen und besseren Bildern. Das Anspruchsniveau steigt. Aus evolutionärer Sicht glaubt Biedermann, dass die Intelligenz auch ein Merkmal der Partnerwahl ist. Der Belohnungseffekt könnte dadurch auch
7 Pohl, W.: Was ist ein „Aha-Erlebnis“?, URL: http://www.pohlw.de/lernen/kurs/lern-01.htm
(Stand: 21.08.2010)
Genetische Determination 9
„erklären, warum der Mensch eine so ausgeprägte Neugier besitzt.“ 8 Durch die Neugier erlangt der Mensch neue Erfahrungen. Sind diese positiv so erfährt der Mensch ein zufriedenes Gefühl.
1.3 Spiegelneuronen
Dass wir mit unseren Mitmenschen mitfühlen verdanken wir den Spiegelneuronen. Oft sagt man intuitiv „Au!“, wenn sich ein Mensch verletzt. Doch wir lächeln auch, wenn andere Menschen lachen. Bei Schimpansen wurden 1996 von dem italienischen Forscher Rizzolatti Spiegelzellen entdeckt. Ursprünglich wollte der Forscher die aktiven Zellen des Gehirns lokalisieren, die bei der Handlung des Greifens nach einer Frucht beteiligt sind. Man entdeckte erstaunliches. Nicht nur, wenn der Affe selbst nach dem Futter greift sind die Zellen aktiv, sondern auch, wenn der Affe einen Artgenossen bei der Handlung betrachtet. Genau diese Zellen sind die Spiegelzellen. Der Ort der Spiegelneuronen ist umstritten. Bei Schimpansen ist man sich größtenteils einig, dass das Areal F5 für das Spiegelsystem zuständig ist. Bei dem Menschen ist man verschiedener Meinung, da Spiegelneuronen nicht nur an einer Stelle zu finden sind. Allgemein kann man annehmen, dass sich das Spiegelneuronensystem im rechten Frontallappen, genauer dem Broca-Zentrum BA 44, befindet. Das Broca-Zentrum ist für die Sprachverarbeitung verantwortlich, was in Widerspruch mit den Funktionen der Spiegelneuronen steht.
Die Funktionsweise der Spiegelneuronen ist noch nicht exakt erforscht. Populärwissenschaftlich kann man jedoch diesen Vorgang erklären. Sieht oder hört ein Mensch Emotionen, leiten die Nervenfasern die elektrischen Impulse zu den Spiegelneuronen. Diese erkennen lediglich, um welche Emotion es sich handelt. Die Spiegelneuronen leiten dann die Informationen zu den Nervenzellen der entsprechenden Emotion. Die Nervenzellen werden aktiviert und man empfindet jeweilige Emotion. Dieses Resultat wird als Empathie bezeichnet. Jeder Mensch besitzt von Geburt an Spiegelneuronen. Diese müssen aber noch aktiviert werden. Dies geschieht durch Erfahrungen und das Vorleben der Bezugspersonen. Mitfühlende Eltern sind die Hauptpersonen bei der Entwicklung von neuronalen
8 o. A.: Aha-Effekt ist „Opium fürs Gehirn“, URL: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-4908-
2006-06-22.html (Stand: 21.06.2010)
Genetische Determination 10
Systemen. Im dritten/vierten Lebensjahr zeigt sich dann zum ersten Mal die Empathie bei Kindern (Beispiel: Wenn eine Mutter bei einem Baby weint, weint das Baby nicht automatisch auch. Ein Kleinkind hingegen „spürt“ die Gefühle der Mutter).
Die Funktion der Spiegelneuronen ist umstritten. Evolutionstechnisch waren die Spiegelneuronen hinsichtlich der nonverbalen Kommunikation entscheidend. Gefahren durch Mimik und Gestik dechiffrieren zu können, führte zum schnellen Handeln und damit zum Überleben. Noch heute sieht man bei Fischschwärmen diese Art der Kommunikation.
Jeder sollte glücklich sein, wenn er gut ausgeprägte Spiegelneuronen besitzt. Es führt zu Sympathie und Annäherung. Gefühle nonverbal zu übermitteln kann auch heute noch gesundheitlichen Vorteil bieten. An der Universität in Lübeck zeigt man Schlaganfallpatienten zusätzlich zu der Physiotherapie noch Übungsvideos (Greifen nach einem Ball, Anheben des Armes,…). Nachdem die Patienten das Video sahen, imitierten sie das Gesehene, „um die Repräsentation des Ablaufs im Gehirn zu festigen.“ 9 Die Rehabilitation der Patienten ist dabei schneller als bei Vergleichsgruppen ohne Videotherapie.
1.4 Genetische Determination
Ergebnissen der Zwillingsforschung zufolge wird ein Teil des Glücksempfindens angeboren und ist daher genetisch determiniert. Die Glücksfähigkeit wurde von Lykken erforscht, indem der amerikanische Wissenschaftler „fast 1500 erwachsene Zwillingspaare [befragte], wie zufrieden sie mit ihrem Leben waren.“ 10 Lykken erkannte, dass die Übereinstimmung der Antworten bei eineiigen Zwillingen häufiger ist, als bei zweieiigen. Es ist irrelevant, ob die Zwillinge zusammen oder getrennt aufgewachsen sind. Durch diese Ergebnisse ist bekannt, dass es genetische Eigenschaften geben muss, die mit dem Wohlbefinden zusammenhängen müssen. Kritik und Zweifel an dieser Theorie der genetischen Determination wurde damit begründet, dass es nicht möglich sei, aufgrund einer einzelnen Befragung diese These aufzustellen. Es sei schließlich möglich, dass aufgrund besonderer Ereignisse der Mensch glücklicher oder unglücklicher als
9 Binkofski, F.: Der Nachmacher-Effekt, in: Gehirn und Geist 10/2006 (2006), S.42
10 Oertl, M.: Die neue Wissenschaft vom Glück, URL: http://www.pm-magazin.de/
de/heftartikel/ganzer_artikel.asp?artikelid=1781 (Stand: 26.07.2010)
Prägung 11
„normal“ ist. David Lykken befragte die Probanden deswegen nach 10 Jahren erneut. Erstaunlicherweise kam es zu einem ähnlichen Ergebnis wie bei der Erstbefragung. Damit betrachtet man die Theorie als allgemein geltend. Weiterhin behauptet Lykken, dass jeder Mensch einen Glückslevel besitzt. Diese gentische Information zeigt unseren Standardwert für das Glücksempfinden. Es kann sein, dass man manchmal glücklicher und manchmal unglücklicher ist. Im Durchschnitt jedoch befinden wir uns auf dem persönlichen Glückslevel. Dadurch ist es möglich über einen großen Zeitraum den persönlichen Wert des Glückslevels zu berechnen. Als Beispiele nennt Lykken z. B. Lottogewinner. Diese würden „nach
dem einschneidenden Ereignis wieder auf ihrem ursprünglichen Glücksniveau landen.“ 11 Die exakte Position der Gene ist jedoch derzeit noch unbekannt. Britische Forscher hingegen fanden heraus, dass das Glücksgen 5-HTTLRP Ursache für ein chronisches Glücksempfinden ist. Dieses Gen ist für die Ausschüttung des Botenstoffes Serotonin verantwortlich. Bislang kennen die Wissenschaftler drei Arten des Gens: zwei verkürzte und ein langes. Menschen mit dem langen Gen wandten sich in Versuchen lieber angenehmen Bildern zu und wandten sich negativen Bildern ab. Versuchspersonen mit den zwei anderen Arten des Gens verhielten sich genau umgekehrt. Dieser Versuch wurde von der britischen Wissenschaftlerin Elaine Fox von der Universität Essex durchgeführt. Bis zu den Versuchen wusste man bereits, dass Menschen mit den zwei kurzen Varianten des 5-HTTLRP-Gens anfälliger für Depressionen sind. 12
1.5 Prägung
Lange Zeit glaubte man den Psychoanalytikern und Behavioristen, dass die Liebe des Kindes zur Mutter durch die Nahrungsaufnahme entsteht. Psychoanalytiker glaubten daran, dass das Kind eine Liebe zur Brust der Mutter aufbaut, weil der Nahrungstrieb durch diese gestillt wird. Später schließt das Kind dann von der Brust auf die Mutter und sieht in ihr die Vollkommenheit. Die Ansicht der Behavioristen ist, dass die Kinder erkennen, dass der Reiz nach Nahrung durch die Mutter gestillt wird und dadurch die Mutter als etwas Positives erkennen.
11 Ders., URL: http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/ganzer_artikel.asp?artikelid=1781
(Stand: 26.07.2010)
12 Vgl.: AFP/OC: Menschen mit Glücksgen sehen das Gute im Leben, URL:
http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article3272095/Menschen-mit-Gluecksgen-sehen-
das-Gute-im-Leben.html (Stand: 26.07.2010)
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Richard Neidhardt, 2010, Glück: Biologische und gesellschaftliche Grundlagen, München, GRIN Verlag GmbH
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