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Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung. 3
2 Zum Begriff des Spiels 4
3 Ansätze zur Theorie des Spiels 5
4 Funktionen des Spiels 7
4.1 Spiel und Wirklichkeit 7
4.2 Spiegel der Gesellschaft 8
4.3 Spiel und Ästhetik 11
4.4 Spiel und Entwicklung 12
5 Grenzen des Spiels. 14
6 Schlussbetrachtung 17
7 Literaturnachweis 19
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1 Einleitung
„... der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist,
und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ 1
Das Zitat von Friedrich Schiller symbolisiert wohl einen der wichtigsten Aspekte des Spiels und gleichzeitig deutet es auch auf die komplizierte Erscheinung des Spiels innerhalb der menschlichen Gesellschaft und Kultur hin. Die verschiedensten Wissensgebiete, wie Pädagogik, die Psychologie, die Schauspielkunst u.a. versuchten und versuchen das Besondere an der Spielerscheinung aufzudecken, es zu erklären und das eigentliche Wesen des Spiels zu erkennen. Daraus hat sich bis heute eine gigantische Fülle an Spieltheorien und Spielexperimenten entwickelt. Und diese Fülle spiegelt sich auch in den vielen Formen und Abwandlungen, in denen spielendes Verhalten in der menschlichen Gesellschaft und Kultur auftritt, wider. Spielerische Elemente schaffen geradezu die Kultur der Menschen und tauchen in allen Lebensbereichen auf. Sie zeigen sich zum Beispiel in der Unterhaltung, in Ritualen und Festen. Von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter werden verschiedene Spielformen praktiziert und mit zunehmenden Alter werden sie differenzierter, abstrakter und auch ritualisierter. Dabei sind sie von einem Prozess der ständigen Veränderung betroffen. Der Spielbegriff reicht sehr weit und bezieht sich auf die kindliche Entwicklung bis hin, dass die gesamte Menschheitsentwicklung auf das Spiel zurückgeführt werden kann, wie es der niederländische Kulturphilosoph Johan Huizinga in seinem bekannten Homo ludens beschreibt oder eben wie bei Schiller in seinem berühmten, am Anfang genannten, Zitat.
Das Anliegen dieser Arbeit besteht darin, einen zusammenfassenden Überblick über die Bedeutung des Spiels für die menschliche Gesellschaft und Kultur darzustellen. Die verschiedenen Phänomene des Spiels und Spieltheorien sollen beschrieben werden, um die Leistungen des Spiels auch für andere Subsysteme und die Reflexion des Spiels für sich selbst zu untersuchen. Ein Schwerpunkt der Arbeit wird auch die Beschäftigung mit den Grenzen des Spiels sein. Denn interessant ist, neben der Frage nach den Funktionen des Spiels, ob das Spiel überhaupt Grenzen besitzt und ob in diesem Zusammenhang evtl. eine Rückwirkung auf bestimmte Spielfunktionen gegeben ist.
1 Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. In: Rolf Toman (Hg.): Friedrich Schiller.
Theoretische Schriften. Köln 1999, S.297.
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Beginnend mit dem Versuch einer kurzen Definition des Spielbegriffes, werde ich auf verschiedene Ansätze von Spieltheorien und die Zusammenhänge von Spiel und Wirklichkeit, Gesellschaft und Ästhetik eingehen, um letztlich mögliche Grenzen des Spiels zu betrachten. Ich stütze mich in der vorliegenden Arbeit vorwiegend auf Schriften zum Thema von Jürgen Fritz, Gunter Gebauer und Gunter Runkel.
2 Zum Begriff des Spiels
Der Spielbegriff taucht in vielfältiger Weise und in unterschiedlichen Zusammenhängen auf, so dass eine einheitliche Definition fast unmöglich erscheint. In der Alltagssprache beschreibt der Begriff des Spielens mal die konkrete Spieltätigkeit, mal ein bestimmtes Medienprodukt, oder eine Beobachtung in der Natur, mal ist auch die Beurteilung eines Verhaltens gemeint, ein anderes Mal wird der Begriff zu einer Redensart, die einen Sachverhalt umschreibt, in dem spielerische Elemente eine Rolle spielen.
Das Spiel ist eine Erscheinungsgestalt und lässt sich doch durch benennbare Merkmale von anderen Phänomenen unterscheiden. So haben die spielerischen Abläufe eine besondere Zeitstruktur, die davon geprägt ist, sich von zeitlicher Begrenzung zu befreien. Denn Spiele erreichen ihre besondere Spielqualität auf einer eigenen, sich von der sonstigen Realität abhebenden scheinhaften Ebene. 2 Die spielerische Erscheinung hebt sich demnach von den festgelegten Wirklichkeitsvorstellungen ab, wirkt scheinhaft und simuliert Realität, aber ohne sie ganz zu erreichen, da sie eine andere Form von Wirklichkeit ist. Das Spiel hat nicht den Festlegungsgrad und die Verbindlichkeit wie das, was man als Realität begreift. Das Spiel ist freier, unverbindlicher, zwanglos und zweckfrei nur aus Freude an der Ausübung, dem Inhalt oder dem Ergebnis. Somit ist das Spiel seinem Wesen nach auch eine Tätigkeit die nicht der Arbeit, sondern der Freizeit zugeordnet ist. In der Regel dient es dem lustbetonten Zeitvertreib des Spielers oder einer Spielgesellschaft. Und in seiner Tendenz kann das Spiel jederzeit flüchtig und offen sein. 3 Das Spiel „ist ein Zwischenbereich des Menschen, in dem neue Wirklichkeit sich bildet und alte Wirklichkeit absinken kann“ 4 .
2 Vgl. Jürgen Fritz: Theorie und Pädagogik des Spiels. Eine praxisorientierte Einführung.
Weinheim/ München 1991, S.13.
3 Vgl. Horst Schaub und Karl G. Zenke: Wörterbuch Pädagogik. München 2000, S.524.
4 Jürgen Fritz: Theorie und Pädagogik des Spiels. Eine praxisorientierte Einführung.
Weinheim/ München 1991, S.13.
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Untersucht man die Beziehung des Spiels zu den verschiedenen Zeitdimensionen fällt auf, dass sich die Lebendigkeit, Virtualität und Spannung des Spiels auf die unmittelbare Gegenwart beziehen. Das Spiel selbst findet zwar in der Gegenwart statt, aber die Kräfte, welche sich im Spiel entfalten, stammen auch aus der Vergangenheit und sind als Möglichkeiten des Denkens, Fühlens und Handelns auch auf die Zukunft gerichtet. Von außen betrachtet ist das Spiel also nicht ohne Ursachen und auch nicht ohne Folgen. 5
3 Ansätze zur Theorie des Spiels
Die Fähigkeit zu Spielen kann man als ein Kulturphänomen, vielleicht sogar als die Wurzel der Kulturbefähigung selbst betrachten. Menschliche Reflexionen haben sich schon sehr früh mit diesem elementaren Bereich beschäftigt. Bereits bei Platon findet man Überlegungen, wie das Spiel in den Dienst der Erziehung gestellt werden kann. 6 Aristoteles hat sich auch mit der Bedeutung des Spiels auseinandergesetzt. Auf ihn geht die Katharsis-These zurück. Er war der Meinung, dass Spielen eine reinigende Wirkung auf die Psyche ausübt und den Menschen Entspannung bringt. Das Spiel bietet die Möglichkeit, gesellschaftsfeindliche Tendenzen wie Aggression und übertriebenen Egoismus auf unschädliche Weise auszuleben. Eine andere historische Linie liegt zum Beispiel in der Analyse des Spiels als der „Luxus des Lebens“ bei Friedrich Schiller oder „die zwanglose Natürlichkeit“ und „das Nichtstun als glücklich sein“ bei Jean- Jacques Rousseau. 7
Eine Reflexion über das Spiel die für heutige Spieltheorien relevant ist, führt Friedrich Schiller in seiner Schrift von 1793 Über die ästhetische Erziehung des Menschen aus. Schiller konstruiert hier „binäre Codierungen“ die er unter dem Begriff des Triebes fasst. Zum Beispiel Sinnlichkeit und Vernunft, Materie und Form (Geist) oder Natur und Freiheit. 8 Im Spiel werden diese binären Codes mit einander kombiniert und zur Vervollkommnung gebracht. Gründe für eine Trennung der verschiedenen Triebe sieht er unter anderem in den Lebensverhältnissen der realen Arbeitswelt. Dort wird nach Schiller das sinnlich-körperliche Leben des einzelnen von außen fremdbestimmt und verhindert die sinnlichen Fähigkeiten. So sind unter den Bedingungen der
5 Vgl. Jürgen Fritz: Theorie und Pädagogik des Spiels. Eine praxisorientierte Einführung.
Weinheim/ München 1991, S. 24.
6 Platon: Der Staat und Die Gesetze. Vgl. Gunter Runkel: Soziologie des Spiels. Frankfurt am Main 1986, S.9.
7 Gunter Runkel: Soziologie des Spiels. Frankfurt am Main 1986, S. 7f.
8 Ebd. S. 9.
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Arbeitswelt einerseits der sinnliche Trieb, und andererseits der Formtrieb auseinandergefallen. Im Spiel sieht Schiller die Chance, beide Triebe wieder miteinander zu verbinden, durch einen dritten Trieb, den Spieltrieb. Nach dem Grundgedanken der Spieltheorie Schillers wird dem Menschen durch das Spiel eine Chance zur Selbstverwirklichung in der „lebendigen Gestalt der Schönheit“ gegeben. 9 Schönheit wird hierbei von Schiller als Kommunikationsmedium des Spiels bestimmt und im Spielverhalten des Menschen sieht er den Ursprung aller Kultur, da in ihm die Möglichkeiten zur zweckfreien, künstlerischen und kulturschaffenden Tätigkeit begründet liegen. Aus kulturanthropologischer Sicht wird bei Friedrich Schiller das Spiel als der eigentliche Anfang der Menschheit gesehen.
Für Karl Groos ist das Spiel eine alte, in allen Kulturen ausgeübte Tätigkeit 10 Er entdeckte die psychologische und biologische Bedeutung des Spiels. Man bezeichnet seine Theorie auch als Einübungstheorie, weil für Groos das Spiel eine Vorwegnahme der Lebenssituation der Erwachsenen in seiner Umgebung darstellt. Eine Vorwegnahme der Lebenssituation in der der Ernst des Erwachsenenlebens noch nicht belastet ist. Groos teilte daraufhin die Spiele in die ihm am wichtigsten scheinenden Übungsbereiche: Sensorische Spiele, motorische Spiele und Spiele der höheren geistigen Funktionen. Er betrachtete das Spiel unter dem Aspekt der Selbststeigerung oder Selbstperfektionierung. Daneben betont Groos die Bedeutung des Spiels für die Lebensergänzung, Erholung und Befreiung, und die Funktion des Spiels als Katharsis und Einübung. Das hat dann später auch für Sigmund Freud die zentrale Funktion des Spiels dargestellt. 11
Bei Freud wird das Spiel zum Gegenstand der Psychoanalyse, indem das Individuum im Zusammenhang mit den Wiedersprüchen zwischen Triebbedürfnissen und Realitätsansprüchen im Spiel nicht vereinbare Probleme und Konflikte abreagieren und zugleich der diagnostischen und therapeutischen Interpretation zugänglich gemacht werden kann. 12 Eine Renaissance erlebte die Spieltheorie wieder durch Johan Huizingas Homo ludens von 1938. Hier wird wie einst bei Schiller im Spielverhalten der Ursprung aller Kultur gesehen, denn Huizingas zentrale These lautet: Im Spiel und durch das Spiel entsteht die Kultur.
9 Die „lebendige Gestalt der Schönheit“ macht letztlich nach Schiller den spielerischen Charakter einer hohen
Kultur aus. Gunter Gebauer: Spiel. In: Christoph Wulf (Hg.): Vom Menschen. Handbuch Historische
Anthropologie. Weinheim/ Basel 1997. S. 1039.
10 Groos demonstriert dass in seiner Schrift Die Spiele der Tiere von 1896,unter anderem, an den Spielen in der
Tierwelt. Vgl. Horst Schaub, Karl G. Zenke: Wörterbuch der Pädagogik. München 2000, S. 526f..
11 Freud beschreibt das Spiel 1919 in seiner Schrift Jenseits des Lustprinzips. Vgl. Gunter Runkel: Soziologie des
Spiels. Frankfurt am Main 1986, S. 9f..
12 Vgl. Horst Schaub, Karl G. Zenke: Wörterbuch der Pädagogik. München 2000, S. 526f..
Arbeit zitieren:
Sandro Brandl, 2008, Das Spiel - Funktion und Grenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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