INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 1
2. Weblogs: Neuer Wein in neuen Schläuchen? 2
2.1 Grundlagen 2
2.2 Zwischen Utopie und Enttäuschung 3
2.3 Verhältnis zum „klassischen Journalismus“ 3
3. Günther Anders Medienkritik 4
3.1 Wie Fernsehen und Radio auf uns wirken 4
3.1.1 Die Antiquiertheit des Menschen I 5
3.1.2 Die Antiquiertheit des Menschen II und Besuch im Hades 6
3.2 Günther Anders Standpunkt zu Blogs 7
3.2.1 Vorteile von Blogs gegenüber Radio Fernsehen 7
3.2.2 Blogs liefern uns die Welt noch schneller und individualisierender nach Hause 8
3.2.3 Weblogs läuten die vierte Phase des Massenkonsums ein 9
4. Resümee 10
0
1. EINLEITUNG
„Wahrhaftig: die Tatsache, die ich vor dreißig Jahren in der ersten TV-Analyse formuliert hatte […] und die dann in der glücklichen Formulierung eines anderen weltbekannt geworden ist: das ‚the medium is the message‘ ist eine uralte Tatsache“ (Anders, 1982, S. 218). Dies stellte Günther Anders nicht ganz ohne Neid auf den Ruhm des Kommunikationswissenschaftlers Marshall McLuhan noch zehn Jahre vor seinem Tod fest. Dabei bezog er sich vor allem auf die Wirkung und Auswirkungen von Rundfunk und Fernsehen, welche er im Rahmen seines Hauptwerkes ausführlich analysierte und darstellte (Anders, 1987a). Was Anders nicht mehr erlebte, ist die rasante Verbreitung der Personal Computer ab Mitte der 90er Jahre. Doch führte das neue Massenmedium PC nicht nur zu einer einfacheren und schnelleren Bearbeitung und Verbreitung von Dokumenten, Fotos und Daten, sondern, begünstigt von den technischen Möglichkeiten des Internets, auch zu neuen Formen der Kommunikation. Neben mediatisiert-interpersonalen Formen (E-Mail, Chat, ICQ), bildeten sich auch ganz neue publizistische Formen, wie die Online-Zeitung, Foren oder die sogenannten Weblogs heraus. Letztere ermöglichen auf nie dagewesene Art und Weise das Publizieren eigener Gedanken, Texte und Kommentare für jede/n und das auch noch nahezu barrierefrei im Hinblick auf ökonomische und technische Grenzen. Seit einigen Jahren sind Blogs auch zunehmend in den Fokus der Wissenschaft gerückt. So gibt es eine Vielzahl von Studien über das sich dadurch ändernde Verhältnis von Journalismus und Blogger/innen (Neuberger, Nuernbergk & Rischke, 2007) oder die Wechselwirkungen zwischen Blogs und Öffentlichkeit (Katzenbach, 2008).
Grundlage dieser Arbeit soll sein, ausgehend von der Medienphilosophie von Günther Anders einen Blick auf die neue Form der Weblogs zu werfen. Dafür werden zunächst Weblogs in ihrer Entwicklung, Funktion und aktuellen Rolle näher beschrieben und bestimmte für die Anders’sche Medienkritik relevante Besonderheiten aufgezeigt. Es folgt eine Zusammenfassung der Medienphilosophie von Günther Anders und deren Entwicklung im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Daran schließt sich der Versuch an mit den Augen Anders‘ auf Blogs zu schauen und Stärken und Schwächen dieser neuen Mediengattung zu benennen. Dabei stellt sich die Frage, ob sich Anders‘ Medien- und Technikschelte auf Weblogs übertragen lässt, ob sie nur abgewandelt zum Tragen kommt, oder ob Günther Anders vielleicht gar zu einem Verfechter der neuen Internetkultur (Lovink, 2004) geworden wäre.
2. WEBLOGS: NEUER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN?
2.1 GRUNDLAGEN
Nach Köhler (2008) ging der erste deutschsprachige Blog bereits 1996 online und wird bis heute regelmäßig aktualisiert (Jelinek 2010). Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis das neue Format, oft als ‚Online Tagebuch‘ (de)klassiert, sich in der öffentlichen Wahrnehmung etablieren konnte, was nicht zuletzt an der starken bewusst gewählten subjektiven Färbung der Einträge liegt. Dadurch, dass sie mittlerweile auch Einfluss auf politische und gesellschaftlich relevante Themen nehmen könnten, werden sie seit 2005 nicht mehr nur als Forum für Selbstdarsteller/innen, sondern auch zunehmend als gesellschaftsrelevantes Medium wahrgenommen (Diemand, Mangold & Weibel, 2007).
Im Kern lassen sich Weblogs als Webseiten definieren, auf denen bestimmte Inhalte (Texte, aber auch multimediale Inhalte wie Bilder und Videos) mehr oder weniger oft, aber doch regelmäßig eingestellt und in rückwärts chronologischer Reihenfolge dargestellt werden (Clyde 2004; Mayer & Schmidt, 2007; Trivedi, 2010; Diemand et al., 2007). Einzelne Beiträge sind mit einer eigenen URL (Permalink) verknüpft und bieten in der Regel eine Kommentarfunktion mit der Leser/innen auf den Beitrag eingehen können. Dies stellt eine Besonderheit dar, denn die Möglichkeit direkt auf Beiträge zu antworten (sowohl für fremde Kommenator/innen, als auch für den/die Urheber/in der Texte, der/die seinerseits/ihrerseits auf Kommentare eingehen kann), erlaubt eine viel direktere Kommunikation zwischen Autor/in und Leser/in, als dies bei klassischen Formen der Massenkommunikation, beispielsweise Fernsehen und Radio, aber auch Zeitung, der Fall ist. Durch das gegenseitige Verweisen auf andere Blogs bilden sich Netzwerke heraus, welche in ihrer Gesamtheit als Blogosphäre bezeichnet werden (Diemand et al., 2007; Schmidt, 2006). Bei den Betreiber/innen handelt es sich häufig um Einzelpersonen. Aber auch Institutionen und zunehmend auch Unternehmen nutzen Blogs für Kommunikation nach außen (Fischer 2006). Quantitative Untersuchungen sind methodisch durch die Unbekanntheit der Grundgesamtheit nur bedingt möglich. Trotzdem lassen sich einige Aussagen zu Nutzungsmotiven und zum sozioökonomischen Status der Autor/innen machen, deren Repräsentativität jedoch mit Vorsicht zu genießen ist. Während die early adopters „überwiegend männlich, jung, gut verdienend und relativ hoch gebildet“ waren (Neuberger et al., 2007, S. 108), lässt sich mittlerweile feststellen, dass das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen ist (Schmidt & Wilbers, 2006) oder die Blogosphäre in der Anzahl sogar von weiblichen Autor/innen dominiert wird (Harders & Hesse, 2006). Die Gründe für das
Schreiben von Blogs sind nach Schmidt (2006) vielfältig. Allerdings dominieren intrinsische Motive, wie Spaß, die Lust am Schreiben, sowie das Bedürfnis Ideen & Erlebnisse festzuhalten. Auch die Inhalte der Blogs sind häufig selbstbezogen und aus dem Alltag stammend, wie beispielsweise Berichte oder Episoden aus dem Privatleben sowie die Weiterverbreitung von Links zu anderen Fundstücken im Internet. Kommentare zu politischen Themen, Fach- oder Berufsfragen sind dagegen deutlich seltener (Katzenbach, 2008).
2.2 ZWISCHEN UTOPIE UND ENTTÄUSCHUNG
An das Aufkommen des Internet und speziell der interaktiven Angebote, die häufig mit dem Begriff „Web 2.0“ (Alby, 2007) zusammengefasst werden, wurden schon immer große Erwartungen geknüpft. So sollte das Internet zu einer Wiederbelebung der Öffentlichkeit führen (Negroponte, 1995) und Lévy (1997) spricht sogar von einer „virtuellen Agora“, die der „Gemeinschaft die Möglichkeit [gebe, SW], eine vielstimmige Äußerung zu machen, direkt und ohne Umwege über einen Vertreter“ (Lévy, 1997, S. 76). Die Vision von starker Beteiligung der Rezipienten/innen am öffentlichen Kommunikationsprozess ohne den Umweg eines vermittelnden Mediums (Fernsehen, Radio) erinnert an die Brecht‘sche Utopie der Umwandlung eines Distribution- in einen Kommunikationsapparat (Brecht, 1967) und sollte nun endlich verwirklicht werden. Studien zur öffentlichen Kommunikation bremsten diese Euphorie jedoch deutlich ab. So sieht Jarren (1998, S. 20) in „Netzkommunikation […] grundsätzlich keine neue Form innerhalb der politischen Kommunikation“ und erteilt damit der Idee, dass computervermittelte Kommunikation die gesellschaftliche Funktion traditioneller Massenmedien übernehmen könne, eine Absage (Schönhagen 2004).
2.3 VERHÄLTNIS ZUM „KLASSISCHEN JOURNALISMUS“
Viel diskutiert wurde die Frage, wie Blogs das Berufsbild der klassischen Journalisten verändern. Zwar waren laut einer Befragung durch Neuberger „fast zwei Drittel der Befragten (64 %) der Auffassung, dass Weblogs eine ‚neue Art von Journalismus‘ sind“ (Neuberger et al., 2007, S. 103), doch sehen Blogger/innen ihre Stärken vor allem in ihrer Meinungsfreude, Subjektivität, Unterhaltsamkeit und Aktualität (Neuberger, 2005), was den Anforderungen an Journalismus nur in begrenztem Maße gerecht wird. Auch der Wunsch mit den eigenen Inhalten ein Massenpublikum zu erreichen ist nach der Studie von Neuberger mit 34 % nur vergleichsweise gering ausgeprägt (Neuberger et al., 2007). Es gelingt Blogs darüber hinaus nur selten eigene Themen zu setzen. Oftmals prägen journalistisch relevante Themen die Einträge der Blogosphäre. Berühmte Gegenbeispiele, wie die von Bloggern angestoßene Diskussion um
Arbeit zitieren:
Simon Wieland, 2010, Günther Anders und die Blogosphäre, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien: Günther Anders und die Blogosphäre ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien: neuer Titel erschienen: Günther Anders und die Blogosphäre
Simon Wieland hat einen neuen Text hochgeladen
Rafael Kubeliks "Goldenes Zeitalter". "The Golden Era" of Rafael Kubel...
Die Münchner Jahre 1961-1985. ...
Renate Ulm
Das Zeitalter der europäischen Revolution 1780 - 1848
Louis Bergeron, Francois Furet, Reinhart Koselleck
Concreteloop.com Presents: Angel's Laws of Blogging: What You Need to ...
Angel Laws, Carole Moore
0 Kommentare