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1. Definition des Begriffes „Systemische Familientherapie“
Wir leben und arbeiten in Systemen: Familien, Gruppen, Organisationen, Institutionen.
Selbst wenn wir allein leben, bemerken wir, wie unser Leben und Schicksal geprägt ist durch Systeme, aus denen wir kommen, aus denen wir herausgefallen sind, die wir verlassen haben, Familie bzw. Eltern - mit ihren Einstellungen zum Leben zum Sterben, zur Partnerschaft, Erfolg, mit ihren Krisen, Trennungen, schweren Krankheiten usw. In früheren Jahren war die Verbannung, der Ausschluss aus dem schützenden Verband der Sippe, der Gemeinde des Stammes eine der schwersten Strafen. Auch heute wirken frühe Störungen der sicheren Zugehörigkeit sehr nachhaltig. (hat Angst vor dem Alleinsein, vor Ablehnung tiefgreifende Auswirkungen)
Systemische Familientherapie ist eine Form der Psychotherapie, die Gesundheit und Krankheit eines Menschen sowie persönliche Lebensqualität im Zusammenhang mit seinen relevanten Beziehungen und Lebenskonzepten sieht.
Interventionen setzen sowohl am Selbstbild wie am Beziehungsfeld einer Person an. Systemische TherapeutInnen versuchen mittels einer konsequenten ressourcen- und lösungsorientierten Haltung und Methodik, Einschränkungen und Störungen der Lebensentfaltung wie z.b. psychosomatische Symptome, Verhaltensauffälligkeiten, destruktive Interaktionsmuster u.ä. aufzulösen. Dadurch wird u.a. förderliche Beziehungsgestaltung und Wirklichkeitskonstruktion ermöglicht und gefestigt.
2. Geschichte der Familientherapie
Beginn in den 50er Jahren in Amerika an 3 Instituten:
- Yale-Universität um Theodor Lidz
- Washington am National Institute for Mental Health um Lyman Wynne
- Palo Alto am Mentals Research Institut mit Virginia Satir, Paul Watzlawick, John Weakland, Richard Fish, Gregory Bateson aber auch Nathan Ackermann und Salvador Minuchin
2.1. Strukturelle Familientherapie
Vertreter: Salvador Minuchin
Direktive Form der Familientherapie, die auf der Vorstellung beruht, wie eine gesunde/normative Familie auszusehen hat. Besondere Beachtung der Grenzen der Subsysteme und der elterlichen Hierarchie. Begriffe wie Triangulation (starre Koalitionsbildung, in der ein Kind oder ein Therapeut in einem Paarkonflikt eine wichtige Rolle spielt) spielen eine Rolle. Der strukturelle Therapeut versucht, die Struktur in einer Familie zu erfassen,
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ihre Pathologie zu analysieren und die unangemessenen Grenzen (zu diffus oder zu rigide) zu verändern. Dabei geht er zeitweise Koalitionen mit einzelnen Subsystemen ein, entdeckt und enthüllt verdeckte familiäre Konflikte und verändert Kommunikationsstile.
Mittel: -Veränderung der Sitzordnung während der Therapie, das Herausstellen von Stühlen etc.
Er unterstützt Eltern in ihrer Leitungsfunktion und in der Hierarchie und stellt Kinder wieder an ihren Platz, wenn sie parentifiziert sind (die Rolle eines Partnerersatzes übernehmen).
Dabei nimmt der strukturelle FT die Rolle einer hierarchisch übergeordneten Position ein, von der aus er die Familie verändert und in die Familie hinein interveniert.
2.2. Schizophrenogene Mutter
Begriff aus den Anfangszeiten der Familientherapie, der heute verlassen ist und sehr kritisch beurteilt werden muss.
Dieser Begriff sagte aus, dass Mütter ihre Kinder „schizophren“ machen können und somit für die Psychose verantwortlich gemacht werden können. Damit wurde zwar einerseits der interaktionelle Faktor in die Beurteilung von Pathologie eingeführt, gleichwohl ist das linear-kausale Denken nicht verlassen worden. D.h., hier wurde eine neue Schuldige gefunden, die die Ablösung ihres Kindes im Jugendalter verhindert. Großer Widerstand gegen die FT im Gefolge, Überwindung erst durch die zirkuläre Sichtweise im Bereich der systemischen Therapie.
2.3. Kommunikationstheorie
Vertreter: Watzlawick und Bateseon
Diese beiden wichtigsten Vertreter stellten verschieden Axiome für menschliche Kommunikation auf.
1. Axiom: In einem zwischenmenschlichen Kontext kann man nicht nicht kommunizieren.
2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.
3. Axiom: die Natur einer Beziehung ist durch Interpunktionsabläufe seitens der Partner bedingt.
4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikation erforderliche logische Syntax.
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5. Axiom: zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Ungleichheit beruht.
2.4. Doppelbindungshypothese
Vertreter: Bateson (1956)
Ist eine spezifische Kommunikationssituation, die auf alle Beteiligten eine unausweichliche paradoxe Wirkung hat. Zwischen 2 Personen kommt es zu einer Mitteilung, die sich aus mehreren Bestandteilen zusammensetzt, die sich jedoch gegenseitig ausschließen.
D.h. was auch immer man tut oder lässt, es gibt keinen Ausweg daraus, man kann es nur falsch machen. Bsp. : komm her- geh weg
Dabei kommt es zu sich widersprechenden Aussagen oder Aufforderungen zum Handeln, so dass für den Betroffenen eine Zwickmühle oder Beziehungsfalle entsteht.
Die sich gegenseitig kommentierenden und entwertenden Aussagen werden oft zugleich auf verbaler oder nonverbaler Ebene gegeben.
3. Virginia Satir
Virginia Satir wurde 1916 als ältestes Kind einer kinderreichen Farmerfamilie im mittleren Westen der USA geboren.
Unter den Begründern der Familientherapie kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Schon 1951 arbeitete sie als erste Therapeutin mit vollständigen Familien. Mit großer Schaffenskraft und Kreativität fand sie neue Wege des therapeutischen Zugangs für nicht therapiefähig gehaltene, hospitalisierte, psychiatrische Patienten und deren Angehörige. Sie überwand das medizinische, linear-kausale Krankheitsmodell und entwickelte auf der Grundlage eines humanistischen, wachstumsbezogenen Menschenbildes ein ganzheitliches-systemisches Behandlungsmodell.
In der Mitte der 50er Jahre erprobte Virginia Satir ihre neuen Ideen der Behandlung von ganzen Familien und bezog diese, für die damalige Zeit revolutionären, Vorstellungen in die Ausbildung für Psychiater mit ein. Ihre Erfahrungen tauschte sie mit Murray Bowen aus, der auch gerade erkannt hatte, welche Bedeutung die Familien seiner Patienten für deren Behandlung in seiner kinderpsychiatrischen Klinik hatte.
Virginia Satir war Mitbegründerin des Mental Research Institut. Sie hatte maßgeblichen Einfluss auf die dortigen Forschungs- und Denkansätze und sicherte als sehr erfahrene und anerkannte Praktikerin und Ausbilderin in Familientherapie die starterleichternde finanzielle Unterstützung des Instituts. Sie entwickelte nicht nur im fachlichen Austausch mit Kollegen ihre kreativen Ideen, sondern sie lernte besonders im lebendigen Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen jeden Alters.
Arbeit zitieren:
Antje Lipfert, 2002, Virginia Satir und ihre Rolle in der systemischen Familientherapie, München, GRIN Verlag GmbH
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Kritik und Info.
Wer diese Arbeit erwirbt, sollte sich darüber imKlaren sein, dass keine Vergleiche im Text angegeben wurden. Es ist für mich nur erstaunlich, dass diese Leistung mit sehr gut bewertet wurde und das an einer FH. Der Kauf dieser Arbeit ist für mich somit nicht sehr hilfreich.
am Thursday, December 14, 2006-