Inhalt
1 Einleitung. 2
2 Postmoderne Stadtplanung. 2
2.1 Das Dilemma des Wettbewerbs. 3
2.2 Wessen Stadt ist es? Akteure und ihre Bedeutsamkeit. 4
2.3 Vernetzung als core element der Wettbewerbsfähigkeit: 5
2.4 Hauptstadt oder Global City. 5
3. London. 6
3.1 London als Weltstadt. 6
3.2 Planungsgeschichte: Planung als politisches Mittel. 8
3.3. Akute Herausforderungen. 9
3.4 Derzeitige Planungskonzeptionen: Visionen. 10
3.5 Konzentration oder Dekonzentration. 11
3.6 Handlungsstrategien für London als Primate City: Organisation, Ziele und Umsetzung
des London Plan. 12
3.6.1 Verkehr. 13
3.6.2 Innenstadt. 14
3.6.3 Entwickungskonzeption für die Gesamtstadt. 15
3.6.4 Kritik. 16
4 Paris. 17
4.1 Die Rolle(n) von Paris. 17
4.2 Ein Rückblick in die Stadtplanung. 18
4.3 Akute Herausforderungen. 19
4.4 Visionen. 20
4.5 Umsetzung und Organisation des SDRIF. 21
4.5.2 Verkehr. 21
4.5.3 Innenstadt. 22
4.5.4 Entwicklung für die Gesamtstadt. 23
4.5.5 Ökonomie. 23
4.6 Kritik. 24
5 London und Paris- auf dem Weg in eine rosige Zukunft? 25
6 Anhang. 29
7 Literaturhinweise. 31
2
2
1 Einleitung
Dass Paris und London heute Mythos-Status haben, dessen besteht kein Zweifel. Jerusalem, Konstantinopel, Babylon, Athen und Atlantis hatten diesen ebenfalls. Sie waren zu ihr Blütezeit Städte mit globaler Strahlungskraft - trotzdem ist die derzeitige Bedeutung dieser Städte gering. Gleichsam ist auch der Status der beiden europäischen Global Cities London und Paris nicht in Stein gemeißelt. Gerade in der sich weitenden Debatte des Städtewettbewerbs, kann sich eine Stadt nur für die Zukunft behaupten, wenn sie sich den zukünftigen Herausforderungen stellt.
Zukünftige Wettbewerbsfähigkeit wird sich vor allem an der Lebensqualität messen. Der diffuse Begriff Lebensqualität umfasst ein schwer messbares Feld, das Sicherheit, Umweltqualität und Wirtschaftsmöglichkeiten beinhaltet. In Zeiten von globalen Notlagen wie Klimawandel und Wirtschaftskrisen, muss die Stadt ihr Marketing verbessern. Kann sie beweisen, dass eine international erfolgreiche Stadt trotzdem grün und sozial-inklusiv sein kann, verbessert sie ihr Image verbessern und wird als Vorbild für andere Städte fungieren. Gleichzeitig Globalität und Nähe zu demonstrieren ist in Zeiten der multimedialen Vernetzung Aufgabe der modernen Metropole. Die neuen Möglichkeiten der Vernetzung fordern neue Definitionen von Nähe und Grenzen, sowie von Möglichkeiten der Erreichbarkeit. Verdichtung und Ausweitung der Stadt können Chancen oder Herausforderungen für sich polarisierende Gesellschaften darstellen. Gelingt es, die Stadt aus der Krise zu holen und eine neue Art des städtischen Lebens zu gewährleisten, können die Städte auch in Zukunft von Bedeutung sein. Ansonsten wird Europa in der Zukunft mit nur mit einer Global City auskommen müssen. Die postmoderne Stadt scheint ihre Zukunftsfähigkeit also mit dem Grad der Anpassung an Globalisierung und Klimawandel zu beweisen.
2 Postmoderne Stadtplanung
„Stadtumbau kann als eine städtebauliche Antwort auf gesellschaftliche und ökonomische Transformationsprozesse begriffen werden“ (Polinna 2007: 18). Stadtbilder fungieren als Spiegel für vorherrschende Ideen und Gesellschaftsvorstellungen einer bestimmten Zeit. In den letzten 20 Jahren, hat sich unsere Gesellschaft hin zu dem entwickelt, was man gemeinhin als Postmoderne ver-
3
steht. Diese kann als Antwort auf reinen Funktionalismus und Fordismus ver-standen werden. Der Fordismus zeichnete sich eine starke Trennung von Arbeits- und Privatleben aus, sowie durch die Planungsgewalt des Staates. Das städtebauliche Ausdruck dessen war Le Corbusiers Funktionstrennung, Suburbanisierung, Bedeutungsverlust d er Innenstädte und Abhängigkeit von privaten Verkehrsmitteln.
Die Postmoderne zeichnet sich durch einen ökonomischen und sozialen Transformationsprozess aus, den viele auf die Globalisierung zurückführen. Folge ist erhöhte Flexibilisierung, Individualisierung und Pluralisierung der Gesellschaft. Für den Städtebau bedeutet das eine neue Sichtweise für Planung und Kommunen, welche zunehmend zu Dienstleistern werden, die Infrastruktur und Lebensqualität zur Verfügung stellen und den Planungsprozess koordinieren, da das Investitionsvolumen das der Kommunen übersteigt. Dazu sind die Ansprüche an moderne Stadtplanung gestiegen und die moderne Stadt muss sich im Wettbewerb behaupten. Hierzu gehören seit neustem auch die nachhaltige Verbesserung der Umweltqualität der Städte.
2.1 Das Dilemma des Wettbewerbs
Folgt man der Theorie der Global Cities, so werden sich die Macht- und Entscheidungsstrukturen durch zunehmende Globalisierung der Kapitalströme auf einzelne Städte konzentrieren (Sassen 1997). Gemessen werden diese an der Zahl der internationalen Unternehmen mit Headquarterfunktion in der gegebenen Stadt. Dies geht einher mit der sogenannten functional primacy, welche die Konzentration von „politisch-administrativen, wirtschaftlichen, sozialen, sowie kulturellwissenschaftlichen Funktionen mithin in sämtliche Lebensbereiche“ (Bronger
2003: 21) beinhaltet und dadurch die relative Abwertung aller weiteren Städte der Region bewirkt. Folglich befinden sich die Städte auf internationaler Ebene im
konstanten Wettbewerb, um die Anwerbung transnationaler Unternehmen. Die
Stadt wird zum Ort der Polarisierung. Höchstausgebildete, sowie Ungelernte und Migranten werden gleichsam angezogen (vgl. Friedmann 1986). Dadurch werden die Städte zu „Arenen für die Widersprüche der Globalisierung des Kapitals“ (Sassen 1997: 24).
Für die Stadtplanung bedeutet das einen Dahtseilakt zu meistern: Zum einen der 4
ständigen Notwendigkeit der Anpassung an die Nachfrage des Marktes genüge zu tun, z.B. durch Spezialisierung oder Großprojekte, aber auch die Integration einer wachsenden Zahl an schlecht ausgebildeten Zuwanderern im Blick zu behalten. Natürlicherweise kommt es so zur Zunahme räumlicher und sozialer Segregation, die Folge davon sind erhöhte Sicherheitskosten und in vielen Fällen Exklusion und die damit verbundenen sozialen Probleme (Sassen 1997: 21). Der Wettbewerb bezieht sich aber nicht nur auf die internationale Ebene, sondern auch auf der innerurbanen Standortkonkurrenz. Geschuldet ist dieser der veränderten Siedlungsgröße und damit der Ausweitung der Stadt als Agglomeration. Bedeutend ist in diesem Kontext die Nähe zu Verkehrsadern, wie Schnellbahnen, Autobahnen und Flughäfen, welche die Vernetzung der Orte untereinander ermöglichen und damit die relative Lage des Standorts beeinflussen. Orte, die außerhalb der Kernstadt liegen, aber verkehrsgünstig angeschlossen sind, weisen eine besonders hohe Standortkonkurrenz gegenüber den Innenstädten auf (Polinna 2007: 24). Zukunftsgerichtete Planung muss also auf die gesamte Agglomeration bezogen werden, wenn die Stadtentwicklung nicht komplett den Kräften des Marktes überlassen werden soll.
2.2 Wessen Stadt ist es? Akteure und ihre Bedeutsamkeit
Die gewandelte Gestalt der Städte im Rahmen der Globalisierung bringen auch neue Akteure in der Stadtplanung hervor. Auf Grund von Haushaltseinbußen und kostenintensiver Großprojekte kann die Stadtplanung häufig nicht um die enge Kooperation mit privaten Großunternehmern, im Sinne eines Public-Private-Partnerships, herum. Dadurch gewinnen vor allem international agierende Privatunternehmen zusehens an Einfluss in der städtischen Planung. Gleichzeitig ist Raumplanung immer auch ein politisches Mittel und erfährt dadurch die Prägung der derzeitigen politischen Machthaber, auf kommunaler aber auch nationaler Ebene, geprägt. Da der Bekanntheitsgrad der Stadt aber zum großen Teil an den Direktinvestitionen zu messen ist, besteht die Gefahr, dass es eine Stadt der transnationalen Unternehmen, und weniger eine Stadt für die Menschen wird (Sassen 1997: 23).
Die Pluralisierung der Akteure kommt auch durch die räumliche Erweiterung der Stadt zum Tragen. Nachbargemeinden werden zu Teilen der Agglomeration, dafür 5
ist es von Nöten agglomerationsübergreifende Planung anzugehen.
2.3 Vernetzung als core element der Wettbewerbsfähikeit: Verkehrsplanung Zu den Kernannahmen der Global Cities Hypothese gehört, dass Vernetzung zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit einer Global City gehört (Sassen 1997). Teil dessen ist auch die Erreichbarkeit. Trotz virtueller Kommunikation, so die Annahme, bleibt Nähe und damit der schnelle Transport von Personen und Waren von essentieller Bedeutung. Hierzu gehört sowohl der Anschluss an das Netzwerk zwischen den Städten über Schnellbahnen, Flughäfen und Autobahnen, aber auch die Erreichbarkeit der unterschiedlichen Standorte innerhalb der Agglomeration. Letzteres ist bei der Größe der Agglomeration und der vorrangigen Benutzung des Individualverkehrs eine wichtige Aufgabe der Stadtplanung (vgl. Dörr 2001).
Die Kanalisierung des Verkehrs geht einher mit der Umweltqualität, die die Wohnqualität beeinflusst. Für die Ansiedlung Höchstverdienender ist die Wohnqualität (Sicherheit, Luftqualität, Lärmschutz, etc.) von zentraler Bedeutung, dadurch ist die Bereitstellung diese ein zentrales Element für die Stadtplanung. Eine nachhaltige, gut vernetzte Agglomeration mit hohen Umwelts-und Lebens-
standards, florierender Wirtschaft und einem möglichst geringen Maß an Segregation ist die Planungsutopie der Zukunft. An welchem der Punkte Abstriche gemacht werden, bestimmen dann die Herangehensweisen und Zukunftsprobleme der jeweiligen Agglomeration.
2.4 Hauptstadt oder Global City
Anders als z.B. New York, Hong Kong oder Frankfurt, gehören Paris und London zu den Städten, die eine dual identity (Gordon 2004: 2) innehaben. Zum einen sind sie als Global Cities von hoher internationaler Bedeutsamkeit und Ausstrahlungskraft, gleichzeitig sind sie aber auch Hauptstädte von zentralistisch regierten Ländern. Daraus ergibt sich die Differenz zwischen gewachsener Vormachtsstellung, die keine regelmäßige Bestätigung ihrer selbst braucht, und dem immer währendem Wettbewerb der global cities. Die Ansprüche an eine Hauptstadt sind Repräsentativität und Identität für eine Nation, während eine Global City sich im internationalen Wettbewerb vor allem bei international agierenden 6
Unternehmen behaupten muss. Die Nationalregierung hat dadurch immer auch Einfluss auf die Kommunalplanung ihrer Hauptstadt, wodurch ein weiterer Akteur in der Planung dieser Städte in Erscheinung tritt.
3 London
3.1 London als Weltstadt
„London was, as it remains, exceptional. More now even than in the days when it was the centre of a world empire, the place remains as oddity. The British and English capital is, increasinly, a city which belongs to neither country but to the world.“ (Paxman, 1998: 162)
London ist der Prototyp einer Global City. Aufgrund ihrer besonderen Stellung als Hauptstadt des Kolonialreichs, war die internationale Bedeutsamkeit der Stadt lange vor der Diskussion um die internationale Ausstrahlungskraft von Städten gegeben. London zeichnet sich schon lange als „kosmopolitisches Macht- und Innovationszentrum, das weit über die Grenzen des eigenen Landes hinaus ökonomisch, kulturell und politisch ausstrahlt“ (Hoyler 2004: 26) aus. Die Angaben über die Einwohnerzahlen der Agglomeration schwanken zwischen 7.188.000 (für 2001 Ballungsraum, Greater London Authority (Hoyler 2004:29)) und 12.400.000 (für Agglomeration 2010, www.citypopulation.de). Diese Abweichungen liegen an der Bezugsgröße. Die Greater London Authority (GLA) besteht aus Inner London, Outer London, die klar definiert sind. Seit kurzen besteht die Diskussion über die Metropolregion London, die bei manchen Autoren ganz Südost England umfasst. Ungleich anderer Metropolen der Nordhemisphäre ist die Agglomeration von einem relativ starken Bevölkerungswachstum betroffen. Die Stadtregierung geht von einem Wachstum um ca. 1 Mio. Einwohnern in den nächsten zehn Jahren aus (Abb. 1). Problematisch ist die räumliche Begrenzung der Stadt durch einen Grüngürtel. Bei einem derartigen Bevölkerungszuwachs, muss sich die Dichte, derzeit bei 4 573 Einwohner/km2, was ca. doppelt so hoch ist wie die Dichte Frankfurts, (Hoyler 2004: 29) noch signifikat erhöhen.
Die steigenden Einwohnerzahlen korrelieren mit den hohen Beschäftigungszahlen und dem erwarteten Wachstum. 2001 waren 89,8% der Bevölkerung im teritären Sektor beschäftigt, 33% allein in höherwertigen Dienstleitungen (Ibid.). Auch hier 7
wird von einem weiteren Wachstum ausgegangen (Abb. 2). Auch wenn es sich hier sicher um sehr optimistische und politisch gefärbte Schätzungen handelt, ist London als „the world's most economically internationalised Global City“ (Gossop 2008: 49), die in dieser Rolle sicher noch weiteres Wachstum im Bereich der Fiananzdienstleistungen zu erwarten hat.
Abb.1: London Bevölkerungsentwicklung und -prognose
(http://www.london.gov.uk/thelondonplan)
(http://www.london.gov.uk/thelondonplan)
8
3.2 Planungsgeschichte: Planung als politisches Mittel
Mit seiner inhärenten Bedeutsamkeit war die Stadtplanung Londons stets die Visualisierung der politische Gesinnung der jeweiligen Nationalregierung (Gordon 2004: 2). Durch große politische Machtwechsel, wurde die Stadt zum Spielball der Politik. Dies gilt vor allem für die letzten 25 Jahre, in denen viele politische Wechsel das Stadtgesicht geprägt und verändert haben. Polinna (2007:53) ist der Meinung, dass „im letzten Vierteljahrhundert - einer turbulenten Epoche zwischen Punk und Yuppies, Thatcher und Blair, Big Bang und Millennium - […] sich London so stark verändert [hat] wie sonst nur nach großen Katastrophen, dem Großen Stadtbrand 1666 oder den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges.“ Erstmals wurde 1945 die Planung für den gesamten Agglomerationsraum durchgesetzt. Mit der streng neoliberalen Gesinnung der Regierung Thatchers, wurde ab 1979 unter der Leitidee der Deregulierung und Privatisierung auch die agglomerationsumfassende Regionalplanung abgeschafft und die Entwicklung in die Hand der 32 boroughs (Kommunen), übergeben. Darauf folgte zunächst ein Bauboom in den neu entwickelten, völlig deregulierten enterprise zones. Es folgte zunehmende Orientierungslosigkeit, da sich der Standortwettbewerb verschärfte und eine übergeordnete Verkehrsplanung fehlte (Ibid. 2007: 24). Nach der Wahl der New Labour Partei 1997 änderte sich die Planungsideale radikal. „A single voice for London“ (Gordon 2004:3) sollte nun die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sichern und nicht der reine Wettbewerb. Hierzu wurde 1998 das Amt des Bürgermeisters für die Greater London Autority ins Leben gerufen. KenLivingston, bis 1986 Hauptverantwortlicher für die Regionalplanung,
wurde für das Amt direkt gewählt. Damit wurde der Stadt London in verstärktem Maß die Unabhängigkeit von der Nationalregierung gewährt. Dies lässt sich interpretieren als eine Bedeutungsverschiebung zu einer primär internationalagierenden, unabhängigen Global City.
Ziel der Politik des Bürgermeisters ist eine neue Mischung von Kooperation und Wettbewerb durch investitionsfördernde Planung (vgl. Gordon 2004: 3). Umgesetzt wird dies anhand des in Rekordzeit aufgestellten „Plan for London“.
3.3 Akute Herausforderungen
Das Amt des Bürgermeisters ist mit hohen Ansprüchen belegt und soll durch die 9
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Saskia Leissling, 2009, Zukünftige Visionen und Entwicklungsstrategien in Paris und London, München, GRIN Verlag GmbH
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