Funktionale Viertelbildung in den Kernstädten von Paris und London 2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Überblick. 3
2 Funktionale Viertelbildung in Paris 4
2.1 Historischer Hintergrund 5
2.2 Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert 7
2.3 Funktionale Viertel in Paris heute 10
3 Funktionale Viertelbildung in London 13
3.1 Historische Grundlagen 14
3.2 Funktionale Viertel Londons heute 16
4 Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich 20
5 Fazit 23
6 Literaturangaben 24
1 Einleitung und Überblick
Paris und London, zwei europäische Weltstädte (vgl. Hall 2007 S. 7), wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Beide Städte sind in ihrem Aufbau geprägt durch vollkommen unterschiedliche Bauweisen, welche nicht nur die Baupolitik der vergangenen Jahrhunderte, sondern auch verschiedene soziale, gesellschaftliche und geschichtliche Einflüsse der sie betreffenden Staaten, Frankreich und Großbritannien, wiederspiegeln.
In Frankreich spielt bis heute weitestgehend die Zentralität von Paris eine tragende Rolle für das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben, was auch die funktionalen Viertel der Stadt maßgeblich prägt. Zu Veränderungen in der Ausprägung der Pariser funktionalen Viertel kam es vor allem auch durch die umgesetzten Plänen eines gewissen Baron Eugène Haussmann unter Napoleon III. und später durch die Auswirkungen der Deindustrialisierung und Dezentralisierung, womit eine Verlagerung der innerstädtischen Funktionen einherging.
In London bildete sich mit der City of London am nördlichen Themseufer und einer zunehmend mit der City of London zusammenwachsenden zweiten Siedlung namens Westminster schon früh die Grundstrukturen der heutigen zweigeteilten Innenstadt heraus. Die City of London und die City of Westminster beherbergen heute die wichtigsten innerstädtische Funktionen der Londoner Kernstadt. Beim Betrachten von Plänen der Kernstädte von Paris und London zeigen sich dem Betrachter vollkommen unterschiedliche Baustrukturen in der Darstellung des jeweiligen Stadtzentrums, besonders im Bezug auf die Verteilung, Ansiedlung und Ausprägung der jeweiligen Viertel mit Arbeits-, Bildungs-, Einkaufs-, Geschäfts-, Regierungs- und Wohnfunktion.
Die funktionalen Stadtviertel der Kernstädte von Paris und auch London unterliegen einem zunehmenden Konkurrenzdruck von neuen
Dienstleistungsvierteln, die außerhalb der Innenstadt errichtet wurden, so etwa die Bürozentren um Paris oder die Docklands im Osten von London.
2 Funktionale Viertelbildung in Paris
Paris ist bis heute, vor allem für Frankreich, ein Ort von zentraler Bedeutung, was auch die Entwicklung der funktionalen Viertel der Kernstadt nachhaltig beeinflusst (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.1).
Jedoch entwickelte sich die Stadt bereits im Jahr 987 n. Chr. von einer Siedlung auf der Ile de la Cité ausgehend mit wichtigen Gebäuden, wie der Kathedrale von Notre Dame und der Universität und gewann somit zunehmend an Bedeutung und neuen funktionalen Vierteln (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.1). Mit einem stetigen Bevölkerungswachstum entstanden allenthalben neue Stadtviertel und somit auch immer häufiger soziale Probleme in den jeweiligen Wohngebieten, so entstanden etwa die Arbeiterviertel im Osten der Stadt, während im Westteil größtenteils gehobene Wohngebiete eingerichtet wurden, was die Stadtplaner vor neue Herausforderungen stellte (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.1).
In diesem Zusammenhang wurde im 19. Jahrhundert unter Napoleon III. der Stadtpräfekt Baron Eugène Haussmann bekannt, der die Stadtplanung zum Zweck der Sicherheit und Ordnung übernahm und das Aussehen von Paris damit nachhaltig mitbestimmte und veränderte.
Die funktionalen Viertel der Pariser Innenstadt wurden somit erst im 19. und 20. Jahrhundert durch die genannten Stadtplanungen und Umsetzungen maßgeblich verändert und erreichten nicht zuletzt auch dadurch ihre heutige Verteilung. In dieser Zeit der Stadterneuerung entstanden, geplant von Haussmann, die großen Straßenachsen zur besseren Übersicht und Kontrollierbarkeit der Stadt, von Nord nach Süd, von West nach Ost wodurch sich als Nebeneffekt auch neue funktionale Viertel in ihrem Umfeld bildeten (vgl. Paal (o.J.), S.3). Die Bedeutung der Avenue des Champs-Elysées schien dabei zentral und bot zusammen mit ihren sich zu Nobelvierteln entwickelnden Nebenstraßen auch ausreichend Raum zur zukünftigen Entwicklung und Ausdehnung der funktionalen Viertel der Pariser Innenstadt (vgl. Diercke 2009a, S.113).
Erst mit dem Einsetzten der Dezentralisierung und Deindustrialisierung im 20. Jahrhundert, die den lange geplanten Bau der Entlastungsstädte und der neuen Büro- und Verwaltungszentren außerhalb der Kernstadt mit sich brachten, führten zu nachhaltigen Veränderungen der funktionalen Viertel in der Pariser Kernstadt (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.3).
Errichtet sowohl zum Zweck der Entlastung der Innenstadt, aber auch um das wirtschaftliche und politische Leben Frankreichs im Kriegsfall nicht mit einem Mal auslöschen zu können, wurden viele der citytypischen Funktionen vom Stadtkern in die Entlastungsstädte umgesiedelt, welche auf der Kehrseite erhebliche Lücken in den Arbeitsmarkt der Kernstadt rissen (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.3).
Heute ist die wirtschaftliche Entwicklung sogar soweit, dass die zur Entlastung der Innenstadt erbauten Villes Nouvelles im Umland sowie die Bürozentren wie etwa La Défense und Montparnasse zu einem ernsthaften Gegenpol zu den funktionalen Vierteln der Innenstadt geworden sind (vgl. Paal&Pletsch (o.J.), S.7).
So ist es auch nicht selten, wenn Menschen die zu Geschäftsreisen nach Paris aufbrechen, nie auch nur einen Teil der Innenstadt zu Gesicht bekommen, sondern sich zur Erledigung ihrer Arbeit lediglich außerhalb der Kernstadt, in den neuen Geschäftszentren aufhalten und erzählen in Paris gewesen zu sein.
2.1 Historischer Hintergrund
Die Stadtgeschichte und damit die Bildung erster funktionaler Viertel von Paris begann mit der ersten Siedlung auf der Seine-Insel Ile de la Cité, welche zur Erleichterung der Flussüberquerung genutzt wurde (vgl. Pletsch 2009, S.1). Mit der Übernahme der Siedlung durch die Kapetinger im Jahr 987 entwickelte sich Paris relativ früh zu einem politischen, wirtschaftlichen und geistlichekulturellen Zentrum und erlangte dadurch zunehmende Bedeutung im ganzen Land (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.1).
Spätestens mit dem Bau der Sorbonne Universität im 12. Jahrhundert, die sich zu einer der wichtigsten Universitäten Europas entwickelte, erreichte Paris eine Sonderstellung für ganz Frankreich, mit wachsendem Interesse für gesellschaftliche Gruppen aller Art, einhergehend mit einem stetigen Wachstum in Gewerbe und Handel der Stadt (vgl. Paal&Pletsch (o.J.), S.2). Das anhaltende Bevölkerungswachstum wurde 1183 mit der Ergänzung eines Marktes fortgesetzt. Im 19. Jahrhundert wurden die bis zu ihrem Abriss 1971 bekannten Markthallen errichtet. Mit Les Halles war nicht nur ein Umschlagplatz für feinste Lebensmittel entstanden, sondern auch ein bedeutendes lebhaftes Marktviertel im Herzen von Paris.
Im Quartier du Sentier, zwischen dem Marktviertel Les Halles und der Börse, entstand das Tuchmacherviertel, wo sich Modeschöpfer und Schneider niederließen und berühmte Pariser Mode entwickelten, die sie in schicken Boutiquen teuer verkauften (vgl. Lohse 2000, S.1).
Das Land richtete sich folglich immer mehr, besonders auch mit einer die Pariser Wirtschaft begünstigenden Infrastruktur, auf die im 14. Jahrhundert schon 200.000 Einwohner zählende Stadt und damit der größten in Europa, aus, was ihr Bevölkerungswachstum und der damit entstandene kulturellen Vielfalt in den folgenden Jahrzehnten weiter positiv beeinflusste (vgl. Paal&Pletsch (o.J.), S.2) . Im Bereich der funktionalen Viertelbildung in der Kernstadt von Paris zeichneten sich ebenfalls schon früh grundlegende Strukturen ab, die bis heute nur teilweise verändert vorzufinden sind. So gibt es früheste Pläne, die die Stadt in die drei Viertel, Université, Cité und Ville de Paris unterteilt aufzeigen (vgl. Astor, Feltsch&Pletsch 2009, S.1).
Université bezeichnete damals wie heute das um die Sorbonne Universität entstandene Universitätsviertel Quartier Latin, welches bis heute das geistlichkulturelle Zentrum von Paris ist. Cité bezeichnete die Seineinsel, Ile de la Cité, auf der sich bereits, neben anderen öffentlichen Einrichtungen, die Kathedrale von Notre Dame und der Königliche Palast befanden. Schließlich kennzeichnete Ville de Paris das bürgerliche und wirtschaftliche Zentrum der Stadt, welches sich nördlich der Seine etabliert hatte (vgl. Astor, Feltsch&Pletsch 2009, S.1).
Seit dem 13. Jahrhundert entstanden neben dem bereits vorangeschrittenen Bau des Louvre weitere Stadtpaläste in der Ostumrandung der Stadtmauer, welche besonders vom König, aber auch vom Hochadel bevorzugt aufgesucht und bewohnt wurden. Mit diesem Stadtgebiet entstand das heute von Touristen gut besuchte Palastviertel, das bis heute ein weiteres Prachtviertel der Stadt ist (vgl. Astor, Feltsch&Pletsch 2009, S.1).
Mit der Beseitigung der Stadtmauern im 17. und 18. Jahrhundert wurden die großen, von Bäumen gesäumten, Boulevards angelegt wobei auch die Avenue des Champs-Elysées und weitere Prachtstraßen entstanden, deren unmittelbare Umgebung sich zusätzlich zu einem gehobenen Wohnviertel weiterentwickelte (vgl. Astor, Feltsch&Pletsch 2009, S.1).
2.2 Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert
Die Zeitphase um das 19. und 20. Jahrhundert stand unter anderem für die Phase der Dezentralisierung und Deindustrialisierung in Paris, die grundlegende Veränderungen in der strukturellen und funktionalen Viertelbildung der Kernstadt mit sich brachte und nachhaltig beeinflusste (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.3). Mit der napoleonischen Zeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert war Paris offiziell das Zentrum allen Schaltens und Waltens in Frankreich und die funktionale Differenzierung prägte maßgeblich das Pariser Innenstadtbild (vgl. Paal&Pletsch (o.J.), S.2).
Zwar war schon unter Louis XIV. mit dem Bau der großen Straßenachsen begonnen worden, worin ein Teil der Ost-West-Achse entstand, jedoch wurden diese Pläne erst unter Napoleon III. und seinem Stadtplaner, aufgrund entstandener Gegebenheiten, neu und vollständig ausgeplant und in der Folge auch umgesetzt (vgl. Pletsch 2009, S.1).
Das anhaltende explosionsartige Bevölkerungswachstum der Stadt ging einher mit sozialen Problemen, wie etwa der Bildung von armen Arbeitervierteln im Osten der Stadt während sich der Westteil weiterhin zum Viertel der Wohlhabenden etablierte (vgl. Boyer&Pletsch (o.J.), S.1).
Arbeit zitieren:
Saskia Leissling, 2010, Funktionale Viertelsbildung in Paris und London, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung: Funktionale Viertelsbildung in Paris und London ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung: neuer Titel erschienen: Funktionale Viertelsbildung in Paris und London
Saskia Leissling hat einen neuen Text hochgeladen
Capital Cities at War, Volume 2: Paris, London, Berlin 1914-1919: A Cu...
Jay Winter, Jean-Louis Robert
0 Kommentare