Gliederung
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1. Einleitung
2. Stadtentwicklung Paris
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2.1. Stadtgründung bis 1850
2.2. Die Zeit des Absolutismus 11
2.3. Stadtentwicklung unter Haussmann
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2.4. Entwicklungen der Neuzeit
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3. Stadtentwicklung London
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3.1. London seit der Stadtgründung
3.2. Stadterneuerungsprozesse in London 25
3.3. Entwicklungen ab dem Zweiten Weltkrieg
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4. Vergleichende Zusammenschau und Ausblick 28
Quellennachweise 31
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1. Einleitung
Paris und London haben sich während ihrer Stadtgeschichten zu den zwei größten Metropolen im mittleren und westlichen Europa entwickelt, sowohl was die Flächenausdehnung als auch die Bevölkerung angeht. Immer wieder kommt es in der Literatur bei den Bevölkerungszahlen allerdings zu unterschiedlichen Angaben, was daran liegt, dass Daten auf unterschiedlichen geographischen Raumeinheiten vorliegen: Dem Kernstadtgebiet, den Agglomerationen oder den Metropolregionen. Weiterhin wurde eigens von der Eurostat in der Neuzeit der Begriff der sog. Kernels geprägt, der die in etwa die bebauten Fläche rund um die Kernstadt abdeckt (vgl. EUROSTAT 2009a, S.34). Um eine bessere Vergleichbarkeit von Zahlen zu gewährleisten, wurde von der Eurostat zudem der statistische Begriff der „larger urban zones“ geprägt, der sich jedoch von der Metropolregion abhebt (vgl. FELDMANN 2008, S.2). Kritisch festzuhalten ist dabei die geringe allgemeine Gebräuchlichkeit dieser Kennzahlen, da sie lediglich durch die Europäischen Kommission geprägt werden. Londons Bevölkerungszahlen des Jahres 2009 reichen somit von 2,93 Mio., wenn ausschließlich die Boroughs von „Inner London“ berücksichtigt werden, über 7,43 Mio. bei Betrachtung aller 33 Boroughs des Stadtgebietes „Greater London“. Die „Larger Urban Zone“ (LUZ) umfasst mit 11,92 Mio. Einwohnern ein etwas kleineres Gebiet als die Metropolregion London und besteht aus dem Gebiet Greater London und den angrenzenden Grafschaften (Zahlen Beginn 2009; vgl. EUROSTAT 2009b, o.S.). Kaum kleiner ist die Hauptstadt des zentralistisch verwalteten Frankreichs. Auch hier existieren unterschiedliche Administrationseinheiten. Die Stadt Paris weist 2004 einen Bevölke-rungsstand von 2,14 Mio. Bewohnern im Stadtgebiet auf, wobei die Fläche circa dem Gebiet von Inner London gleicht (vgl. PARIS 2010, o.S.). Die Pariser „Petit Couronne“ umfasst 6,2 Mio. Einwohner und ist von der räumlichen Skala am ehesten mit Inner London vergleichbar (vgl. EUROPEAN COMMISSION 2010; o.S.; EUROSTAT 2004, S.1). Bereits 1990 vereint dagegen die „Grande couronne“, die in etwa kongruent zur Verwaltungsregion Île-de-France ist, 16 Prozent der landesweiten Bevölkerung, nämlich 9,1 Mio.. Die „Grande couronne“ umfasst die Departements Paris, Seine-St-Denis, Hauts-de-Seine und Val-de-Marne. Ende 2009 beläuft sich die stetig wachsende Zahl auf 11.746.000 Einwohner (vgl. INSTITUT NATIONAL DE LA STA-TISTIQUE ET DES ÉTUDES ÉCONOMIQUES 2010, o.S.). BRÜCHER vergleicht die Metropole daher mit einem Wasserkopf auf den Schultern der übrigen Nation (vgl. BRÜCHER 1992, S.59). Das Stadtgebiet selbst ist in 20 sog. Arrondissements unter-
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gliedert, um die Stadt übersichtlicher zu gestalten und die Verwaltung zu vereinfachen.
Sowohl London als auch Paris sind historisch gewachsene Städte. London wird schriftlich erstmals 43 n. Chr. im Zusammenhang der römischen Besatzung Großbritanniens erwähnt. Paris dagegen nimmt seinen Anfang circa 300 v. Chr. durch das Volk der Parisii, das sich am südlichen Ufer der Seine sowie auf der heutigen Île de la cité niederlässt (vgl. BEAUJEU-GARNIER 1993, S.64). 51 v. Chr. folgt ebenfalls eine Periode der römischen Besatzung, was zur ersten befestigten Siedlung des damaligen Lutetias führt. Beide heutigen Metropolen haben sich zwar über den gleichen Zeitraum entwickelt, unterscheiden sich heute jedoch in verschiedener Hinsicht. Diese Unterschiede sind das Resultat der jeweiligen nationalen Wirtschaft, der politischen Machthaber sowie kriegerischer Einflüsse. Darüber hinaus wirken auch einflussreiche Einzelpersonen, bspw. Georges-Eugène Haussmann (19. Jh., Paris) oder John Nash (19. Jh., London), auf die Entwicklung der Stadtgestalt ein. Im Folgenden werden zunächst die Zusammenhänge der Stadtentwicklung von Paris analysiert.
2. Stadtentwicklung Paris
Paris blickt auf eine über 2000-jährige Stadtgeschichte. Zur besseren Übersichtlichkeit wird sie in verschiedene Epochen unterteilt. Die erste Entwicklungsphase kann von der Stadtgründung bis zur ersten großen Umgestaltung durch Georges-Eugène Haussmann gesehen werden. Die Stadtumgestaltung durch Haussmann ab 1853 muss in diesem Kontext separat betrachtet werden (vgl. SCHÜLE 1997, S.22). Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs bis heute verstärkt Paris seine Position als eine der führenden Kultur- und Dienstleistungsmetropolen Europas mit den negativen Konsequenzen nicht integrierter Vorstadtquartiere und einem immensen Verkehrsaufkommen.
2.1. Stadtgründung bis 1850
Die Hauptstadt Paris nahm bereits seit der Regierung unter Chlodwig 482 n. Chr. eine Sonderstellung in der französischen Stadtlandschaft ein (vgl. BADISCHE HEIMAT 2000, o.S.). Zu dieser Zeit übernahm der fränkische Chlodwig I., der sich stark zum Katholizismus bekannte, die Herrschaft seines Vaters Childerich I., welcher noch in Diensten der Römer stand. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der zu dieser Zeit symbo-
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lisch deutlich zum Status der Hauptstadt beitrug, war die Grablegestätte für die Könige auf dem Montage Saint-Geneviève in der Apostelkirche Peter und Paul (vgl. PLETSCH 1989, S.29).
Bis zum Ende des 5. Jh unterstand Paris - anfangs Lutetia - zunächst dem Volk der Parisii. Einer der Gründe für die dortige Ansiedlung circa 250 v. Chr. bestand in der Möglichkeit der Einnahme von Wegezöllen, da der Punkt an der Seine eine wichtige Kreuzung im Handelsnetz der Gallier darstellte. Darauf deuten unter anderem keltische Münzfunde auf der Île de la cité hin (vgl. PLETSCH 1989, S.27). Bis 52 v. Chr. blieb diese Situation erhalten. Das Stadtgebiet erstreckte sich während dieser Zeit nur auf die Île de la cité und die direkt anliegenden Bereiche des Südufers (vgl. SCHÜLE 1997, S.9). Die Gebäude der Gallier hatten zwar auch in der Zeit der römischen Herrschaft Bestand, aufgrund des römischen Verwaltungsapparates und der fortschrittlichen Entwicklung der römischen Kultur wurde die Stadt um weite Bereiche auf dem südlichen Seine-Ufer erweitert. Das führte zu einer nord-südlichen Zweiteilung des Stadtgebietes von Lutetia. Das zentrale Stadtgebiet wurde aus verschiedenen Gründen im Süden vermutet. Erstens belegten archäologische Ausgrabungen auf dem Gebiet der ehemaligen Südstadt ein ehemaliges Vorhandensein von Freizeit- und Verwaltungseinrichtungen (vgl. PLETSCH 1989, S.28). Zum zweiten entsprach die Anordnung derjenigen anderer einstiger Römerstädte. Bis heute ist der ehemalige, sog. Cardo erhalten, der die wichtigste Nord-Süd-Verbindung durch die Stadt über die Île de la cité darstellte (vgl. VALLOIS 2010, o.S.). Nördlich der Insel befindet sich heute die Rue St. Martin, südlich dagegen die Rue St. Jacques. Darüber hinaus lassen sich auch deren Querstraßen (Querstraße = decumanus) auf dem südlichen Ufer durch die römische Besiedlung erklären. Als Hauptquerstraße (decumanus maximus) kommen die Straßenverläufe der Rue Cujas und Rue de Vaugirard in Frage, an der sich auch das Forum während der Römerzeit befand (vgl. ebd.). Weitere Straßenzüge der römischen Zeit finden sich über die Stadt verteilt. Die parallel zum Cardo verlaufende Rue St.-Denis sowie der südlich verlaufende Boulevard St.-Michel südlich der Seine entstammen dieser Zeit; die Straßen ,Rue Soufflotʻ und ,Rue Lhomondʻ wurden im südlichen Teil der Stadt errichtet (vgl. SCHÜLE 1997, S.67). Dass zu diesem Zeitpunkt das rechte Seine-Ufer trotz der infrastrukturellen Erschließung durch die heutige Pont Nôtre-Dame unbebaut blieb, war dem Gelände am rechten Ufer der Seine geschuldet. Heute ist ein Viertel nach dem sumpfigen Un-tergrund (Marais), einem Altarm des Flusses benannt, was eine Stadtausdehnung zunächst verhinderte (vgl. PLETSCH 1989, S.28). Dazu kam die militärisch strategi-
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sche Ausrichtung als Entscheidungsgrundlage, da die Landschaft des Pariser Beckens von dem Gleithang besser überblickt werden konnte. Ab circa 250 n. Chr. wurde der Stadtausbau durch die Römer wegen germanischen Angriffen nicht nur eingedämmt; sie werden in die nördliche Île de la cité zurückgedrängt (vgl. ebd.). Letztere wurde zu einer Festungsanlage mit umgebender Mauer erweitert. Zur Zeit Chlodwigs bestand das Stadtzentrum auf der Île de la cité mit dem Königspalast am westlichen Ende der Insel, östlich davon fanden sich neben Wohnbebauung religiöse Bauwerke (vgl. PLETSCH 1989, S.29). Ab dem 5. Jh. breitete sich die Stadt auch in nördlicher Richtung aus, vorrangig mit Funktionen des Wirtschaftssektors. Dagegen entstand am linken Seine-Ufer anstelle des ehemaligen römischen Stadtzentrums ein religiöses Zentrum. Rund um die Peter und Paul Kathedrale siedelten sich kirchliche Stiftungen an, die nachhaltig für die religiöse Prägung dieses Stadtbereichs verant-wortlich waren (vgl. ebd., S.30). Dennoch blieb die Bedeutung von Paris zu dieser Zeit eingeschränkt, da das Frankenreich unter den Söhnen Chlodwigs gevierteilt wurde und die Dominanz Parisʻ somit räumlich beschränkt wurde. Erst der Vertrag von Verdun aus dem Jahr 843 definierte das territoriale Frankreich im heutigen Sinn (vgl. ebd.). Bis zum Ende des 10. Jh. stagnierte die Entwicklung in Paris bzw. schritt zurück, da Gebietskämpfe und Belagerungen beiderseits der Île de la cité starke Verwüstungen anrichteten. Diese Kämpfe hatten vor allem normannischen Ursprung. Da die gewachsene Bevölkerung von Paris (20.000 - 30.000 um 800 n. Chr.) zu der Zeit im Wohlstand durch Handelsaktivitäten lebte, wurde die Stadt bis knapp 900 n.Chr. zum Ziel von Belagerungen (vgl. LIPPERT 2006, S.5). Die Herrschaft übernahmen ab 987 die Kapetinger, die sich zu dem Zeitpunkt gegen die Vormachtstellung der Karolinger durchsetzen konnten. Dieser Machtwechsel bewirkte einen Bedeutungszuwachs für die Stadt, da durch Hugo Capet der Beginn des französischen Zentralstaates markiert wurde. In Konsequenz kamen zu der reinen Residenzfunktion ab diesem Zeitpunkt allmählich zentrale Handels-, Verwaltungs- und Regierungsfunktionen (vgl. PLETSCH 1989, S.31). Ab dem 10. Jh. wurde das wieder bevölkerte Nordufer der Seine erneut Zentrum des Handels und der Landwirtschaftsnutzung (vgl. SCHÜLE 1997, S.10). Bereits zu diesem Zeitpunkt bestand ein sternförmiges Straßennetz, in dessen Mittelpunkt Paris lag.
Die erste geschlossene Stadtmauer außerhalb der Festungsmauer auf der Île de la cité wurde von König Philipp August ab dem Ende des 12. Jh. vervollständigt. Erstmals umschloss sie Stadtbereiche vor allem nördlich und südlich der Seineinsel. Vorrangig betraf dies Wohnsiedlungen neben Konventen (Wohnbereiche der Klöster)
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welche sich nach und nach herausbildeten (vgl. PLETSCH 1989, S.31). Außerdem waren in den Stadtbereich innerhalb der Stadtmauer zentral gelegene und für damalige Verhältnisse wichtige Handelsbetriebe eingeschlossen, um das wirtschaftliche Wachstum der Stadt aufrecht zu erhalten und zu fördern (vgl ebd., S.32). Die Vororte, sog. Faubourgs, sind noch heute in den Namen einiger Quartier- und Fremdenverkehrsbetriebe zu finden. Der Teil südlich der Seine wurde beherrscht durch die Erweiterung religiöser Einrichtungen und Bildungseinrichtungen, die zu jener Zeit eng miteinander verwoben waren. 1215 wurden der Pariser Universitas (der heutigen Sorbonne) die Statuten verliehen, die sich aus der Zusammenarbeit kirchlicher und städtischer Magister ab 1200 gründete (vgl. DIRLMEIER et al 2003; S.91). Die räumliche Gliederung der Stadtfunktionen etablierte sich bereits Anfang des 13. Jh. und ist heute noch zu erkennen, soweit dies das Städtewachstum zulässt. Die Bildungs- und Kunstfunktionen lagen im Süden der Seine in räumlicher Nähe zu der Montagne Saint-Geneviève. Dagegen kristallisierte sich die Île de la cité als vorrangiges Verwaltungszentrum heraus und am rechten Ufer des Flusses konzentrierten sich die Wohnfunktion sowie die Wirtschaftsfunktion von Paris (vgl. PLETSCH 1989, S.32). Vor allem der nordwestliche Teil der Stadt bildete sich ab dem 12. Jh. heraus, der von den Straßen ,Rue du Faubourg St.-Honoréʻ und der ,Rue Poissonièreʻ abgegrenzt wurden. Von der künstlerisch / architektonische Epoche der Romanik, die zu dieser Zeit herrschte, blieb Paris bis auf Ausnahmen unberührt. Die Kirchen Saint Germain-des-Prés oder St-Pierre de Montmartre sind die ältesten Pariser Abteien, welche Stilelemente aus diesem Baustil aufweisen. Beispielsweise stammt der romanisch gestaltete Westturm und Chor der Kirche Saint Germain-des-Prés aus dem Jahr 1163 (vgl. MUELLER 2004, S.130).
Die darauf folgende Stilepoche der Gotik ist in Paris aus verschiedenen Gründen sehr stark vertreten. Dazu zählte, dass für den Bau von Gebäuden in diesem Stil einerseits höhere Ansprüche an Architekten und Bauunternehmer gestellt wurden, andererseits vermittelt der Baustil Prunk und Eleganz; Dinge, nach denen die aufstrebende Stadt zu dieser Zeit verlangte (vgl. PLETSCH 1989, S. 33). Allen voran wurde dieser prunkvolle Stil im großen Maßstab auf der Île de France bei kirchlichen Gebäuden verwirklicht. Ein Grund, der die Verwirklichung von so zahlreichen Bauten ermöglichte, ist die Baukastenbauweise. Dazu wurden anhand von Entwurfzeichnungen Gebäudeelemente vorgefertigt, die vor Ort nur noch zusammengesetzt wurden (vgl. PLETSCH 1989, S.33). Für den Baustil der Gotik sind einige Merkmale kennzeichnend. Im Gegensatz zu der bodenständigen Architektur der vorausgehenden
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Romanik strebt die Bauweise der Gotik durch großzügige Raumausnutzung bzw. Raumhöhen und spitz zulaufende Bogenformen nach oben (vgl. KRAMPE 2007a, o.S.). Dazu kommen Stilelemente wie Kreuzgewölbe, Strebebögen und -pfeiler oder auch große Glasflächen in den Sakralbauten. Symbolisch stehen diese Elemente für das Streben nach dem Göttlichen bzw. der Schaffung einer Verbindung zwischen Himmel und Erde (vgl. ebd.). Als das die Gotik in Frankreich einleitende Bauwerk kann die Abteikirche St.-Denis gesehen werden: Sie wurde in einer Bauweise mit Strebepfeilern errichtet, enthält eine Fassade mit zwei Türmen und als erster Sakralbau ein sog. Rosenfenster (vgl. KRAMPE 2007b, o.S.). Weitere Beispiele für typische Kathedralbauten sind die Kathedrale von Senlis im Departement Oise, die Sainte-Chapelle im nördlichen Paris sowie die Kathedrale Nôtre-Dame auf der Île de la cité. Letztere wurde zwischen 1160 und 1225 errichtet, die Fertigstellung der Türme dauerte bis 1245 (vgl. ERLANDE-BRANDENBURG 1992, S.86). Zwar existierte an der Stelle bereits im 4. Jh. eine Basilika, im gotischen Stil wurde diese allerdings erst zu o.g. Zeit um- und ausgebaut. Die Umgestaltung betraf das gesamte Bauwerk, die größte Neuerung erfuhr es allerdings durch das neu gestaltete Querhaus in Verbindung mit einem neuen Skulpturenprogramm (vgl. ebd., S.155ff.). Aus der Zeit der Gotik sind vor allem geistliche Bauwerke erhalten. Dies liegt daran, dass Profanbauten regelmäßigen Renovierungen und Umbauten unterzogen wurden, die unter den jeweilig vorherrschenden Aspekten der Baukultur vorgenommen wurden (vgl. PLETSCH 1989, S.33). Zum anderen waren die Kirchengemeinden zu dieser Zeit mit viel Macht und den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet, um diese Bauprojekte stemmen zu können. Trotz dessen, dass im Süden des Stadtgebiets die Bebauung vor allem durch die Errichtung von Sakralbauten vorangetrieben wurde, blieben die Stadtbereiche links der Seine innerhalb der von Philipp August errichteten Stadtmauer nicht ausgelastet. 1200 wurde der bestehende Verteidigungswall um den Louvre im Westen erweitert, auf dem linken Seine-Ufer entstand dagegen ein einfacher Abwehrturm (tour de Nesle) (vgl. DʻAUBIGNÉ 1994, S.154). Im Lauf der Zeit wurde im nördlichen Teil der Stadt die Befestigungsmauer aus dem Hochmittelalter zweimalig für Stadterweiterungen durchbrochen: zum einen im 14. Jh. und erneut im 16. Jh. Die Südmauer hatte indessen Bestand bis zur Standerweiterung unter Louis XIV. (vgl. SCHÜLE 1997, S.69). Hinter den Stadtmauern verbarg sich unterdessen nicht ausschließlich der Nutzen der Gefahrenabwehr, sondern sie dienten ebenfalls der Abgrenzung sozialer und wirtschaftlicher Einheiten oder auch der Bestimmung von „Rechtsräumen“ (SCHÜLE 1997, S.67). Häufig wurden die Mauern entlang markan-
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ter Geländepunkte gezogen, beispielsweise an der Seine oder entlang des Sumpfgebietes am Nordufer. Somit entstand ein Zusatznutzen durch die Mauer, da Überschwemmungen verhindert werden konnten. Bis heute sind die ehemaligen Verläufe der Mauern in Paris zu erkennen, da oft Straßen direkt entlang der Wälle oder Straßenzüge anstelle der Mauern errichtet wurden. Beispiele hierfür sind im nördlichen Teil der Stadt der Boulevard de la Madeleine, B. des Bonne-Nouvelle, B. St.-Martin oder der B. Beaumarchais. Südlich der Seine kann an der Rue Mazarine, Rue St.-Jacques oder der Rue des Fossés St.-Bernard der Verlauf einstiger Stadtmauern abgeleitet werden (vgl. SCHÜLE 1997, S.68). Darüber hinaus bestehen die drei heutigen Verkehrsringe rund um Paris an Stellen, die ehemals von Schutzwällen belegt wurden. Beispielhaft steht der heutige Boulevard Exterieur für eine ehemalige sog. Mauer der Generalsteuerpächter. Diese bis zu vier Meter hohen Mauern dienten bis zur französischen Revolution der Zolleinnahme (vgl. SCHÜLE 2005, S.169). Bei den Aufständen nach 1789 wurden die Tore von den Aufständischen zwar abgebrannt, kurz darauf aber bis 1943 wieder in Betrieb genommen, da ein hoher Anteil des städtischen Etats (19. Jh. circa 50 Prozent) über diese Wegezölle generiert wurde. Die Phase des 13. und des 14. Jh. kennzeichnete einen Abschwung in der Entwicklung von Paris (vgl. PLETSCH 1989, S.34). Die Gründe dafür waren vielfältig: Frankreich befand sich in während dieser Zeit in mehreren Kriegen gegen Flandern und England, worauf der hundertjährige Krieg folgte. Infolge schlechter Hygienezustände in der Stadt traten Pestepedemien auf und es herrschten gewaltsame Unruhen auf-grund der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen. Im Zuge dessen wurden die Befestigungsanlagen verstärkt, worunter auch der Bau der Bastille circa von 1370 bis 1382 fällt (vgl. LIPPERT 2006, S.8). Die herrschenden Verhältnisse lassen sich direkt am Verlauf der Bevölkerungszahl ableiten: In der Zeit zwischen 1328 und 1450 nahm die Pariser Bevölkerung von 200.000 um die Hälfte ab. Von den verbliebenen Einwohnern zählten viele zur Gruppe der Zuwanderer aus verschiedenen Regionen Frankreichs bis zum europäischen Ausland. Während dieser Zeit der Besatzungen wurde zudem der Regierungssitz des Königs an die Loire verlegt. Erst ab circa 1450 wurde die Stadtentwicklung von Paris wieder vorangetrieben, welches mittlerweile 439ha Fläche umfasste (vgl. BEAUJEU-GARNIER 1993, S.70). Zunächst wurden allerdings vorhandene Flächen und Baulücken im Stadtgebiet für die Bebauung genutzt, bevor neue Flächen außerhalb ausgewiesen wurden. Während der Zeit der Renaissance ab dem Beginn des 16. Jh. entstanden neue Prachtbauwerke, unter anderem das Schloss St.-Germain-en-Laye. In Paris wurde
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Saskia Leissling, 2010, Stadtentwicklung von Paris und London, München, GRIN Verlag GmbH
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