1 . Definition des Begriffs der Migration als einem
sozialwissenschaftlichen Themengebiet
Das Wort Migration kommt ursprünglich aus dem Lateinischen (lat.: migrare) und bedeutet, wörtlich übersetzt, wandern bzw. wegziehen.
Bei der Definition des „Migrations“-Begriffs gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Herangehensweisen, die nach räumlichen und zeitlichen Kriterien untereinander differieren. Soziologisch gesehen ist dabei das Kriterium der Dauerhaftigkeit ausschlaggebend, ob der Begriff Migration benutzt werden kann oder nicht bzw. ob dieser wissenschaftlich gerechtfertigt ist.
P. Han schreibt dazu: „ In den Sozialwissenschaften werden unter dem Begriff der Migration allgemein solche Bewegungen von Personen und Personengruppen im Raum (spatial movement) verstanden, die einen dauerhaften Wohnortwechsel (permanent change of residence) bedingen.“ (Han, 2004, S.7)
Diese Definition ist zwar an sich richtig, schliesst jedoch nicht mögliche weitere Definitionen aus, die sich entweder auf den räumlichen oder zeitlichen Faktor oder die beiden Faktoren gemeinsam konzentrieren. Auf jeden Fall wird aber eine bestimmte Distanz bzw. Dauer (räumlich/ zeitlich) vorausgesetzt (die wissenschaftlich zwar nicht explizit bestimmt worden ist, jedoch de facto für jeden verständlich zu sein scheint) um zwischen einer üblichen Ortsverändrung und einer Migration unterscheiden zu können.
„ Danach wäre ein Umzug von Potsdam nach Baden-Baden sozialwissenschaftlich als Migration zu verstehen, ein Umzug von Potsdam nach Berlin jedoch nicht. Entsprechend wird ein kurtfristiger Aufenthalt zu Besuchs- oder Urlaubszwecken auch dann, wenn die zurückgelegte Distanz beträchtlich ist (etwa zwischen Berlin und New York), nicht als Migration angesehen.“ (Treibel, 1999, S. 101)
Bei solch einem Beispiel ist gut zu sehen, dass auch ohne strikte mathematische (bzw. statistische) Vorgaben aus der sozialwissenschaftlichen Sicht das Eine (Umzug von Potsdam nach Baden-Baden) eine Erscheinung der Arbeitsmigration sein könnte (beispielsweise) und
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somit auf jeden Fall zum Untersuchungsfeld der Migrationsforschung gehört das andere aber (Umzug von Potsdam nach Berlin) eher in das Untersuchungfeld bzw. zum Diskurs der Gentrifikation einzustufen ist und demzufolge keine Anhaltspunkte für die Soziologie der Migration bietet.
Han definiert die Faktoren: Distanz und Kontinuität (oben als Dauerhaftigkeit bezeichnet) als Ausschlusskriterien für das Untersuchungsfeld der Migrationsforschung folgendermaßen:
„ Räumliche Bewegungen von Personen und Personengruppen, die nicht mit einem dauerhaften Wechsel des Wohnortes verbunden sind, der über die bisher ansässigen politischen Gemeindegrenzen hinausgeht (z.B. Reisende, beruflich bedingte
Pendelbewegungen von Arbeitnehmern, Umzüge innerhalb derselben politischen Gemeinde), werden begrifflich nicht dem Phänomen der Migration zugerechnet.“ (Han, 2004, S.8)
Bevor ich zur Analyse der Migrationspolitik in Schweden komme, werde ich im nächsten Kapitel die allgemeinen Ursachen der Migration näher erläutern.
2 . Ursachen der Migration
Als klassische Ursachen der Migration werden die Arbeitssuche und Schutz vor Verfolgung angesehen. (Vrgl.:Treibel, 1999, S. 101)
P. Han geht jedoch von einem differenzierteren Modell der multikausalen Determinanten der Migration. Zusätzlich bietet er zwei Idealtypologien von Fairchild und Petersen, die einen Anspruch auf Vollständigkeit nicht erfüllen.
Gleichzeitig verweist er auf die Schwierigkeit einer theoretischen Systematisierung bzw. Kategorisierung der unterschiedlichen Migrationsgründe seitens der Migrationsforschung,
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welche aus der Komplexität der Materie, sprich der Migration entsteht, die „…selten monokausal verursacht wird“. (Han, 2004, S.21)
Das ist jedoch ein allgemeines Charakteristikum der Sozialwissenschaften bzw. der theoretischen, praktischen und statistischen Forschung, da es kaum gesellschaftliche Probleme gibt, die monokausal verursacht werden. Es sind praktisch immer die Zusammenspiele mehrerer Determinanten, die zur Entstehung sozialer, politischer Phänomene, wie in diesem Fall, der Migration führen.
Die zweite Schwierigkeit die P. Han herausstellt ist die pratkische Unmöglichkeit historischvergleichender Analysen, da sich die einzelnen epochalen „ Migrationsschübe einzelner Weltregionen“ kaum verallgemeinern lassen und somit keine allgemeingültige Definiton der Ursachen herausgebildet werden kann, die „ ..über die singuläre Analyse hinausgehen“ würde. (Han, 2004, S.21, S.22)
Auch die idealtypologischen Modelle von Fairchild und Petersen, die Han knapp erläutert, geben demnach keinen der Realität entsprechenden Überblick über die Migrationsursachen. In den folgenden Kapiteln nennt er jedoch die seit 1945 auftretenden Formen der internationalen Migration. Das sind die Migration von Familienangehörigen (Familienzusammenführung), Arbeitsmigration, Migration von Flüchtlingen, Migration ethnischer Minderheiten und Migration von Studierenden. (Han, 2004, S.85) Daraus könnte man auch die wichtigsten Determinanten der heutigen weltweit aktiven Migrationsprozesse ableiten. Die Beispiele dafür wären die Flüchtlingsstöme aus dem ehemaligen Jugoslawien oder den zahlreichen Konfliktherden in Afrika (Migration von Flüchtlingen und ethnischen Minderheiten), die Familienzusammenführungen der türkischstämmigen Mirbürger oder der Spätaussiedler, die Arbeitsmigration innerhalb der EU oder aber aus den ehemaligen Kolonien Frankreichs in die EU, und natürlich die Migration von weltweit Millionen Studierenden.
Doch welche Gründe auch immer zum Wegzug aus dem Heimatort führen, das entscheidende Kriterium, welches jedoch über den Erfolg bzw. Mißerfolg einer vollzogenen Migration entscheidet, ist inwieweit sich die Migrantengruppe in der Zielgesellschaft zurecht finden bzw. in diese integrieren kann. Im folgenden Kapitel werden drei der populärsten soziologischen Assimilationsvorstellungen näher erläutert, während im anschliessenden Kapitel die praktischen Instrumente herauszukristallisiert werden sollen, die einem Staat zur Verfügung stehen und die als Determinanten für den Integrationserfolg bzw. Misserfolg am Beispiel eines europäischen Wohlfahrtsstaates und Einwanderungslandes, wie Schweden bestimmt werden sollen.
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Arbeit zitieren:
Roman Kampen, 2005, Migrationskontrolle und Integrationsansätze aus soziologischer und sozialpolitischer Sicht am Beispiel Schwedens , München, GRIN Verlag GmbH
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