Einleitung
In der vorliegenden Arbeit möchte ich die Frage Analysieren, ob das Töten eines Menschen sozialethisch gerechtfertigt werden kann, auch wenn er noch so großes Unheil angerichtet hat.
Beginnen werde ich mit einer Definition der Begriffe Tyrannenmord und Widerstand. Im Folgenden möchte ich mit Alfred Delp und Claus Schenk Graf von Staufenberg zwei Personen darstellen, die in dieser Frage besonders gegensätzlicher Meinung waren. Am Beispiel Adolf Hitler möchte ich aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen ob ein „Tyrannenmord“ sich ethisch rechtfertigen lässt. Dabei möchte ich zunächst darstellen welche Formen des Wiederstandes in einer totalitären Diktatur möglich waren. Hier möchte ich folgenden Fragen nachgehen: Wie standen die evangelische und katholische Kirsche zu Hitler? Wie haben sich die beiden Päpste in der Zeit des Nationalsozialismus zu Hitler verhalten? Bevor ich dann Staufenberg und seinen Widerstand beschreibe, stelle ich den Widerstand in der Wehrmacht dar. Folgen sollen eine Biographie von Alfred Delp und seine Form von Widerstand.
Schließlich möchte ich darstellen wie die Bibel zum „Tyrannenmord“ steht. Im alten Testament heißt es “Auge um Auge, Zahn um Zahn“ , im neuen Testament speziell in der „Bergpredigt“ ist von Nächstenliebe ja sogar von Feindesliebe die Rede. Wie soll man 1 sich als gläubiger Christ verhalten?
Enden möchte ich mit meiner eigenen Meinung und dem Bezug zur Sozialen Arbeit.
1 Tyrannenmord
Mit dem Begriff Tyrannenmord wird die Tötung eines als ungerecht empfundenen Herrschers (Tyrann) bezeichnet, der das Volk gewaltsam unterdrückt.
1 Aufgrund der erheblichen Unterrepräsentation von Männern an der Katholischen Hochschule
aber auch in der Breite der Pädagogischen Berufe wähle ich in dieser Arbeit ausschließlich die
Maskuline Form. Selbstverständlich sind aber immer beide Geschlechter gemeint.
3
Schon in der antiken Philosophie wurde diskutiert ob der Tyrannenmord ein legitimes Mittel zur Befreiung einer Gesellschaft sei. Dabei stellte sich die ethische Frage, die für die Bürger schwer zu beantworten ist. Einerseits, Unterdrückung, Gewalt oder gar den Tod durch den Tyrannen erleiden, oder andererseits, dass man die Schuld eines Mordes auf sich lädt, wenn man den Gewaltherrscher durch einen Anschlag beseitigt. Der erste bekannte Tyrannenmord geschah im Jahr 514v.Chr. Der Anschlag galt den Brüdern Hippias und Hipparchos, wobei nur Hipparchos ums Leben kam. Der Anschlag, durchgeführt von
Harmodios und Aristogeiton, gilt als Geburtsstunde der Demokratie in Athen. 2 Eines der bekanntesten Beispiele für Tyrannenmord ist die Tötung des römischen Kaisers Julius Caesar 44v.Chr.
Das Attentat vom 20. Juli 1944 wurde nach 1945 kontrovers diskutiert. So wurden die Attentäter in einigen Kreisen als Verräter betrachtet, da man meinte, man dürfe dem obersten Feldherren nicht in den Rücken fallen. Mit größer werdendem Abstand zum Ende des
zweiten Weltkrieges, hielt eine immer größer werdende Mehrheit das Attentat auf Hitler für gerechtfertigt. Nur durch den Tot Hitlers, hätte das massenhafte Sterben im Konzentrationslagern, Bombenhagel und an der Front früher beendet werden können. Somit hätten die Attentäter in einer gerechtfertigten Nothilfesituation gestanden. 3
Im deutschen Grundgesetz ist das Widerstandsrecht der deutschen Bürger durch Artikel 20 fest verankert. 4
2 vgl. Dahlheim, Werner: Die griechisch-römische Antike - Band1 - Griechenland, S.140ff. (Im
Folgenden, Dahlheim a.a.O. S.)
3 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Tyrannenmord (02.01.2011, 13.45Uhr).
4 s. Deutsches Grundgesetz, Artikel 20, Absatz 4.
4
2 Widerstand
Während des Nationalsozialismus hat es von den unterschiedlichsten Menschen Widerstandsaktionen gegeben. Hans Fallada beschreibt in seinem Buch „Jeder stirbt für sich allein“ wie ein älteres Ehepaar nach der Nachricht vom Tod des einzigen Sohnes an der Ostfront beschließt genauso wie die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Flugblätter zu verteilen. In Carl Zuckmayer’s „Des Teufels General“ sabotieren deutsche Ingenieure schon bei der Herstellung bewusst Flugzeuge, sodass diese nicht zum Einsatz an der Front kommen können. Stauffenberg und Delp waren in zwei sehr unterschiedlichen Formen des Wiederstandes tätig. Während Stauffenberg mit seinem Attentat auf Hitler den aktiven Umsturz vorbereitete, war Delp konspirativ tätig und beschäftigte sich im Kreisauer Kreis mit der Vorbereitung zur Neuordnung Deutschlands nach dem Nationalsozialismus. So unterschiedlich beide auch im Wiederstand tätig waren, so mussten sie doch beide den gleichen Preis für ihren Mut bezahlen. Stauffenberg und Delp wurden noch vor Kriegsende von den Nationalsozialisten umgebracht.
2.1 Definition des Begriffs Widerstand
Der Genaue Begriff Widerstand ist recht umstritten. Allgemein ist das Wort als Reaktion eines Menschen oder einer Gruppe auf Machtmissbrauch, Verfassungsbruch oder Menschenrechtsverletzungen. Deshalb erscheint
Wiederstand immer deshalb geboten bzw. gerechtfertigt, wenn gegen Grundprinzipien einer demokratischen, freiheitlichen rechtsstaatlichen Ordnung verstoßen wird. Widerstand als abweichende Verhaltensform kann ein breites Verhaltensspektrum abdecken. Vom passiven Widerstand und der Verweigerung, die innere Emigration, den Ideologischen Gegensatz und der bewussten Nonkonformität, zum Protest, zur offenen Ablehnung bis hin zur Konspiration, die von der gedanklichen Vorbereitung zur Neuordnung nach dem Nationalsozialismus bis hin zum Versuch aktiv den Umsturz vorzubereiten und durchzuführen 5 .
5 Steinbach, Peter; Tuchel, Johannes: Lexikon des Widerstandes 1933 - 1945 S.228f (im
Folgenden, Steinbach u. Tuchel a.a.O. S.)
5
2.2 Formen
Wie bereits erwähnt hat es in den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten Gruppierungen aber auch bei Einzelpersonen Widerstandsbewegungen gegeben. Dabei spielte die Intensität der Opposition oder die Häufigkeit der Widerstandsaktionen nicht die wesentliche Rolle. Unter § 5 der
Kriegssonderstrafrechtsverordnung galt es zur „Erinnerung des Endsieges“ jede Form des Widerstandes im Keim zu ersticken. Darunter fielen mit dem „Heimtückegesetz“ nach 1934 schon öffentliche Zweifel, Witze oder Kritik an
der Führung. Loyalität der und sicherzustellen Wehrjustiz, und Sondergerichte
6
bis in die letzten Kriegstage hinein tausende von Todesurteilen
7
. Eine einheitlich auftretende und Widerstandsbewegung hat es
in Deutschland nicht gegeben, daher ist eine Definition der Formen des Widerstandes eher gleitend zu sehen. Nicht jeder, der Parteikundgebungen fernblieb gehörte damit automatisch zum Widerstand. Genauso hat es sicher einige gegeben, die sogar Parteimitglieder waren um so besser an Informationen zu kommen oder nicht in Verdacht zu geraten oppositionell aktiv zu sein 8 .
6 Ausnahmetribunale die kurzfristig anberaumt in erster und letzter Instanz ohne schriftliche
Beweise, Zeugen und Verteidiger stattfinden konnten.
7 vgl. Seinbach u. Tuchel: a.a.O. S. 203
8 vgl. Hildebrand, Klaus: Das Dritte Reich, S. 96 (im Folgenden, Hildebrand a.a.O. S.)
6
3 Offizielle Haltung der Kirchen zu Adolf Hitler
Nachdem die NS - Partei zu Anfang der 30er Jahre immer stärker wurde, verhielten sich die beiden großen Kirchen in Deutschland zunächst recht unterschiedlich zu dieser Partei.
Während die evangelische Kirche eine eher abwartende Haltung einnahm, bezog die katholische Kirche in Teilen durchaus klare Stellung gegen die aufstrebende NSDAP 9 . Da beide Kirchen durch einen tiefen Graben wechselseitigen Misstrauens voneinander getrennt waren, blieben gemeinsame Abwehrbemühungen gegen den Nationalsozialismus weitgehend aus.
Waren die Kirchen bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten noch verfassungsrechtlich geschützt, so wurden sie nach dem Herrschaftsantritt der Nationalsozialisten zunehmend in zermürbende Auseinandersetzungen verstrickt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Durch die nicht klar nach außen vertretene Haltung der beiden großen Kirchen verlor man nicht nur Glaubwürdigkeit und Einfluss bei der Bevölkerung und in der Politik, sondern brachte sich auch in Gefahr.
Während des Nationalsozialismus sind viele Geistliche beider Kirchen ermordet worden. Das die Katholische und Evangelische Kirche während dieser schlimmen Zeit auch noch untereinander nicht einig waren, hat beiden Lagern zusätzlich geschadet.
Sowohl die Katholiken als auch die Protestanten hatten lange Zeit große Mühe, hinter die wirklichen Absichten Hitlers und seiner Partei zu kommen. Durch Versprechungen und geschicktes taktieren gelang es der NSDAP immer wieder, die Haltung zu Kirche und Religion zu verschleiern.
Nach außen hin wurde zunächst der Standpunkt eines positiven Christentums vertreten, allerdings ohne konfessionelles Bekenntnis. Während es Hitler in den ersten Jahren noch um die Wählerstimmen beider Konfessionen ging, wurde mit zunehmender Macht die Hitler bekam mehr und mehr klar, dass ihn die beiden großen Religionen in Deutschland nicht interessierten 10 .
9 vgl. Nowak, Kurt: Kirchen u. Religion, in: Enzyklopädie des Nationalsozialismus S. 187 - 202
(im Folgenden, Nowak a.a.O.S.)
10 vgl. von Hehl, Ulrich: Die Kirchen in der NS - Diktatur, in : Deutschland 1933 - 1945 Neue
Studien zur Nationalsozialistischen Herrschaft S. 160 -162 (im Folgenden, von Hehl a.a.O. S.)
7
Vielmehr sollten die Kirchen ihren Einfluss auf die Öffentlichkeit systematisch verlieren.
Mit der völligen Kontrolle über die Polizei durch Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich wird intern das eigentliche Ziel, die schließliche Vernichtung der Kirchen klar definiert 11 .
Das es Regimekritik und Widerstand in beiden Kirchen gegeben hat zeigen die folgenden Zahlen: So sind allein während des Krieges von 1939 -
1945
411 katholische und 36 evangelische Geistlich ins KZ 12 eingeliefert wurden. Über die sicherlich in die tausende gehenden Verhöre, Predigtverbote,
Schikanen, Geld - oder Haftstrafen gibt es freilich keine Zahlen.
Ende 1941 einigen sich Christen und Protestanten auf einen gemeinsamen Hirtenbrief an Hitler, welcher allerdings genauso wir vorhergegangene oder folgende Proteste unbeachtet bleibt.
Abschließend kann gesagt werden, dass beide Kirchen den Aktiven Kampf gegen das Unrechtssystem nicht als Aufgabe der Kirchen oder der Kirchenmitglieder sahen, sondern als individuelle Gewissensentscheidenung jedes Einzelnen. So sind Alfred Delp oder auch Dietrich Bonhoeffer nicht als Offizielle Vertreter ihrer Kirchen, sondern als Einzelchristen in den politischen Wiederstand gegangen 13 .
3.1 Haltung der Katholischen Kirche
Wenn die Frage nach der Haltung der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus gestellt wird, so muss auch geklärt werden, wer denn gemeint ist. Sind es Bischöfe, Pfarrer, Theologieprofessoren oder einzelne Kirchenmitglieder die in ganz
11 vgl. von Hehl, Ulrich a.a.O. S. 162 -163
12 Konzentrationslager
13 vgl. von Hehl, Ulrich a.a.O. S. 176 - 181.
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Arbeit zitieren:
Uwe Kruth, 2011, Tyrannenmord - eine sozialethische Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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