Inhalt
1 Einleitung 1
2 Mode 3
2.1 Definitionen der Mode 3
2.2 Entwicklungen von Mode 4
2.2.1 Trickle- down- Theorie. 5
2.2.2 Virulenz-Modell. 5
2.3 Bedeutungen von Mode 6
2.3.1 Mode als nonverbale Kommunikation. 7
2.3.2 Mode als Ausdruck der Identität 9
3 Jugend und Jugendkulturen 11
3.1 Jugend 12
3.2 Subkulturen. 13
3.3 Jugendkulturen 14
4 Jugend und Mode. 17
4.1 Jugendmoden als Zugehörigkeit und Abgrenzung 19
4.2 Jugendmoden als Ausdruck des soziokulturellen Hintergrundes 21
5 Soziokultureller Hintergrund der Hippie- Punk- und HipHop- Mode 23
5.1 Hippie- Bewegung. 23
5.1.1 Zeitliche Einordnung. 23
5.1.2 Soziokultureller Hintergrund 24
5.1.3 Die Mode der Hippies 27
5.1.4 Hippie- Mode in ihrem soziokulturellen Zusammenhang 29
5.2 Punk- Bewegung. 32
5.2.1 Zeitliche Einordnung. 33
5.2.2 Soziokultureller Hintergrund 33
5.2.3 Die Mode der Punks 36
5.2.4 Punk- Mode in ihrem soziokulturellen Zusammenhang 39
5.3 HipHop- Bewegung 42
5.3.1 Zeitliche Einordnung. 43
5.3.2 Soziokultureller Hintergrund 43
5.3.3 Die Mode der HipHopper. 47
5.3.4 HipHop- Mode in ihrem soziokulturellen Zusammenhang 49
5.4 Vergleich der Mode der drei Bewegungen
vor dem soziokulturellen Hintergrund. 53
5.5 Jugendkulturmode wird Massenmode. 57
6 Fazit 60
Literaturverzeichnis 62
Abbildungen. 67
Abbildungsverzeichnis 70
1 Einleitung
Mode ist ein ständiger Begleiter unseres Alltags. Der Mensch verändert in jeder Kultur sein Aussehen durch Körperbemalung, Schmuck, Frisuren und Kleidung. Seit es Menschen gibt, führen sie diese Körpermodifizierung durch, lediglich die Art und Weise hat sich seit der Entstehungsgeschichte bis heute verändert. Mode erfüllt eine soziale Funktion, da der Mensch mit Mode erst zu dem wird, was er sein möchte. In unserer Gesellschaft gilt Nacktsein als nicht gesellschaftsfähig, sobald man aus seiner Privatsphäre in die Öffentlichkeit tritt, kleidet man sich. Wenn Menschen sich innerhalb der Gesellschaft begegnen, wirken zuerst die äußeren Hüllen, bevor der Charakter kennengelernt wird.
Wie die Mode in einer Gesellschaft getragen, akzeptiert und diskutiert wird, ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Je nach Umwelt, Klima, Wirtschaft, Glauben, Verhalten, Denkweisen und Einstellungen der jeweiligen Kultur, kleidet sich der Mensch in seiner Gesellschaft. Folglich spielt der soziokulturelle Hintergrund eines Menschen für die Mode eine entscheidende Rolle.
Die Mode erfüllt mehr Funktionen als lediglich einen Körperschutz und Bedeckung der Scham. Vielmehr wird durch die Mode die Identität des Menschen durch nonverbale Kommunikation ausgedrückt.
Früher wurde die Gesellschaft in verschiedene Klassen, Rassen, Geschlechter und Nationen aufgeteilt und so funktionierte auch das System der Mode. Heute ist diese Einteilung weitaus facettenreicher und die Gesellschaft lässt sich nicht mehr erkennbar in einzelne Stände und Moden aufteilen.
Die Gesellschaft gliedert sich heutzutage in mehrere Untergruppen, die durchaus soziokulturelle Hintergründe vermischen können. Dieses Phänomen spiegelt sich auch in der Mode wider, Moden bilden sich meist unabhängig von dem sozialen Stand durch eine Eigendynamik. Hierbei spielen die sozialen Bedürfnisse nach Abgrenzung und Zugehörigkeit des Menschen eine Rolle. Gerade Jugendliche wollen sich von der Gesellschaft und vor allem von der Elterngeneration distanzieren und gleichzeitig benötigen sie ein soziales Umfeld, zu dem sie sich zugehörig fühlen. Dieses Phänomen der Abgrenzung von anderen Gruppen und Zugehörigkeit zu der eigenen Jugendkultur entwickeln sie in ihrem Innern und präsentieren es durch Mode nach Außen.
In dieser Arbeit wird der soziokulturelle Hintergrund von Jugendmoden betrachtet.
1
Um diesen Zusammenhang herzustellen, müssen vorerst die einzelnen Definitionen, Funktionen und Einflüsse der Mode dargelegt werden. Das Kapitel 2 beschreibt die Mode mit ihren Entwicklungen und Bedeutungen, wobei Mode als nonverbale Kommunikation und Identitätsbildung genauer betrachtet wird. Des Weiteren werden in Kapitel 3 die Begriffe Jugend und Jugendkultur eingegrenzt, da sie in der Literatur aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden und für diese Arbeit explizit definiert werden müssen.
Der Zusammenhang von Jugend und Mode wird in dem darauffolgenden Kapitel 4 behandelt, da Jugendmode sich anders als die Massenmode verhält. Sobald die Verknüpfung von Mode und Jugend hergestellt ist, können im Einzelnen die speziellen Jugendmoden differenziert betrachtet und beschrieben werden. Das 5. Kapitel widmet sich den drei ausgesuchten Beispielbewegungen. Als Exempel werden die Hippie-, Punk-, und HipHop- Bewegung dargestellt, da diese Jugendkulturen prägend für die letzten Dekaden sind. Viele Anhänger schlossen sich diesen Jugendbewegungen an und die Moden treten als einzelne Elemente auch in unserer Zeit immer wieder auf.
Diese drei Bewegungen wurden ausgesucht, da sie in verschiedenen Dekaden entstanden sind und daher einen guten Überblick über verschiedene Zeitepochen und soziokulturelle Hintergründe liefern.
Die Hippiebewegung symbolisiert in ihrer Mode viele revolutionäre Stilelemente und Symbole, die mit zahlreichen Protestbewegungen einhergehen. Die Punk-Bewegung wird in mehreren wissenschaftlichen Werken als prägende Jugendmode dargestellt, da sie alltägliche Gegenstände mit der Mode verbindet und somit gänzlich neue Kombinationen erfindet. Die HipHop-Mode reicht bis in unsere heutige Zeit und ist daher die aktuellste Jugendmode. Sie hat der Sportbekleidung eine neue Bedeutung gegeben und den Kampf gegen Rassendiskriminierung unterstützt. Gerade weil diese drei Bewegungen so unterschiedlich in ihrem soziokulturellen Hintergrund und rein äußerlich in ihrer Mode sind, ist es interessant, diese drei Jugendmoden darzustellen und zu vergleichen. Beim genauen Betrachten sind tatsächlich Gemeinsamkeiten dieser auf dem ersten Blick so unterschiedlich wirkenden Jugendkulturen erkennbar.
Der Vergleich wird nach der Darlegung der drei Jugendbewegungen erörtert und diskutiert. Jugendmode kann die Gesellschaft beeinflussen, daher wird am Ende der Arbeit die Entwicklung von Jugendmode zu Massenmode aufgezeigt.
2
2 Mode
Der Mensch bekleidet sich täglich und entscheidet sich mehr oder weniger bewusst für ein Outfit. Mit diesem Outfit sagt der Mensch etwas über sich und seine Einstellungen aus, er präsentiert sich seiner Umwelt als Mensch in einer bekleideten Hülle. Die Bedeutung von Mode ist also heute weit mehr als Schutz, Scham und Schmuck, sondern ein Ausdruck der Persönlichkeit und Einstellungen. Sobald ein Mensch ein Kleidungsstück trägt, sagt er etwas über sein Inneres aus und gibt ein Statement zu der Gesellschaft. Mit Kleidung kann man optisch seinen Körper beeinflussen, man kann Positives betonen und Negatives vertuschen.
Mode wird in diesem Kapitel inklusive den Entwicklungen, Begründungen und Bedeutungen definiert.
Daraufhin wird Mode als nonverbale Kommunikation und Ausdruck von Identität genauer untersucht, da die anderen Kapitel auf diesen Erkenntnissen aufbauen. Im Folgenden wird der Begriff Mode näher definiert.
2.1 Definitionen der Mode
Das Wort Mode leitet sich von dem lateinischen Wort modus ab, wobei dieses eher Maß oder Zweckmäßigkeit bedeutet.
In Deutschland taucht um 1628 der Begriff à la mode aus dem Französischen auf und bedeutet so viel wie nach der Mode oder der Mode entsprechend. 1 Ungefähr seit den sechziger Jahren wird Mode für unsere heutige Bedeutung verwendet. 2
Viele Autoren definieren Mode aus unterschiedlicher Sichtweise, im Folgenden sind die für diese Arbeit wichtige und ausgesuchte Definitionen erläutert. Nach René König ist Mode eine allgemeine Institution, die den ganzen Menschen erfasst und gestaltet:
„In Wahrheit ist die Mode ein universales kulturelles Gestaltungsprinzip, das nicht nur den Körper des Menschen im ganzen, sondern auch seine sämtlichen Äußerungsweisen zu ergreifen und umzugestalten vermag.“ 3
1 Vgl. Scheiper 2008, S. 53
2 Vgl. Loschek 2007, S. 159
3 König 1967, S. 17
3
Hier ist bereits erkennbar, dass Menschen durch ihre Mode eine Persönlichkeit ausdrücken, diese nach eigenem Ermessen gestalten können und dadurch auf bestimmte Weise auf ihre Mitmenschen wirken. René König verbindet Mode mit Kultur. Dies soll zeigen, dass die kulturelle und gestalterische Lebensweise zusammenhängt und durch die Mode ausgedrückt wird. 4 Carlo Michael Sommer definiert die Mode als
„[]eine die ganze Gesellschaft durchziehende, die einzelnen Hypocodes (Gruppenstile) aber unterschiedlich tangierende Modifizierung des Hypercodes.“ 5
Dementsprechend nimmt jeder Mensch in einer Gesellschaft an der Mode teil, wobei die einzelnen Subkulturen einer Gesellschaft jeweils eigene Stile der Mode präsentieren.
Des Weiteren trägt jeder seiner kulturellen Sichtweise entsprechend die Mode. Sie wird von der sozialen und kulturellen Lage des Trägers beeinflusst. 6 Georg Simmel definiert Mode als Abgrenzung und Nachahmung in der Gesellschaft. „So ist die Mode nichts anderes als eine besondere unter den vielen Lebensformen, durch die man die Tendenz nach sozialer Egalisierung mit der nach individueller Unterschiedenheit und Abwechslung in einem einheitlichen tun zusammenführt.“ 7
Folglich ist die Mode nicht nur ein Bestandteil unseres Lebens, sondern vielmehr eine Form die einerseits soziale Zugehörigkeit symbolisiert und andererseits das Unterschiedsbedürfnis des Menschen befriedigt. 8
Im weiteren Verlauf werden die Entwicklungen, Bedeutungen und Begründungen von Mode näher beschrieben, um das Phänomen Mode genauer zu erklären.
2.2 Entwicklungen von Mode
Die Entwicklung von Mode wird wissenschaftlich durch verschiedene Entwicklungstheorien analysiert. Diese Theorien haben sich in unserer heutigen Gesellschaft mit der Zeit verändert. Heute ist die Entwicklung von Mode größtenteils abhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Träger. Je nach sozialem und
4 Vgl. König 1967, S. 17f
5 Sommer 1989, S. 136
6 Vgl. ebd., S. 136f
7 Simmel 2008, S. 49
8 Vgl. ebd., S. 47ff
4
wirtschaftlichem Stand wird eine bestimmte Mode getragen, somit ist sie abhängig von den sozioökonomischen Gegebenheiten. Die zwei Entwicklungsansätze beschreiben die Entwicklung der Moden in der Gesellschaft.
2.2.1 Trickle- down- Theorie
Die trickle- down- Theorie, zu Deutsch Tröpfchentheorie, besagt, dass die oberste Schicht einer Gesellschaft die Mode erfindet, also den jeweiligen Trend setzt. Diese Mode fließt dann tröpfchenweise in die unteren Schichten. Sobald die unterste Schicht die Mode der obersten Schicht übernimmt, beginnt die Oberschicht eine neue Mode zu tragen und das Phänomen beginnt von vorn. Diese Theorie ist auf der soziologischen Theorie der Nachahmung und Abgrenzung begründet, ein bekannter Vertreter dieser Theorie ist Georg Simmel. Menschen möchten sich einerseits durch ihre Mode zu einer Gruppe zugehörig machen, andererseits zu anderen Gruppen abgrenzen. Die trickle-down Theorie wurde auf der Grundlage verschiedener sozialer Schichten entwickelt. 9
2.2.2 Virulenz-Modell
Das Virulenz Modell wird von Rene König vertreten, der eine Entwicklung der Mode eher als eine spiralförmige Ausbreitung in der Gesellschaft sieht. In dem Zentrum der Mittelschicht entsteht die Mode und verbreitet sich dann auch die anderen Schichten. Hier wird also die Mode von der Mittelschicht geprägt und dann auf die Oberschicht und Unterschicht verbreitet.
Bei dieser Theorie wird berücksichtigt, dass es Subkulturen gibt, die nicht mit der Mode der Gesellschaft gehen, sondern ihre eigene Mode entwickeln. Mehrdimensionalität ist an dieser Stelle ein wichtiger Begriff, da Mode in unserer Gesellschaft nicht mehr in allen Schichten untersucht werden kann, sondern jede Gruppe ihre eigene Mode hat und weiterentwickelt. 10 Im Kapitel 4 wird gezeigt, dass die Jugendmode einer anderen Entwicklung unterstellt ist.
Im Folgenden werden die Bedeutungen der Mode dargestellt.
9 Vgl. Roderer 1986, S. 24ff
10 Vgl. ebd., S. 29ff
5
2.3 Bedeutungen von Mode
Carlo Michael Sommer und Thomas Wind benennen in dem Werk Mode: Die Hüllen des Ich drei Hauptmotive der Mode. Die drei Hauptmotive sind Schutz, Scham und schmückende Darstellung. Die Schutzfunktion kommt von den Urmenschen, die aus purem Schutz vor den klimatischen Verhältnissen ihren Körper mit Kleidung schützen. Die zweite Funktion beschreibt die natürliche Schamfunktion des Menschen. Aus Scham würde sich der Mensch bekleiden, damit die Nacktheit verdeckt wird. Vor allen Dingen biblische Vertreter stellten diese Modetheorie auf, da in der Bibel der Mensch zum Feigenblatt greift, um sein Geschlecht zu verdecken. Die dritte Funktion, die Schmuckfunktion, gibt es seit Menschen leben. Menschen haben schon immer sich selbst geschmückt, um sich selbst darzustellen und um anderen aufzufallen. Diese Funktion ist bis heute die am meisten erforschte, da der Mensch sich kleidet um sich zu schmücken, die Schutz und Schamfunktionen sind dabei nur sekundär. 11
Roman Meinhold hat die Mode philosophisch betrachtet und dabei drei Annahmen aufgestellt, die die Schmückfunktion unterstreicht und vertieft. Zum einen stellt er Mode als Selbstinszenierung dar: Der Mensch kleidet sich, um seine Identität in Szene zu setzen. Dadurch kann er ein Ideal nachahmen und Anerkennung durch die soziale Umwelt erlangen.
Des Weiteren beschreibt er Mode als Selbstverschönerung. Hier wird erklärt, dass Menschen nach Verschönerung und Verbesserung streben und dies vor allen Dingen in der Mode ausleben können.
Die dritte Annahme bezieht sich auf das Streben nach der ewigen Jugendlichkeit unserer Gesellschaft. Mit einer bestimmten Mode kann der Träger sich selbst jünger darstellen.
„Mode befriedigt symbolisch das Streben nach ewigem Jung-Sein, Wiedergeburt und Unsterblichkeit.“ 12
Carlo Michael Sommer begründet das Tragen der Kleidung neben einigen anderen Objekten des Lebens auch als Ausdruck der Identität: „Alles, was der Mensch als Homo Faber produziert oder- heute fast häufiger als Konsument für seine persönliche Sphäre auswählt, ob Möbel, Fortbewegungsmittel, Nahrungsmittel, Kleidung, Freizeitgeräte etc, ist
11 Vgl. Sommer/ Wind 1988, S. 11ff
12 Meinhold 2005, S.17
6
Objektivierung und Ausdruck seiner Identität und wirkt zugleich auf diese zurück.“ 13
Neben den erwähnten Gegenständen des menschlichen Umfelds ist die Kleidung laut Sommer eines der nahesten, da sie direkt am Körper liegt. „Die Kleidung wird dabei zwar als zum Körper gehörender Teil des Menschen gesehen, ist aber zugleich wesentlich manipulierbarer als der bloße Körper: Mit der Kleidung gestaltet der Mensch seinen Körper, kompensiert dessen Mängel.“ 14
Folglich kann der Mensch durch die Kleidung seine Identität darstellen und beeinflussen. Der Körper wird dabei zum Gestaltungsobjekt, das durch den Träger gebildet wird.
Karin Holdermann stellt ein Konzept vor, indem die beiden Seiten Träger und Betrachter eingebunden werden. Einerseits wird ein program des Trägers dargestellt und andererseits ein review der Mitmenschen auf den Träger projiziert. Jeder Mensch gibt mit seiner Kleidung die Identität kund, zeigt seine Werte an, drückt seine Stimmung aus und bringt seine Einstellungen vor. Die Mitmenschen setzen die Identität des Trägers, die Werte werden erkannt, die Stimmungen eingeschätzt und die Einstellungen antizipiert. 15
Folglich kommunizieren die Menschen mit ihrer Mode untereinander. Eine große Bedeutung der Mode ist die nonverbale Kommunikation, die im nächsten Kapitel näher erläutert wird.
2.3.1 Mode als nonverbale Kommunikation
„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ 16 sagt Paul Watzlawick und will damit ausssagen, dass der Mensch, indem was er tut und zeigt, in ständiger Kommunikation mit seiner Umwelt steht. Kommunikation ist hier nicht nur als verbale Kommunikation zu verstehen, sondern zusätzlich als nonverbale Kommunikation. Zu dieser nonverbalen Kommunikation gehört neben Gestik, Mimik, Berührungssignale, interpersonale Distanz, Intonation und Lautstärke auch die Kleidung des Menschen,
13 Sommer 1989, S. 17
14 Ebd., S. 18
15 Vgl. Holdermann 2004, S. 48f
16 Watzlawick 1969, S. 53
7
jedes Outfit sagt etwas über den jeweiligen Träger aus. Mit der Kleidung senden wir immer Signale an unsere Außenwelt und diese reagiert darauf. 17 Wenn man einen Menschen aus einer Entfernung sieht, dann erkennt man zuerst seine Kleidung, das Gesicht ist erst erkennbar, wenn der Mensch näher kommt. Daher ist die Kleidung die erste und größte Betrachtungsfläche eines Menschen. 18 Wenn der Mensch sich kleidet, dann kommuniziert er immer indem er mit seinem Outfit etwas ausdrückt, sei es gewollt oder ungewollt. Seine Umwelt interpretiert in dieses Outfit unbewusst bestimmte Eigenschaften, Launen als auch Gesinnungen des Trägers. Genauso kann der Mensch durch die Kleidung sein Erscheinungsbild verändern, unterstreichen und somit eine Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Durch Kleidung kann die eigene Identität unterstrichen und nonverbal der Gesellschaft mitgeteilt werden. So kann man auch je nach Lebenssituation durch die Mode seine Persönlichkeit beeinflussen. 19
Durch Mode gibt jeder Informationen über sich preis. Dies bedeutet im Einzelnen, dass man mit dem Outfit das Geschlecht des Trägers bestimmen und das Alter ungefähr einordnen kann. mit dem Outfit kann man das Geschlecht bestimmen, das Alter ungefähr einordnen und der Träger kann es betonen oder vertuschen. Diese Merkmale kann der Träger betonen oder vertuschen. 20
Mode kann man folglich als Kommunikationsmedium verstehen. Wir stellen nicht nur unsere Identität, Gruppenzugehörigkeit und unseren Status dar, sondern auch unsere Hoffnungen und Wünsche. So kann man sich durchaus mit der Mode tarnen und lügen. Beispielsweise kann ein Mensch mit der Mode seinen Status heben oder sein Alter kaschieren. 21
Um dieses Kommunikationsmedium zu interpretieren, sind gewisse Codes eine Voraussetzung. Codes entstehen in jeder Gesellschaft und sind immer situations-und kulturabhängig. Mit diesen durch die Gesellschaft festgelegten Codes entwickeln sich bestimmte Kommunikationsvorgänge zwischen dem Träger und dem Betrachter. 22
Im Folgenden werden die Kleidungscodes näher beschrieben.
17 Vgl. Sommer 1988, S. 19ff
18 Vgl. Holdermann 2004, S. 41
19 Vgl. Sommer/ Wind 1988, S. 19ff
20 Vgl. ebd., S. 22
21 Vgl. ebd., S. 22f
22 Vgl. Holdermann 2004, S. 42
8
2.3.1.1 Kleidung als Code
Nach Carlo Michael Sommer ist der Begriff Code im Zusammenhang der Mode als Kommunikationsmedium entscheidend. Wenn man einen bekleideten Menschen betrachtet, ordnet man Menschen anhand von Codes in bestimmte Kategorien. Diese Codes werden durch die Kultur und die Gesellschaft geprägt. 23 „Durch gemeinsame kulturelle Wissensbestände von Kleidungsträger und Kleidungsdecodierer, also nur innerhalb einer Codiergemeinschaft, lässt sich die volle Bedeutung von Kleidung erschließen.“ 24
Gemeint ist hier der vestimentäre Code, der durch das soziale Umfeld von den Betrachtern aufgeschlüsselt wird. Kleidung steht hier als Symbol, welches erst eine Bedeutung durch den Decodierer erlangt. In der Gesellschaft entstehen Aussehenserwartungen, die von den Trägern erfüllt werden sollen. So wird zum Beispiel bei bestimmten offiziellen Veranstaltungen die Einhaltung von gewissen Kleidungsvorschriften erwartet. Natürlich gilt in einer Gesellschaft nicht ein einziger Code, es existieren mehrere Codes nebeneinander. Diese so genannten Teilcodes einer Gesellschaft werden Varietäten genannt. Die gesamte Existenz von allen Kleidungen in einer Kultur ist das Kleidungsrepertoire. Die Varietäten kann man auch Hypercodes nennen und das Kleidungsrepertoire Hypocodes. Diese beiden Codierungen werden in einer Gesellschaft im Zusammenhang der Mode und in Abhängigkeit von Werten und Normen verwendet. In einer Gesellschaft gibt es Handlungserwartungen von den Mitgliedern und diese werden mit
Aussehenserwartungen verbunden. 25
Da Mode als Kommunikationsmedium die Identität ausdrückt, wird im Folgenden dieser Begriff näher definiert.
2.3.2 Mode als Ausdruck der Identität
Mode gilt als Ausdruck der Identität. Im Nachstehenden wird erst der Identitätsbegriff erklärt und dann die Mode in den Zusammenhang mit der Identitätsbildung dargestellt.
Zum genauen Verständnis wird im Folgenden der Identitätsbegriff nach Goffman definiert und daraufhin auf die Mode angewendet.
23 Vgl. Sommer 1989, S. 40ff
24 Ebd., S. 42
25 Vgl. ebd., S. 40ff
9
2.3.2.1 Der Identitätsbegriff
Nach Goffman wird der Identitätsbegriff in die persönliche und die soziale Dimension unterschieden. Diese Theorie kann man sehr gut für das Thema Mode übernehmen, deshalb wird hier mit dieser Annahme gearbeitet. Die persönliche Identität ist die individuelle Identität eines Menschen, die es kein zweites Mal gibt. „Es handelt sich dabei um die Identifikationsmerkmale und die einzigartigen biografischen Daten und Kennzeichen eines Individuums, das bereits vor der Geburt und ebenso nach dem Tode eine persönliche Identität besitzt.“ 26 Die soziale Dimension ist die Einordnung und Definition des Menschen durch andere. Die Umgebung bewertet und beeinflusst also den Menschen und gibt ihm somit eine soziale Identität. 27
Im Folgenden wird diese Identitätsdefinition in den Zusammenhang mit der Mode gestellt.
2.3.2.2 Der Zusammenhang von Mode und Identitätsbildung
Die persönliche Identität kann man laut Goffman als ein Theater sehen. Der Mensch ist Schauspieler auf seiner eigenen Bühne und setzt sich selbst durch das Bühnenbild, die Kulissen und Requisiten in Szene. Hierbei spielt neben allen Alltagsgegenständen und dem Körper auch die Kleidung eine Rolle auf der Bühne. Die soziale Identität eines Menschen wird durch die Mitmenschen anhand einer Symbolisierung aufgeschlüsselt. Diese Symbolisierung kann durch Kleidung erfolgen. Die Mitmenschen sind in diesem Fall das soziale Umfeld des Menschen, die Gruppe. Kleidung stellt hier den jeweiligen Stil der Gruppe dar und drückt somit die Identität der Gruppe aus. Da jeder Mensch neben seinem persönlichen Kleidungsstil den Gruppenstil hat, wird dadurch die persönliche Identität ausgedrückt. 28 Mode hat besonders für die Jugend eine große Bedeutung, da sie als Ausdruck der gerade entstehenden Identität dient. Jugendliche sind in einer Selbstfindungsphase und können daher durch verschiedene Moden ihre Identität unterstreichen. Kleidung wird also als Mittel zur Unterstützung der Selbstinszenierung verwendet. Durch
26 Holdermann 2004, S. 47
27 Vgl. ebd., S. 46
28 Vgl. ebd., S. 46f
10
bestimmte Moden können Jugendliche ihre gesammelten Erfahrungen und somit die sich im Laufe des Lebens entwickelnde Identität ausdrücken. 29 Jugendliche erfahren durch ihre Kleidung etwas über ihr Inneres, das heißt die Mode hilft bei der Selbstfindung.
„ Sie verwenden den Stil in ihrer symbolischen Arbeit, um ihr Selbstverständnis als unverwechselbare Persönlichkeiten zum Ausdruck zu bringen und zu entwickeln, um zu bezeichnen, wer sie sind und für wen sie sich halten.“ 30
Nach Paul Willis ist Mode für die Jugend ein wichtiges Element zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.
Um den Zusammenhang von Jugend und Mode darzustellen, müssen vorerst die Begriffe Jugend und Jugendkulturen genauer beschrieben werden.
3 Jugend und Jugendkulturen
Um die Begriffe Jugend und Jugendkulturen zu definieren und einzugrenzen, müssen Definitionen entwickelt werden. In diesem Zusammenhang werden von den unterschiedlichen Autoren verschiedene Begriffe für die gleichen Zusammenhänge verwendet.
Es gibt zahlreiche Ausdrücke und Definitionen zu diesem Thema. So werden zum Beispiel Begriffe wie Jugendstile, Jugendbewegungen, Jugendkulturen,
Protestbewegungen und Subkulturen verwendet.
In dieser Arbeit wird sich auf die Begriffe Subkulturen und Jugendkulturen beschränkt, um den Umfang einzugrenzen.
Früher wurde eher der Begriff Subkulturen verwendet, in der moderneren Literatur wird von Jugendkulturen gesprochen und dieser Begriff wird auch hauptsächlich in dieser Arbeit verwendet und definiert. Eine Definition des Begriffes Subkultur wird trotzdem stattfinden, da sich aus Subkulturen Jugendkulturen entwickeln können. Im Folgenden wird der Begriff Jugend eingegrenzt, anschließend die Subkulturen in den Zusammenhang gebracht und vertiefender auf Jugendkulturen eingegangen.
29 Vgl. Willis 1991, S. 112f
30 Ebd., S. 112
11
3.1 Jugend
Die Lebensphasen des Menschen werden grob in die drei Phasen unterschieden: Kindheit, Jugend und Erwachsensein. Die Jugendphase beginnt also nach der Kindheit und ist der Übergang zum Erwachsenenalter. Die Jugend ist erst seit der Industrialisierung ein eng eingegrenzter Bereich, indem die Trennung von der Familie, die Ausbildung und der Beginn der Erwerbsfähigkeit eingeschlossen sind. Als Verbindungsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter werden die Jugendlichen einerseits nicht mehr so erzogen und beaufsichtigt wie Kinder, andererseits müssen sie, zumindest zu Beginn der Jugendphase, noch nicht für sich selbst sorgen und komplett ihr Leben allein führen. 31 Wolfgang Thiel und Hans-Jürgen Wirth schreiben hierzu: „Der Adoleszente lockert seine emotionalen Bindungen an die Familie, wendet sich bisweilen vollends von ihr ab und bereitet sich auf den Eintritt in die Welt der Erwachsenen vor.“ 32
Jugendliche sind dementsprechend keine Kinder mehr, befinden sich aber trotzdem noch in einer Entwicklungsphase auf dem Weg zu den Erwachsenen. Die Pubertät ist eine wichtige Phase während der Jugend, da hier die körperliche Entwicklung, die Geschlechtsreife, im Vordergrund steht. Während der Jugend sucht und entwickelt der Mensch seine Identität, er bildet seine beruflichen, sozialen, familiären, religiösen, kulturellen, ethischen und politischen Richtungen aus und entwickelt so ein soziales Netzwerk. 33
Jugendliche finden in dieser Phase ihren Weg in die Gesellschaft: „Gesellschaftliche Erwartungen betreffen den Erwerb fachlicher wie sozialer Kompetenzen, u. a. das Ablegen von Schulabschlüssen, die Anerkennung gesellschaftlicher Regeln, soziokultureller Normen und Werte als Zeichen der bewussten Einfügung in die Gesellschaft.“ 34
Die Zeitspanne der Jugendphase hat sich im Laufe der Zeit geändert. Vor der Industrialisierung war die Jugendzeit kürzer: Man musste früher Verantwortung übernehmen, da die Ausbildungen kürzer waren und Familien früher gegründet wurden. Heute ist die Jugendphase zeitlich ausgedehnter und wird in drei Phasen unterteilt. Die erste Phase der Jugend beschreibt die Pubertätsphase, die im Alter
31 Vgl. Schäfers/ Scherr 2005, S. 17ff
32 Thiel/ Wirth 1986, S. 148
33 Vgl. Schäfers/ Scherr 2005, S. 17ff
34 Reiss 2003, S. 21
12
von ungefähr 12 bis 17 Jahren stattfindet. Danach folgt die postpubertäre Phase von circa 18 bis 21 Jahren. Hierauf folgt die Phase der vollen Rechtsmündigkeit und endet mit dem Abschluss der Erstausbildung. Das Ende der Jugendphase kann man nicht genau differenzieren, endet aber meistens spätestens mit Abschluss des zweiten Lebensjahrzehnts. 35
Jugendliche sind in einer Zwischenwelt, das heißt sie sind keine Kinder mehr und auch noch keine Erwachsenen. Dieser Zustand löst bei den Jugendlichen eine Selbstfindungsphase aus, in der viel ausprobiert wird und häufig Extreme gelebt werden. Diese Extreme werden in abweichenden Verhaltensweisen geäußert, wobei die Mode auch eine große Rolle spielt. 36
Auf die Mode in Zusammenhang mit der Jugendphase wird in Kapitel 4 eingegangen. Vorerst werden die Begriffe Subkulturen und Jugendkulturen näher erläutert.
3.2 Subkulturen
Jedes Gesellschaftssystem besteht aus verschiedenen Kulturen. Eine kurze und klare Definition bietet Rolf Schwendter:
„Kultur ist der Inbegriff alles nicht Biologischen in der menschlichen Gesellschaft. Oder, anders gesagt: Kultur ist die Summe aller Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Wertordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. in einer konkreten Gesellschaft.“ 37
Diese Kulturen spalten sich wiederum in einzelne Unterkulturen, den sogenannten Subkulturen, auf. Subkulturen entstehen aus den ökonomischen, sozialen und politischen Lebensbedingungen von Jugendlichen in großen Städten. 38 Sobald es in einer Gesellschaft Menschen gibt, die sich nicht mit der Politik, Kultur, Soziologie, Werte oder auch anderen Ansichtsweisen identifizieren möchten, entstehen Subkulturen. Daraus lässt sich schließen, dass Subkulturen überall entstehen, da es unmöglich ist, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft mit allen kulturellen Aspekten zufrieden ist.
Subkulturen haben eine andere Wertvorstellung und einen anderen Lebensstil gegenüber der Gesellschaft, sie möchten ihre Meinung kundtun und gegebenenfalls gegen die Wertvorstellungen und Lebensstile der Gesellschaft protestieren.
35 Vgl. Schäfers/ Scherr 2005, S. 17ff
36 Vgl. Thiel/ Wirth 1986, S. 148ff
37 Schwendter 1993, S. 10.
38 Vgl. Klein/ Friedrich 2003, S. 101
13
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Svenja Petschulat, 2009, Soziokulturelle Hintergründe von Jugendmoden am Beispiel der Hippie-, Punk- und HipHop-Bewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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