Inhaltsverzeichnis
1. Frauenalkoholismus allgemein 2
2. Untersuchungsergebnisse von sozio-demografischen Merkmalen
und geschlechtsspezifischen Trinkverhalten bei Frauen 3
3. Einige Untersuchungsergebnisse und mögliche Ursachen für den
Frauenalkoholismus 4
3.1. Untersuchungsergebnisse und mögliche Ursachen des Frauenal-
koholismus 4
3.2. Polytoxikomanie 6
4. Geschlechtsspezifische Trinknormen und Trinkverhalten bei Frauen
und Männern 7
5. Der Interrollenkonflikt als auslösender Faktor für Alkoholismus bei
Frauen 9
Literaturverzeichnis 11
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1. Frauenalkoholismus allgemein
Im Vergleich zum Alkoholismus und Alkoholkonsum von Männern unterliegt Frauenalkoholismus einigen Besonderheiten. Wenn es um Ursachen und Gründe für Alkoholabhängigkeit bei Frauen geht, wird es schnell deutlich, dass die Motivation von trinkenden Frauen tief in ihren gesellschaftlichen Lebensverhältnissen liegt, die wiederum durch patriarchale Bedingungen geprägt sind.
Im Gegensatz zu Männern wird der starke Alkoholkonsum von Frauen stark unter die Lupe genommen und gesellschaftlich bewertet. Obwohl Alkohol die Droge Nr. Eins in Deutschland ist und der Konsum als gesellschaftlich funktional und erwünscht gilt, wird eine scharfe Trennlinie gezogen, wenn es sich um Frauen handelt, die Alkohol missbräuchlich konsumieren. An dieser Stelle hören die Toleranz und das Verständnis des sozialen Umfeldes auf. In unserer Gesellschaft sind die Trinkformen für Männer und Frauen immer noch unterschiedlich. Mäßiger Alkoholkonsum wird bei Frauen toleriert und akzeptiert. Es gelten jedoch bestimmte Verhaltensregeln bezüglich der Beweggründe, Häufigkeit, Ort und Menge. Frauen werden nicht so viele Gründe zum Trinken zugestanden wie Männern. Die stark trinkende Frau wird schnell auffällig und als „unweiblich“ bezeichnet. Die moralische Verurteilung erfolgt fast automatisch. Verhalten, das bei Männern toleriert wird, können Frauen sich nicht erlauben. Die Alkoholabhängigkeit stellt bei ihnen eine Abweichung vom „normalen“ Verhalten dar. In unserer Gesellschaft leben Frauen oft in vielfältiger Abhängigkeit. Es lässt sich beobachten, dass Frauen besonders abhängig von ökonomischen und patriarchalen Strukturen sind. Im Zusammenhang mit der Teilhabe an Erwerbsarbeit oder Macht ist die Situation, die Frauen in unserer Gesellschaft vorfinden, an das männliche Geschlecht gebunden. Nach wie vor sind Frauen meist ökonomisch abhängig und auf die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bezogen, d.h. die zentrale „Arbeitsstelle“ der Frauen ist immer noch die Familien- und Hausarbeit. In Anbetracht dieser Tatsachen, scheint eine selbstbestimmte, ökonomisch gesicherte Lebensführung bei den meisten Frauen sehr erschwert bzw. nicht möglich zu sein. Wenn eine Alkoholabhängigkeit dazu kommt, erfahren sie eine doppelte Abhängigkeit. Der Kreis schließt sich dadurch und die betroffenen Frauen werden weiter in die Sucht gedrängt (vgl.: Bernhardt-Wolf, 2000, S. 79-80).
In meiner Arbeit stelle ich zuerst ausgewählte Untersuchungen und deren Ergebnisse von sozio-demografischen Merkmalen und geschlechtsspezifischem Trinkverhalten bei Frauen und Männern dar. Im weiteren Teil werde ich möglichst ausführlich einige Forschungsergebnisse beschreiben und dabei auf mögliche Ursachen für den Frauenalkoholismus eingehen. Weiterhin werde ich mich mit dem Phänomen Polytoxikomanie auseinandersetzen und beschreibe seine Muster. Zum Schluss werde ich mich mit dem auslösenden Faktor für Alkoholismus bei Frauen befassen, der häufig der Interrollenkonflikt genannt wird und der meiner Meinung nach, kritisch zu betrachten ist.
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2. Untersuchungsergebnisse von sozio-demografischen Merkmalen und geschlechtsspezifischem Trinkverhalten bei Frauen
Untersuchungen die sich mit Frauenalkoholismus befassen, können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die erste Kategorie befasst sich mit der Frage, ob es Unterschiede im Trinkverhalten gibt. Darüber hinaus geht es hier um soziodemografische Unterscheidungsmerkmale. Die andere Kategorie von Untersuchungen beschäftigt sich mit der Analyse und Beschreibung von Persönlichkeitsmerkmalen, Konfliktbereichen und Verhaltensmustern bei alkoholabhängigen Frauen.
In diesem Kapitel stelle ich einige verschiedene Untersuchungen und deren Ergebnisse dar, die auf geschlechtsspezifische Unterschiede beim Trinkverhalten von Frauen zurückzuführen sind und sich mit sozio-demografischen Merkmalen befassen. Die Ergebnisse sind widersprüchlich und es lässt sich keine überwiegende Tendenz feststellen, wenn es um das typische Trinkverhalten bei Frauen geht. Alkoholikerinnen trinken eher zu Hause als an öffentlichen Orten (Auerbach, 1983) Alkoholikerinnen trinken eher alleine und bevorzugen Spirituosen (Mantek, 1979, Auerbach, 1983)
Alkoholikerinnen trinken eher heimlich (Feuerlein, 1979, Finke, 1981)
Die Herkunftsfamilien von Alkoholikerinnen sind überproportional solche, die Alkoholismus kennen. Bei Frauen ist diese Tendenz noch deutlicher als bei Männern (Reuband, 1983)
Alkoholikerinnen weisen ein Persönlichkeitsbild auf, das stärker vom Normalprofil abweicht als das von männlichen Alkoholikern (Feuerlein,1998, Wanke, 1981) Polytoxikomanie ist bei Frauen signifikant häufiger als bei Männern zu beobachten (Feuerlein, 1998, Finke, 1981)
Männliche Alkoholiker kommen signifikant häufiger aus unteren Schichten (Auerbach, 1983), Alkoholikerinnen sind dagegen in höheren Schichten präsent und haben eine geringere soziale Abstiegstendenz (Auerbach, 1983, Mantek, 1979) Die soziale Schicht scheint für den hohen Alkoholkonsum bedeutsam zu sein. Je höher die soziale Schicht, desto häufiger sind es Frauen, die den Gebrauch von Alkohol machen (Mantek, 1979)
Die Entwicklung von Alkoholabhängigkeit scheint bei Frauen schneller zu verlaufen als bei Männern (Auerbach, 1983). Feuerlein (1979) berichtet von einem durchchnittlichen Zeitraum des Alkoholkonsums von drei Jahren bei Frauen und 13,9 Jahren bei Männern
Der Alkoholismus tritt bei Frauen im Durschnitt später auf als bei Männern (Auerbach, 1983)
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Arbeit zitieren:
Beata Laible, 2009, Frauenalkoholismus: Ursachen und Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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