Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis i
Abk ürzungsverzeichnis iii
Abbildungsverzeichnis iv
Tabellenverzeichnis v
1. Einleitung 1
2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert 5
2.1. Der Wissensbegriff 6
2.2. Herausbildung der Wissensgesellschaft 8
2.2.1 Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft 8
2.2.2 Die Wissensgesellschaft 11
2.3. Folgen für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung 18
3. Auswirkungen auf die Wirtschaft 22
3.1. Veränderte Herausforderungen für das Management 28
3.2. Unternehmensbeispiele 31
3.2.1 Rekrutierung bei Google 32
3.2.2 „Formula Uomo“ - Personalentwicklung bei Ferrari 35
3.2.3 Innovatives Human-Ressource-Management bei IKEA 37
4. Theoretische Grundlagen 41
4.1. Produktionsfaktorsysteme 41
4.1.1 Betriebswirtschaftliche Produktionsfaktorsysteme 47
4.1.1.1 Das Produktionsfaktorsystem nach Gutenberg 47
4.1.1.2 Das Erweiterte System der Produktionsfaktoren 49
4.1.2 Das Volkswirtschaftliche Produktionsfaktorsystem 52
i
Inhaltsverzeichnis
4.2. Wirtschaftstheorien nach Schumpeter 55
4.2.1 Die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung 57
4.2.2 Die Theorie der Konjunkturzyklen 62
4.3. Neo-Schumpeter-Ansätze 66
5. Fazit und Ausblick 73
Literaturverzeichnis 78
Internetquellenverzeichnis 84
ii
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Entwicklung der Beschäftigungsstruktur (Quelle: Geißler, 2008, S. 20 f.) ......... 8 Abbildung 2 Wertschöpfung nach Wirtschaftssektoren (Quelle: Geißler, 2008, S. 25) ............ 9 Abbildung 3 Von der Agrarwirtschaft zur kreativen Ökonomie (Quelle: Brühl / Keicher,
2007b, S. 26) ....................................................................................................... 10 Abbildung 4 Einkommensvorteil bzw. -nachteil gegenüber SekII - Schulabschluss oder
abgeschlossener Berufsausbildung in Deutschland (Quelle: Onlinequelle 2) .... 20
Abbildung 5 Theoretisches Modell zur Einordnung von Wissen ............................................ 21 Abbildung 6 Die Wissensbasierung der Arbeit und schulisch vermittelte mathematische
Fähigkeiten (Quelle: Heidenreich, 2002, S. 18) .................................................. 22 Abbildung 7 Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (Quelle: Onlinequelle 4) ................................... 23 Abbildung 8 Korrelation: PISA-Ranking und Growth-Competitiveness-Index (Quelle: Brühl /
Keicher, 2007b, S.61) .......................................................................................... 24 Abbildung 9 Stufenweise Innovation und Schöpferischer Sprung (Quelle: Ogle, 2007, S. 261)
.................................................................................................................................................. 24 Abbildung 10 Individuelle Einflussgrößen auf die Leistungsabgabe des Mitarbeiters (Quelle:
Corsten, 2000, S. 273) ......................................................................................... 27 Abbildung 11 Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquote 1975 - 2000 (Quelle: Onlinequelle
3) .......................................................................................................................... 29 Abbildung 12 Mitarbeiterkantine von Ferrari (Quelle: Onlinequelle 7) .................................. 36 Abbildung 13 Umsatzentwicklung von IKEA 1999-2009 (in Milliarden Euro) ..................... 39 Abbildung 14 Produktionsfaktorsystem nach Gutenberg (Quelle: Lechner et al., 2005, S. 62)
............................................................................................................................ 48 Abbildung 15 Angepasstes Produktionsfaktorsystem nach Gutenberg ................................... 49 Abbildung 16 Erweitertes System der Produktionsfaktoren (Quelle: Zäpfel, 1982, S. 6) ....... 51 Abbildung 17 Variation des Erweiterten Systems der Produktionsfaktoren ............................ 52 Abbildung 18 Das volkswirtschaftliches Produktionsfaktorsystem erweitert um den Faktor
Wissen ................................................................................................................. 55 Abbildung 19 Modell des Konjunkturzyklus (Quelle: Heinrichsmeyer, 1983, S. 10) ............. 64 Abbildung 20 Drei-Säulen-Modell der Volkswirtschaft nach Hanusch und Pyka (Quelle:
Hanusch / Pyka, 2006, S. 6) ................................................................................ 70 Abbildung 21 Neo-Schumpeter-Korridor (Quelle: Hanusch / Pyka, 2006, S. 7) ..................... 71
iv
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Private Haushalte mit PC bzw. mit Internetzugang in Prozent (Quelle: Mohr, 2007,
S. 546) ....................................................................................................................... 15
Tabelle 2 Verhältnis von Human- und Sachkapital in Deutschland (Quelle: Buttler /
Tessaring, 1993, S. 467) ............................................................................................ 18
Tabelle 3 Veränderungen der Beschäftigungsmöglichkeiten nach Tätigkeitsfeldern (Quelle:
Onlinequelle 3) .......................................................................................................... 29
Tabelle 4 Umsatzentwicklung von Google (Quelle: Onlinequelle 14) .................................... 35
v
1. Einleitung
1. Einleitung
„Wir leben in einer Welt, die stärker denn je international vernetzt ist. Wissenschaftlicher Fortschritt und technologische Innovationen haben entscheidend zur Globalisierung beigetragen, die heute fast alle Lebensbereiche erfasst. Die treibenden Kräfte der Globalisierung, insbesondere die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, bleiben nicht ohne Einfluss auf die wissenschaftliche Arbeit, d. h. auf das Entstehen, die Verbreitung und die Nutzung neuen Wissens.“ Diese Sätze stammen aus dem Vorwort des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Februar 2008 eingereichten Papers mit dem Titel „Deutschlands Rolle in der globalen Wissensgesellschaft stärken“ (BMBE, 2008, S. 8). Die hohe Bedeutung, die Wissen und Innovation zunehmend beigemessen wird, kann man an der Präsenz dieses Themas in den Medien ablesen. Vor allem die Politik zieht dieses Thema, wie oben zu sehen, in den Vordergrund. Der Schwerpunkt der Regierungen in der Wirtschaftspolitik liegt heute im Bereich Innovation. Die hohe Bedeutung von Kreativität, Innovation und daraus resultierendem technischen Fortschritt wird nicht mehr nur von Sozialwissenschaftlern betont, sondern auch von Politikern als Tatsache akzeptiert. Im Mai 2010 gab der derzeitige bayerische Ministerpräsident der Zeitung Wirtschaftskurier ein Interview zu diesem Thema. Darin bezeichnet er die „innovations- und technologieorientierte Modernisierung“ als „Königsweg für Wohlstand und niedrige Arbeitslosigkeit“. Eine „konzentrierte und klare Fokussierung auf Innovation, Wissenschaft und Technologie“ sei für die Wirtschaft unerlässlich, um auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erfolgreich und konkurrenzfähig zu bleiben oder zu werden. Den wirtschaftlichen Vorsprung Bayerns in Deutschland und auch im weltweiten Vergleich begründet er mit der konsequenten Innovationspolitik, vor allem in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Und auch auf EU-Ebene geht die Politik auf die neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten ein. Im Jahr 2000 wurde in Lissabon als Ziel für die Europäische Union (im Folgende EU) ausgegeben, der „wettbewerbsfähigste und dynamischste wissensbasierte Wirtschaftsraum in der Welt“ zu werden. Während von Deutschland und auch von der EU der Begriff „ausschließlich technisch definiert“ wird (Heidenreich, 2002, S. 2), steht für die OECD Innovation im Mittelpunkt der neuen Gesellschaftsform. Die OECD und die Weltbank bestätigen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Ausgaben für Wissensproduktion und ökonomischem Erfolg oder Misserfolg eines Landes gibt. „Economies which are directly based on the
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1. Einleitung
production, distribution and use of knowledge and information (maximise performance and well-being). This is reflected in the trend in OECD economies towards growth in hightechnology investments, hightechnology industries, more highly-skilled labour and associated productivity gains.” (OECD, 1996, S. 7). Das bekannte Motto „the rich get richer“ kann heute in „the fit get rich“ umformuliert werden. Nur wenn ein Unternehmen ein Produkt anbieten kann, das wirkliche Wettbewerbsvorteile gegenüber den Konkurrenzprodukten bietet, kann es erfolgreich sein. Das Gleiche gilt, hochgerechnet, auch auf volkswirtschaftlicher Ebene. Die nord- und westeuropäischen Länder sind „durch die Spezialisierung auf höherwertige Technologien und komplexe technische Systeme gekennzeichnet“ (Heidenreich, 1998, S. 13). Trotzdem hat die Europäische Union im Vergleich zu Japan und den USA einen deutlichen Rückstand bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der EU arbeitet mehr als die Hälfte der Forscher für den Staat, während in den USA 80 % in Unternehmen arbeiten (Heidenreich, 1998, S. 14). Dem versucht die EU durch politische Programme entgegen zu wirken, z. B. durch die auf der bereits erwähnten Konferenz in Lissabon im Jahr 2000 verabschiedete Deklaration zur Förderung der Innovationsfähigkeit in der EU. Natürlich kann man den Vorsprung einzelner Länder nicht ausschließlich am Faktor Wissen festmachen. Die Ausstattung mit Rohstoffen, die geographischen Lage, die Einbindung in Wirtschaftsunionen sowie die politische Lage spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in Bezug auf die wirtschaftliche Performance und die damit verbundene Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass z. B. gerade Länder wie Deutschland und Japan, die beide nicht über herausragende Rohstoffvorkommen verfügen und zudem durch den zweiten Weltkrieg einen großen wirtschaftlichen Rückschlag hinnehmen mussten, heute zu den führenden Wirtschaftsnationen zählen. Woher erhalten diese Nationen ihren Wettbewerbsvorteil? Ist es möglich, dass Bildung und Wissen einen so entscheidenden wirtschaftlichen Einfluss haben? Und wenn ja, ist es an der Zeit diese Faktoren in die traditionell eher materiell orientierten Produktionsfaktor- und Wirtschaftstheorien zu integrieren? Diesen Fragen wird in dieser Arbeit nachgegangen. Dabei muss jedoch gesagt werden, dass dieser Gedanke nicht so neu ist, wie durch Öffentlichkeit und Politik glauben gemacht werden soll. Bereits Schumpeter betonte die wichtige Rolle der Innovation im Prozess der sog. „schöpferischen Zerstörung“. Seine Überlegungen fanden aber, wenn man vor allem die wirtschaftlichen, aber auch politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte betrachtet, unter völlig anderen Rahmenbedingungen statt. In den 1970er Jahren gab es dann erste Überlegun-
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1. Einleitung
gen, einen Faktor „Wissen“ in vorhandene Produktionsfaktormodelle einzubeziehen. Bis heute gibt es dazu aber nur verschiedene Ansätze und keinen Konsens zu diesem Thema in der Wissenschaft. Deshalb ist eine weitere Betrachtung diese Frage durchaus begründet. In den nordeuropäischen Ländern wird schon länger als in Kontinentaleuropa auf Wissensbasierung gesetzt (Heidenreich, 2002, S. 15). Dies hängt auch mit dem Stellenwert des Bildungssystems zusammen. Wissen kann man aber nicht mit einer hohen Ausbildung gleichsetzen. Das im Arbeitsalltag verlangte Wissen erwirbt der Betreffende durch berufliche Praxis im entsprechenden Kontext. Es gibt aber Zusammenhänge zwischen guter Ausbildung und kreativem Wissen. Je höher die Qualifikation eines Arbeitnehmers ist, desto eher ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen, Bestehendes in Frage zu stellen und neue Herangehensweisen zu entwickeln und anzuwenden (Heidenreich, 2002, S. 16).
Kreativität kann als wichtigste Quelle für wirtschaftlichen Erfolg bezeichnet werden. Abstraktes und kreatives Denken definiert Willke als Fähigkeit, „dass das relevante Wissen (1) kontinuierlich revidiert, (2) permanent als verbesserungsfähig angesehen, (3) prinzipiell nicht als Wahrheit, sondern als Ressource betrachtet wird und (4) untrennbar mit Nichtwissen gekoppelt ist" (1998, S. 21). Dazu müssen den Beschäftigten Entscheidungsspielräume eingeräumt werden. Dies hat vor allem Auswirkungen auf die Organisation und Personalpolitik der Unternehmen. Deshalb werden diese Bereiche der Unternehmensleitung wird schwerpunktmäßig betrachtet werden.
Zunächst werden im nächsten Kapitel die grundlegenden Begriffe dieser Arbeit, Wissen und Information, definiert und voneinander abgegrenzt bzw. zusammengeführt. Anschließend erfolgt ein Blick auf den Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft seit der Industriellen Revolution und die sich darin abzeichnende wachsende Bedeutung immaterieller Faktoren bis zum Status quo im Jahr 2010. Außerdem wird ein Ausblick auf zukünftig zu erwartende Entwicklungen gegeben.
Die so erlangten Erkenntnisse und Einsichten sind nicht nur theoretisch von Bedeutung, sondern haben auch Auswirkungen auf die unternehmerische Praxis. Welche dies genau sind und wie Unternehmen sich in Zukunft verändern müssen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können, wird im dritten Kapitel zunächst allgemein und anschließend anhand konkreter Unternehmensbeispiele dargestellt.
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1. Einleitung
Im vierten Kapitel werden wichtige theoretische Modelle erläutert, die aufgrund der neuen Entwicklungen eventuell angepasst werden sollten. Dabei handelt es sich um betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Produktionsfaktorsysteme, u. a. das von Gutenberg entwickelte System der Produktionsfaktoren, und um die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die Konjunkturzyklustheorie von Schumpeter einschließlich deren Weiterentwicklungen. Der zweite Abschnitt der jeweiligen Kapitel widmet sich dann der Frage, ob und wenn ja wie der Faktor Wissen in diese Theorien integriert werden kann und welche Anpassungen an den Modellen vorgenommen werden müssen.
Abschließend werden im letzten Kapitel die Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassend dargestellt und ein Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf gegeben.
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
Das Problem bei der Diskussion um Wissen und die Wissensgesellschaft ist die Inflation dieser Begriffe sowie die genaue bzw. eben fehlende Definition. Jeder verwendet diese Ausdrücke, allerdings in den verschiedensten Kontexten und mit unterschiedlichsten Inhalten belegt. Mit diesem Thema befasst sich dieses Kapitel. Zunächst werden die Begriffe Wissen und In-formation sowie Wissensgesellschaft und Informationsgesellschaft definiert und voneinander abgegrenzt. Anschließend erfolgt eine Darstellung der gesellschaftlichen Entwicklung von der Industrialisierung bis zur Gegenwart unter besonderer Beachtung des Einflusses von Wissen. Und abschließend werden die Konsequenzen die sich daraus für Gesellschaft und Wirtschaft ergeben, diskutiert.
Kling und Schulz beschreiben in ihrem Buch „From Poverty to Prosperity. Intangible Assets, Hidden Liabilities and the Lasting Triumph over Scarcity” (2009) die zunehmende Bedeutung von Wissen im Verhältnis zu den traditionellen Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit. Dabei prägen sie den Begriff Economics 2.0 in Anlehnung an den Begriff Web 2.0 (S. 2). Der größte Unterschied zwischen der Economics 1.0 und 2.0 besteht nach Meinung der Autoren in der Bedeutung der Produktionsfaktoren. Noch bis Anfang der 1990er Jahre wurde der Markt als Handelsplatz für ein bekanntes Set an Produktionstechnologien gesehen. Heute sehen viele Ökonomen die Hauptaufgabe des Marktes hingegen darin, ein „mechanism for stimulating and filtering innovation” (Kling / Schulz, 2009, S. 4) zu sein. In der Economics 1.0, die mit der traditionellen Industriegesellschaft und den Anfängen der Dienstleistungsgesellschaft verglichen werden kann, liegt das Hauptaugenmerk auf einer effizienten Allokation der Wirtschaftsgüter. Aber auch schon dabei waren und sind nicht nur greifbare Faktoren von Bedeutung. Kling und Schulz verdeutlichen dies am Beispiel der Autoproduktion. Neben dem notwendigen Kapital, den Produktionsanlagen, den Arbeitern und den Rohstoffen ist hier im Vorfeld die Recherche, das Design, die Bildung der Facharbeiter und Ingenieure etc. von bedeutender Wichtigkeit (Kling / Schulz, 2009, S. 5). Die beiden Autoren stellen die These auf, dass die Entwicklungsunterschiede zwischen einzelnen Staaten nicht vorrangig an ihrer materiellen Faktorausstattung, z. B. dem Vorhandensein von Rohstoffen oder die vorhandenen Fläche, sondern an den großen Unterschieden in der Ausstattung mit Wissen festgemacht werden müssen.
Das 1999 von der Bundesregierung aufgelegte Aktionsprogramm „Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ zeigt, dass die hier verwendeten
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
Begriffe und erläuterten Konzepte auch in der Politik zu den aktuellen Themen gehören. Das BMBF sieht Innovationsförderung als eine der Säulen für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Dies vor allem deshalb, weil Deutschland außer seinem Humankapital keine Faktoren hat, um sich im weltweiten Wettbewerb auf den vorderen Rängen positionieren zu können.
2.1. Der Wissensbegriff
In der Literatur findet man häufig einen synonymen Gebrauch der Begriffe Information und Wissen. Information ist „für die Übermittlung und Aneignung „in Form gebrachtes“ Wissen, wie Mitteilungen, Nachrichten, Messwerte, Daten, im Allgemeinen zur Beseitigung einer Ungewissheit“ (Brockhaus, 2006, Bd. 13, S. 279). Sie ist eine wichtige Grundlage für die Entstehung und die Weiterentwicklung von sozialen Systemen, wozu neben der Gesellschaft als solche auch Unternehmen gerechnet werden.
Wissen hingegen ist die „Bezeichnung für ein in Individuen, Gruppen und sonstigen Kollektiven vorhandenes kognitives Schema, das, an der Erfahrung orientiert, die Handhabung von Sachverhalten, Situationen sowie den Bezug zur Umwelt auf eine zumindest angenommene zuverlässige Basis von Informationen und Regeln gründet“ (Brockhaus, 2006, Bd. 30, S. 200).
Diese beiden Definitionen zeigen bereits, dass nicht nur ein enger Zusammenhang zwischen den Begriffen Information und Wissen besteht, sondern dass sie auch, zumindest in bestimmten Bereichen, synonym betrachtet und verwendet werdend können. Eine Ausnahme stellt hier z. B. der Informationsbegriff der Informatik dar, der als Synonym für Daten, nicht für Wissen gebraucht wird. In dieser Arbeit wird im Folgenden ausschließlich der Begriff Wissen verwendet, da Information in „Form gebrachtes Wissen“ symbolisiert und somit in betriebs- und volkswirtschaftlichem Kontext das Gleiche bedeutet.
Man kann unterscheiden zwischen individuellem und kollektivem Wissen. Der Begriff Wissen ist nicht beschränkt auf theoretisches Wissen, sondern bezieht sich auch auf praktisches Wissen, das sog. Know-how (Mantyavinos et al., 2003, S. 6). Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen implizitem und explizitem Wissen. Letzteres ist geprüft, dokumentiert und öffentlich zugänglich, während implizites Wissen subjektiv und nicht in Frage gestellt oder reflektiert ist (Onlinequelle 1). Im wirtschaftlichen Kontext ist deshalb kollektives, explizites Wissen von Bedeutung. Das Sammeln von Wissen wird als Bildung bezeichnet (Onlinequelle
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
1). Wissenschaftlich betrachtet kann man Wissen als „veränderungsbereite, als wahr geltende kognitive Schemata“ beschreiben (Heidenreich, 2002, S. 6). Diese müssen überprüfbar und gegebenenfalls anpassbar sein. Die Tatsache, dass eine Tätigkeit immateriellen Output bringt, bedeutet nicht gleichzeitig, dass sie wissensintensiv ist. Auch im tertiären Wirtschaftssektor gibt es Routinetätigkeiten, z. B. Dienstleistungen in der öffentlichen Verwaltung. Wissen ist auch nicht auf Kenntnisse und Qualifikationen beschränkt. Fähigkeiten enthalten ebenfalls Wissen (Heidenreich, 2002, S. 8). Hornidge betont, dass es nicht ausreicht, Spezialwissen anzusammeln, sondern erst die Fähigkeit zu kreativem Denken und die Bereitschaft zu Innovation führen zu wirtschaftlichem Erfolg. Dass sich Kreativität und Effizienz nicht ausschließen, wie von einigen konservativ orientierten Unternehmern befürchtet, zeigen Firmen wie z. B. Google. Deren Unternehmenspolitik ist sehr innovativ, worauf im dritten Kapitel dieser Arbeit näher eingegangen wird, und gleichzeitig sind die wirtschaftlichen Zahlen mehr als zufriedenstellend. Im Jahr 2009 betrug der Umsatz 23,6 Mrd. US $, was einem Wachstum von 9 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet (vgl. Onlinequelle 14). Ein durchaus stolzes Ergebnis in Zeiten einer weltweiten Wirtschaftskrise.
Aus diesen Betrachtungen über Information und Wissen ergibt sich die Frage, ob auch die Begriffe Informationsgesellschaft und Wissensgesellschaft als Substitute verwendet werden können. Hierbei stützt sich die Argumentation wieder auf den Brockhaus. Als Informationsgesellschaft wird hier eine „nicht mehr (vorrangig) industriell geprägte Wirtschafts- und Ge-sellschaftsform, in der Informationen aller Art, insbesondere ihre digitale Erzeugung, Speicherung und Verarbeitung“ im Vordergrund stehen, bezeichnet (Brockhaus, 2006, Bd. 13, S. 281). Synonym werden die Begriffe „Dienstleistungsgesellschaft“, „informierte Gesellschaft“ und „postindustrielle Gesellschaft“ genannt. Betrachtet man nun die Definition der Wissensgesellschaft, findet man offensichtliche Parallelen: So ist die Wissensgesellschaft laut Brockhaus die „Bezeichnung für eine bestimmte Entwicklungsstufe fortgeschrittener Industriegesellschaften bzw. eine postindustrielle Wirtschafts- und Gesellschaftsform, in der die Produktion, Vermittlung und Rezeption von Wissen als wesentlicher Faktor - im wachsenden Umfang - die wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen bestimmt“ (2006, Bd. 30, S. 213). Somit kann man festhalten, dass diese beiden Begriffe ebenfalls synonym behandelt werden können. Im Folgenden wird deshalb nur noch von Wissen und Wissensgesellschaft gesprochen.
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
2.2. Herausbildung der Wissensgesellschaft
2.2.1 Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft
Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft ist zum einen durch die zunehmende Bedeutung des tertiären Sektors gekennzeichnet, zum anderen durch die veränderten Arbeitsbedingungen und Kommunikationswege. Damit einhergehend erfolgt ein Wandel der Beschäftigungsstruktur, vor allem in den westlichen Industriestaaten. Außerdem kommt es zunehmend zu einem Rückgang der Güterproduktion im materiellen Bereich zu Gunsten der Dienstleistungs- und Informationsproduktion. Dies zeigt Abbildung 1, in der die Entwicklung der Beschäftigungsstruktur nach Sektoren über die letzten 150 Jahre dargestellt ist.
Abbildung 1 Entwicklung der Beschäftigungsstruktur (Quelle: Geißler, 2008, S. 20 f.)
Hier ist ganz deutlich die Zunahme des tertiären Sektors, also der Dienstleistungen, zu sehen, während die Beschäftigungszahlen im Industriesektor seit den 1960er Jahren deutlich abnehmen. Der Anteil des Agrarsektors ist heute so klein, dass er gesamtwirtschaftlich gesehen vernachlässigt werden kann. Mit der Tertiärisierung ist auch eine veränderte Struktur der Wertschöpfung verbunden. Der Dienstleistungssektor nimmt auch unter monetären Gesichtspunkten heute die wichtigste Stellung in der Gesellschaft ein. Dies ist in der folgenden Grafik zu sehen.
8
Abbildung 2 Wertschöpfung nach Wirtschaftssektoren (Quelle: Geißler, 2008, S. 25)
Hier ist die Entwicklung der Wertschöpfung, diese entspricht dem BIP, im Deutschen Reich und später der BRD in Prozent am BIP abgebildet. Seit Mitte der 1970er Jahre hat sich diese Entwicklung noch verstärkt. Einen Grund dafür kann man in der etwa zu dieser Zeit beginnenden Entwicklung der Informations- und Computertechnologie finden. Der Wandel von der Agrar- über die Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft wird allgemein als Drei-Sektoren-Hypothese bezeichnet. Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft ist gekennzeichnet durch die Hinwendung von „hard to soft; tangible to intangible, things to information, ideas, and knowledge“ (Ogle, 2007, S. 229). Im ersten Abschnitt, von der Agrar- zur Industriegesellschaft, kam es zu einer Bewertungsverschiebung von Faktor Land hin zu materiellen Gütern. Es war nicht mehr wichtig, wer die größte Landfläche besaß, sondern wer den größten materiellen Reichtum, z. B. in Form von Geld, vorweisen konnte. Durch den folgenden Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft haben materielle Güter nicht an Wert verloren. Nach wie vor sind Geld und Besitz im Allgemeinen von großer Bedeutung, aber nicht mehr durch ihren Buchwert an sich sondern als Option, mit der man andere Dinge, im Regelfall Dienstleistungen, erwerben kann. Und in neuester Zeit ist dabei der Erwerb von Wissen in den Vordergrund gerückt. Dies kann in Form von Printmedien und immer häufiger in elektronischer Form geschehen. Laut Richard Ogle erfolgte die
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
Entwicklung zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft in drei Wellen (2007, S. 234). Die erste war die Erfindung des Computers, die zweite der Ausbau des Internets, vor allem der Breitbandverbindungen, die einen schnellen Datenaustausch ermöglichen. Und die dritte und letzte Welle überrollt die Gesellschaft jetzt im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts durch die Entstehung eines virtuellen Raums, gefüllt mit Informationen, Ideen und Wissen. Es stellt sich nun die Frage, ob sich durch die Bedeutungszunahme von Wissen die Einführung eines vierten Sektors in das Modell, eines sog. Informationssektor, rechtfertigen lässt. Hier streiten sich die Gelehrten, da Wissen bereits in den bestehenden drei Sektoren erfasst sein könnte. Dieser Meinung schließen sich auch Brühl und Keicher an. In ihrer 2007 veröffentlichten Studie „Creativ Work“ stellen sie die These auf, dass sich die Dienstleistungsgesellschaft in zwei Phasen aufteilen lässt. In der Agrargesellschaft war und ist in den landwirtschaftlich geprägten Volkswirtschaften bis heute die Wertschöpfung rein materiell. Dies gilt auch für die Industrieökonomie. Im Dienstleistungsbereich geht es nun um die Produktion von Wissen in unterschiedlicher Form, also um immaterielle Güter in Form von Dienstleistungen, Forschung etc. In Abbildung 3 ist ihr Vorschlag grafisch dargestellt.
Abbildung 3 Von der Agrarwirtschaft zur kreativen Ökonomie (Quelle: Brühl / Keicher, 2007b, S. 26)
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
Hier kann man zunächst die bereits erwähnte Vierteilung statt der in der Literatur vorherrschenden Dreiteilung erkennen. Außerdem ist gleichzeitig die Beschäftigungsstruktur in den einzelnen Ökonomien dargestellt. Den Unterschied zwischen Wissens- und Kreativarbeiter sehen die Autoren in der zunehmenden Bedeutung von Kreativität und Einzigartigkeit im Berufsleben. Dies bedeutet nicht, dass Wissen an Wichtigkeit verliert, sondern dass Flexibilität und Selbstständigkeit als neue Auswahlkriterien bei der Arbeitnehmersuche in den Vorder-grund rücken. Eine gute Ausbildung allein ist kein Garant mehr für eine gute Stelle, ohne herausragende Qualifikation ist jedoch die Kreativität nicht gewinnbringend nutzbar (Brühl / Keicher, 2007b, S. 28). Kreativität definieren die Autoren als „Fähigkeit, ständig neue Zusammenhänge herzustellen, unterschiedlichste Perspektiven zu integrieren und Bestehendes immer wieder zu hinterfragen“ (Brühl / Keicher, 2007b, S. 6).
Missverständlich ist in der Grafik, dass beide Formen zeitlich nacheinander dargestellt sind. Aber das kann auch mit der zunehmenden Bedeutung zusammenhängen und nicht explizit ein zeitliches Nacheinander darstellen, da auch die Industriegesellschaft und Agrarsektor noch heute bestehen, nur lediglich in den westlichen und asiatischen Ländern nicht mehr die hohe Bedeutung haben wie noch in der Anfangsphase des 20. Jahrhunderts. Betrachtet man einige Staaten in Afrika oder Südamerika, so wird man feststellen, dass dort die Gesellschaftsstruktur noch anders aussieht und der Agrarsektor die wichtigste Rolle für das BIP spielt. Als Fazit dieser Betrachtungen kann man festhalten, dass es ohne Zweifel eine Tendenz zu einer Wissensgesellschaft gibt. Diese ist aber kein Nachfolger der Dienstleistungsgesellschaft sondern hat sich parallel entwickelt. Im nächsten Abschnitt wird diese Gesellschaftsform genauer betrachtet.
2.2.2 Die Wissensgesellschaft
Wie eben festgestellt, gewinnt der Dienstleistungssektor auf Kosten des produzierenden Gewerbes an Bedeutung. Dieser Wandel, der mit dem Übergang von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft begann und jetzt im Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft begriffen ist, wird wie schon erwähnt als Tertiärisierung bezeichnet. Die Entwicklung zur Wissensgesellschaft ist ein Strukturwandel innerhalb des dritten Sektors, der darauf basiert, dass wissensintensive Dienstleistungen verhältnismäßig und absolut zunehmen. Diese Entwicklung findet in den Industrienationen des Abendlandes und in Asien statt. Für von der Landwirtschaft geprägte Staaten sind nach wie vor Rohstoffe die wichtigste Ressource. Wis-
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
sen spielt nur in Volkswirtschaften, in denen der Hauptteil der Beschäftigten im tertiären Sek-tor beschäftigt ist, eine so herausragende Rolle.
Der Begriff der Wissensgesellschaft wird schon seit vielen Jahren verwendet. Der Brockhaus gibt an dieser Stelle aber zu bedenken, dass entgegen allem Hype, der heute um diesen Begriff gemacht wird, er in seiner Definition kein Phänomen der Neuzeit darstellt. Wenn man die Grundlage von Wissen in einer Gesellschaft als Hauptmerkmal der Wissensgesellschaft heranzieht, dann findet man bereits in der Antike Hinweise auf eine Gesellschaftsform dieser Art mit einer wirtschaftlich und gesellschaftlich herausragenden Bedeutung von Wissen. Z. B. war die Herrschaftsbasis in der altägyptischen Hochkultur, die von ca. 3000 - 300 v. Chr. be-stand, religiös-astronomisches und agrarisches Wissen (Brockhaus, 2006, Bd. 30, S. 215). Das Neue in der aktuellen Diskussion sind die modernen Informations- und Kommunikationstechniken, die es zu früheren Zeiten selbstverständlich nicht annähernd in diesem Maße gab. Die Alltäglichkeit von Wissen in allen Gesellschaftsschichten ist erst in der heutigen Zeit zu finden. In den antiken Kulturen, in denen Wissen ebenfalls eine wichtige Rolle einnahm, hatte nicht die ganze Bevölkerung Zugang zu Wissen. Nur eine privilegierte Elite konnte sich Wissen aneignen. Viele damalige Probleme haben sich nicht geändert, werden heute jedoch mit neuen Augen und aus anderen Blickwinkeln betrachtet. Die Fähigkeit hierzu wurde schon in der Antike bereits als erstrebenswert betrachtet und als Metis bezeichnet. Sie wird durch den Anthropologen James C. Scott von der Universität Yale als „ein weites Spektrum von praktischen Fähigkeiten und erworbener Intelligenz, mit dem man adäquat auf eine sich fortwährend ändernde natürliche und menschliche Umgebung reagiert“ definiert (Brooks, 2001, S. 148). Die Herausforderung dabei ist, dass diese Fähigkeit nicht erlernt werden kann sondern selbst durch Erfahrungen erworben wird.
Wichtig ist zu betonen, dass es heute nicht quantitativ mehr Wissen gibt als in früheren Zeiten. Ein Unterschied besteht in der besseren Dokumentation und Verfügbarkeit des vorhandenen Wissens. Ein weiterer darin, dass Wissen heute auch die sozialen Gebiete mit einschließt und stark beeinflusst. Die Grenzen zwischen Wissenschaft und „anderen gesellschaftlichen Teilbereichen“ verwischen sich zusehends (Heidenreich, S. 9).
Die Wissensgesellschaft steht in enger Verbindung zur Dienstleistungsgesellschaft. Die Meinungen über den Begriff „Wissensgesellschaft“ sind zweigeteilt. Die einen verwenden ihn wie ein feststehendes wissenschaftliches Konstrukt, die anderen sehen darin einen aufgebauschten
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2. Stellenwert und Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert
Medienhype. Was aber kein Autor zu leugnen vermag, ist die „expotentielle Bedeutungszunahme“ von Wissen für die „gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen“ (Hornidge, 2007). Was explizit mit Wissensgesellschaft gemeint ist, ist auch abhängig vom jeweiligen Kulturkreis, in dem der Begriff verwendet wird. Davon beeinflusst ist ebenfalls die Definition von Wissen. In Deutschland herrscht ein pluralgeformter, weitgefasster Wissensbegriff vor. Dies vereinfacht zum einen die Begründung des Vorhandenseins einer Wissensgesellschaft, zum anderen erschwert es eine konkrete Definition und Abgrenzung (Hornidge, 2007). 1998 definierte Willke die Wissensgesellschaft über Innovation. Als Hauptmerkmal nennt er, dass „Informationsverarbeitung, symbolische Analyse und Expertensysteme gegenüber anderen Faktoren der Reproduktion vorrangig werden […] und Innovationen zum alltäglichen Be-standteil der Wissensarbeit werden“ (Willke, 1998, S. 355). Heidenreich unterscheidet vier Bedeutungen des Begriffs Wissensgesellschaft. Erstens wird er häufig als Synonym für die Begriffe Informations- und Kommunikationsgesellschaft verwendet. Zweitens bedeutet es, dass Wissen als zusätzlicher Faktor für die Produktion angesehen wird. Drittens gewinnen „schulische Aus- und Weiterbildungsprozesse“ zunehmend an Bedeutung und viertens gilt dies auch für wissens- und kommunikationsintensive Dienstleistungen (2002, S.1). Wissensgesellschaft kann somit als „Verwissenschaftlichung zahlreicher Industriezweige“ gesehen werden. Damit geht auch eine starke Ausweitung von Forschungstätigkeiten einher, sowohl im staatlichen als auch im privaten Bereich (Heidenreich, 2002, S. 5). Lawrence Summers, der ehemalige stellvertretende Finanzminister der USA unter Präsident Clinton, bezeichnet die aktuelle Gesellschaftsform als Zeitalter der freien Märkte, die „openness, flexibility, and innovation“ erwarten (Summers, 1999, S. 27). Als Gründe für den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft nennt er, dass „new technologies and closer economic integration have forced profound changes in the way economic and financial life is organized“ (Summers, 1999, S. 28). Kennzeichen dieser Gesellschaft sind „stetige Veränderung, größtmögliche Freiheit, jugendlicher Enthusiasmus, radikale Experimentierfreude […] und der Hunger nach Neuem“ (Brooks, 2001, S. 125). Im Zentrum stehen Tätigkeiten, bei denen die Wissensbasierung am stärksten zu beobachten ist. Dazu zählen produktionsnahe und soziale Dienstleistungen sowie die Arbeit von Experten und Selbstständigen (Heidenreich, 2002, S. 15).
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Arbeit zitieren:
Rebekka Englert, 2010, Wissen als Produktionsfaktor, München, GRIN Verlag GmbH
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