Inhalt
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Vorwort.
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1 Hilberseimer s Klötze.
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1.1 Der Bauhaus-Städtebauer.
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1.1.1 Politische Einstellung
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1.1.2 Selbstkritik.
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1.1.3 Dauerkritik der Bevölkerung.
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2 Münchner Siedlungsbau 1992-2007.
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2.1 Platte Hilberseimer-Kopien.
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2.1.1 Die kommunale Situation.
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2.1.2 Beispiel 1: Siedlung Panzerwiese
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2.1.3 Beispiel 2: Messestadt Riem.
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2.1.4 Beispiel 3: Arnulfpark
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2.1.5 Beispiel 4: Am Hirschgarten :
30
2.2 Volkes Stimme.
2.3 Kommentar zu Neubausiedlungen 1992-2007. 34
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3 Städte- und Siedlungsbau nach 2007.
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3.1 Beispiele.
3.2 Kommentar zum Städte- und Siedlungsbau nach 2007. 42
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4 Ursachen und Verursacher.
44
4.1 Zur Stadtverwaltung München.
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4.1.1 Die Volte des Oberbürgermeisters.
4.1.2 Stadtbaurätin Prof. Christiane ottott. 46
4.1.3 Stadtbaurätin Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk. 46
4.1.4 Die politische Opposition. 49
4.1.5 Stadtgestaltungskommission. 50
4.1.6 Der Einfluss des Werkbundes. 51
4.2 Methodische Mängel und Zwänge. 51
4.3 Fazit. 54
5 Nachwort. 55
55
5.1 Architekten und Architektur in der Krise
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5.2 Problemfeld Architektenausbildung
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5.3 New Urbanism
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5.4 Welche Baukultur?
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5.5 Für eine demokratische Architektur
61
Anmerkungen
63
Personenverzeichnis
65
Literatur
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Vorwort
Der Slogan „Wer Hilberseimer kopiert, baut Mist“ stammt von dem Ar-chitekturprofessor Hans Kollhoff (ETH Zürich). Er fiel anlässlich eines Symposiums, veranstaltet vom »Bund Deutscher Architekten« (BDA) 2010 in München. Der Hochschullehrer übte Kritik an einem europaweit verbreiteten Phänomen, das aber besonders in „Bauhausland“ grassiert.
Gegenüber anderen modernistischen Kopiervorlagen kommen bei denen von Ludwig Hilberseimer noch ein paar pikante Details hinzu: Die Entwürfe des einstigen Bauhausmeisters wurden schon von republikanischen Autoren der 1920er Jahre unter „Kasernen-Kommunismus“ eingestuft. Auch Nachkriegshistoriker attestieren dem Planer eine „sozialistische Gesinnung“ (Hans Maria Wingler u.a.) Seine Architektur sollte eine sozialistisch-kommunistische Gesellschaft zum Ausdruck bringen und fördern, indem das traditionelle bourgeoise Bauen radikal zerstört wird. Dass sich der Urheber schon in den 1950er Jahren von den eigenen Entwürfen nachdrücklich distanzierte, störte die Mimeten bei ihrem wilden Kopieren nicht.
Seine radikal anti-bourgeoisen Architekturvorstellungen sind nicht nur ästhetisch gewaltsam, proletarisch plump und urbanitätsfeindlich, sondern ebenso inhuman wie die zum Ausdruck gebrachte gesellschaftspolitische Ideologie. Die meisten Planer halten an ihm gedankenlos fest - wohl wegen der besonders geringen architektonischen und städtebaulichen Anforderungen. Aufgrund einer fragwürdigen Architektur-theorie und euphemistischen Geschichtsschreibung entging ihnen, dass die Architektur der Moderne im Allgemeinen und die Hilberseimer`s im Besonderen keine demokratische Gesellschaft symbolisieren. Die in der Nachkriegszeit von Laien beklagte „gemordete Stadt“ hat hier eine ihrer Ursachen.
Anhand der in München entstandenen Neubausiedlungen soll dies wieder einmal gezeigt werden. Besonders makaber an diesem realisierten architektonischen GAU ist, dass man noch nach der Jahrtausendwende glaubte, Stalinalleen des früheren Ostblocks bis in den Straßenquerschnitt und zentralen Aufmarschplatz museal draufsatteln zu müssen. Wie vernarrt man dabei vorging, verdeutlichen die zur Selbstbeweihräucherung inflationär verteilten Preise und Plaketten der Claqueure. Hinterher fehlende Urbanität zu beklagen, verrät mangelnde Kenntnis der Zusammenhänge und / oder geringe Gestaltungskompetenz.
An sich sind solche Possen nicht mehr diskutabel - das gemeine Volk schüttelt seit Jahr und Tag mehrheitlich den Kopf darüber - aber es
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muss dem Einwand, man habe es sich ja gefallen lassen, wiederholt entgegen getreten werden. Aus den genannten Gründen sollte auch der Denkmalschutz bei Gebäuden früherer „tabula rasa“-Verfechter weniger großzügig als bisher verfahren. Die keineswegs erschöpfenden Beispiele zeigen ferner, wie und warum viele hehre, teils richtige Worte in der Praxis am Ende im Sande verlaufen, manchmal weniger Qualität dabei herauskommt als vorher. Wenn Tages- und Fachpresse heute von der „Selbstdemontage“ oder „Marginalisierung“ eines einst elitären Berufsstandes sprechen, so lieferte er samt seiner Berufsverbände mit diesen Bauten und Siedlungen einen neuerlichen Beitrag dazu. Egal, ob so Etwas aus Überzeugung, Programmierung oder Trotz „gekupfert“ wird, die Zunft befindet sich damit seit mindestens einem halben Jahrhundert auf dem Holzweg. Verursacher sind opportunistische oder unwissende Lehrstuhlinhaber, Politiker, Verbandsfunktionäre, Architekten und kommunale Stadtplaner.
Da solche Passagen erfahrungsgemäß einen pawlow`schen Denkreflex auslösen, sei vorab gesagt: es wird kein Zurück ins Mittelalter, den Jugendstil, Faschismus oder Technikverzicht gefordert. Das gelegentlich propagierte Zurück zur „klassischen Moderne“ wird ebenfalls für illusorisch gehalten. März 2011
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1 Hilberseimer`s Klötze
1.1 Der Bauhaus-Städtebauer
1.1.1 Politische Einstellung
Im Folgenden soll nachgewiesen werden, dass einige der Münchner Neubausiedlungen und öffentlichen Gebäude weitgehend auf Kopien von Hilberseimer` s Stadtentwürfen und Gebäudetypen aus den 1920er Jahren beruhen. Sie seien deshalb zunächst kurz dargestellt. Der Bauhaus-Meister baute selbst wenig, hinterließ aber etwa ein halbes Dutzend Zeichnungen, die weltweit zu bevorzugten Kopiervorlagen für Architekten und Städteplaner wurden. Die früh einsetzende Kritik gegen den „Vulgärfunktionalismus“ wischte er anfänglich beiseite mit: „Klotzigkeit ist noch keine Primitivität“ (1919). Wichtiger und folgenreicher sind jedoch die politischen Motive, die seinen Strukturen und Bauformen zugrunde liegen. Im Gegensatz zur Mehrheit späterer Interpreten wussten zeitgenössische Kollegen um seine politische Einstellung, die er bauend zum Ausdruck bringen wollte:
„Hilberseimer ist Sozialist und sicherlich setzt seine Zukunftsstadt eine sozialistisch geordnete Gesellschaft voraus, in der die Arbeitskräfte wieder mit den Produktionsmitteln verbunden sind.“ (Sozialist A. Sigrist, S. 167 / 1930).
Schon zu Zeiten der Weimarer Republik gaben (nichtfaschistische) Kritiker treffende Kommentare. So bemängelten sie sein Großstadtsystem als „vorindustriell“ und „schweren Irrtum“, allenfalls für Bürostädte geeignet. Der bei Le Corbusier und Walter Gropius in Ungnade gefallene Architekt Hugo Häring wies auf zwei „Verdrängungen“: 1) Der Mensch. „Aus der Stadt Hilberseimer`s ist der Mensch vollständig verbannt, in der Stadt Corbusiers ist er nur zu Besuch, auf der Durchreise. Natürlich setzten beide, Hilberseimer und Corbusier, auch eine neue zukünftige Gesellschaft voraus - diese findet Hilberseimer offenbar in Richtung sozialistischer Anschauungen, während Corbusier nur mehr `die gute Gesellschaft` im Sinne hat - doch unterwerfen sie trotzdem den Menschen dem geometrischen Ordnungsprinzip einer mechanistischen Welt, stellen also dieses mechanistische Ordnungsprinzip höher als die Ansprüche der Menschen. 2) Landschaft. „Für die Großstadt Hilberseimers existiert die Landschaft überhaupt nicht. Sie ist draußen, außerhalb der Stadt. Man ist besser ohne sie. Etwas verbindlicher handelt Corbusier gegen die Landschaft, bei ihm sind am Horizont immerhin einige Berge zugelassen...“ (›Die Form‹, Jg.1, H. 8, 1926).
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Abb. 3
„Mischbebauung“. Um 1930.
Abb. 4
„Vorschlag für Citybebauung“ 1928.
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Für die heimische Nachkriegsliteratur war seine politische Einstellung weitgehend tabu - es sei dahingestellt, ob absichtlich oder unabsichtlich. Ausländische Autoren beschrieben sie jedoch eindeutig. Hier nur der US-Historiker Richard Pommer:
„Hilberseimer`s aestheticized view of the world opened towards a socialist utopia (...) He took for granted the need for a collectivist reform of capitalism similar to the utopian socialism of the circle of architects around Bruno Taut and Walter Gropius after the war.“ 1
Denjenigen, die das für zu wenig halten oder beiseite schieben möchten, nur der Hinweis, dass weitere Belege möglich wären. Mit seinen Stadtsystemen folgte er dem Modell der „sozialistischen Stadt“ in Form der „Bandstadt“, wie sie Ende der 1920er Jahre von sowjetischen Architekten im Kreis der OSA entwickelt wurde. 1.1.2 Selbstkritik des Meisters
Die offizielle Geschichtsschreibung hielt auch Hilberseimer`s späteren „Rückzieher“ lange außen vor. Es hätte das Mimeten-Kollektiv ins Grübeln gebracht. Erst nach der Jahrtausendwende erfuhr man sporadisch, dass auch er - wie andere Bauhausmeister - ab den 1950er Jahren verbal von seinen früheren Konzeptionen abrückte. Nun sollten sich die Bewohner der New City in nahezu technikfreien, landwirtschaftlich organisierten Oasen einrichten, „um den Ungeheuerlichkeiten der modernen Welt zu trotzen“. Der Stadtplaner wollte jetzt einreden, dass es bei seinen Großstadtentwürfen gar nicht um die Architektur gegangen sei, sondern um eine technische Lösung des Verkehrsproblems: 2
„Dieses Ziel wurde erreicht, aber um welchen Preis! Als Ganzes gesehen, war das Konzept dieser Hochhausstadt bereits als Gedanke falsch. Das Resultat war mehr eine Nekropolis (Anm. d. Verf: Gräberstadt) als eine Metropolis, eine sterile Landschaft von Asphalt und Zement, unmenschlich in jeder Hinsicht.“ Wie wahr, aber auch solche eindeutigen Bekenntnisse beflügelten Architekten eher, gerade diese städtebauliche Schlichtkonzepte nachhaltig zu imitieren. Im eigenen letzten Buch des Bauhaus-Meisters mit dem Titel ›Berliner Architektur der 20er Jahre‹ (1967) erschien keine Abbildung der „Nekropolen“ oder anonymen Megastrukturen mehr.
1.1.3 Dauerkritik der Bevölkerung
Die Laienkritik an den „Klötzen“ besteht seit fast einem Jahrhundert; sie riss bis in die Gegenwart nicht ab. Architekten ließen diese ungerührt abtropfen und nahmen den Dauervorwurf, an der Bevölkerung vorbei zu bauen, selbstherrlich in Kauf. Die häufige und akkurate
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Übernahme der Hilberseimer-Entwürfe in München ist insofern bemerkenswert als die an den restlichen Neubausiedlungen ausnahmslos verwendeten Vorlagen »Dammerstock« und »Törten« aus den 1920er Jahren ebenfalls sozialistische Architektur verkörpern, sein Großstadtsystem jedoch die wohl radikalste Variante der Moderne darstellt. Hier liegt eine der Ursachen nachhaltiger Bevölkerungskritik. Diese politische Basis ist es hauptsächlich, die zu den besonders anti-urbanen Strukturen führt. Erklärtermaßen sollten sie die bürgerliche Stadt radikal zerstören. („Gegen den Kapitalismus muss angebaut werden.“ L.H. 1919). Wer davon Urbanität erwartet oder ihr Fehlen hinterher beklagt, hat Defizite im logischen Denken oder will Anderen etwas vormachen.
„Ist das human?“
Karikatur aus >Architecture-Formes- Fonctions< 1968.
2 Münchner Siedlungsbau 1992-2007
2.1 Platte Hilberseimer-Kopien
2.1.1 Die kommunale Situation
Anfangs der 1990er Jahre ergab sich für München, der einzigen bundesdeutschen Stadt mit Bevölkerungszuwachs, eine einmalige Chance, den ständig herrschenden Wohnungsmangel zu entlasten. Rund ein Dutzend großflächige Bereiche - Bundeswehrstandorte, Bahn- und Flugplatzflächen - wurden im Stadtbereich aufgelassen. Der Stadtrat bestand in dieser Zeit überwiegend aus einer rot-grünen Mehrheit mit dem Oberbürgermeister Dr. Christian Ude (SPD). Die CSU befindet sich mit ihrem Vorsitzenden Josef Schmid seither in der Opposition.
Die in dieser Zeit amtierende Stadtbaurätin, Prof. Christiane Thalgott, war 15 Jahre lang von 1992-2007 für den Münchner Städtebau zuständig. Werkbundmitglied und politisch parteilos, outete sie sich aber
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als „den Linken und Grünen nahe stehend“. Sie wurde von Georg Kronawitter (SPD), dem Vorgänger des heutigen Oberbürgermeisters, aus Kassel nach München geholt. Im Jahr 2005 strengte der Alt-OB ein Bürgerbegehren gegen deren Städtebau - insbesondere die „Hochhausbolzen“ - an. Trotz Ude`s Versuche, dieses zu verhindern (SZ 01.08.2007), war es mit 50,4 % der Stimmen Münchner Bürger im ersten Durchgang erfolgreich. Kronawitter bezeichnete damals in einem Gespräch mit dem Verfasser die Berufung von Frau Thalgott „als den größten Fehler seiner Amtszeit“. 2003 wurde sie an den Lehrstuhl für ›Strategie und Umsetzung in der städtebaulichen Planung‹ an die TU München berufen, verrichtete ihre städtischen Verpflichtungen dann als Teilzeittätigkeit.
Aus Gründen des Umfangs geht es Im Folgenden nur um einige in ihrer Ära entstandenen Wohnsiedlungen. Der übrige Städtebau wäre ein Thema für sich. Der Bauhaus-Städteplaner Ludwig Hilberseimer, wie das frühe Bauhaus überhaupt, scheinen ihr (oder des Werkbundes?) große Favoriten zu sein. 2.1.2 Beispiel 1: Siedlung »Panzerwiese« Der städtebauliche Wettbewerb für den ehemaligen Truppenübungsplatz »Panzerwiese« im Münchner Norden fand 1993 statt. Stadt, Staat und Bund waren in der Jury vertreten. Aus den 39 Teilnehmern gingen die Architektengemeinschaft Hans Engel / Herbert Jötten und Landschaftsarchitektin Walburg Fink-Prechter, Augsburg, als Sieger hervor. Auf der Basis dieses Entwurfes stellte das Stadtplanungsreferat einen Bebauungsplan für das Planungsgebiet auf, in welchem Baulinien, Gebäudehöhen u.a. exakt vorgeschrieben wurden. Auf dieser Grundlage lobte die Stadt ein Investorenauswahlverfahren aus. Bei diesem sind Architekten noch nicht beteiligt. Da die Dimensionierung des Stadtteilzentrums (s. Abb. 9) dem Bedarf des Einzugsgebietes nicht entsprach, musste hierfür eine Bebauungsplanänderung im Jahr 2004 nachgearbeitet werden. Der Baubeginn für 2500 WE war 2003, die letzten Gebäude entstanden um 2009. Der Bebauungsplan erhielt Preise und Anerkennungen.
Der abgebildete Bereich der Siedlung besteht fast gänzlich aus parallel aufgereihten Großstadt- und Bürohaustypen des genannten Bauhausmeisters. Wie dieser erläuterte, ließ er sich dafür von mittelalterlichen italienischen Gebäuden leiten, bei denen die unteren Geschosse, Läden und Werkstätten enthielten und die Wohnungen darüber lagen. Die Bewohner sollten so im Gebäude zu ihren Arbeitsstätten gelangen, ohne den Fußgänger- und Fahrzeugverkehr zu belasten. (s. Abb. 1). In Wohnsiedlungen ist dieser Gebäudetyp also funktionell und gestalterisch fehl am Platz.
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Ein Beispiel unter vielen, wie stereotyp und unverstanden der Bau-haus-Formenkasten geplündert wird.
Das abgebildete Wohnheim für 545 Studenten war Ergebnis eines Realisierungswettbewerbs 2002. Die Projektbearbeitung erfolgte von 2002-05. Der falsche Gebäudetyp führte im Sockel zu übergroßen Tiefen, die durch überdimensionierte „Spielflure“ künstlich gefüllt werden mussten. Im Erdgeschoss der Straßenseite mangelt es derart an Privatheit, dass dies nicht einmal Studenten zumutbar war. Selbst das reichlich angepflanzte Elefantengras konnte das Manko aus den Vorgaben nicht kompensieren. Die straßenseitige EG-Hälfte wurde deshalb mit zumeist leer stehenden, teils verwahrlosten „Partyräumen“, Mülltonnen- oder Fahrrad-Abstellräumen belegt. Auf Nachfrage wegen dieser Verschwendung kostspieligen und knappen städtischen Grundes erklären die Architekten dem Verfasser, man könne den Studenten nicht zumuten, dass sie ihre Fahrräder ins UG bringen. Ein Studentenwohnheim horizontal und vertikal unterschiedlich zu organisieren, nur um den falschen Großstadttyp des Bauhaus-Meisters am falschen Platz zu kopieren, ergibt - wie gesagt - ein ungeeignetes Gebäudekonzept und verfehlten Siedlungsbau. Wie in anderen Fällen rechtfertigen die Architekten das Ergebnis damit, dass sie durch den Bebauungsplan im Millimeterbereich festgelegt wurden, Alternativen nicht möglich waren.
(Soweit ersichtlich, wurde dieses Konzept bei späteren städtischen Studentenheimen nicht mehr angewandt). Obwohl das viele Metall nicht in eine Wohnsiedlung passt, mag hierdurch noch eine gewisse Eleganz erzielt worden sein; die restlichen „Hilberseimer`s“ der Siedlung in Putz sind nur noch plump.
Das Gebäude erhielt zwei Preise, einer war der »Deutsche Bauherrenpreis« 2006 durch den BDA, der andere vom Stadtplanungsreferat. 2.1.3 Beispiel 2: »Messestadt Riem« .1 Hilberseimer`s Mischbauweise mit Stalinallee Die Messestadt entstand auf dem Gelände des ehemaligen Münchner Flughafens und war eines der größten Entwicklungsgebiete in Europa für rund 6.100 WE und 16.000 Einwohner. Der Masterplan entstammt dem Wettbewerb 1990, aus dem die Arbeitsgemeinschaft Frauenfeld & Partner, Frankfurt als Sieger hervorging. Noch bevor die ersten Gebäude errichtet waren, hatte der Bebauungsplan drei Auszeichnungen erhalten. Das Planungsziel war lt. einer Werbebroschüre der Landeshauptstadt, ...„ein eigenständiges attraktives Stadtgebilde mit urbanen Straßen und Plätzen zu entwickeln.“
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Dipl. Werner Nehls, 2011, Neubausiedlungen in München, München, GRIN Verlag GmbH
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