1. Einleitung
In der hier vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit der Neuordnung der östlichen Provinzen durch Augustus beschäftigen. Während es über die Verhältnisse zwischen Octavian und den römischen Provinzen vor der Schlacht von Actium kaum weitgehende Forschungen gibt, liegen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu der Außenpolitik des Augustus nach der Schlacht von Actium vor diese behandeln seine einzelnen Verfügungen in den Provinzen eher kurzgefasst. 1 Explizite Forschungsliteratur zu Cassius Dio und seinem Verhältnis zu Augustus gibt es auch, nur wird das hier behandelte Kapitel meist nur am Rande erwähnt. 2 Grundlage für diese Arbeit ist Band 54 Kapitel 7 der Römischen Geschichte des Cassius Dio, nach der Übersetzung von Otto Veh. Ich werde versuchen, die Quelle zu interpretieren und Bezug nehmen auf das Verhältnis von Cassius Dio zu Augustus und die historische Richtigkeit seiner Niederschriften, um aufzuzeigen inwieweit diese Quelle verlässlich ist. Zunächst werde ich eine Einführung in die historische Einordnung der Ostpolitik des Augustus aufzeigen, danach wende ich mich dem der Hausarbeit zugrunde legenden Text zu, berichte über den Autoren, seine Arbeit und den Inhalt des siebten Kapitels, des 54. Bandes, vor allem auf die Provinzen Athen und Sparta werde ich eingehen.
Augustus wollte die Pax Augusta im ganzen Reich ausbreiten 3 und als „Kaiser des Friedens“ 4 in die Geschichte eingehen, während er versuchte das Reich im Westen und Norden zu vergrößern, so war seine Ostpolitik eher defensiv, er ordnete die im Osten gelegenen Provinzen des Reiches neu. 5
1 Coşkun, Altay.: Freundschaft und Klientelbindung in Roms auswärtigen Beziehungen. Wege und Perspektiven der Forschung, in: ders. (Hg.) Roms auswärtige Freunde in der späten Republik und im frühen Prinzipat. Göttingen 2005. S. 10
2 Manuwald, Bernd: Cassius Dio und Augustus. Philologische Untersuchung zu den Büchern 45 -56 des dionischen Geschichtswerkes. Wiesbaden 1979. und Böhme, Christian: Princeps und Polis. Untersuchungen zur Herrschaftsform des Augustus über bedeutende Orte in Griechenland. München 1995.
3 Kienast, Dietmar: Augustus, Prinzeps und Monarch, Darmstadt 2009. S.453 4 Vittinghoff, Friedrich : Kaiser Augustus. Berlin 1959.S. 84 5 Vittinghoff, S. 85f.
2. Die Außenpolitik des Augustus:
Die oströmischen Provinzen gehörten bis zur Schlacht von Actium in den Herrschaftsbereich von Antonius. Diese von Rom abhängigen Königreiche bildeten die traditionelle Grundlage der römischen Wirtschaft und Sicherheit. 6 Im Jahr 40/39 v. Chr. drangen die Parther in das oströmische Reich ein, während dieses Eindringens erwiesen sich viele der einheimischen Fürsten als treulos den Römern gegenüber. Nach der Vertreibung der Parther brauchte Rom neue loyale Herrscher im Osten. Antonius suchte diese Männer aus und setzte sie als Könige ein, ohne Rücksicht auf dynastische und familiäre Ansprüche. 7 Im Jahr 36 v. Chr. war die Neuverteilung durch Antonius abgeschlossen. 8 Antonius war in seinen Gebieten beliebt, er verlieh seinen Anhängern das römische Bürgerrecht und erließ Steuerprivilegien und Ehren an Städte und hervorragende Männer. 9 Antonius zeigte Respekt vor der griechischen Kultur, er betonte, dass er sich der Gunst des Dionysos erfreute. Vor der griechischen Welt konnte er sich als Alleinherrscher, Soldat und auch als Wohltäter der Menschheit und Beschützer der Künste präsentieren. 10 34 v. Chr. eroberte er dann Armenien. Im Jahr 33 v. Chr. schien Antonius der stärkere Partner in einem zweigeteilten Imperium zu sein. Die Grenzen seiner Provinzen waren in Ordnung und Asia friedlich. 11
Nach der Schlacht von Actium und dem Tode Antonius' ließ Octavian die mit Antonius verbundenen Dynastien absetzen. 12 Die Wahl der neuen Herrscher richtete sich nach deren Verdiensten um die Sache des Siegers. Der Spartaner Eurykles, Sohn eines Piraten, der Octavian Unterstützung in Actium geleistet hatte machte er z.B. zum Stadtherren von Sparta. Dieses Prinzip von Belohnung für seine Unterstützer und Bestrafer für seine Widersacher wurde auch gegenüber Stadtrepubliken
6 Syme, Ronald: Die römische Revolution. Machtkämpfe im antiken Rom. Darmstadt 2003. S.269 7 Syme, S.270 8 Syme, S.279 9 Syme, S.272 10 Syme, S.273 11 Syme, S.276
12 Bringmann, Klaus; Thomas Schäfer: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, Berlin 2002. S.108
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angewendet. In Griechenland verloren einige das Privileg der Freiheit, auf Kreta hingegen wurden Kydonia und Lappa, die ihn unterstützt hatten, mit diesem Privileg ausgestattet. 13 Augustus versuchte also zunächst den Osten des Reiches in sein Herrschaftsgebiet zu integrieren und das Andenken an Antonius zu tilgen. 14 Mit einer bloßen Eroberung des Ostens und Absetzung einiger dem Antonius treuen Herrscher, war es aber nicht getan, er musste die dort ansässige Führerschicht (Klientelkönige, Priesterfürsten, kleine Dynasten und die reiche Oberschicht der Städte) für sich gewinnen: verteilte Korn, erließ Schulden, gründete neue Städte, verlieh Privilegien, etc. 15 Loyale Klientelkönige waren für Rom sehr wichtig, durch sie wurde es Rom erspart sich um die innere Organisation und Verwaltung des jeweiligen Gebietes zu kümmern. 16 Um den griechischen Osten ganz für sich und seine Politik zu gewinnen hat Octavian die kultische Verehrung seiner Person zugelassen. 17 Die neu eingerichteten Kulte für den Divus Iulius und für Octavian selbst sollten in der Situation des Jahres 30 zunächst wohl auch dazu dienen, in Kleinasien die Erinnerung an Antonius vollends auszulöschen. Er sicherte sich so politischen Einfluss z.B. in Asia und Bithynia, auch nach der Rückgabe der Provinzen an den Senat. 18 Die Einwohner der Provinzen hatten durchaus Anlass, Augustus mit Dankbarkeit zu begegnen. Die in den Provinzen herrschenden Bürgerkriege wurden erst während seiner Herrschaft beendet. Seine Gesetzgebung befreite sie von der Ausbeutung, die sie in den Zeiten der Republik durch römische Statthalter oder Steuerpächter erfahren hatten. 19 Nach seinem zweiten Aufenthalt in den Jahren 21.bis 19 v. Chr. betrat Augustus den Osten nicht mehr. 20
13 Bringmann, S.109
14 Kienast S. 454f. 15 Kienast, S. 456f.
16 Stein-Kramer, Michaela: Die Klientelkönigreiche Kleinasiens in der Außenpolitik der späten Republik und des Augustus. Berlin 1986. S. 23f.
17 Kienast, S.463 18 Kienast, S.464
19 Schlange-Schöningen, Heinrich: Augustus, Darmstadt 2005. S. 144 20 Bringmann, S.246
4
3. Quelleninterpretation:
In Band 54, Kapitel 7 der „Römischen Geschichte“ beschreibt Cassius Dio wie Augustus sich nach seiner Machtübernahme die Neuordnung der östlichen Provinzen vornimmt. Er nennt den Reiseweg und berichtet über jeweils erlassene Verfügungen für die verschiedenen Provinzen und Polais. Zunächst werde ich in den nächsten Kapiteln den Verfasser und seine Werk vorstellen, danach werde ich einige in Band 54, Kapitel 7 genannten Provinzstädte näher beleuchten.
3.1 Der Verfasser:
Der dieser Hausarbeit zugrunde liegende Text wurde von Cassius Dio (164 n. Chr. bis ca. 229 v. Chr.) verfasst. Er stammte aus einer Beamtenfamilie, sein Vater C. Apronianus war ein Senator, aus Nikaia in Bithynia. Cassius Dio bekleidete wie sein Vater ebenfalls hohe Staatsämter. Bevor er sich später endgültig aus dem öffentlichen Leben zurückzog bekleidete er in relativ kurzen Abständen verschiedene Ämter. So war er Prokonsul der senatorischen Provinz Africa, Statthalter in den kaiserlichen Provinzen Dalmatien und Oberpannonien und später noch Mitkonsul des Kaisers Severus Alexander (208 bis 235 n.Chr). 21
3.2 Dios Werke:
Neben einigen Biographien und anderen Schriften entwickelte Cassius Dio den Plan die Gesamtgeschichte Roms zu verfassen. Nach eigenen Angaben benötigte er für die Sammlung der Materialien zehn Jahre und zusätzlich nochmal zwölf Jahre um sein Werk zu verfassen. In welchem Zeitraum er seine „Römische Geschichte“ schrieb ist umstritten, das letzte von ihm erwähnte Ereignis, ist sein eigenes zweites Konsulat im Jahr 229 v. Chr. Er verfasste seine römische Geschichte wie es damals üblich war in der griechischen Sprache. Sein Werk ist nach annalistischen Ordnungsprinzipien mit sachlichen Einflüssen aufgebaut, er fügte Reden ein und gliederte seine Aufzeichnungen in Dekaden. Durch diesen Aufbau kann es laut dem Neuen Pauly
21 Flach, Dieter: Einführung in die römische Geschichtsschreibung. Darmstadt 1985. S.260
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Arbeit zitieren:
Merle Lungfiel, 2010, Augustus, Cassius Dio und die öströmischen Provinzen, München, GRIN Verlag GmbH
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