Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Das Sportlich-Agonale als Weiterführung des Heroischen 4
2.1 Sportliche Wettkämpfe. 5
2.2 Wagenrennen. 6
3. Das Musisch-Agonale als kultureller Motor. 7
3.1 Das Symposium 8
3.2 Die bildenden Künste. 9
4. Das Äußere als Definition adligen Daseins 11
4.1 Kleidung Erscheinungsbild 12
4.2 Gestus Habitus 13
5. Fazit 14
Bibliografie 15
2
1. Einleitung
In der folgenden Arbeit beschäftige ich mich mit den Traditionen und Ritualen der aristokratischen Oberschicht in der Antike. Ich werde die Begriffe Adel und Aristokratie zur Beschreibung der von mir zu analysierenden sozialen Schicht benutzen, auch wenn die Begriffe in der antiken Kultur an sich noch nicht existierten. Da sich trotz vielfältiger Wandlungsprozesse der traditionelle Lebensstil der Elite im Laufe der archaischen Zeit kaum verändert hat 1 , halte ich mich nicht an einen begrenzten Zeitrahmen, sondern erarbeite vielmehr eine allgemeine Synthese der aristokratischen Lebenswelt dieser Zeit. Ich setze mich des Weiteren mit dem Agonalen in der griechischen Kultur auseinander, das zum einen musischer und zum Anderen sportlicher Natur war. Der wettkämpferische Geist sowie das äußere Erscheinungsbild waren grundlegende Elemente der sozialen Zugehörigkeit. Alle Repräsentationen, ob musischer, sportlicher oder äußerlicher Art gehörten zum aristokratischen Dasein; aber nicht nur das - diese Form der Repräsentation grenzte die elitäre Schicht vom Rest der Bevölkerung ab.
Zudem widme ich mich intensiv den sportlichen Wettkämpfen und Wagenrennen als Weiterführung des Heroischen. Ich werde auf das Symposium und die bildenden Künste als kulturellen Motor eingehen sowie mich dem aristokratischen Erscheinungsbild befassen, das sich durch eine spezielle Kleidung und Gestik auszeichnete und zu einem Indikator elitären Lebensstils wurde.
Den Begriff der Lebenswelt habe ich nicht ohne Grund gewählt. Er soll als Anlehnung an Habermas´ Reflexionen zum Begriff ‚Lebenswelt’ verstanden werden. Für Habermas steht ‚Lebenswelt’ dem kommunikativen Handeln dialektisch gegenüber: „Indem sich die Interaktionsteilnehmer miteinander über ihre Situation verständigen, stehen sie in einer kulturellen Überlieferung, die sie gleichzeitig benützen [sic!] und erneuern; indem die Interaktionsteilnehmer ihre Handlungen über die intersubjektive Anerkennung kritisierbarer Geltungsansprüche koordinieren, stützen sie sich auf Zugehörigkeiten zu sozialen Gruppen und bekräftigen gleichzeitig deren Integration; indem die Heranwachsenden an Interaktionen mit kompetent handelnden Bezugspersonen teilnehmen, internalisieren sie die Wertorientierungen ihrer sozialen Gruppe und erwerben generalisierte Handlungsfähigkeiten.“ 2
1 Elke Stein-Hölkeskamp, Adelskultur und Polisgesellschaft, S. 104.
2 Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Bd. 2, S. 208.
3
Die aristokratische Schicht in Griechenland verfügt zu Beginn kaum über weitverzweigte gentilizische Strukturen. Ihre Sitten und Gebräuche sind Maßstab und Wertmesser ihres sozialen Status. Zum Adel gehörten jene, die sich nach den allgemeinen Vorstellungen, wie ein elitärer Lebensstils auszusehen hatte, richteten und diesen durch ihre Auslebung weiterentwickelten. Zusammenkünfte, Symposien und Wettkämpfe gehörten unabdingbar zur Repräsentationsplattform aristokratischen Daseins. Sie waren Austausch, Treffpunkt und Spiegel der aristokratischen Lebenswelt.
„In einer Gesellschaft ohne ausdifferenzierte Herrschaftsfunktionen und ohne jeden Zwang zur Legitimierung von ‚Herrschaft’ überhaupt hatte diese Art und Weise der Demonstration vielfältiger Überlegenheit als symbolische Repräsentation ihrer uneingeschränkten und selbstverständlichen Vormacht sogar statuskonstituierende Bedeutung [...].“ 3 Die Arbeit wird sich mit genau dieser Behauptung beschäftigen, indem sie auf die einzelnen statuskonstituierenden Verhaltensweisen näher eingeht.
2. Das Sportlich-Agonale als Weiterführung des Heroischen
Die Angehörigen der Oberschicht verstanden sich als direkte Nachfahren der homerischen Helden. Die ständige Rückprojizierung der Ideal- und Wunschvorstellungen machte die Epen zu einer Art Bibel der Aristokratie und passte zudem die mündlichen Überlieferungen an reale Ereignisse an. Die Epen besaßen einen normativen Charakter, der sich in den nachgeahmten Werten, Merkmalen und Tätigkeiten widerspiegelte. Sie wurden zur Leitlinie der adligen Elite und prägten die gesamte Sozialisation.
„Das Leben der Aristokraten war wie eine Weiterführung des heroischen; Waffen, Leibesübungen und Gelage füllten das Dasein der ‚Edeltrefflichen’ aus [...]. Ein Höhepunkt desselben war das Auftreten an den berühmten Stätten der Wettkämpfe, ganz besonders zum Wettreiten und zum Wagenrennen.“ 4 Wenn sich die homerischen Protagonisten noch mit Abenteuern und Heldentaten beschäftigten, um sich unsterblich für die Nachwelt zu machen, dann widmete sich die aristokratische Elite nunmehr sportlichen Heldentaten, um für alle Zeiten in Erinnerung zu bleiben. Reichtum, Tapferkeit, Ruhm und Ansehen wurden zu den Eckpfeilern adligen Lebensstils. Diese statuskonstituierenden Merkmale entsprangen den heroischen Werten aus den Heldensagen und wurden durch das agonale Denken in die
3 Elke Stein-Hölkeskamp, Adelskultur und Polisgesellschaft, S. 104.
4 Jacob Burckhardt, Kulturgeschichte Griechenlands, S.85.
4
Gegenwart und vor allem in die Realität geholt. Die Bedeutung der sportlichen Siege glich der Bedeutung der Errungenschaften und Abenteuer der epischen Heroen. Die materiellen, ästhetischen und moralischen Überzeugungen, die aus den homerischen Epen überliefert wurden, verschmolzen zu einer einheitlichen aristokratischen Lebenswelt. Die Zurschaustellung und das Wetteifern um den Qualitätsgrad jener Werte wurden Dreh- und Angelpunkt elitären Lebens. Statt außergewöhnlicher Heldentaten entschieden jetzt sportliche Bestleistungen über den aristokratischen Werdegang.
2.1 Sportliche Wettkämpfe
Die Herausbildung der Hoplitenphalanx im 6. Jahrhundert v. Chr. führte dazu, dass die Möglichkeiten der Repräsentation individueller Leistungen im Kampf oder durch Eroberungen eingedämmt wurden. Um seine eigenen Fähigkeiten weiterhin zur Schau stellen zu können und im ständigen Wettstreit mit den Fähigkeiten der Anderen zu treten, mussten Gelegenheiten geschaffen werden. Neue Schauplätze hatten zu entstehen, denn die Oberschicht konnte sich nicht mehr zu vollster Zufriedenheit mit heroischen Taten rühmen, um dem tief agonalen Lebensgefühl dieser Zeit Rechnung zu tragen. Die Bedeutung der panhellenischen Wettkämpfe stieg. Olympia, Delphi, Korinth und Nemea gehörten zu den wichtigsten Anlaufpunkten und wurden die neuen Arenen zum Austragen aristokratischer Einzelkämpfe: „[...] der Faustkampf, das Ringen, der Wettlauf, der Wurf der roh gegossenen eisernen Scheibe, der Bogenschuß {sic!} nach einer angebundenen Taube. Auch der Nahekampf mit dem Speere, bei dem die erste Verwundung entscheiden sollte, gehört{e} unter die Spiele [...].“ 5 Diese Disziplinen wurden zu Ersatzhandlungen kriegerischen Gebärens und schafften einen neuen Raum für das dringende Bedürfnis nach Anerkennung und Erfolg.
Das Sich-Messen mit einem Gegenüber war die ursprünglichste Form des agonalen Lebensgefühls, welches sich insbesondere im Ring- und Faustkampf äußerte. Dass die sportlichen Wettkämpfe und athletischen Erfolge statuskonstituierender Natur waren, erfahren wir eindeutig in Xenophanes kritischer Auseinandersetzung mit der öffentlichen Wertschätzung des Hochleistungsports: „Nun gut, wenn einer mit Schnelligkeit der Füße einen Sieg erränge oder als Fünfkämpfer, dort wo der Hain des Zeus an den Fluten des Pises in Olympia, oder als Ringer oder auch, weil er den schmerzhaften Faustkampf beherrscht, den sie Pankration nennen: für seine Mitbürger wäre er herrlicher anzuschauen,
5 Jacob Burckhardt, Kulturgeschichte IV, „Der koloniale und agonale Mensch“, S. 87.
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Arbeit zitieren:
Mirna Funk, 2011, Die aristokratische Lebenswelt in der Antike, München, GRIN Verlag GmbH
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