LMU München SoSe 2002 Institut für Alte Geschichte Proseminar: Caesar als Politiker
Eine Untersuchung zur Institution des Oberpontifex in Rom, zu Caesars Wahl zum Pontifex Maximus, deren Hintergründe und Folgen
Gliederung
I. Einleitung
II. Caesars Wahl zum Pontifex Maximus. Eine Untersuchung zur Institution des
Oberpontifex in Rom, zu Caesars Wahl zum Pontifex Maximus, deren
Hintergr ünde und Folgen
1. Das Priestertum in Rom
1.1. Die Situation zur Königszeit
1.2. Die Lage nach dem Sturz des Königtums
1.3. Die Kompetenzen und Pflichten des Oberpontifex
2. Caesar
2.1. Sein cursus honorum bis 63 v. Chr. und die Besonderheit seiner Kandidatur
2.2. Caesars Gründe, sich für das Oberpontifikat zu bewerben
2.3. Seine Wahlkonkurrenten
2.4. Die Wahl
3. Folgen der Wahl Caesars zum Oberpontifex
3.1. Politische Folgen
3.2. Persönliche Folgen
III. Zusammenfassende Betrachtung
IV. Quellenverzeichnis
VI. Literaturverzeichnis
I. Einleitung
Eines der wohl mächtigsten Machtinstrumente der menschlichen Gesellschaft sind, ganz allgemein, die Kirchen. Gründe dafür liegen nahe, da ganz offensichtlich jeder Mensch ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem festen Halt durch geregelte Abläufe, bzw. nach Sicherheit und Führung innerhalb eines bekannten Umfeldes hat. Kirchliche Einrichtungen treten genau hier auf, indem verschiedenste Menschen durch einen gemeinsamen Glauben verbunden werden. Festgeschriebene Regeln zu dessen Befolgung werden unter den Gläubigen verbreitet und durch einige wenige, nach festen Ritualen bestimmten, Oberhäupter, beispielsweise Priester/Kardinäle/Bischöfe/Papst in christlichen Kirchen, erklärt, ausgelegt und vorgelebt. Diese Oberhäupter stehen und standen schon seit jeher meist an der Spitze von vielen tausend, beim christlichen Glauben gar von vielen Millionen Anhängern. Sie waren und sind immer noch in der Lage, Menschen durch ihre Vorgabe zu beeinflussen, zu manipulieren und sie für sich einzusetzen. Ihnen wird von ihren Anhängern nicht nur unglaublich viel Respekt, sondern vor allen Dingen Vertrauen entgegengebracht. Blind vertraut wird dabei nicht nur in finanziellen, sondern auch ganz persönlichen Dingen.
Auch, oder besser ganz besonders ausgeprägt scheint dieses Machtphänomen im alten Rom gewesen zu sein. Man glaubte an eine ganze Familie von Göttern, von denen jeder einzelne eine ganz bestimmte Aufgabe hatte und von einer ganz bestimmten Gruppe von Priestern geehrt, besänftigt und ausgelegt werden musste. Der sakrale Oberste, der Pontifex Maximus, war dabei Verantwortlicher für das Funktionieren des Religionsbetriebes und so ein äußerst wichtiger und geachteter Mann im Staat. Caesar hat das Machtprinzip dieses Glaubens schnell begriffen und sich auch zunutze gemacht.
Im Folgenden soll untersucht werden, inwiefern und in welchen Bereichen der Pontifex Maximus Macht ausüben konnte, wie sich dieses System im Vergleich zum vorausgehenden Königtum in der Republik änderte, warum Caesar so viel Mühe in die Erlangung dieses Postens steckte, wie er ihn bekam und was sich durch ihn nicht nur an der Institution, sondern auch politisch änderte.
Vorerst allerdings ein kurzer Überblick über die Aufgaben und Kompetenzen des Oberpontifex zur Zeit der Monarchie in Rom, wie sich dies bei deren Sturz veränderte und welche Gründe Caesar hatte, sich für dieses priesterliche Amt zu bewerben.
II. Caesars Wahl zum Pontifex Maximus.
Eine Untersuchung zur Institution des Oberpontifex in Rom, zu Caesars Wahl zum Pontifex Maximus, deren Hintergründe und Folgen.
1. Das Priestertum in Rom
1.1. Die Situation zur Königszeit
Für öffentliche Kulthandlungen in Rom waren vor allem collegia und sodalitates von Priestern zuständig. Sie legten die Kultformen fest und erfüllten die sich daraus ergebenden Pflichten. Nur freigeborene, nicht vorbestrafte oder körperlich beeinträchtigte römische Bürger durften eines der Priesterämter auf Lebenszeit erhalten. Es stand ihnen allerdings ein freiwilliger Rücktritt offen. 1 Die ursprüngliche Zahl der Pontifices steht nicht fest, man geht ursprünglich von fünf aus. Diese Zahl wurde allerdings nach der lex Ogulnia im Jahre 300 v. Chr. auf neun, daraufhin von Sulla auf fünfzehn und schließlich von Caesar auf sechzehn erhöht. 2
Dem für diese Untersuchung wichtigen Kollegium der Pontifices gehörten auch der rex sacrorum, die drei flamines maiores, die ehemals zwölf, später zahlreicheren flamines minores und die sechs virgines Vestales an. 3 An der Spitze des Kollegiums stand der Pontifex Maximus, der Hauptverantwortliche für das Funktionieren des Kultwesens. In der Königszeit hatte der König selbst die Ämter des höchsten Beamten und des höchsten Priesters, eben des Pontifex Maximus, inne. 4 Er übte also die „magistratischen Befugnisse des Oberpontifex neben denen der späteren Magistratur aus“ 5 . Zu den Aufgaben der Pontifices zählte unter anderem, Magistraten und Privaten als Ratgeber zur Verfügung zu stehen. Den Beamten hatten sie beispielsweise bei kultischen Aufgaben die exakt festgelegten Gebets-, Gelübde- und Weiheformeln vorzusagen. 6
Außerdem traten sie als Sühnepriester zur Besänftigung des Zornes einer Gottheit oder ganz allgemein zur Wahrung der pax et venia deum auf, die sie bei einer wie auch immer gearteten Störung durch geeignete Maßnahmen (Opfer, Gutachten, Ratschläge) wiederherzustellen
1 Muth, Robert: Einführung in die griechische und römische Religion. Darmstadt, 1988, S.291.
2 Latte, Kurt: Römische Religionsgeschichte. München, 1960. S.197.
3 Muth: Einführung, S.291.
4 Ebd., S.292 f.
5 Mommsen, Theodor: Römisches Staatsrecht II. Leipzig, 1887, S.13.
6 Muth: Einführung, S.294.
Arbeit zitieren:
Johanna Lechner, 2003, Caesars Wahl zum Pontifex Maximus, München, GRIN Verlag GmbH
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