Die Wiedergabe lateinamerikanischer Realienbezeichnungen am Beispiel von Mariano Azuelas Roman Los de abajo
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Inhaltsverzeichnis
1. Mariano Azuela und „Los de abajo“ 3
1.1 Mariano Azuela: Sein Leben und die mexikanische Revolution 3
1.2 Los de abajo 7
2. Exemplarische Untersuchung von 30 Realia aus Mariano Azuelas Roman
Los de abajo 11
3. Bibliographie 38
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1. Mariano Azuela und Los de abajo
1.1 Mariano Azuela: Sein Leben und die Mexikanische Revolution
Mariano Azuela wird 1873 in Lagos de Moreno im Staat Jalisco in Mexiko geboren. Zu dieser Zeit ist Sebastián Lerdo de Tejada Präsident.
Im Jahre 1876 kommt in Mexiko General Porfírio Díaz, der sich als Kämpfer gegen Kaiser Maximilian einen Namen gemacht hat, durch einen Aufstand an die Macht. Seine 35jährige Regierungszeit wird als Porfiriat, auf spanisch „Porfiriato“, bezeichnet. Die Diktatur bringt zwar eine rasche Modernisierung des Landes mit sich, führt aber auch zu einer Ausdehnung des Großgrundbesitzes insbesondere durch Enteignung der Indios. Bei den Kleinbauern, welche die Leidtragenden der Politik Diaz’ sind, wachsen Unzufriedenheit und die Bereitschaft zum bewaffneten Widerstand.
Mariano Azuelas Kindheit auf dem elterlichen Hof ist von einem intensiven Erleben der Natur Jaliscos geprägt. Die Familie macht viele Ausflüge in die Berge bei denen Azuela schon als Kind Flora und Fauna seiner Heimat sehr gut kennenlernt. Seine Romane sind von diesen Erfahrungen durchdrungen, immer wieder findet man detaillierte Beschreibungen der Landschaft, und auch die Hauptpersonen leben meist in und mit der Natur. Mit 15 Jahren, 1888, besucht Mariano Azuela das Priesterseminar in Guadalajara, der Hauptstadt von Jalisco, wo er vier Jahre später auch das Studium der Medizin beginnt.
1896 publiziert Azuela zum ersten Mal einen Artikel in einer mexikanischen Zeitung. Nach dem Studium läßt er sich als Arzt in seiner Heimatstadt Lagos nieder. Vier Jahre später
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heiratet er Carmen Rivera, mit der er eine große Familie gründet. Im gleichen Jahr finden erste Aufstände der Indios gegen den Diktator Díaz statt, der inzwischen zum fünften Mal „wiedergewählt“ worden ist.
1907 veröffentlicht Mariano Azuela seinen ersten Roman, „María Luisa“, der auf persönliche Erfahrungen während seiner Studentenzeit zurückgeht.
Ein Jahr später erklärt Porfírio Díaz öffentlich, Mexiko sei jetzt bereit für die Demokratie und er würde es begrüßen, wenn er bei der nächsten Präsidentschaftswahl erstmalig einen Gegenkandidaten hätte. Die liberale Fraktion stellt daraufhin Francisco Indalecio Madero auf. Dieser veröffentlicht eine Schrift mit dem Titel „La sucesión presidencial“, die eine erneute Wiederwahl von Díaz für illegal erklärt und Ausdruck wachsender politischer Opposition gegen Díaz ist. Zwei Jahre darauf macht Azuela in seiner Heimatstadt Lagos kräftig Wahlwerbung für Madero. Er rechtfertigt dessen Widerstand gegen die Diktatur und sieht in ihm einen politisch korrekten Idealisten. Díaz wird jedoch erneut gewählt und läßt Madero gefangennehmen. Dieser aber kann fliehen und veröffentlicht kurz darauf den „Plan de San Luis Potosí“, in dem er sich selbst zum Präsidenten erklärt. Der Plan enthält weitere radikale Forderungen und wird als das Programm der Revolution betrachtet. Es kommt in einigen Teilen Mexikos zu Erhebungen gegen Díaz und schließlich zum Ausbruch der Revolution.
Ebenfalls im Jahre 1908 findet eine Volkszählung statt. Unter anderem wird ein durchschnittlicher Analphabetismus von 20% festgestellt, in einigen Gebieten liegt die Rate bei über 50%. Ferner ergibt sich, daß die USA 90% der Ölvorkommen in Mexiko kontrollieren und daß 834 Großgrundbesitzer das Land unter sich aufteilen, auf dem drei Millionen arme Bauern arbeiten.
Im Jahr darauf wird Díaz gestürzt und flieht nach Europa. Der Führer der Revolution, Madero, wird zum neuen Präsidenten gewählt und Mariano Azuela betritt erstmals die
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politische Bühne, indem er das Amt des Ortsvorstehers („jefe político“) in Lagos übernimmt. Doch er muß bald erkennen, daß Madero die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen kann. Die Porfiristen, die bis dahin die politischen Ämter innehatten, hatten sich von einem Tag auf den anderen zu Maderisten erklärt, ihre korrupten Praktiken allerdings keineswegs aufgegeben. Bereits einen Monat nach seinem Amtsantritt ist Azuela durch den Opportunismus in Lagos so enttäuscht und desillusioniert, daß er als Verwaltungsleiter von Lagos zurücktritt.
Die Rebellenführer Emiliano Zapata und Francisco Villa sind ebenfalls unzufrieden mit der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit Maderos. Sie stellen sich dem Präsidenten entgegen und verlangen eine bessere Verteilung des Landes in Mexiko („Plan de Ayala“).
Im Jahre 1913 ergreift der porfiristische General Victoriano Huerta, der sich heimlich mit Zapata und Villa verbündet hat, die Macht und läßt Madero ermorden. Es bilden sich zwei Hauptzentren der Revolution: im Norden wird unter der Führung von Francisco Villa und Álvaro Obregón gekämpft, die Bauernerhebung im Süden wird von Emiliano Zapata angeführt.
Im folgenden Jahr schließen sich Villa und Venustiano Carranza, der Gouverneur des mexikanischen Staates Coahuila als „constitucionalistas“ zusammen. Sie stürzen Huerta, der aus dem Land flieht, womit die Revolutionäre ihr Ziel vorläufig erreicht hätten. Carranza wird zum Interimspräsidenten ernannt. Daraufhin erklärt jedoch Villa Carranza den Krieg und es kommt z ur Spaltung innerhalb der Konstitutionalisten. Auch Azuela sieht sich gezwungen, für eine der beiden Gruppen Partei zu ergreifen. Wie sein Romanheld Demetrio Macías in Los de abajo entscheidet er sich für „Pancho“ Villa und schließt sich als Stabsarzt den revolutionären Truppen des Generals Julián Medina an. Seine Erlebnisse als Revolutionär verwendet er in Los de abajo; der Roman trägt also autobiographische Züge. Medina macht Azuela zum Erziehungsminister von Jalisco.
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Bald darauf findet in Aguascalientes die Konvention der Konstitutionalisten statt, bei der beschlossen wird, Eulalio Gutiérrez zum Präsidenten zu ernennen, woraufhin Carranza eine eigene Regierung in Veracruz bildet.
1915 werden die Streitkräfte Villas von Obregón geschlagen, und die USA erkennen die Regierung von Carranza an. Als Angehöriger der besiegten Truppen muß Azuela nach Texas fliehen. Los de abajo wird dort als Fortsetzungsroman in der Zeitung El Paso del Norte veröffentlicht. Schon bald darauf (1916) zieht sich Mariano Azuela von der Politik zurück. Da durch die Revolution all seine Ersparnisse verloren gegangen sind, nimmt er Arbeit in einer Klinik in Mexiko Stadt an, um seine Frau und seine 8 Kinder ernähren zu können. In der Klinik beobachtet er täglich die unteren sozialen Schichten, die er in seinen Romanen beschreibt. Azuela ist enttäuscht von der Revolution und ihrer Entwicklung. Er muß erkennen, daß es an einer gemeinsamen Idee fehlt. In seinen Augen scheitert die Revolution am Egoismus des Einzelnen, der für sich nur Reichtum und Macht gewinnen will, was auch in Los de abajo sehr deutlich wird. So widmet er sich von nun an wieder verstärkt der Literatur und seinem Beruf als Arzt.
1917 tritt die neue Verfassung mit wichtigen sozialreformerischen und für die damalige Zeit radikalen Neuerungen in Kraft. So wurde beispielsweise das Arbeitsrecht zugunsten der Beschäftigten verbessert und das Gemeindeland an die indianische Bevölkerung zurückgegeben. Weiterhin wurde der ausländische Besitz von Bodenschätzen limitiert und die Wiederwahl des Präsidenten in der folgenden Amtsperiode verboten. Aus den Präsidentschaftswahlen geht Carranza als Sieger hervor. Trotz des Verfassungsauftrags verfolgt dieser jedoch eine sozialkonservative Politik.
Schon drei Jahre darauf wird Carranza durch die Militärrebellion Obregóns zunächst gestürzt und schließlich ermordet. Die Wahl Obregóns zum neuen Präsidenten wird als das
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Ende der Revolution betrachtet. Der Wahlkampf um das Amt des Präsidenten 1923 bringt allerdings neue Unruhen mit sich.
Ein Jahr später wird Calles Präsident von Mexiko. Er bringt die Staatsfinanzen in Ordnung, gründet die Bank von Mexiko und schlichtet nach Überwindung größter Schwierigkeiten den Streit mit den USA um die Ölvorkommen in Mexiko. In den folgenden Jahren kommt es zu einer politisch-gesellschaftlichen Stabilisierung in Mexiko durch den Aufbau von Gewerkschaften und Bauernverbänden und - nach einer Periode des Strebens nach größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit - durch eine wieder stärkere Annäherung an die USA.
1943 wird Azuela Mitglied des Colegio Nacional, fünf Jahre später erhält er den Premio Nacional de Artes y Ciencias.
Mariano Azuela stirbt 1952 im Alter von 79 Jahren in Mexiko Stadt an einem Herzinfarkt, im gleichen Jahr, in dem das Frauenwahlrecht in Mexiko eingeführt wird.
1.2 Los de abajo
1.2.1 Kurze Inhaltsangabe
Los de abajo wurde 1916 erstmalig veröffentlicht und spielt in der Zeit von 1913 bis 1915. Der Roman beschreibt den Siegeszug und Untergang des armen und unterdrückten mexikanischen Bauern Demetrio Macías. Klaus Jetz, der Übersetzer der deutschen Ausgabe von 1992, erkennt in Los de abajo die dreigliedrige Struktur des Heldenepos:
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Aufbruch und Trennung von der Familie, Bewährung und Erfolg, Schicksalswende und Tod 1 .
Demetrio Macías zieht mit zwanzig armen Bauern aus seinem Dorf in Jalisco los, um für die Revolution zu kämpfen. Die Männer sind alle sehr mit der Natur und ihrer Heimat verbunden, sie kennen jeden Pfad und jedes Versteck in den Bergen der Gegend und haben so einen Vorteil gegenüber den Regierungstruppen des damaligen Präsidenten Huerta. Die Treffsicherheit der Bauern ist außergewöhnlich und so gelingt es ihnen trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit, in ihrer ersten Schlacht den Gegnern aus einem Hinterhalt heraus eine empfindliche Niederlage beizubringen. Der „Rotte“ von Unzufriedenen schließen sich immer mehr Revolutionäre an, angezogen von den Heldentaten, die man sich über sie erzählt. Macías’ Männer werden schließlich in der ganzen Gegend von den Bauern bewundert und unterstützt, von den Regierungstruppen, den Föderierten, dagegen gefürchtet.
Nach der Eroberung von Zacatecas steigt Macías zum Revolutionsgeneral auf. Doch die militärischen Erfolge bringen Veränderungen mit sich: Abenteurer, Verbrecher und Prostituierte stoßen zu seiner Truppe. Nach dem Sieg der Revolution verteilen sie die Beute unter sich; Plünderungen, Morde und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Auch Macías eigene Männer verändern sich negativ. Neid und Eifersucht untergraben den Zusammenhalt der Gruppe.
Es kommt zur Wende als Demetrio Macías auf den Revolutionsgeneral Natera trifft. Dieser erläutert ihm erstmals die politischen Hintergründe, die Macías bis dahin völlig unbekannt waren. So erfährt er beispielsweise, daß die Revolutionäre inzwischen einen Bürgerkrieg untereinander begonnen haben und es gar keinen einheitlichen Widerstand gegen die Regierung mehr gibt. Diese Aufklärung führt dazu, daß Macías seine Motivation völlig
1 Azuela, Mariano: Die Rechtlosen, dipa-Verlag, Frankfurt am Main, 1992, S. 140
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Sonja Schuberth-Kreutzer, 1997, Die Wiedergabe mexikanischer Realienbezeichnungen am Beispiel von Mariano Azuelas Roman Los de abajo, München, GRIN Verlag GmbH
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Realität und Fiktion in Mariano Azuelas "Los dse abajo"
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