Kann das Individuum zur globalen Nachhaltigkeit beitragen?
15. Feb.
I Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Konsum und Nachhaltigkeit 3
3. Konsumverhalten und Sozialisation. 5
4. Ziele einer globalen Ernährung 6
5. Die individuelle Ebene 7
6. Individuelle Schritte 8
7. Reflexion 12
II. Literaturverzeichnis 13
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Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) hungern 900 Millionen Menschen. In den vergangenen Jahrzehnten war es zwar gelungen, den Hunger in der Welt schrittweise zu reduzieren, seit 2008 steigt der Anteil wieder jährlich um ca. 70 bis 80 Millionen. Eine dauerhafte Strategie zur Lösung der Hungersnöte ist noch nicht vorhanden. Dabei ist für die Versorgung aller Menschen - gegenwärtig leben auf der Erde rd. 6,7 Milliarden - ausreichend Nahrung vorhanden (vgl. bpd 2009: o.S. Online im Internet).
Das Thema Nachhaltigkeit meint einen Entwicklungsbegriff der die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können (vgl. bpd 2004: o.S. online im Internet). In letzter Zeit wurde in den Medien verstärkt über Nachhaltigkeit diskutiert. Vor allem in Bezug auf die Umwelt ist diese Thematik präsent. Die deutsche Automobilindustrie etwa hat mit dem Vorwurf der starken Umweltbelastung durch den im internationalen Vergleich hohen CO 2 -Ausstoß ihrer Produkte zu kämpfen. Aber nicht nur die Automobilbranche, sondern durchweg alle Branchen werden von der Öffentlichkeit kritisch ob ihres verantwortlichen Handelns betrachtet.
Nachhaltiges Handeln gewinnt auf der Unternehmensagenda zunehmend an Bedeutung. Gewissermaßen als Vorreiter hat sich Henkel bereits 1994 zum Eco-Leadership verpflichtet und dies konsequent nach außen kommuniziert. Häufig mangelt es den Unternehmen nicht an nachhaltigem und verantwortungsbewusstem Verhalten, sondern an der Kommunikation der nachhaltigen Ausrichtung (Henkel 2008:o.S.Online im Internet).
2. Konsum und Nachhaltigkeit
Im 19 Jahrhundert galt Arbeit als das vorherrschende Sozialisations- und Organisationsprinzip von Gesellschaften, seit dem 20 Jahrhundert übernimmt der Konsum die für die Gesellschaft integrierende Funktion; er fungiert seither als zentraler identitätsstiftender Bestandteil westlicher Gesellschaften, der in sämtlichen Lebensbereichen von Individuen seine Spuren zieht.
Konsum entwickelte sich zu einem Wert an sich, der nicht mehr bloß der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung dient, sondern von den Massenmedien getragen wird und Erlebnisqualität und Freiheit verspricht. Konsumiert werden über Waren hinausgehend Versprechungen (Illusionen) und Verheißungen (Kleider machen schön, Essen gesund/intelligent/schlank/glücklich…), Werte, die eigene Weltsicht; über Konsum vollzieht sich die Positionierung in der Gesellschaft (vgl. Hellmann, K.-U. 2008: o.S.). Laut
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Kriterien bezüglich der Produktwahl. Konsum wird nach ihnen wie folgt definiert: „sämtliche Verhaltensweisen, die auf die Erlangung und private Nutzung wirtschaftlicher Güter und Dienstleistungen gerichtet sind“ (Rössel, J., Pape, S. 2009: o.S. In: Beckert, J., Deutschmann, C.).
Individuelle Ebene
Der Begriff Nachhaltigkeit ist im gleichen Maße ins Bewusstsein der Menschen gedrungen, wie die Erkenntnis, dass ein gedankenloser oder fahrlässiger Umgang mit der Umwelt zu einer ernsten Bedrohung der Lebensgrundlagen führt. Heute ist allgemein bekannt, dass jeder Einzelne die Verantwortung für die Qualität der Lebensbedingungen der eigenen Kinder und Enkel trägt. Nachhaltigkeit ist die Umsetzung dieser Erkenntnis in ein verantwortungsvolles Verhalten. In der Landwirtschaft bedeutet das eine vorausschauende Bewirtschaftung vor dem Hintergrund eines schonenden Umgangs mit den natürlichen Ressourcen des Betriebes.
Ich bin, was ich kaufe bzw. konsumiere. Einerseits verwirklicht sich moderne Individualität in besonderem Maße in der Konsumentscheidung, die aber zum größten Teil unbewusst verläuft. Gleichzeitig gibt uns Konsum Sicherheit und Bestätigung der eigenen Identität (vgl. Gehrmann, N., Zangerle, K. 2010: Stellungnahme zu “Making up people: Consumption as a Symbolic Vocabulary for the Construction of Identity” von Elliott, R.). Nachhaltig konsumieren heißt, bewusst zu konsumieren und sich die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte des Konsums bewusst zu machen (vgl. Rickes, M., Tiemeyer, E. 2009: S. 36). Unter welchen Bedingungen wurden beispielsweise die Kleidung oder der neue Computer hergestellt? Sind die Arbeiter angemessen bezahlt worden? Waren sie bei der Produktion schädlichen Stoffen ausgesetzt? Und wie sieht es mit den Umweltauswirkungen der Produkte aus? Welche Produkte von welchem Unternehmen möchte ich mit meinem Einkauf nachfragen? Kaufe ich Lebensmittel im Supermarkt, im Discounter, im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt? Wie viel Geld habe ich zur Verfügung und wofür kann ich es ausgeben?
Globale Ebene
Nicht nur die Frage, wie der Hunger in der Welt beseitigt (s. Einleitung) und wie die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln gesichert werden kann, ist zu klären, sondern auch die Auswahl, denn die Ernährungsgewohnheiten der Menschen ändern sich. Mit steigendem Wohlstand in den Industrienationen stieg im letzten Jahrhundert auch zugleich der Fleischverbrauch an. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in anderen Ländern ab, in
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zwischen 1963 und 2003 der Fleischkonsum um 119%, der Zuckerverbrauch um 127% und der pflanzliche Ölverbrauch um 199% gestiegen. In den Industriestaaten gab es dagegen keinen erheblichen Zuwachs. Mit steigendem Fett- und Zuckerverbrauch - so Kearney - gehen jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken (wie z.B. Fettleibigkeit, Kreislauferkrankungen, Infektionsanfälligkeiten) mit weitreichenden Auswirkungen einher.
3. Konsumverhalten und Sozialisation
Ernährung ist viel mehr als nur der Verzehr von Nahrungsmitteln: Ernährung hat eine Reihe sozialer und kultureller Bedeutungen.
Beim Essen und Trinken geht es nicht nur um physiologische Bedürfnisse sondern um soziale und kulturelle Aspekte. Beschaffung, Zubereitung und der Verzehr von Nahrungsmitteln haben eine wichtige soziale Funktion. Beim gemeinsamen Essen erneuern, verändern sich z.B. Familienbeziehungen, Freundeskreise und gesellschaftliche Phänomene, physische Nöte oder Bildung treten in den Hintergrund (vgl. Rückert-John, J., Rückert, R. 2009: S. 176).
Männer und Frauen haben ein unterschiedliches Ernährungsverhalten, dies zeigt u.a. die nationale Verzehrstudie (NVS II 2008) auf. So essen Frauen z.B. mehr Gemüse, Obst und kalorienarme Nahrungsmittel als Männer, Männer dagegen verzehren mehr Fleisch und konsumieren mehr alkoholische Getränke als Frauen. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede aus soziologischer Sicht entstehen durch die Bildung von Stereotypen. Wird laut Rückert anhand anderer Kriterien untersucht, wie z.B. Alter, Altersgruppen, Schichtzugehörigkeit kommt es zu anderen Ergebnissen, die keinen nennenswerten Verzehr-Unterschied zwischen Mann und Frau aufweisen. Die Stereotypen-Zuweisung stellt sich als Hindernis bei der Frage nach einer nachhaltigen Nahrungsmittelaufnahme dar (vgl. Rückert-John, J., Rückert, R. 2009: S. 178).
Essen ist mit Bedeutungen behaftet und steht in einem Zusammenhang mit Macht. Z.B. kann Essen oder der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel die gesellschaftliche Position eines Menschen bestimmen (vgl. Setzwein, M. 2000: S. 17). Hierbei gilt Fleisch als Symbol von Macht und Stärke und ist damit auch ein Differenzierungsmerkmal in der gesellschaftlichen Stellung (vgl. Rückert-John, J., Rückert, R. 2009: S. 179). Rückert und Setzwein stellen zusammenfassend fest, dass das Ernährungsverhalten nicht durch das Geschlecht bestimmt wird, sondern umgekehrt: Ernährungsgewohnheiten dienen dazu, die soziale Stellung zu bestimmen.
Laut Barlösius korrespondieren die Essgewohnheiten und die geschmacklichen Vorlieben des Menschen mit ihrer sozialen Lage. Arme nehmen laut Studien z.B. überwiegend
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Arbeit zitieren:
Nadine Gehrmann, 2011, Kann das Individuum zur globalen Nachhaltigkeit beitragen?, München, GRIN Verlag GmbH
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