Inhaltsverzeichnis
1 Die Frage nach der Aktualität 2
2 „Neues Deutsches Burschenlied“ 2
3 Die Tradition der Burschenschaft 4
4 Jura Soyfer´s Studienzeit 5
5 Unterschiede studentischer Verbindungen. 7
5.1 Katholische Verbindungen 7
5.2 Nationalistische Verbindungen 8
6 Schlagende Verbindungen in Österreich und Deutschland 9
7 Ausblick 12
8 Bibliografie. 13
8.1 Internetquellen 14
1
1 Die Frage nach der Aktualität
Jura Soyfer, österreichischer Lyriker und Dramatiker, warnte schon früh vor den Gefahren des Nationalsozialismus und kämpfte auf einer intellektuellen Ebene mit einschneidenden Texten und satirischen Inhalten gegen die aufkeimende Bedrohung. Als Mitglied des Verbandes sozialistischer Mittelschüler und Autor der Arbeiter-Zeitung veröffentlichte Soyfer bereits als 16- jähriger politische Schriften. 1 Eines seiner Lieder, das „Neue Deutsche Burschenlied“, bezieht sich auf schlagende Studentenverbindungen, deren Verherrlichung Hitlers und der aufkommenden Arisierungspläne. Schlagende Verbindungen gibt es heute nach wie vor auch in extremer Form vor allem in Österreich, daher soll in dieser Arbeit festgestellt werden, inwiefern Soyfers Blick für die Gefährlichkeit von Burschenschaften heutzutage immer noch relevant ist oder diese Studentenverbindungen als absterbende Form einer Alt-Nazi-Marotte definiert werden können.
2 „Neues Deutsches Burschenlied“
Soyfers komplexe Sichtweise für politische Veränderungen im Jahr 1933 zeigt das von ihm verfasste Lied „Neues Deutsches Burschenlied“, getextet nach einem traditionellen, deutschen Studentenlied „Gaudeamus igitur“, welches im Original auf lateinischer Sprache existiert. In dieser Neu-Interpretation übernimmt Soyfer den Refrain „Gaudeamus igitur“, was übersetzt „wir wollen also fröhlich sein“ 2 heißt, und betont daher umso mehr auf zynische Weise die Brutalität der jungen Nazis auf den Universitäten. Es finden sich bereits in der ersten Strophe typische Verhaltensmuster und Ideologien schlagender Verbindungen:
1 Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie: Jura Soyfer. http://www.dasrotewien.at/online/page.php?P=11874 (Stand: 12. Mai 2009)
2 Vgl. Frankfurter Verbindungen: Gaudeamus igitur. http://www.frankfurter-
„Stoßen wir an, Stoßen wir an!“ verweist auf die heute immer noch gültige Gepflogenheit des übermäßigen Alkoholkonsums der Burschenschafter, zur Erprobung ihrer Männlichkeit, stattfindend in der hauseignen Kellerbar. Soyfer zieht in diesen Zeilen diesen salonfähig gemachten Brauch ins Lächerliche, da das Saufgelage mit Erbrechen auf die eigene Montur endet und damit sowohl die angebliche Trinkfestigkeit der Männer, als auch deren Identifikationssymbol der Uniform bloßstellt. Denn jede Studentenverbindung hat ihre eigene Farbzusammenstellung der Montur, die so genannte Couleur, wie beispielsweise das „violett-rot-goldene Sudentenband“ 4 Bruna mit dunkelroter Mütze, die für
Zusammengehörigkeit stehen soll.
Als Mensur bezeichnet man den studentischen Fechtkampf, der aus so genannten Füxen, sprich jungen Neueinsteigern, Burschen machen soll. Folgeschäden, wie Gesichtsnarben, stehen wiederum für Stärke, Mut und ebenfalls für ausgeprägte Männlichkeit. Der Begriff der „schlagenden“ Verbindung bezieht sich auf die konventionellste Fechtwaffe der Mensur, den so genannten Korbschläger, ein gewissermaßen geradegeformter Degen. 5
Die weiteren Strophen des Liedes beziehen sich vor allem auf die regimekonformen, neugeschmiedeten Karriereplänen der aufstrebenden Studenten. Schließlich eröffneten Hitlers Arisierungsmaßnahmen der Bevölkerung des Deutschen Reiches neue Arbeitsplätze mittels Übernahmen von jüdischen Firmen- und Fabriken, sowie Besetzung hoher Ämter der Politik und Justiz. Als Beispiel dient hierzu Strophe 8:
3 Soyfer, Jura: Neues deutsches Burschenlied. Erschienen in Der Kuckuck 26. März 1933.
4 Bruna Sudetia: Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia. http://www.brunasudetia.at/ (Stand: 13. Mai 2009)
5 Die Mensur: Das studentische Fechten. http://www.campusvision.de/coburgerconvent/mensur/ (Stand: 12. Mai 2009)
3
Weiter erinnert Soyfer an die Entstehungsgeschichte der studentischen Verbindungen und die Ideale, die sich eben auf nicht-regierungskonformen
3 Die Tradition der Burschenschaft
Der Ursprung zum Zusammenschluss von Studenten zu so genannten Verbindungen beinhaltete einen zweckmäßigen und revolutionären Gedanken, welcher auf die Revolution von 1848 zurückführt. Zum einen protestierten Studierende gemeinsam mit Handwerkern und Arbeitern gegen die Untertänigkeitsverpflichtung gegenüber dem Kaiser und gegen ein beschränktes Wahlrecht, zum anderen führte die Zusammenkunft von verschiedensten Studenten eben dazu, sich miteinander zu „verbinden“, um praktischerweise Wohnmöglichkeiten und eine Gemeinschaft in anderen Städten zu finden. Folglich lag diesen Vereinigungen ein finanzieller und sozialer Gedanke zu Grunde, was in Zeiten ohne Internet und Telefon ein vorteilhaftes Mittel zum Zweck war. Denn die Tradition der lebenslangen Verbrüderung verlangt regelmäßige Spenden der Altherren für kommende Generationen des jeweiligen Hauses. Wie der Ausdruck „Burschenschaft“ schon besagt, können nur Männer beitreten. Das hat sich bis heute in schlagenden Verbindungen auch nicht geändert, Frauen dürfen nur in der Rolle der Begleitung zu diversen Bällen und Großveranstaltungen in Erscheinung treten. 7
6 Vgl. Soyfer, Jura: Neues deutsches Burschenlied. Erschienen in Der Kuckuck am 26. März 1933.
7 KÖStV Austria-Wien. http://www.austria-wien.at/?page=0010401040000
Arbeit zitieren:
Mag. phil. Tiffany Kudrass, 2009, Schlagende Verbindungen - Relikte oder Brutstellen von nationalsozialistischem Gedankengut?, München, GRIN Verlag GmbH
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