Inhaltsangabe
Seite
Einleitung 3
1. Medien und Gewalt 4 - 6
1.1. Der Begriff der Gewalt
1.2. Thesen zur Wirkung medialer Gewalt
1.3. Mediale Modelle und der soziale Kontext als Ursache für aggressives
Verhalten
2. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) 7 - 12
2.1. Notwendigkeit des „Gesetzes über die Verbreitung jugendgefährdender
Schriften und Medieninhalte“
2.2. Geschichte der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften
2.2.Organisation und Verfahren der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
Schriften
2.4. Aufgaben der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften
2.5. Gegenstände und Folgen der Indizierung
2.5.1. Jugendgefährdende und schwer jugendgefährdende Medien
2.5.2. Ausnahmen der Indizierung
2.6. Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft
(FSK)
3. Eintragung in die Liste der jugendgefährdenden Schriften am Beispiel 12 - 14
des Videofilms „Fist of the North Star“
3.1. Mediale Gewalt als Jugendgefährdung
3.2. Inhalt des Films „Fist of the North Star“
3.3. Antrag zur Abweisung des Indizierungsantrages
3.4. Entscheidungsbegründung
Fazit 14 - 15
Literatur 16
2
Einleitung
In unserer heutigen Zeit ist die Aussage „Wir leben in einer Medienwelt.“ nichts Neues. Auf der einen Seite benutzen wir die verschiedensten Medien als Instrumente für unser Leben und auf der anderen Seite beeinflussen diese auch unser Leben. Doch was sind eigentlich Medien? Medien sind eine „im Bereich der öffentlichen und privaten Kommunikation zusammenfassende Bezeichnung für alle visuellen, auditiven und audiovisuellen Kommunikationsmittel wie z.b. Presse, Funk, Film und Fernsehen.“ 1 Im Bereich der Medienpädagogik werden die Wirkungen dieser Medien auf die Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen untersucht. Ziel der Medienpädagogik ist u.a. die Analyse der Medien, die kritische Aufklärung der Rezipienten und die Steigerung der Medienkompetenz. Oft diskutiert ist dabei die Frage, welchen Einfluss gewaltvolle Medieninhalte auf die Persönlichkeit bzw. das Verhalten der Kinder und Jugendlichen haben. In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welchen Beitrag die staatlich eingerichtete Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften leisten kann, wenn es darum geht die Kinder und Jugendlichen vor einem Einfluss der Medien, speziell vor den gewaltvollen Medieninhalten, zu schützen. Anhand des indizierten Videofilms „Fist of the North Star“ wird die Vorgehensweise der Bundesprüfstelle beispielhaft erläutert. Zusätzlich soll kurz aufgezeigt werden, ob dieser Schutz überhaupt notwendig ist, d.h. ob eine Medienbeeinflussung überhaupt stattfindet.
1 aus: Schaub,H. &Zenke, K.G. (2000). Wörterbuch Pädagogik. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH &Co.KG.
3
1. Medien und Gewalt
Unbestritten kann gesagt werden, dass sich ein Wandel der Jugendphase in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat. Die Schwächung der Milieu- und Herkunftsbedingungen lösen Verbindlichkeitsangebote auf, einheitlich biographische Lebensläufe entsprechen nicht mehr unserer Zeit und der Jugendliche steht vor einer Vielzahl von Möglichkeiten, seinen Lebenslauf individuell und ohne Vorgaben zu gestalten.
Dies ermöglicht auf der einen Seite einen unendlichen Raum der Freiheit, auf der anderen Seite allerdings einen enorm großen Raum der Selbstverantwortlichkeit. Nach Dieter Baacke ist das Erwachsen-Werden kein Wert mehr für sich. Die Statusübergänge sind nicht mehr fest definiert und somit werden Möglichkeiten für emotionale Krisensituationen in den Übergängen frei. Für die Bewältigung dieser Krisensituationen existieren keine Verarbeitungsmuster, was die Handlungen beliebig werden lässt. Dieter Baacke definiert: „Die Zivilisation verliert an Verbindlichkeit. So wird Gewalt als Ausdruckscode im Handlungsrepertoire wiederentdeckt und ausprobiert - erlaubt sie doch direkte Reaktionen und überschaubare Operationen.“ 2 Direkte Reaktionen, die der Jugendliche eventuell benötigt, um in einer großen Welt der Selbstverantwortlichkeit zurechtzukommen.
Im folgenden soll der Zusammenhang von Medien und Gewalt dargestellt werden. Sind es die Medien, welche die Gewalt in unserer Gesellschaft erzeugen oder ist dies ein einfaches Erklärungsmodell, mit dem wir es uns heute leicht machen, um eine Schuldzuweisung zu treffen?
Vorweggenommen kann gesagt werden, dass der Einfluss der Medien auf Kinder und Jugendliche wahrscheinlich überschätzt wird, die Vielzahl der Gewaltakte im Fernsehen, Kino- oder Videofilm jedoch genügend Potential für Gewalthandlungen bieten und die Medienwahrnehmung von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Die These der Wirkungslosigkeit ist jedoch nicht länger haltbar. Es besteht Einigkeit darüber, dass Gewalt in den Medien negative Folgen für die Rezipienten haben kann. Allerdings müssen dafür bestimmte Randbedingungen vorliegen, da sich ein Zusammenhang zwischen medialer Gewalt und realem Aggressionsverhalten vermuten lässt.
1.1. Der Begriff der Gewalt
„In einer engen Definition lässt sich Gewalt verstehen als ein subjektiver Akt der bloßen physischen Beschädigung oder ein Angriff auf Leib und Leben (mit dem Töten als extremster Form), der eben diese Konsequenzen intendiert.“ 3
Mit der erweiterten Definition des Gewaltbegriffs nach J.G. Galtung lassen sich sechs Dimensionen der Gewalt unterscheiden: die Dimension physisch - psychisch, die negativepositive Einflussnahme, die Existenz eines Objekts - die Existenz eines Subjekts, die Dimension intendiert - nichtintendiert und die Dimension manifest - latent. Eine wichtige Bedeutung erhält hierbei die von J.G. Galtung eingeführte Unterscheidung zwischen der personalen und strukturellen Gewalt.
2 aus: Baacke, D. (1998). Strukturelle und inhaltliche Veränderungen der Jugendphase und Folgerungen für das Gewaltphänomen. In: Dichanz, H. (Hrsg.). Handbuch Medien: Medienforschung, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 121-128.
3 aus: Vollbrecht, R. (2001). Einführung in die Medienpädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 166f.
4
Abb. 1: Typologie der Gewalt nach Galtung (1975)³
In bezug auf die Mediendarstellung lässt sich der Gewaltbegriff nach Kepplinger/Dahlem wie folgt beschreiben: es wird unterschieden zwischen Gewaltdarstellungen im engeren Sinne und den Gewalt legitimierenden Darstellungen im weiteren Sinne; zusätzlich erfolgt eine Abgrenzung zwischen realen und fiktionalen sowie natürlichen und künstlichen Gewaltdarstellung. Der Schwerpunkt der Forschung und der daraus resultierenden Theorien liegt auf der natürlichen Darstellung fiktionaler Gewalt.
1.2. Thesen zur Wirkung medialer Gewalt
Im Folgenden werden die wichtigsten Thesen der Medien-Gewalt-Forschung kurz dargestellt, um einen Überblick zu verschaffen.
Die Katharsistheorie, die sich bis zu Zeiten Aristoteles zurückführen lässt, geht davon aus, dass, in Anlehnung an Freuds Triebtheorie, jeder Mensch mit einem Aggressionstrieb ausgestattet ist. Bei der Darstellung von medialer Gewalt sinkt die Bereitschaft des Rezipienten, selbst aggressive Handlungen auszuführen. Begründet wird dies durch eine Ventilfunktion, die den Aggressionstrieb bei der Teilnahme an der Gewaltdarstellung abfließen lässt. Die Katharsistheorie gilt als wiederlegt und ist nicht haltbar. Allerdings zeigte J. Grimm 1994 in einer Studie, dass Spielfilme kurzfristig dazu führen, angestaute Aggressionen abzubauen. Er wies dies anhand der Filme „Rambo“ und „Savage Street“ nach.
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Arbeit zitieren:
Claudia Rozumek, 2003, Medien und Gewalt - Vorbeugung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, München, GRIN Verlag GmbH
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