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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung - Das Alter und die alternde Gesellschaft 3
2. Lebenslanges Lernen - Erwachsenenbildung und Altenbildung. 5
3. Altenbildung und Altersbildung - Kompetenz und Kompensation. 7
4. Weiterbildungsmotive und Hemmfaktoren. 8
4.1 Einfluss des Alters und der individuellen Bildungsbiographie. 9
4.2 Soziale Integration und persönlicher Nutzen. 10
4.3 Alltagsstrukturierung und Sinngebung. 12
4.4 Anforderungen an den Altenbildner 13
5. Funktion der Altenbildung. 13
6. Kritische Betrachtung. 14
7. Altenbildung mit ausländischen Senioren / 15
Geschlechtsspezifische Altenbildung 15
8. Fazit. 17
Literaturverzeichnis 19
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1. Einführung - Das Alter und die alternde Gesellschaft
Nur widerwillig entwickelt die Öffentlichkeit ein Bewusstsein für den Themenkomplex der alternden Gesellschaft. Alter gilt als etwas Unvermeidliches, Unangenehmes und wird in den Medien bislang überwiegend in ökonomischen Kontexten thematisiert -Kollaps der Sozialsysteme, steigende Lebenserwartung bei fehlenden Pflegekapazitäten, Überalterung.
Kurz: Das Alter wird als Problem, wenn nicht gar als Bedrohung aufgefasst. Nach FAULSTICH/ZEUNER ist Alter dabei eine gesellschaftliche Konstruktion, die von abgrenzungswilligen Jüngeren als defizitäre Phase des gesellschaftlichen Rückzuges und physischer sowie psychischer Abbauprozesse definiert wird. 1 Daraus resultiert eine Geringschätzung des alten Menschen, die in zwei wissenschaftlichen Theorien ausformuliert wird. Im Defizitmodell wird ihm ein fortschreitendes Abnehmen der physischen und psychischen Fähigkeiten ab dem 30. (!) Lebensjahr attestiert 2 , die Disengagement-Theorie 3 unterstellt das gleichermaßen gesellschaftlich erwünschte wie auch natürliche Bedürfnis nach Rückzug und damit verbundene Untätigkeit. Trotz methodischer Fehler entsprechender Untersuchungen prägen beide Ansätze das vorherrschende Altersbild. 4
In der Konsequenz behandle die Leistungsgesellschaft die Alten „negierend bis gleichgültig” in einem Klima der Respektlosigkeit. 5 Die einst als Altersweisheit geschätzte „Kompetenz eines größeren Überblicks, einer abgeklärten Erfahrung [und] eines distanzierten Urteils” trete angesichts dieser Entwicklung in den Hintergrund. 6
1 Vgl. Faulstich, Peter und Zeuner, Christine: Erwachsenenbildung - Eine handlungsorientierte Einführung in Theorie, Didaktik und Adressaten. Juventa Verlag Weinheim und München, 1999, S. 125 2 CRÄMER beruft sich auf neuere Forschung, die ergäbe, dass sich einige “altersbeständige Fähigkeiten” sogar steigern, so z.B. Wissensumfang und Urteilsfähigkeit. Vgl. Crämer, Hermann: Probleme der Weiterbildung alter Menschen - andragogische Aspekte der Gerontologie. Pädagogische Hochschule Rheinland, Dissertation, Köln, 1977, S. 34
3 Grundlage für die Disengagement-Theorie bildet das Buch: Cumming, Elaine und Henry, William E. - Growing old - the process of disengagement”, New York, 1961
4 Vgl. Boeckh, Mechthild K. - Keine Zeit für Freizeit oder alle Zeit der Welt? Eine empirische Untersuchung zum Freizeit- und Weiterbildungsverhalten von Erwerbstätigen und Ruheständlern. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Dormagen, 1997, S. 24 5 Vgl. Crämer, Hermann: Probleme der Weiterbildung alter Menschen, S. 16
6 Geißler, Erich E. [Hrsg.]: Bildung für das Alter - Bildung im Alter. Expertisensammlung. Bouvier Verlag, Bonn, 1990, S. 24
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Dabei wird der Altersstatus unabhängig von der tatsächlichen Aktivität des alten Menschen pauschal nach der Pensionierung oder Verrentung zugewiesen und im Zuge dessen mit einer Nutzlosigkeit für die Gemeinschaft in Verbindung gebracht. Zurückzuführen ist dies noch auf die Anthropologie des Industriezeitalters, welche den Wert eines Menschen überwiegend an seiner Produktivität bemaß und so der „Entmündigung, Infantilisierung und passivierende[n] Betreuung” alter und besonders bereits hilfebedürftiger Menschen Vorschub leistete.
Durch diese oft unbewusste Unterdrückung seitens der Gesellschaft würden Altersprozesse beschleunigt und die Anpassung an Altersstereotype begünstigt. 7 Konkret formulieren VEELKEN/GÖSKEN, warum diese Attitüde nicht nur in ethischer Hinsicht fragwürdig ist: „Eine Gesellschaft, in der immer mehr Ältere ohne Erwerbsarbeit leben, wird es lernen müssen, von diesen Älteren neue Gesichtspunkte zu erhalten und sie nicht nur als lästige Randgruppe anzusehen.“ 8
Die demographischen Zahlen sprechen dagegen, dieser Tatsache mit Gleichgültigkeit begegnen zu können. Zukünftig wird die Herausforderung nicht nur darin bestehen, die Älteren überhaupt als Mehrheit der deutschen Bevölkerung wahrzunehmen, sondern ihnen die Möglichkeit zur Teilhabe am sozialen Leben - was Bildungsangebote einschließtzu bieten. Angesichts “knapper Kassen” scheint eine kritische Betrachtung der Altenbildung geboten, erfordert sie doch finanzielle und strukturelle Mittel, deren Verwendung mancher lieber in der Kinder- und Jugendförderung sähe.
Wie eingangs erwähnt ist die Geschichte der Altenbildung verhältnismäßig jung. Unter ihrem Banner sind Angebote vom Bastelkurs bis zum Seniorenstudium vereint, die in Anspruch und Zielsetzung unterschiedlicher kaum sein können. Diese Ausarbeitung soll daher weder eine Bestandsaufnahme verschiedener Unterrichtsformen und Institutionen sein, noch diese in ihren Eigenheiten bewerten.
7 Siehe Kühlmann, Michael: Altenbildung. Lernen zur Überwindung gesellschaftlicher Abhängigkeiten. In Reihe: Materialien der AG SPAK bei AG SPAK Publikationen., Bd. M 99. Impressum Verlag AG, München 1990. Zugleich.: Dissertation, Dortmund, Universität, 1990, S. 202
8 Veelken, Ludger: Geragogik/Sozialgeragogik - Eine Antwort auf neue Herausforderungen an gerontologische Bildungsarbeit, Kultur- und Freizeitarbeit. In: Veelken, Ludger, Gösken, Eva und Pfaff, Matthias (Hrsg.) -Gerontologische Bildungsarbeit: Neue Ansätze und Modelle. In Reihe: Dortmunder Beiträge zur angewandten Gerontologie, Bd. 2. Vincentz Verlag, Hannover 1994. S. 21
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Vielmehr soll dargestellt werden, inwiefern sich Altenbildung von klassischer Erwachsenenbildung abgrenzen lässt, wodurch die Annahme von Bildungsangeboten gefördert und behindert wird und was sie für ihre Adressaten und die Gesellschaft leisten kann.
2. Lebenslanges Lernen - Erwachsenenbildung und Altenbildung
Bereits in den 1960er Jahren erkannte die Bildungspolitik angesichts des rapiden gesellschaftlichen Wandels zum Ende des Industriezeitalters, dass sich die „Lernphase“ nicht auf das Schul- und Ausbildungssystem beschränken dürfe, „sondern als lebenslanger Prozess gedacht und konzeptioniert werden [müsse]“.
Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Bildungsinhalten sollte einerseits die Beschäftigungsfähigkeit und somit den ökonomischen Wohlstand fördern, andererseits aber auch der individuellen Persönlichkeitsentwicklung dienen. Diskutiert wurde vor allem die Schaffung von Rahmenbedingungen, die allen Menschen niedrigschwellige Lernangebote ermöglichen sollten. 9
Zunächst erschöpfte sich die Altenarbeit in organisatorischer Hilfe durch die Volkshochschulen, die Räume bereitstellten und Referenten verpflichteten - unter dem Paradigma der Betreuung und Unterhaltung. KOLLAND spricht hier von einem „vagen Bestätigungslernen”. 10 Erst durch die Forderung des Deutschen Bildungsrates nach zielgruppengerechten Programmen im Jahre 1970 wurde der Fokus auf Aktivierung und Eigenaktivität gelegt, um die Selbstständigkeit der Teilnehmer zu erhalten. 11
Die Notwendigkeit, sich auf eine veränderliche Umwelt einstellen zu können, ist heute noch offensichtlicher als damals. Nach ALHEIT gehöre das „konsistente Arbeitsleben“ endgültig der Vergangenheit an, Erwerbstätigkeit zeichne sich nun durch „den Wechsel
9 vgl. Herzberg, Heidrun (Hrsg.): Lebenslanges Lernen - Theoretische Perspektiven und empirische Befunde im Kontext der Erwachsenenbildung. Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main, 2008, S. 7
10 Kolland, Franz: Bildungschancen für ältere Menschen. Ansprüche an ein gelungenes Leben. In Reihe: Alterswissenschaft, Bd. 1. LIT Verlag, Wien 2005, S. 43
11 Kuypers, Harald W.: Grundsatzüberlegungen zu Seniorenprogrammen an Volkshochschulen. In: Geißler, Erich E. [Hrsg.]: Bildung für das Alter, S. 104
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von Arbeits- und Fortbildungsphasen, freiwillige und unfreiwillige Berufsabbrüche, innovative Strategien des career switching [und] selbst gewähltes Abwechseln von Berufs- und Familienphasen“ 12 aus. Um die Jahrtausendwende wurde dieser Wandel konkreter in einen Zusammenhang mit dem Terminus der Wissensgesellschaft gebracht, in der Bildung und Kompetenz als Ressource und vor allem Wettbewerbsfaktor gelten. Neben einer beruflichen Grundqualifikation sei es im Zuge dessen erforderlich, „durch Weiterbildung die Problemlösefähigkeit von Arbeitnehmern und die Kreativität der Menschen anzuregen“, 13 um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und sie ebenso unabhängiger von staatlicher Unterstützung zu machen. So sehr viele bildungspolitische Programme dabei auch den Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung betonen mögen, so wenig kann sich das Konzept des Lebenslangen Lernens von der Tatsache freisprechen, dass Bildung in ihm als ökonomischer Faktor begriffen wird.
Obwohl Menschen in der nachberuflichen Lebensphase auf den ersten Blick für die Wirtschaft keine Bedeutung zu haben scheinen, ergeben sich bei näherer Betrachtung interessante Perspektiven auf den Themenkomplex Altenbildung. So sprach GEIßLER 1990 von einem Boom der Altenbildung, deren Teilnehmer von pädagogischen Einrichtungen nur zu gerne als willkommenes Klientel angesprochen wurden, um drohende Einsparungen angesichts rückläufiger Zahlen an Kindern und Jugendlichen zu verhindern. 14 Wie das „Noch-Nicht” der Kindheit und Jugend pädagogische Intervention erfordere, so sei es das „Nicht-Mehr” des fortschreitenden Alters, das als Defizit kompensiert werden müsse. 15
Die entsprechende Zielgruppe wird mittlerweile mit den griffigen Namen 50plus oder Best Ager angesprochen.
12 Alheit, Peter: Lebenslanges Lernen und soziales Kapital. In: Herzberg, Heidrun (Hrsg.): Lebenslanges Lernen, 2008, S. 13
13 Rudolf Tippelt/Jutta Reich - Weiterbildung in Deutschland: Weiterbildungsinteressen, -verhalten und Milieuorientierung in einer pluralen Gesellschaft. In: Herzberg, Heidrun (Hrsg.): Lebenslanges Lernen, 2008, S. 31 14 Siehe auch Klingenberger, Hubert: Handbuch Altenpädagogik. Aufgaben und Handlungsfelder der ganzheitlichen Geragogik. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1996, S. 19 15 Vgl. Geißler, Erich E. [Hrsg.]: Bildung für das Alter, S. 13
Arbeit zitieren:
Mona Gerdau, 2009, Altenbildung zwischen Beschäftigungsmaßnahme und Lebenslangem Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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