Inhalt
Inhalt
1. Abstract 4
2. Einleitung 5
3. Methoden 6
3.1. Allgemeines methodisches Vorgehen 6
3.2. Literaturrecherche 6
3.3. Identifikation relevanter Indikationsgebiete 9
4. IST - Stands - Analyse der Konzeption von Train - the - Trainer - Seminaren 14
5. Bedeutung von Patientenschulung als Teil der medizinischen Therapie 21
6. Qualitätsanforderungen an Patientenschulungen aus verschiedenen Perspektiven 31
7. Stand der Forschung zu Train - the - Trainer - Seminaren 47
8. Patientenschulungen und Train - the - Trainer - Seminare in der Pneumologie am
Beispiel Asthma bronchiale 56
8.1. Patientenschulungsprogramme für Asthma bronchiale 63
8.2. Antizipation von Inhalten des Nationalen Ambulanten Schulungsprogramms für
erwachsenen Asthmatiker (NASA) 65
8.3. Antizipation von Inhalten des Train - the - Trainer - Seminars für das
Patientenschulungsprogramm NASA 76
9. Antizipation von Kompetenzen der Trainer und Inhalte von TTT - Seminaren 85
10. Zusammenfassung und Diskussion 101
11. Literaturverzeichnis 102
12. Abbildungsverzeichnis 113
13. Tabellenverzeichnis 116
14. Anhang 118
2
Inhalt
Anhang 1: IST - Stands - Analyse der Konzeption und der Inhalte von TTT -
Seminaren : Tabellen 119
Anhang 2: IST - Stands - Analyse der Konzeption und der Inhalte von TTT- Seminaren:
Benutzte Quellen 146
Anhang 3: Stand der Forschung: Tabellarische Zusammenfassung von Publikationen zu
TTT - Seminaren 161
15. Erklärung 167
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf die gleichzeitige Verwendung männlicher
und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleich-
wohl für beiderlei Geschlecht.
Es wird außerdem ausdrücklich darauf hingewiesen, dass im Rahmen dieser Arbeit immer
wieder Inhalte gegliedert werden, die im Sinne einer ganzheitlichen Sicht „eigentlich“
nicht zu trennen sind. Diese Separation dient einer besseren Übersicht und Strukturierung
der Thematik.
3
1. Abstract
1 Schulungsleiter = Personen, die Patientenschulungen durchführen (synonym in dieser Arbeit verwendet: Schulungsleiter, Schulende, Schuler)
4
2. Einleitung
Train-the-Trainer-Seminare (TTT-Seminare) werden als Maßnahme zur Qualitätssicherung von Patientenschulungen gefordert. Qualitätsanforderungen für Patientenschulungen wurden sowohl indikationsübergreifend als auch indikationsspezifisch von mehreren Fachgesellschaften formuliert. Begründete Qualitätsstandards für TTT - Semina-
reund Anforderungen an die Qualifikation der „Trainer“ 2 existieren derzeit noch nicht. Die Datenlage ist insgesamt noch sehr gering und über die erforderlichen Inhalte ist wenig bekannt.
Das ursprüngliche Ziel dieser Arbeit bestand darin, anhand ausgewählter Manuale deren ausgeschriebenen Lehrziele und Inhalte zu analysieren, zu vergleichen und nach didaktischen Gesichtspunkten zu bewerten. Die Recherche wurde dabei prinzipiell auf chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter beschränkt und aufgrund fehlender Manuale zunehmend auf mehrere Indikationsgebiete ausgedehnt und in einem prozess-haften Geschehen den Ergebnissen immer wieder neu angepasst.
Als Resultat dieser Arbeit werden anhand von Kriterien aus der wissenschaftlichen Literatur, eigenem Expertenwissen und als Ergebnis der durchgeführten IST-Stands-Analyse Empfehlungen für Inhalte von TTT-Seminaren und Anforderungen an die Kompetenzen von Trainern formuliert, sowie Qualitätskriterien zur Weiterentwicklung von TTT-Seminaren vorgeschlagen.
2 Trainer = Personen, die TTT-Seminare durchführen (synonym in dieser Arbeit verwendet: Seminarleiter)
5
3. Methoden
3.1. Allgemeines methodisches Vorgehen
Um TTT - Seminare von Patientenschulungen für chronische Krankheiten identifizieren zu können, wurde die Recherche in einem mehrstufigen Prozess durchgeführt. Für eine erste Orientierung wurden die im Dezember 2009 und Januar 2010 veröffentlichten Patientenschulungsprogramme und TTT - Seminare der Datenbank des „Zentrums Patientenschulung“ in Würzburg gesichtet und nach Zielgruppen in Erwachsene und Kinder/Jugendliche sortiert (vgl. Zentrum Patientenschulung Würzburg). Diese Angaben wurden durch statistische Daten ergänzt, um medizinische und sozioökonomische Perspektiven mit einbeziehen zu können. Als Gesamtergebnis der einführenden Recherche wurden folgende sieben Indikationsgebiete für eine systematische Literaturanalyse ausgewählt, deren wesentlichen Aspekte unter dem Punkt „Identifikation relevanter Indikationsgebiete“ auf Seite 9 ausführlicher beschrieben sind:
Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems Krankheiten der Atemorgane Stoffwechselkrankheiten Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems Neurologische Krankheiten Gastroenterologische Krankheiten Tumorerkrankungen
3.2. Literaturrecherche
Nach Festlegung der Indikationsgebiete wurde für die IST - Stands - Analyse (vgl. Kapitel 4) mit untenstehenden Schlüsselwörtern gezielt in den gängigen Datenbanken der Medizin, Psychologie und Pädagogik gesucht und durch Angaben von Homepages verschiedener Fachgesellschaften ergänzt. Die Schlüsselwörter wurden über alle Quellen hinweg und für die gesamte Recherche verwendet.
6
Schlüsselwörter
Für die Literaturrecherche wurden folgende Schlüsselwörtern verwendet, die bei der konkreten Suche gezielt miteinander kombiniert wurden:
Datenbanken der Medizin, Psychologie und Pädagogik
Für die Recherche wurden folgende Datenbanken benutzt:
Cochrane Library FIS Bildung Literaturdatenbank Medline PsycINFO PSYNDEX PubMed WISO
Fachgesellschaften
Ergänzend wurde auf den Homepages von folgenden Fachgesellschaften nach weiterführenden Informationen und Hinweisen nach veröffentlichten Schulungsprogrammen gesucht:
Arbeitsgemeinschaft diabetologisch tätiger Ärzte e.V. (AND) Bundesverband der Pneumologen (BdP) Deutsche Atemwegsliga e.V. Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE e.V.) Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)
7
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz - Kreislauferkrankungen (DGPR)
Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs) Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) Deutsche Rheuma Liga Bundesverband e.V. Fachgruppe Gesundheitspsychologie der DGPs
Fachzeitschriften
Als Teilergebnis der Recherche wurden folgende Fachzeitschriften als inhaltsrelevant identifiziert und daraufhin gezielt nach Artikeln zu den Themen „Patientenschulung“ und „TTT-Seminare“ durchsucht:
Der Diabetologe Diabetologie und Stoffwechsel Die Rehabilitation Pneumologie
Prävention und Gesundheitspsychologie Prävention und Rehabilitation Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin Zeitschrift für Gesundheitspsychologie Zeitschrift für Rheumatologie
Sonstiges
Zur Ergänzung statistischer Daten und zur Bestandsaufnahme aktueller Patientenschulungsprogramme wurde zusätzlich in folgenden Internetportalen recherchiert:
Bundesversicherungsamt (BVA) Deutscher Ärzteverlag GmbH Deutsche Berichterstattung des Bundes (DBE)
FIDAM - Forschungsinstitut der Diabetes - Akademie Mergentheim der Diabetes-Akademie Mergentheim
Kassenärztliche Vereinigung Baden - Württemberg (KVBW) Kirchheim Verlag Mainz Robert-Koch-Institut Statistisches Bundesamt
Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutsch-land (ZI)
Zentrum Patientenschulung Würzburg
8
3.3. Identifikation relevanter Indikationsgebiete
Um zu Beginn der vorliegenden Arbeit einen Überblick über die häufigsten chronischen Erkrankungen im Erwachsenenalter zu bekommen, wurden zunächst sozioökonomische Daten des Statistischen Bundesamtes, des Robert - Koch - Institutes, verschiedener Krankenkassen und des Bundesversicherungsamtes in Bonn herangezogen. Das Bundesversicherungs-amt (BVA) ist seit der Einführung der sog. „Disease-Management- Programme(DMP) 3 “ im Jahr 2003 für die Akkreditierung von Patientenschulungsprogrammen im ambulanten Bereich zuständig. Die ermittelten Angaben wurden durch epidemiologische Fakten aus der Medizin ergänzt. Wichtig für die abschließende Auswahl der Indikationsgebiete waren zusätzlich folgende selbstgesetzte Kriterien:
Liegt im Krankheitsverlauf eine erhöhte Morbidität und/oder Mortalität vor, die durch eine aktive Beteiligung der Erkrankten verzögert oder verhindert werden kann?
Ist eine Einflussnahme der Erkrankten auf den Verlauf, die Prognose und/oder die Lebensqualität durch eigenverantwortliches Handeln möglich?
Ist das Krankheitsbild so häufig, dass von dem Vorliegen eines Patientenschulungsprogramms ausgegangen werden kann und weiterführend die Notwendigkeit und Existenz eines TTT-Seminars abgeleitet werden kann?
Als Gesamtergebnis wurden sieben relevante Indikationsgebiete ausgewählt, die im Folgenden anhand zentraler Aspekte vorgestellt und beschrieben werden. Aufgrund der Komplexität wurde die Darstellung in der Regel auf ein Erkrankungsbild innerhalb des Fachgebietes beschränkt.
Krankheiten des Atmungssystems am Beispiel „Asthma bronchiale“ „Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Bronchialschleimhaut und geht mit einer Überempfindlichkeit der Atemwege einher“ (vgl. Petermann & De Vries, 2006, S. 254). Die Erkrankung verläuft progredient und ist von einem unvorhersehbaren Verlauf gekennzeichnet. Asthma bronchiale ist nach Petermann & de Vries (2006, S.254) mit einer Prävalenz von 9-14% der kindlichen und 4-5% der erwachsenen Bevölkerung eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Die Prognose kann durch eine konsequente, langfristig durchgeführte medikamentöse Therapie und
3 Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den „Disease Management Programmen“ erfolgt in Kapitel 6
9
einem adäquat durchgeführten Selbstmanagement durch die Erkrankten deutlich verbessert werden. In ca. 20% der Fälle kann nach Herold (2009, S. 346) Beschwerdefreiheit und in ca. 40% eine Besserung erreicht werden. Trotz der Fortschritte in der Medizin, der potentiellen Effektivität und Effizienz von Patientenschulungsmaßnahmen ist die Versorgungpraxis defizitär. Deutschland zählt noch immer zu den Ländern mit der höchsten Mortalitätsrate bei Asthma bronchiale (Herold, 2009, S.346).
Krankheiten des Herz - Kreislaufsystems am Beispiel „Koronare Herzkrankheit“ Unter Koronarer Herzkrankheit oder „Chronisch ischämische Herzkrankheit“ wird die Manifestation der Arteriosklerose in den Herzkranzarterien verstanden. Sie gilt mit ihren Manifestationen, wie z.B. Herzinfarkt, in den westlichen Industrienationen als Haupttodesursache „Nummer 1“. Die Lebenszeitprävalenz in Deutschland beträgt für Männer 30%, für Frauen 15%; die Inzidenz steigt mit dem Lebensalter an (vgl. Bundesberichterstattung des Bundes 2002/2003). Als Hauptrisikofaktoren für die frühzeitige Entwicklung einer Arteriosklerose werden Zigarettenrauchen, arterielle Hypertonie, ungünstiges Lipidprofil (LDL - Erhöhung, HDL - Erniedrigung), Diabetes mellitus, Lebensalter (Männer > 45 Jahre, Frauen > 55 Jahre) und genetische Prädisposition genannt (Herold, 2009, S.219). Aufgrund epidemiologischer Entwicklungen wird eine Zunahme der Bedeutung und Relevanz erwartet (Maaz et al., 2007, S.18). In der folgenden Abbildung sind die zehn häufigsten Todesursachen für die Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2007 dargestellt:
Abbildung 2: Darstellung der zehn häufigsten Todesursachen 2007 nach Geschlecht. (vgl. Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2009, S. 253)
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Stoffwechselkrankheiten am Beispiel „Diabetes mellitus Typ 2“
Der Erkrankung Diabetes mellitus Typ 2, als weitere klassische lebensstil - und altersabhängige Erkrankung (Herold, 2009, S. 672-674), wurde im Jahr 2006 aufgrund der weltweiten, epidemieartigen Ausbreitung durch die Vereinten Nationen als erster, nichtinfektiösen Krankheit der Status einer Epidemie zugesprochen (Kulzer et al., 2008a, S. 266). Aus vielen Studien und historischen Verläufen ist bekannt, dass die Prävalenz von Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 mit dem Ausmaß der Überernährung steigt. Durch die Zunahme von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verschiebt sich das Manifestationsalter zunehmend nach vorne. So sind bereits 4% der jugendlichen Adipösen in den USA an einem Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt (Herold, 2009, S.672). Auch in Deutschland wird neben einer generellen Ausbreitung der Erkrankung von einer kontinuierlichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im jüngeren und mittleren Lebensalter ausgegangen (Kulzer et al., 2008a, S. 266).
Krankheiten des Muskel - Skelett- Systems am Beispiel „Rheumatoide Arthritis“ Bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises handelt es sich um Autoimmunerkrankungen mit meist unbekannter Ätiologie. Die Prävalenz im Erwachsenenalter liegt bei 1% und steigt ab einem Lebensalter von 55 Jahren auf 2% an. Die Erkrankung ist bei circa 70 % der Betroffenen durch einen schubweisen und bedrohlichen Verlauf gekennzeichnet. Die rheumatoide Arthritis gehört mit zu den häufigsten Ursachen für Hilfe - und Pflegeabhängigkeit in der deutschen Bevölkerung. Nach 20 Jahren Krankheitsdauer sind bis zu 50 % der Betroffenen erwerbsunfähig, die Lebenserwartung ist im Durchschnitt um 7 Jahre vermindert (Herold, 2009, S.626). Herold betont ausdrücklich die Bedeutsamkeit und Notwendigkeit einer krankheitsmodifizierenden Therapie innerhalb von 3 Monaten nach gesicherter Diagnosestellung (Herold, 2009, S. 622).
Aufgrund der Chronizität, dem oft progredient verlaufendem Krankheitsgeschehen und der Einflussnahme des Patienten am eigenen Krankheitsverlauf ist Patientenschulung neben einer medikamentösen Therapie, einer individuellen ärztlichen Betreuung und physikalisch therapeutischen Maßnahmen wesentlicher Baustein einer adäquaten, umfassenden Therapie (Ehlebracht - König, 2003a, S.6).
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Neurologische Krankheiten am Beispiel „Epilepsie“
Epilepsie beruht neben einer genetischen Prädisposition für eine erhöhte Anfallsbereitschaft auf einer Störung des Gehirns. Die geschätzte Prävalenz von Epilepsie liegt in Deutschland bei 0,5 - 1%. Nach Angaben des „Informationszentrums Epilepsie“ der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie e.V. (vgl. Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V., Informationszentrum Epilepsie) wird außerdem davon ausgegangen, dass ca. 5% der deutschen Bevölkerung einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall erleiden, ohne jedoch eine manifeste Epilepsie zu entwickeln. Epilepsie ist heute immer noch eine Erkrankung, die mit Unsicherheit, Ängsten und Vorurteilen besetzt ist. Patientenschulung spielt eine wesentliche Rolle bei der aktiven Krankheitsbewältigung und ermöglicht eine offene Auseinandersetzung mit der Erkrankung im geschützten Rahmen einer Gruppe. Der Erwerb von Wissen über Behandlung und Prognose, aber auch von Selbstmanagement - Strategienist für eine aktive Mitgestaltung der Behandlung wesentlich. Neben einer Steigerung der Lebensqualität soll schulungsübergreifend eine bessere Integration in die Gesellschaft und ein offener Umgang mit der Erkrankung ermöglicht werden (vgl. Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V.).
Gastroenterologische Krankheiten am Beispiel „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen“
Die Ätiologie von „Morbus Crohn“ und „Colitis ulcerosa“ ist unbekannt, eine familiäre Häufung wird beobachtet (Herold, 2009, S. 450). Der progrediente Verlauf mit kolikartigen abdominellen Beschwerden, wiederkehrenden und belastenden Untersuchungen sowie Operationen und Einschränkungen in der Lebensmittelauswahl, können die Lebensqualität der Betroffenen im Alltag sehr einschränken. Im Rahmen einer Patientenschulung ist neben einer intensiven und stark individualisierten Beratung der Aspekt der Krankheitsbewältigung sicher zentral.
Tumorerkrankungen
„Unter Krebs werden alle bösartigen Neubildungen einschließlich der Lymphome und Leukämien verstanden“ (Krebs in Deutschland, 2005/2006, S. 19). Die Prävalenz und Inzidenz steigt seit Jahren kontinuierlich an. Als Ursache dafür werden neben einem generellen Anstieg an Neuerkrankungen auch verbesserte Überlebenschancen der Erkrankten, durch Fortschritte in der Medizin, genannt. Ein weiterer Grund wird in der
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demografischen Veränderung der Altersstruktur gesehen, da das Risiko, an Krebs zu erkranken, mit zunehmendem Alter steigt. Die Ätiologie ist nicht für alle Krebsarten bekannt. Als bedeutsame Risikofaktoren werden in der Literatur Umweltfaktoren, Zigarettenrauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel genannt (Krebs in Deutschland, 2005/2006, S. 19). Patientenschulungen spielen im Rahmen der Krankheitsbewältigung, der körperlichen (Re-) Aktivierung und der Suche nach persönlichen Ressourcen eine wichtige Rolle.
Nach Festlegung auf die sieben beschriebenen Indikationsgebiete wurde die Bestandsaufnahme im Hinblick auf vorhandene Patientenschulungsprogramme und deren TTT-Seminare durchgeführt. Das weitere Procedere und die abschließenden Ergebnisse der IST-Stands-Analyse werden im nächsten Kapitel beschrieben.
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4. IST - Stands - Analyse der Konzeption von Train - the - Trainer - Seminaren
1. Arbeitsschritt: Bestandsaufnahme von Patientenschulungsprogrammen In einem ersten Arbeitsschritt wurde für eine Bestandsaufnahme von Patientenschulungsprogrammen eine systematische Literatur - und Datenbankrecherche in den oben genannten Quellen durchgeführt. Diese erstreckte sich auf den Zeitraum Dezember 2009 bis Ende April 2010. Als Ergebnis wurden 49 Patientenschulungsprogramme für Erwachsene zu den genannten Indikationsgebieten identifiziert.
2. Arbeitsschritt: Bestandsaufnahme von Train - the - Trainer - Seminaren Die Bewertung dieser 49 Patientenschulungsprogramme erfolgte in einem zweistufigen Verfahren. Zuerst wurde das grundsätzliche Vorhandensein eines programmspezifischen TTT-Seminars überprüft. Für 26 der 49 Schulungsprogramme wurden TTT-Seminare angeboten. Als zweiter Schritt war eine Analyse und Bewertung der identifizierten TTT-Seminare geplant. Als Mindeststandard dafür wurde das Vorliegen eines strukturierten Manuals für den Trainer des TTT-Seminars festgelegt. Trotz vielfältiger Strategien (Internetrecherche, persönliche und schriftliche Kontaktaufnahme mit den Autoren oder Anbietern) war es im vorgegebenen Zeitraum nicht möglich, ein einziges Manual zur Ansicht zu erhalten.
In der folgenden Grafik sind die Ergebnisse der ersten zwei Arbeitsschritte dargestellt:
Abbildung 3: Bestandsaufnahme von Patientenschulungsprogrammen für chronische Erkrankungen anhand ausgewählter Krankheitsbilder und deren Manuale
14
3. Arbeitsschritt: Inhaltsanalyse ausgewählter Train - the - Trainer - Seminare Als Konsequenz darauf wurde für den dritten Schritt eine Inhaltsanalyse auf anderem Wege angestrebt. Die Datengewinnung erfolgte aus mehreren Quellen. Die meisten Informationen wurden der Datenbank des Zentrums Patientenschulung (vgl. Zentrum Patientenschulung Würzburg) entnommen, die zunächst auf ihre Aktualität hin überprüft und teilweise korrigiert wurden. Diese Angaben wurden durch weitere öffentlich zugängliche Informationen (wie z.B. Anmeldeformulare, Werbeflyer, Homepages der Anbieter) ergänzt. Bei unvollständigen Angaben erfolgte eine Kontaktierung der Anbieter per Telefon oder per Mail. Die Angaben blieben trotzdem lückenhaft. Für 12 der 26 TTT-Seminare konnten die Inhalte nicht ermittelt werden. Dadurch beschränkte sich die Inhaltsanalyse auf die verbleibenden 14 Seminare, deren ermittelten Angaben, unter Differenzierung der Ebe-
nen Kognition, Handeln und Emotion, in der folgenden Tabelle zusammengefasst sind 4 :
Tabelle 1: Zusammenfassung der Inhaltsanalyse ausgewählter TTT-Seminare (n = 14)
4 Für die Darstellung der Inhalte wurden Oberbegriffe gewählt. Die verwendeten Begriffe der Anbieter waren teilweise unscharf formuliert. Da dies eine korrekte Einschätzung der tatsächlichen Lehr- und Lerninhalte erschwerte, können die
Angaben der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nur als Tendenz gewertet werden.
5 Produkttraining: Üben der Handhabung eines Gerätes zur Selbstkontrolle eines somatischen Parameters derjenigen Pharmafirma, die auch das TTT-Seminar auch organisiert (vgl. Schulungsprogramm „SPOG“ im Anhang 1)
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Eine detaillierte Beschreibung der ermittelten Informationen, vor allem bezüglich Inhalte und Durchführung der TTT-Seminare, wurde tabellarisch erstellt und befindet sich im
Anhang 6 .
Ergebnisse
Im Zeitraum Dezember 2009 bis April 2010 wurden 49 Patientenschulungsprogramme für die Indikationsgebiete Asthma bronchiale, Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Herz - Kreislauferkrankungen, Endokrinologie und Stoffwechsel, Rheumatologie, Neurologie, Gastroenterologie und Onkologie für Erwachsene identifiziert. Für 26 Patientenschulungsprogramme wurden TTT-Seminare angeboten. Von diesen waren für 14 Seminare die ausgeschrieben Inhalte transparent. Als zentrale Ergebnisse der IST-Stands-Analyse können folgende Punkte festgehalten werden:
Abbildung 4: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse der IST - Stands - Analyse
Große Heterogenität
Es existiert eine Vielzahl von höchst heterogenen TTT-Seminaren für unterschiedliche Indikationsbereiche, die sich hinsichtlich zentraler Aspekte sehr unterscheiden. Die Varianz der Anbieter, der Dauer und Zugangsvoraussetzungen sowie der Zertifizierungsmöglichkeiten sind groß und werden im Folgenden stichpunktartig zusammengefasst:
Anbieter: Fachgesellschaften, Fachkliniken, Forschungsinstitute, Kostenträger
Dauer: 0,5 - 4 Tage
6 Vgl. Anhang 1 und 2: Tabellarische Zusammenstellung der recherchierten Inhalte und Daten aller Patientenschulungsprogramme und deren TTT-Seminare
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Voraussetzungen für die Teilnehmer:
Zertifizierungsmöglichkeiten:
Mangelnde Transparenz bezüglich Ziele, Inhalte, Methoden und Kosten TTT - Seminare werden oft von den Entwicklern selbst angeboten und sind in Zielen, Inhalten, Methoden und Kosten wenig transparent und teilweise schwer durchschaubar. Die Kosten sind für manche Angebote nicht ersichtlich und variieren für die restlichen Angebote sehr (bis 800.-€ für 4 Tage). Aufgrund der ungenauen Angaben und der sehr aufwendigen Recherchearbeit wurde auf eine weitere Analyse der verwendeten Methoden für alle 14 TTT-Seminare verzichtet. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem
TTT-Seminar „NASA 7 “ für das Krankheitsbild Asthma bronchiale erfolgt in Kapitel 8.
Defizitäre Manualisierung, Standardisierung und Evaluierung
Die im Moment angebotenen TTT-Seminare sind weder standardisiert noch manualisiert. Damit fehlt die wesentliche Grundlage für eine Überprüfung der Qualität. Dies spiegelt sich auch in der sehr geringen Anzahl bisher durchgeführter Evaluationsstudien wieder. Im Rahmen der Recherche wurden lediglich sechs Publikationen zu TTT - Seminaren gefunden, auf die im Kapitel 7 (vgl. Tabelle 5) und im Kapitel 8 (vgl. 8.3.) noch näher eingegangen wird. Drei dieser TTT-Seminare fanden im Rahmen von Forschungsprojekten statt. Die vierte Publikation beschreibt die berufsbegleitende Ausbildung zur Diabetesberaterin DDG und kann nach eigenem Empfinden nur im weitesten Sinne zu den TTT-Seminaren, so wie sie im Rahmen dieser Arbeit behandelt werden, hinzugerechnet
7 NASA = Nationales Ambulantes Schulungsprogramm für erwachsene Asthmatiker
17
werden. Somit kann von einem flächendeckenden Angebot qualitätsgesicherter, standardisierter und manualisierter TTT-Seminare für die „normale Versorgungspraxis“ nicht aus- gegangenwerden.
Fehlende Qualitätsstandards
TTT- Seminare werden in der wissenschaftlichen Literatur von vielen Autoren und Fachgesellschaften zur Qualitätssicherung von Patientenschulungen gefordert. Qualitäts-standards oder Empfehlungen zur Qualitätssicherung von TTT-Seminaren wurden im Rahmen dieser Arbeit nicht gefunden. Qualifikationen in Form von Zertifizierungen unterliegen keinen überprüfbaren Kriterien und scheinen von den Anbietern selbst gewählt. Der Nutzen potentiell zu erwerbender Zertifikate war nicht immer klar. Zertifizierungen, die über das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland erworben werden können, berechtigen den niedergelassenen Kassenarzt zur Abrechnung ambulanter Schulungsmaßnahmen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Regelungen innerhalb der einzelnen Bundesländer können hierbei jedoch variieren. Andere Zertifizierungen eröffnen Abrechnungsmöglichkeiten mit verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen, wenn zusätzlich bestimmte berufliche Qualifikationen nachgewiesen werden können. Offizielle Regelungen mit den privaten Krankenkassen existieren nach eigener Recherche nicht, sondern müssen im Einzelfall entschieden werden. Andere Zertifikate wurden im Rahmen von Forschungsprojekten vergeben, die für eine Kostenabrechnung mit den Krankenkassen nicht geeignet sind und eher als Fortbildungsnachweis für die Teilnehmer zu werten sind. Eine Orientierung der Inhalte an Quali-tätsanforderungen von Fachgesellschaften für Patientenschulungen waren für die Indikationsgebiete Rheumatologie, Diabetologie und Pneumologie erkennbar. Im Bereich Epilepsie wurden zwar keine offiziellen Qualitäts-standards gefunden, dafür aber ein sehr detail-
liert ausgearbeitetes TTT-Seminar für das Schulungsprogramm „MOSES 8 “. Qualitätsstandards zur Durchführung von Patientenschulungen in der medizinischen Reha- bilitationsind im sog. „Klassifikationssystem therapeutischer Leistungen“ der Deutschen Rentenversicherung Bund (vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund, KTL 2007) verankert. Darin wird die Ausbildung der Schulungsleiter in Moderation und Gruppenleitung (vgl. Kapitel 6, Tabelle 3) ausdrücklich gefordert. Zur Umsetzung dieser Forderung werden von der Deutschen Rentenversicherung Bund zwei Möglichkeiten angeboten. Zum einen wird
8 MOSES = Modulares Schulungsprogramm Epilepsie
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für alle indikationsspezifischen Curricula des sog. „Gesundheitstrainingsprogramms“ der Deutschen Rentenversicherung Bund auf die online verfügbare „Rahmenkonzeption“ (vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund, 2005b, Rahmenkonzeption) verwiesen, die u.a. Anregungen zur didaktischen Gestaltung von Patientenschulungsmaßnahmen enthält. Zum anderen wird einmal pro Jahr ein TTT - Seminar (für ca. 15 Teilnehmer) mit dem Titel: „Train-the-Trainer (TTT): Patientenschulung und Gesundheitstraining in der medizinischen Rehabilitation“ (vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund, 2010) für Mitarbeiter und „Interessierte“ angeboten. Diese Form der Qualifizierung von Schulungsleitern wird sicher weder dem Bedarf noch den Erkenntnissen der Lehr - Lern - Forschung mit der Forderung nach z.B. einem hohen Anteil an übenden Elementen, gerecht.
Schwerpunkt in Vermittlung von Krankheits- und Behandlungswissen In allen 14 TTT - Seminaren wurde als einzige Gemeinsamkeit Krankheit- und Behandlungswissen auf der kognitiven Ebene vermittelt. Aspekte zur Organisation von Patientenschulungen scheinen ein weiterer Schwerpunkt dieser TTT-Seminare zu sein. Theoretisches Grundlagenwissen in den Bereichen Pädagogik und Psychologie wurde in der Hälfte aller Veranstaltungen vermittelt. Genauere Aussagen können an dieser Stelle nicht gemacht werden, da aufgrund der oft unscharfen Formulierungen keine klaren und allgemein gültigen Aussagen möglich sind.
Mangelnde Vernetzung der drei Ebenen Kognition, Handeln und Emotion Lehrziele und Lerninhalte waren, wie eben erwähnt, nicht immer eindeutig tituliert und erkennbar. Somit kann zum einen die didaktische und methodische Umsetzung der Lehrziele nur tendenziös beurteilt werden, zum anderen ist die mangelnde Transparenz der Inhalte zu bemängeln. Prinzipiell erscheint aber der vorgegebene Zeitrahmen für das Erlernen und Einüben von Techniken zur Gesprächsführung und zum Erwerb von Methodenkompetenz bei allen Angeboten zu eng gesteckt. Als zentrales Ergebnis der durchgeführten Inhaltsanalyse kann gefolgert werden, dass der kognitive Aspekt der Wissensvermittlung selbst in den TTT-Seminaren, die Elemente zur Didaktik und Kommunikation enthalten, noch überwiegt. Rhetorik, Didaktik, Methodentraining, Gesprächsführung und Elemente zur Selbsterfahrung werden im Durchschnitt zu wenig integriert und beachtet. Der Einbezug und die Vernetzung aller Sinnesmodalitäten muss für einen effektiveren Lernprozess in künftigen Konzeptionen stärker beachtet werden.
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Schlussfolgerungen für die weitere Vorgehensweise
Da aufgrund fehlender Manuale ein Vergleich oder eine nähere Analyse ausgewählter Konzeptionen bezüglich Lehrziele und Inhalte nicht möglich war, wurde als Konsequenz darauf eine Änderung in der weiteren Vorgehensweise dieser Arbeit vorgenommen. Um relevante Inhalte für TTT - Seminare und Anforderungen an die Kompetenzen von Trainern formulieren zu können, war zunächst eine umfassendere Auseinandersetzung mit An-forderungen an Patientenschulungen für chronische Erkrankungen aus verschiedenen Sichtweisen nötig (vgl. Kapitel 5 und Kapitel 6). Im Anschluss daran wurden relevante Aussagen aus der wissenschaftlichen Literatur zu TTT - Seminaren zusammengetragen (vgl. Kapitel 7). Anhand des Krankheitsbildes Asthma bronchiale erfolgte eine intensivere Auseinandersetzung mit dem derzeit am häufigsten in der Praxis angewandten Schulungsprogramm NASA und den dazu angebotenen TTT - Seminaren (vgl. Kapitel 8). Als Gesamtergebnis der durchgeführten IST - Stands - Analyse und nach der Sichtung der wissenschaftlichen Literatur wurden relevante Inhalte für TTT - Seminare deutlich, An-forderungen an die Kompetenzen von Trainern abgeleitet und Qualitätskriterien für eine Weiterentwicklung von TTT - Seminaren herausgearbeitet (vgl. Kapitel 9).
In den folgenden zwei Kapiteln werden zunächst indikationsübergreifende Hintergrund-informationen für die Praxis von Patientenschulungen für chronische Erkrankungen aus der Literatur beschrieben.
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5. Bedeutung von Patientenschulung als Teil der medizinischen Therapie
Hintergrund und Relevanz
Patientenschulungen für chronische Erkrankungen werden als fester Bestandteil der medizinischen Therapie über alle Indikationsgebiete hinweg beschrieben. Chronische Erkrankungen sind dynamische Erkrankungen, die eine lebenslange Auseinandersetzung und Anpassungsleistung der Erkrankten an den jeweils aktuellen Krankheitsverlauf erfordern (Faller, 2001). Eine Heilung ist in der Regel nicht möglich, sodass die Erkrankung als ein Teil des Lebens akzeptiert, bestmöglich in den individuellen Alltag und in das persönliche Lebenskonzept integriert werden muss. Das folgende Kapitel beschreibt zunächst indikationsübergreifend wesentliche Hintergründe, Ziele und Inhalte von Patientenschulungen. Im weiteren Verlauf werden Aspekte zur Effektivität und Effizienz von Patientenschulungen und vorhandene Defizite aus der Literatur beschrieben. Um die Komplexität und die multidimensionalen Anforderungen an Patientenschulungen und deren „Akteure“ zu verdeutlichen, werden am Ende dieses Kapitels unterschiedliche Perspektiven der „Beziehungskiste Patientenschulung“ aus eigener Sicht zusammengefasst.
Begriffsdefinitionen
Die Entwicklung von Patientenschulung in den letzten 20 Jahren ist vor dem Hintergrund der neuen Definition von Gesundheit durch die World Health Organisation (WHO) zu sehen. In der sog. „Ottawa - Charta“ (WHO, 1986) wurde Gesundheit als ausdrücklich positiver Zustand hervorgehoben und damit ein neues Verständnis von Gesundheit und Krankheit eingeleitet (Pimmer & Buschmann - Steinhage, 2008). Der Begriff „Gesundheitsförderung“ wurde dabei als Oberbegriff für sämtliche Maßnahmen der Gesundheitsprävention über folgende Zielsetzung formuliert:
"Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Gesundheitsförderung zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden hin“ (WHO, 1986).
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Innerhalb der Gesundheitsförderung sind verschiedene Begrifflichkeiten angesiedelt, die nicht immer klar voneinander abgegrenzt, verwendet werden. Gesundheitsbildung beinhaltet alle Maßnahmen zur Gesundheitsaufklärung, Gesundheitsberatung, Gesundheitstraining und Patientenschulung. Zur besseren Übersicht wurden die verschiedenen Begriffe und Maßnahmen von Gesundheitsförderung in einer Grafik zusammengefasst:
Abbildung 5: Begriffliche Einordnung der Patientenschulung in verschiedene Maßnahmen der Gesundheitsförderung (vgl. Reusch et al., 2004, S. 8)
Auch der Begriff „Patientenschulung“ wird nicht einheitlich verwendet. Er bezieht sich in der Regel auf Maßnahmen der Sekundär - bzw. Tertiärprävention für Menschen mit bereits bestehenden, meist chronischen Erkrankungen (Petermann, 1997). In dieser Arbeit wird die Definition von Mühlig (2001) als Grundlage genommen. Danach ist Patientenschulung „ … eine systematische Informationsvermittlung mit definierten Zielen, spezifischen Inhalten und standardisierten Methoden, die eine Veränderung im Wissen, der Einstellung und im Verhalten von Patienten erzielen und ihren eigenver-antwortlichen Umgang mit der Erkrankung stärken soll“
(Mühlig, 2001, S. 115, zitiert nach Mühlig, Schultz, de Vries & Petermann, 2000).
Ziele
Ziele für Patientenschulungen fallen je nach Sichtweise und wissenschaftlicher Disziplin sehr unterschiedlich aus.
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Petermann (1997) hat die globalen Ziele von Patientenschulung in der folgenden Grafik vereinfacht dargestellt:
Abbildung 6: Globale Ziele von Patientenschulung
(vgl. Petermann, 1997, S.6)
Demnach soll Patientenschulung die aktive Mitarbeit der Patienten bei der Behandlung ihrer Erkrankung verbessern, zu einer Erhöhung der Lebensqualität führen und zu einer Reduzierung sozioökonomischer Kosten im Gesundheitswesen beitragen. Die Ziele strukturierter Patientenschulungen auf Patientenebene werden von Faller (2001) folgendermaßen beschrieben:
Patientenschulung "… hat das Ziel, die Mitarbeit (Compliance) der Betroffenen bei der medizinischen Behandlung zu verbessern und ihre Fähigkeit zum selbstverantwortlichen Umgang mit ihrer Erkrankung (Selbstmanagement) in Kooperation mit professioneller Hilfe zu stärken. Der Patient soll durch den Erwerb von Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen in die Lage versetzt werden, informierte Entscheidungen bezüglich seiner Lebensführung (Empowerment) …" zu treffen (Faller, 2001, S.97).
Inhalt
Zur Erreichung dieser Ziele enthalten Schulungsprogramme in der Regel folgende Komponenten (modifiziert nach Faller, 2001, S.99):
Information über Krankheit und Behandlung
Training von Fertigkeiten zur Selbstdiagnostik und Selbstbehandlung Maßnahmen zur Motivierung, Risikofaktoren zu vermindern und einen gesundheitsförderlichen Lebensstil anzunehmen
Verbesserung von Copingfertigkeiten und Stressbewältigung Psychologische Unterstützung zum Abbau von Angst und Depression
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Die beschriebenen Komponenten von Patientenschulungen sollten für einen intensiveren Lernprozess über die verschiedenen Ebenen Kognition, Verhalten/Handeln und Emotion/Motivation vermittelt werden. In der folgenden Abbildung sind die Ziele und Inhalte von Patientenschulungen daher unter Differenzierung der verschiedenen Ebenen indikationsübergreifend zusammengefasst:
Tabelle 2: Komponenten einer Patientenschulung (modifiziert nach Faller, 2001)
Effektivität und Effizienz
Die Notwendigkeit der Evaluation von Patientenschulungsmaßnahmen auf ihre Effektivität und Effizienz hat nicht zuletzt eine große gesundheitspolitische Bedeutung. Chronische Erkrankungen sind aufgrund der meist lebenslangen therapeutischen Versorgung und der zunehmenden Prävalenz von Komorbiditäten im Krankheitsverlauf sehr kostenintensiv. Dies erfordert aus gesundheitsökonomischer Sicht eine Implementierung und Dissemination evidenzbasierter Schulungsprogramme, deren Effektivität und Effizienz gesichert ist. Patientenschulungen sind nach derzeitigem Stand der Forschung in unterschiedlichem Ausmaß medizinisch, psychosozial und sozioökonomisch effektiv (Faller et al., 2005, S.22). Die Varianz zwischen den Indikationsgebieten ist groß. Für die Erkrankungen Asthma bronchiale, Diabetes mellitus Typ 2 und Chronische Polyarthritis liegen mehrere Evaluationsstudien vor, für andere Erkrankungen ist die Datenlage noch gering.
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Reusch (2009) hat die Wirksamkeit von Patientenschulungen für verschiedene Indikationsgebiete in einer Übersicht zusammengestellt:
Patientenschulungen nach Reusch (2009)
Defizite in der Praxis von Patientenschulung
Trotz des Vorliegens standardisierter, manualisierter und evaluierter Patientenschulungsprogramme ist die tatsächliche Versorgungspraxis in vielen Bereichen defizitär. Um die Versorgungsrealität überprüfen und Verbesserungspotentiale ableiten zu können, wurden in der medizinischen Rehabilitation zwei umfangreiche Studien im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte durchgeführt. Im Jahr 2004 wurde die Implementierung des weiterentwickelten Gesundheitstrainingsprogramms der Deutschen Rentenversicherung Bund in 336 Rehabilitationseinrichtungen durch eine formative Evaluation begleitet (Worrigen & Beckmann, 2007). Als Ergebnis der Auswertung von 287 Einrichtungen konnte eine mangelnde Orientierung an evaluierten Patientenschulungsprogrammen festgestellt werden. Nur 45% aller Rehabilitationseinrichtungen setzten die Curricula ein. Weitere 26% ergänzten ihre eigenen Programme mit Elementen zu den Themen Krankheitsbewältigung und Patientenmotivation. Lediglich 20 - 40% der Schulungsleiter verfügten über eine Trainerzertifizierung, die Verwendung frontaler Unterrichtsmethoden (80 - 90 % Vortrag) wurde deutlich bevorzugt. Die Trainer schätzten sich selbst in Hinblick auf Trainingserfahrung, Motivation und didaktischer Kompetenz mit gut bis sehr gut ein (Mühlig, 2007).
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Im Jahr 2005 wurde im Rahmen des Projektes „Zentrum Patientenschulung“ eine bundes- weiteBestandsaufnahme zur aktuellen Praxis von Patientenschulungen für Erwachsene in 771 Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation durchgeführt (Friedl - Huber et al., 2007). Von 424 Einrichtungen wurden 1.740 Schulungsprogramme beschrieben, die auf verschiedene Aspekte hin überprüft wurden, um einen Entwicklungsbedarf für weitere Forschungsaktivitäten identifizieren zu können. Das erste zentrale Ergebnis ergab eine ungenügende Orientierung der Schulenden an evidenzbasierten und evaluierten Schulungsprogrammen, so dass ein indikationsübergreifender Optimierungsbedarf hinsichtlich Standardisierung, Manualisierung und Evaluation von Patientenschulungsprogrammen abgeleitet werden konnte.
Das zweite wesentliche Ergebnis zeigte eine mangelhafte didaktische Umsetzung der Inhalte der Patientenschulungsprogramme. In circa ¾ der befragten Einrichtungen wurde ein mittlerer bis hoher Bedarf an Information und Schulung zu Didaktik, Rhetorik und Präsentation angegeben. Der Wunsch nach Unterstützung bei Evaluationsvorhaben war hoch, der Bedarf an externer Unterstützung bei Konzeptentwicklungen gering. Eine vom Arbeitgeber ausgehende Verpflichtung zur Teilnahme an einem TTT-Seminar, als Bedingung für eine Schulungstätigkeit, bestand für weniger als 50% der Mitarbeiter des Schulungsteams. Die Diskrepanz zwischen Fortbildungsverpflichtung und tatsächlichem Angebot wurde von Friedl - Huber et al. (2007, S.19) grafisch dargestellt:
Abbildung 5: Zusammenfassung der Fortbildungsverpflichtung für Schulungsmitarbeiter der eingeschriebenen 1.740 Schulungsprogramme aus 424 Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation (vgl. Friedl-Huber et al., 2007, S.19)
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Mühlig (2007) fasste die Defizite in der Anwendungspraxis von Patientenschulungen in der medizinischen Rehabilitation folgendermaßen zusammen:
(2007)
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„Beziehungskiste Patientenschulung“
Chronische Erkrankungen sind multifaktorielle Erkrankungen, die neben einer meist lebenslangen medizinischen Therapie eine multidimensionale Sichtweise und Behandlung erfordern (Faller, 2001). Eine reine Wissensvermittlung in Patientenschulungen greift ebenso wie eine Reduktion des erkrankten Menschen auf somatische Parameter, zu kurz. Für ein besseres Verständnis der Vielschichtigkeit der Thematik werden in der folgenden Auseinandersetzung die komplexen Sichtweisen, Vernetzungen, Wechselwirkungen und Anforderungen an Patientenschulungen aus mehreren Perspektiven dargestellt. In der ersten Übersicht werden Anforderungen an Menschen mit chronischen Erkrankungen formuliert:
Abbildung10: Anforderungen an Menschen mit chronischen Erkrankungen (modifiziert nach Mühlig, 2007)
Als Ziele von Patientenschulungen werden daher folgende Punkte genannt:
Abbildung 11: Ziele von Patientenschulungen für chronische Erkrankungen (modifiziert nach Reusch et al., 2007)
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Um diese Ziele realisieren zu können, enthalten Patientenschulungen in der Regel folgende Elemente:
Abbildung 6: Inhalte einer Patientenschulung für chronische Erkrankungen (modifiziert nach Faller, 2001)
Damit diese komplexen Ziele und Inhalte mit einer höchstmöglichen Evidenz umgesetzt werden können, werden große Anforderungen an den Schulungsleiter von Patientenschulungen gestellt, die in der folgenden Abbildung zusammengefasst sind:
Abbildung 7: Anforderungen an den Schulungsleiter für Patientenschulungen für chronische Erkrankungen (modifiziert nach Mühlig, 2007)
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Demgegenüber stehen die unterschiedlichsten Erwartungen, Wünsche, Ziele und Vorstellungen der Erkrankten. Diese bringen, jeder für sich, unterschiedliches Vorwissen und Voraussetzungen, wie subjektive Krankheitstheorien oder Krankheitsdauer, mit. In der folgenden Abbildung sind mögliche Erwartungen aus Sicht der Teilnehmer beschrieben:
Abbildung 14: Mögliche Erwartungen der Teilnehmer an Patientenschulungen
Auch die Schulungsleiter bringen natürlich unterschiedliche Erwartungen, Wünsche, Ziele und Vorstellungen mit, die sich wiederum interpersonell und zwischen den verschiedenen Professionen unterscheiden werden. Die Vermittlung der Inhalte, das Anleiten von Übungen ist in einem großen Maße von den persönlichen Kompetenzen und Zusatzqualifikationen des Schulungsleiters abhängig. So sollte dieser für einen effektiveren Lernprozess alle Sinnesmodalitäten ansprechen und in der Lage sein, Medien und Übungen gezielt auszuwählen. Kommunikation findet auf vielen Ebenen statt und kann den Lernprozess hemmen oder unterstützen. In der „Beziehungskiste „Patientenschulung“ treffen viele Erwartungen und Anforderungen aufeinander, die eine multidimensionale Sichtweise und den Einbezug vieler Dimensionen erfordern. Die Fokussierung auf eine reine Wissensvermittlung greift zu kurz. Der Erwerb von krankheitsspezifischem Wissen ist eine notwenige Basis, um die Bedeutung von krankheitsbezogenen Verhaltensänderungen zu verstehen. Das Erlernen krankheitsspezifischer Fähigkeiten und Fertigkeiten ist nötig, um das erworbene Wissen in Handeln zu transformieren und in den Alltag übertragen zu können. Das eigentliche Ziel jeder Patientenschulung ist aber, die Betroffenen in die Lage zu versetzen, sich selbstbestimmt für oder gegen ein neues Verhalten zu entscheiden und das Wissen in selbstgesteuertes Handeln zu übertragen. Dabei spielt die Motivation, veränderte Verhaltensweisen ohne fremde Kontrolle in den Alltag zu übernehmen und als tägliche Routine durchzuführen, eine herausragende Rolle.
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6. Qualitätsanforderungen an Patientenschulungen aus verschiedenen Perspektiven
Patientenschulungen als integraler Bestandteil der Therapie chronisch Kranker unterliegen der Pflicht zur Qualitätssicherung. Die Qualität sollte dabei allgemein bekannten Kriterien der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität entsprechen. Qualitätssicherung in der Patientenschulung beschreibt das Bemühen, die Versorgungsrealität (Schulungsroutine) mit Blick auf einen „Soll - Wert“ (Qualitätsstandards/Schulungsmanual) zu verbessern (Vogel, 2007, S.5). Qualitätssicherung kann intern oder extern erfolgen. Um Qualität in Patientenschulungen messen zu können, ist das Festlegen eines „Soll - Wertes“ nötig, um diesen mit einem „Ist - Zustand“ vergleichen zu können. Vogel (2007, S. 6) beschreibt den idealtypischen Prozess von Qualitätsentwicklung von Patientenschulungen wie folgt:
Abbildung 15: Idealtypischer Prozess von Qualitätsentwicklung von Patientenschulungen nach Vogel (2007, S. 6)
Im Optimalfall fließen die gewonnenen Erfahrungen wieder in die Programmentwicklung mit hinein, sodass eine laufende Qualitätssteigerung und Integration neuer Erkenntnisse erreicht werden kann.
Im Folgenden werden Qualitätsmerkmale bzw. Anforderungen an die Qualität von Patientenschulungen aus verschiedenen Perspektiven dargestellt und am Ende des Kapitels für eine bessere Übersicht zusammengefasst.
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Qualitätsmerkmale von Patientenschulungen nach Vogel (2007) Vogel (2007) hat folgende Qualitätsmerkmale für Patientenschulungen beschrieben:
Abbildung 16: Zusammenstellung von Qualitätsmerkmalen von Patientenschulungen nach Vogel (2007)
Qualitätsanforderungen der Deutschen Rentenversicherung Bund Die Qualitätsmerkmale für standardisierte Schulungen der Deutschen Rentenversicherung Bund sind im sog. „Klassifikationssystem therapeutischer Leistungen“ im Kapitel „Information, Motivation, Training“ beschrieben und ausdrücklich als verbindlicher Rahmen vorgegeben (Deutsche Rentenversicherung Bund, KTL 2007). Demnach sollen Patientenschulungen in Kleingruppen mit maximal 15 Teilnehmern stattfinden und von einem multiprofessionellen Team durchgeführt werden. Die Schulungsprogramme sollen manualisiert und curricular aufgebaut sein. Die Schulungsleiter sollen unterschiedliche Vermittlungsmethoden verwenden und daher in Moderation und Gruppenarbeit ausgebildet sein (Worrigen & Beckmann, 2007, S.24).
Qualitätsanforderungen der gesetzlichen Krankenkassen
Bis zum Jahre 2002 wurden Patientenschulungen für chronisch kranke Menschen hauptsächlich im Rahmen der "Ergänzenden Leistungen zur Rehabilitation" auf der Grundlage von § 43 Nr.2 SGB V durchgeführt. Auf dieser rechtlichen Grundlage wurde im Juni 2001 von den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen "Gemeinsame Empfehlungen der Spitzenverbände der Krankenkassen zur Förderung und Durchführung von Patientenschulungen" erarbeitet, in denen als ein wesentliches Ziel die Fähigkeit des Erkrankten zum Selbstmanagement betont wird (vgl. Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, 2008). Patientenschulungen sollten grundsätzlich in Gruppen durchgeführt werden, Bezugspersonen mit einbeziehen und interdisziplinäre, informations-, verhaltens- und hand-
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lungsorientierte Maßnahmen enthalten. Das Schulungspersonal sollte fachlich, pädagogisch sowie psychologisch qualifiziert sein und patientenorientierte Medien verwenden. Das Vorhandensein strukturierter Schulungskonzepte wird ebenso wie die Dokumentation der erbrachten Leistung gefordert. Ferner wird die Notwendigkeit der sozialen, didaktischen und methodischen Kompetenz des Schulungsleiters betont und der Erwerb von spezifischen Zusatzqualifikationen ausdrücklich gefordert. Um eine flächendeckende Versorgung chronisch kranker Versicherter zu erreichen, wurden im Jahr 2003 die sog. „Disease Management Programme (DMPs)“ in Deutschland eingeführt. Strukturierte Programme, die zugelassen werden wollen, werden nach festgelegten Kriterien vom Bundesversicherungsamt geprüft und zunächst für fünf Jahre akkreditiert (vgl. Bundesversicherungsamt, Disease Management Programme). Derzeit sind strukturierte Schulungsprogramme für die sechs Indikationsgebiete Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2, Brustkrebs, Koronare Herzkrankheit, Asthma bronchiale und COPD zugelassen. Vor Einführung der DMPs wurde im Jahr 2002 im Auftrag des AOK Bundesverbandes eine systematische Erhebung zur aktuellen Praxis von Patientenschulungen zu oben genannten Indikationsgebieten durchgeführt. Diese hatte eine Bestandsaufnahme der aktuellen Schulungspraxis und eine Bedarfsanalyse zum Ziel. Als häufigste Defizite wurden fehlende Kostentransparenz und Defizite in der Effizienz der analysierten Programme genannt (Allgemeinmedizin Universität Frankfurt, o.J.). In der folgenden Tabelle sind die Anforderungen der Spitzenverbände der gesetzlichen Kranken-kassen (2008) und der Deutschen Rentenversicherung Bund (KTL 2007) zusammengefasst:
Tabelle 2: Zusammenfassung der Qualitätsanforderungen der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen (2008) und der Deutschen Rentenversicherung Bund (KTL 2007)
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Arbeit zitieren:
Katharina Quaschning, 2010, Train-the-Trainer – Seminare für Patientenschulungen, München, GRIN Verlag GmbH
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