Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Der Absolutismus 4
1.1 Architektur und Lebensweise im Absolutismus 4
1.2 Das Beispiel Versailles 5
2 Das 19. Jahrhundert 7
2.1 Wohnungsarchitektur des 19. Jahrhunderts. 7
2.2 Von der feudal souveränen Macht zur Macht der milden Mittel 9
3 Die Nationalsozialistische Architektur 11
4 Die Moderne 14
Zusammenfassung und Schlussbetrachtung 18
Quellenverzeichnis 19
Literatur 19
Internet 20
Anhang 21
Abbildungsverzeichnis 21
Tabellenverzeichnis 21
2
Einleitung
„In einer hierarchisierten Gesellschaft gibt es keinen Raum, der nicht hierarchisiert wäre und nicht Hierarchien und soziale Abstände zum Ausdruck brächte“ 1 stellt Pierre Bourdieu in „Ortseffekte“ fest. Sei es in einer Stadt, in der man sich Gebäude von außen ansieht, oder auch im Unternehmen, in dem man arbeitet, überall wird man einen Zusammenhang von Hierarchie und Architektur erkennen, auch wenn er auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar ist. Passend dazu ist die Architektursoziologie eine aufstrebende „Bindestrich-Soziologie“, die mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Die vorliegende Arbeit ist in genau diesem Feld gelagert und beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Macht und ihrem Ausdruck in der Architektur. Ziel der Arbeit ist eine kompakte Darstellung von Beispielen für Räume, die Ungleichheiten widerspiegeln. Allerdings werden in dieser Arbeit nur einige ausgewählte Epochen der Geschichte Europas behandelt. Entschieden habe ich mich für den Absolutismus, das 19. Jahrhundert, die Zeit des Nationalsozialismus und die Jetzt-Zeit, da ich bei meinen Recherchen bemerkte, dass sich zwischen ihnen viele Parallelen ziehen lassen. In der Arbeit gilt es drei Ebenen zu behandeln: die Ebene des Raumes an sich (mit seiner Inneneinrichtung), die Ebene des Gebäudes in einer Landschaft und die Ebene der Landschaft selbst, auf der die verschiedenen Gebäude ihren Standort finden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage: Wie drücken sich soziale Unterschiede in der Architektur verschiedener Gesellschaften aus? Diese Frage soll in vier Kapiteln anhand einiger Beispiele beantwortet werden. Im ersten Kapitel behandle ich die Zeit des französischen Absolutismus und insbesondere die Wohnverhältnisse im Schloss Versailles. Hier spielen Prestigebauten und ihre Reflexion der gesellschaftlichen Hierarchie eine große Rolle. Gerade wegen seiner strengen Klasseneinteilung wählte ich den Absolutismus. Die ihm eigenen Lebens- und Wohnverhältnisse stellen für diese Arbeit eine geeignete Grundlage und Einführung dar. Anschließend wird im zweiten Kapitel die gesellschaftliche Differenz zwischen Männern und Frauen im 19. Jahrhundert anhand der Räume, die ihnen zugeordnet waren, erläutert. Denn nicht nur Unterschiede im gesellschaftlichen Status sind für die Thematik relevant, sondern auch solche in biologischen Merkmalen. Hier wird auch auf verschiedene Arten der Macht und ihre Verbindung zur Architektur kurz eingegangen. Im dritten Kapitel werde ich über die Bauweise und ihre Verbindung mit der Gesellschaft des Dritten Reiches schreiben und manche Parallelen zum Absolutismus ziehen. Das vierte Kapitel zeigt schließlich, dass es in der heutigen Zeit symbolträchtige Gebäude gibt, an deren Architektur man einiges ablesen kann. Hierbei werden unter anderem Räume oder Gebäude als Prestigeobjekte vorgestellt und es wird auf die Standortwahl von Organisationen eingegangen. Auch hier werden Vergleiche mit den vorangegangenen Kapiteln angestellt.
1 Bourdieu, 1993, S. 160.
3
1 Der Absolutismus
1.1 Architektur und Lebensweise im Absolutismus
In der Soziologie kann man soziale Differenzierung nach „Kriterien sozialer Ungleichheit“ 2 beschreiben. Dabei geht es sowohl um Klassen, als auch um Schichten, Milieus, Geschlechterrollen und auch um Arbeitsverhältnisse. 3 Im folgenden Kapitel wird behandelt, wie sich Unterscheidungen nach sozialen Klassen in der Architektur des Absolutismus wiederspiegeln. Am Beispiel des Schlosses Versailles während der Herrschaft Ludwigs XIV wird dargestellt, wie sich die Klassengesellschaft (die zu dieser Zeit sehr stark ausgeprägt war) in der Bauweise ausgedrückt hat. Bei der Betrachtung mancher Bauten aus der Zeit 4 fällt auf, dass die Gebäude rund um einen Hof angeordnet sind. Es gibt prächtige Säle für die Regenten und das Gebilde an sich vermittelt den Eindruck einer kleinen Stadt. 5 Welche strenge hierarchische Gliederung und dazu passende Aufgabenteilung in der von Norbert Elias beschriebenen „Höfischen Gesellschaft“ gängig waren, muss an dieser Stelle nur kurz gesagt werden. Vorherrschend war eine strenge Etikette, die als Machtinstrument des Monarchen eingesetzt wurde. 6 Als Mitglied dieser Gesellschaft war es besonders wichtig seine Stellung zu behaupten - Niedrigerstehende mussten anders behandelt werden als Höherstehende. Erstere sollten am Aufsteigen gehindert werden, denn dies würde den eigenen Rang gefährden, letztere sollten einem wegen der eigenen Aufstiegsmöglichkeiten gut gesinnt sein. Aus diesem Gefüge auszubrechen, war nicht ohne Rangverlust möglich. Wer seinen gesellschaftlichen Rang beibehalten wollte, musste sich der strengen Etikette unterwerfen. 7 Schon hier sieht man, welche wichtige Rolle Ansehen und Status für die Menschen dieser Zeit hatten. Die Wohnverhältnisse und das äußere Erscheinungsbild der Häuser waren eine grundlegende Ausdrucksform der Stellung von Familien.
Ein Herzog tätigte den Ausspruch: „Es sind die Häuser, die die meisten großen […] Familien ruiniert haben.“ 8 Es war nicht wie heute üblich, die Ausgaben den Einnahmen unterzuordnen, sondern man musste seinem Stand gemäß Geld ausgeben. Ein Wohnsitz eines Fürsten beispielsweise hatte auch wie jener eines Fürsten auszusehen, auch wenn der Eigentümer
2 Löw [et al], 2008, S. 43.
3 Vgl. Löw [et al], 2008, S. 43.
4 Auf http://www.freiburgs-geschichte.de/images/1648_1714_Louis_XIV/Schloss_Rastatt_w.jpg [03.10.2010], http://www.muenchen.de/cms/prod1/mde/_de/rubriken/Rathaus/55_kult/stadtgeschichte/kgp/09_neuhausen_nymphenburg/im g/nymphenburg.jpg [03.10.2010] und http://de.academic.ru/pictures/dewiki/83/Schloss-Versailles.jpg [03.10.2010].
5 Vgl. Knoll, 2008, 275f.
6 Vgl. Elias, 2002, S. 145f.
7 Vgl. Duindam, 1995, S. 17.
8 Vgl. Elias, 2002, S. 94. Von mir verwendete Übersetzung von Claudia Opitz aus Elias, 2002 [1969], S. 498.
4
nicht genug Geld dafür hatte. 9 Im Berufsbürgertum war dies anders - die Ausgaben lagen unter den Einnahmen und es wurde gespart. 10 Elias beschreibt, dass Montesquieu den Aufstieg und Niedergang von Familien als Zirkulationsprozess darstellt. Als Beispiel spricht er über eine bürgerliche Kaufmannsfamilie, die durch Handel reich wird, sich in den Amtsadel einkauft und Chancen hat, in den Schwertadel aufzusteigen. Dort muss sie dem Stand gemäße Ausgaben tätigen, wodurch sie ihren gesamten Reichtum verbraucht und im Status wieder sinkt. 11 Es mag heute als irrational erscheinen, die Ausgaben nicht den Einnahmen unterzuordnen und immense Geldsummen in das Erscheinungsbild zu investieren, in der höfischen Gesellschaft war dies aber ein rationales Handeln, ein Beweis für den Status, den man hatte. 12
1.2 Das Beispiel Versailles
Um die eigentümliche gesellschaftliche Verflechtung und ihren Aufbau verstehen zu können, sollte man sich die Architektur ihrer betreffenden Gebäude und Räume ansehen. Dieser sagt viel darüber aus, wie man damals gelebt hat und welche Rangunterschiede vorherrschend waren. Ein Beispiel für den hierarchisch genau gegliederten Bau der Schlösser im Absolutismus sind die Antichambres. Dies waren Räume, in denen Diener eine Art „Bereitschaftsdienst“ leisteten, indem sie Befehle von ihren Herren entgegennahmen. Es gab mehrere dieser Antichambres und welcher Diener in welchem stehen durfte, war streng nach Rang festgelegt. Es war auch vorbestimmt, in welchem dieser Räume sich Adelige aufhalten durften; je näher beim fürstlichen Schlafgemach, desto höher war die Stellung der Personen, die dort sein durften und desto prunkvoller waren auch die Räume ausgestattet. 13 Die Stadthäuser der höfischen Gesellschaft nannte man, je nach sozialem Status und Rang Haus, Hôtel oder Palais. 14 Ein Angehöriger der untersten Schicht lebte in einem Haus, ein Berufsbürger in einem sogenannten Privathaus 15 , der Adel in einem Hôtel und ein Fürst, Prinz oder der König in einem Palais. 16 Sie alle waren in kleinsten Details dem Sitz des Königs nachempfunden 17 , waren aber um einiges kleiner. 18 Auf der Schmalseite eines solchen Hôtels verlief die Straße. Von der „Porche“ (Eingang) bis zum Mittelgebäude verlief ein
9 Vgl. Elias, 2002, S. 95.
10 Vgl. Elias, 2002, S. 116.
11 Vgl. Elias, 2002, S. 119ff.
12 Vgl. Duindam, 1995, S. 16. und vgl. Elias, 2002, S. 158-161.
13 Vgl. Ehalt, 1980, S. 96.
14 Vgl. Elias, 2002, S. 79.
15 Vgl. Elias, 2002, S. 96.
16 Vgl. Elias, 2002, S. 95. Von mir verwendete Übersetzung von Claudia Opitz aus Elias, 2002 [1969], S. 498.
17 Vgl. Duindam, 1995, S. 13.
18 Vgl. Elias, 2002, S. 138.
5
Säulengang - man musste also nicht durch den Hof gehen, wenn man dorthin gelangen wollte. Links und rechts befanden sich dann die Küchen, Vorratsräume, Ställe, Dienerwohnungen, die Logements du Suisse (wo die Schweizer wache wohnte) und zwei kleine Nebenhöfe, in die Kutschen gestellt wurden. In den Appartements priveés wohnten die Herrschaften. Neben und hinter ihnen gab es kleine Blumengärten. Das große Mittgelgebäude war in zwei Teile geteilt, die Gesellschafts- und Paraderäume. In der Mitte befand sich ein riesiger Saal, der über zwei Stockwerke reichte und mit korinthischen Säulen geschmückt war. 19 Dies sollte wohl die Größe der Macht des Herrschers demonstrieren. Der Raum wurde durch optische Eindrücke auch nach oben hin vergrößert und schien unendlich groß zu sein. 20 Bei den Gesellschaftsräumen gab es einen kleineren ovalen Saal mit einem Bufet und, in den Paraderäumen die Paradeschlafräume für höheren Besuch. Vor dem Mittelgebäude befand sich eine Treppe, über die man in ein großes rechteckiges Vestibule gelangte. Die große Galerie auf der einen Seite, die Bade- und Toilettenräume auf der anderen beim Mittelgebäude trennte den Blumengarten vom großen Garten. 21 Bei einem bürgerlichen Privathaus war dies anders: Man bemerkt einige Unterschiede in Größe und Pracht. Ein Paradeappartement fehlt hier vollkommen, der große Saal, der sich im Mittelgebäude befindet, umfasst nur mehr ein Stockwerk und das Kabinett wird zusammengelegt mit der Galerie. Das Antichambre hier ist zugleich Esszimmer für die ganze Familie. Es gibt nur mehr eine kleine Küche und eine Speisekammer, nur sehr kleine Nebenhöfe. Die Privaträume liegen auch viel dichter beieinander, was sich auch auf die bürgerliche Ehe auswirkte. 22 (Siehe unten).
Die Architektur sagt viel über die Lebensweise der Gesellschaft aus. Man sieht die riesige Distanz der hohen Stände zu den niedrigen an der Distanz der Dienerwohnungen zu denen der Herrschaft. 23 Allerdings gab es in den Herrschaftsflügeln und im Mittelgebäude vor mehreren Räumen sogenannte Antichambres, in denen Diener und Lakaien eine Art Bereitschaftsdienst leisteten. Den Gedanken von freien Menschen mit gleichen Rechten gab es in dieser Gesellschaft nicht, was sich allerdings nicht in schlechter Behandlung der Diener äußern musste. So war es beispielsweise für einen König oder seine Frau kein Problem, sich vor den Dienern nackt zu zeigen, weil sie sie in diesem Sinne nicht als gleichwertige Menschen
19 Vgl. Elias, 2002, S. 80f, 84, 88, 91f, sowie 497.
20 Vgl. Ehalt, 1980, S. 94.
21 Vgl. Elias, 2002, S. 80f, 84, 88, 91f, sowie 497.
22 Vgl. Elias, 2002, S. 102.
23 Vgl. Elias, 2002, S. 82f. und Fußzeilen
6
Arbeit zitieren:
Christina Guggenberger, 2010, Der Ausdruck sozialer Differenzen in der Architektur anhand von Beispielen aus mehreren geschichtlichen Epochen, München, GRIN Verlag GmbH
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