Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangspunkt 2
2. Überblick: Rassismus und Rasse 3
Zum Begriff „Rassismus“ 3
2.1
Zum Begriff „Rasse“ 4
2.2
2.3 Zur Entstehung des Rassismus 5
2.3.1 Der genealogische Adelsrassismus 5
2.3.2 Die Anthropologie als Wissenschaft vom Menschen 6
2.4 Zwischenfazit 6
3. Rassen- und Volkstumstheorien 7
3.1 Arthur Comte de Gobineau 8
3.2 Johann Gottfired Herder 9
3.3 Houston Stewart Chamberlain 10
3.4 Zwischenfazit 11
4. Schlussbetrachtung 12
Literaturverzeichnis 15
1
1. Ausgangspunkt
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und den Enthüllungen über den Völkermord an den Juden begann vor allem in den westlichen Ländern der Kampf gegen Rassismus. Insbesondere die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sollte der Vorreiter eines solchen Kampfes werden. Ob in Politik, Sport, den Medien oder in der Schule - mit Anti-Rassismus-Kampagnen und einer Aufklärungspolitik wurde eine Großoffensive gegen Rassismus gestartet. Trotz allem stellte die Weltkonferenz gegen Rassismus, einberufen von den Vereinten Nationen im September 2001 fest, dass essentielle Ziele bei der Bekämpfung des Rassismus durch die internationale Gemeinschaft nicht erreicht wurden (vgl. Weltkonferenz 2001: 1). Laut Hund (2007: 5) liege dies an der „komplexen Struktur und den vielfältigen Erscheinungsformen des Rassismus“.
Wenn in der Öffentlichkeit von Rassismus gesprochen wird, werden Facetten und Entwicklungen des Phänomens meist nicht hinterfragt. Was aber genau ist Rassismus? Wie und warum konnte er entstehen? Was beschreibt „Rasse“ und wie konnte daraus Rassismus werden? Und schließlich, wie konnte Rassismus wissenschaftlich legitimiert werden? Um diese Fragen beantworten zu können, liefert die vorliegende Arbeit in Kapitel 2 einen Abriss über wichtige Entwicklungsetappen des Phänomens. Zunächst wird erörtert, wie sich der „junge“ Begriff „Rassismus“ seit seinem Aufkommen ausgebildet hat (Kapitel 2.1). Danach wird auf die Entstehung des Rassenbegriffs vor dem Hintergrund der Einteilung der Menschen in Spanien des 15. Jahrhundert als Voraussetzung für die Entstehung des Rassismus eingegangen (Kapitel 2.2). Schließlich wird in Kapitel 2.3 die erstmalige Begründung des Rassismus mit Hilfe des genealogischen Adelsrassismus und der Anthropologie im 18. Jahrhundert behandelt.
In Kapitel 3 folgen einflussreiche Rassen- und Volkstumstheorien des 19. Jahrhunderts. Der moderne Rassismus, von George L. Mosse (1990: 26) als ein europäisches Phänomen ver-standen, wurde von Gelehrten, wie Arthur Comte de Gobineau (Kapitel 3.1), Johann Gottfried Herder (Kapitel 3.2) und Houston Stewart Chamberlain (Kapitel 3.3) wissenschaftlich begründet. Kultur, Natur, Volk und Nation waren darin Bezugsgrößen, die unterschiedlich ausgelegt worden waren. Im Anschluss an Kapital 2 und 3 fasst je ein Zwischenfazit die wichtigsten Ergebnisse beider Kapitel zusammen.
2
Zum Schluss werden in Kapitel 4 in Anlehnung an den „neuen Rassismus“ und an Samuel Huntingtons Werk „Clash of Civilizations“ zukünftige Entwicklungen des Phänomens Ras- sismuskritisch hinterfragt.
2. Überblick: Rassismus und Rasse
Der Begriff „Rassismus“ ist jünger als das Phänomen, das er bezeichnet. Er durchlief seit seinem Aufkommen mehrere Entwicklungen, die in Kapitel 2.1 erörtert werden. Sein Ursprung ist insbesondere mit der Einteilung der Menschen in „Rassen“ verbunden. Daher wird in Kapitel 2.2 auf die Herausbildung der „Rasse“ im 15. Jahrhundert eingegangen, um daran anknüpfend in Kapitel 2.3 die Voraussetzungen für die Entstehung von Rassismus zu klären.
Zum Begriff „Rassismus“ 2.1
Das erste Auftreten der Wortschöpfung „Rassismus“ kann nicht exakt datiert werden. Vermutlich entstand diese in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und bezog sich „kri- tischauf die Propaganda und Politik der Nationalsozialisten“ (Zerger 1997: 63). In dem 1938 in London erschienenen Werk „Racism“ versucht Magnus Hirschfelder 1 , die Rassentheorien des 19. Jahrhunderts zu widerlegen und trug so zur weiteren Verbreitung des Begriffs bei. Jedoch liefert er wie auch andere, die vor allem Termini wie beispielsweise „Rassenhass“ verwendeten, keine Definition (vgl. ebd.: 63f).
Erst 1940 fixierte Ruth Benedict 2 eine der ersten Definitionen. Diese wie auch die erste lexikalische Definition in Meyers Lexikon aus dem Jahr 1942 3 , die spürbar unter NS-Einfluss entstand, steht in engem Zusammenhang zur „Rassenpolitik“ im Dritten Reich und beinhaltet „Rasse“ als Bezugsgröße (vgl. Hund 2007: 6). Mit diesen ersten Versuchen, eine allgemeine Definition zu liefern sowie Begriffsbestimmungen anderer Autoren, wurden „eine Reihe ungelöster begrifflicher Probleme“ (ebd.) des Phänomens Rassismus sowie „die Schwierigkeit seiner begrifflichen Eingrenzung“ (Priester 2003: 8) deutlich.
„Den Rassismus zu definieren heißt also, seine Geschichte zu schreiben“ stellt die Soziologin Karin Priester (ebd.: 9) in diesem Zusammenhang fest. Demnach seien zunächst die Voraussetzungen sowie die Ziele für das Auftreten von Rassismus zu untersuchen (vgl. ebd.), um
1 Berliner Arzt, Sexualforscher und Publizist (1868-1935).
2 Amerikanische Ethnologin (1887-1948).
3 „Rassismus, urspr. Schlagwort des demokr.-jüd. Weltkampfes gegen die völkischen Erneuerungsbewegungen
und deren Ideen u. Maßnahmen, ihre Völker durch Rassenpflege zu sichern und das rassisch wie völkisch und
politisch-wirtschaftlich zerstörende Judentum sowie anderweitiges Eindringen fremden Blutes abzuwehren und
auszuschalten, als unhuman und ihre Träger als Rassisten zu verleumden. Die Anwendung des Schlagwortes im
urspr. Sinne wurde durch gelegentliche fanatische und wirklichkeitsfremde Überspitzung des Rassengedankens
erleichtert. Heute wird in manchen Ländern das Wort R. allgemein auch in zustimmendem Sinne gebraucht.“
(Meyers Lexikon 1942: 78; Hervorhebung im Original).
3
danach einen Definitionsversuch zu wagen. Eine bedeutende Etappe auf dem Weg zur Entstehung des Rassismus ist die Festlegung von „Rassen“.
Zum Begriff „Rasse“ 2.2
Die Herausbildung des Rassenbegriffs wurde insbesondere durch die historischen Entwicklungen des 15. und 16. Jahrhunderts, die den Beginn der Neuzeit markieren, begünstigt. Zu diesen Ereignissen gehört unter anderem die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 durch Christoph Columbus, womit die europäische Expansion nach Übersee sowie die Versklavung der dort lebenden Menschen zum Nutzen der Europäer 4 begann. Auch die Reformation und damit die Aufspaltung des Christentums ist ein weiterer Eckpunkt der beginnenden Neuzeit. Weiterhin sind die Erfindung des Buchdrucks und die mediale Ausbreitung des Wissens ausschlaggebend für die damit einhergehende Bildung einer neuzeitlichen Wissenschaft, die sich von der Theologie emanzipierte. Von herausragender Bedeutung für die Einteilung der Menschen in Rassen als Voraussetzung für die Entstehung des Rassismus war der Abschluss der Reconquista, die Rückeroberung durch die Monarchie und Rekatholisierung der Iberischen Halbinsel (vgl. Geulen 2007: 32f).
Bevor die Reconquista 1492 offiziell zum Abschluss gekommen war, lebten 700 Jahre lang Araber, Juden und Christen friedlich und erfolgreich auf der Iberischen Halbinsel zusammen. Im gleichen Jahr wurde das Edikt erlassen, das die Juden in ganz Spanien zur Bekehrung zum Christentum zwang. Im Gegensatz zur Bekehrung im Mittelalter 5 wurden jedoch alle konvertierten Juden verdächtigt, ihren Glauben im Innern weiterzuleben. Schon vor Erlass dieses Edikts nahmen die katholischen Machthaber konvertierte Juden als Kollektiv wahr 6 . Um das Ziel eines einheitlichen katholischen Spaniens „natürlicher Reinheit“ zu erreichen, wurde eine Politik des Verdachts geführt und die Inquisition eingerichtet, da die Kriterien der Zugehörigkeit zum Christentum unsicher geworden waren. Auf diese Weise veränderte sich die Frage nach der „Reinheit des Glaubens“ in die des Blutes, wodurch ein „Übergang von einem kultu- rell-religiösenAusschlusskriterium zu einem biologischen“ (Priester 2003: 27) führte. Die Suche nach dem „unreinen Blut“ erwies sich aufgrund der langen Dauer der Reconquista sowie des Zusammenlebens dreier Religionskulturen als schwierig, denn alle konnten betroffen
4 Wie noch zu sehen sein wird, wurde diese Art der Versklavung rassistisch motiviert. Die Institution der Sklave-
rei gab es zwar bereits in der Antike, jedoch war diese noch nicht rassistisch begründet, denn das Sklavendasein
war „meist Folge eines verlorenen Krieges und nicht einer spezifischen Zugehörigkeit“ (Geulen 2007: 19).
5 Die Bekehrung und Verfolgung von Juden im Mittelalter war nicht rassistisch motiviert, da der Übertritt zum
Christentum einen Ausweg für die Juden darstellte und sich das Christentum aus seinem Selbstverständnis her-
aus als intolerant gegenüber anderen Religionsgemeinschaften versteht (vgl. ebd.: 32).
6 Conversos wurden diejenigen Juden genannt, die im Erwachsenenalter konvertierten. Als Marranen wurden die
Nachkommen schon konvertierter Juden bezeichnet (vgl. ebd.: 34).
4
Arbeit zitieren:
Diplom-Sozialwissenschaftlerin Anette Rößler, 2009, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit - Eine Sozialgeschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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