1. Einleitung
Der Peloponnesische Krieg war einer der wichtigsten Kriege der Antike, der die Kämpfe zwischen dem von Sparta geführten Peloponnesischen Bund und dem Attischen Seebund um die Vormachtstellung in Griechenland beschreibt. Dieser Krieg dauerte von 431 v. Chr. bis 404 v. Chr. und endete mit einem vorläufigen Waffenstillstand. Allerdings brachen die Kämpfe schon bald wieder aus. Erst der Königsfrieden 387/86 führte zum Abschluss der Kämpfe und wird oft als erster „Koine Eirene“, ein gemeinhellenischer Frieden, in der Geschichte bezeichnet. Diese Seminararbeit gibt anfangs einen kurzen Überblick über die historische Einordnung und befasst sich dann mit den Verhandlungen bis zur Verkündung und dem Abschluss des Königsfriedens. Außerdem wird auf den Charakter des Friedens eingegangen. Zum Abschluss wird die Aussage des Königsfriedens als „eigentlichem Endpunkt des Peloponnesischen Krieges“ diskutiert.
Die Hauptquelle der Seminararbeit ist Xenophon´s Werk „Hellenica“, das mit dem Verlauf des Krieges ab 411 v. Chr. beginnt und 362 v. Chr. endet. Die Entstehung und die Verkündung des Königsfriedens beschreibt Xenophon in seinem fünften Buch. Xenophon war Zeitzeuge, was auf eine exakte und nicht überlieferte Wiedergabe der damaligen Geschehnisse schließen lässt. Allerdings muss erwähnt werden, dass Xenophon einseitig und eindeutig prospartanisch beziehungsweise antidemokratisch schreibt. Auch von vielen Literatur-und
Geschichtswissenschaftlern wurde er stark kritisiert. 1 Eine andere benutzte Quelle ist Diodors´ Werk „Bibliothek der griechischen Literatur“. Diodor war ein Geschichtsschreiber, der allerdings nicht Zeitgenosse des Krieges war, sondern im 1.Jahrhundert v. Chr. gelebt hat. Somit kann gesagt werden, dass sein Werk nur auf Quellen beruht und von deren Qualität abhängt. Der Forschungsstand zum Königsfrieden ist gut. Viele Autoren haben sich mit dem Königsfrieden beschäftigt. Man kann also viel Sekundärliteratur finden, die einen guten Überblick über die Geschehnisse vermittelt. Allerdings interpretiert auch die moderne Forschung nur die Quellen und da diese nicht objektiv sind und in ihrem
1 Vgl. z.B. Eduard Schwartz, Griechische Geschichtsschreiber, S.16
2
Wert Abstriche hinnehmen müssen, ist die Qualität der Forschung und der Quellen lange nicht so gut wie zu den Zeiten des großen Geschichtsschreibers Thykidides. Diese Seminararbeit beruht größtenteils auf Quellen und wird durch Sekundärliteratur ergänzt.
2. Historischer Hintergrund
Um den Königsfrieden geschichtlich einzuordnen und die Zusammenhänge verstehen zu können, ist es ratsam, bereits im Jahre 404 v. Chr. mit dem Ende des Peloponnesischen Krieges zu beginnen. Sparta ging eindeutig als Sieger des Krieges hervor. Es durfte die Friedensbestimmungen nach Belieben aufstellen. Die Athener „[…] sollten die langen Mauern und die Befestigung der Peiraieus niederreißen, ihre Flotte bis auf zwölf Schiffe ausliefern, die Verbannten zurückkommen lassen […]“ 2 Somit wurde den Athenern jegliche militärische Kraft und damit jede Möglichkeit zu einer unabhängigen Außenpolitik genommen. 3 Athen besaß keine Hegemonie mehr und Sparta trat als ordnende Macht Griechenlands an die Stelle Athens. Allerdings waren die Spartaner mitnichten dieser Aufgabe gewachsen. „ Mit dem Zusammenbruch Athens ist die spartanische Herrschaft an die Stelle des Delisch-Attischen Seebundes getreten, sie hat einen feingegliederten Organismus durch ein grobschlächtiges, ja geradezu gewalttätiges System ersetzt.“ 4 Mit Sparta zog auch die Oligarchie in Athen ein und „[…] die attische Demokratie wurde zu Grabe getragen.“ 5 Durch die spartanische Schreckensherrschaft machten sie sich sowohl bei den Athenern als auch bei anderen unterdrückten Poleis äußerst unbeliebt.
Auch beim persischen Großkönig erlangten die Spartaner Missbilligung, da die Spartaner Kyros bei einem Feldzug gegen seinen Bruder, den Großkönig Artarxerxes, unterstützten. 6 Aber Artarxerxes gewann die Schlacht und „[…] er grollte den Griechen“ 7 , die auf der Seite der Rivalen gekämpft hatten. Sparta musste seinen Hegemonieanspruch rechtfertigen. So kam es, dass die Ionier einen Hilferuf nach Sparta sendeten, da sie vom Großkönig bedroht wurden. Dies
2 Xen, Hell, II 2, 20
3 vgl. Ralf Urban, Der Königsfrieden, S.25
4 Bengtson, Griechische Geschichte, S.251
5 Bengtson, Griechische Geschichte S. 252
6 Vgl. Diod, XIV 19,4
7 Diod, XIV 26,5
3
stellte Sparta vor die Entscheidung, zwischen der persischen Allianz und der Freiheit der Ionier zu wählen. 8 Sparta dachte wohl, dass es seine Pflicht sei die Griechen zu verteidigen. Es entsandte Soldaten nach Kleinasien, allerdings „mit einer unzureichenden Reiterei und mit mangelnder finanzieller Ausstattung […]“ Der spartanisch-persische Krieg begann etwa 400 und endete erstmals mit einem Waffenstillstand zwischen den Satrapen, Pharnabazos und Tissaphernes auf persischer Seite und dem Spartaner Deryklidas. Erst nachdem „König Agesilaos das Kommando der Spartaner übernommen hatte, wurde ihre Kriegsführung aktiver.“ 9 Doch bloß Persien konnte entscheidende Siege verbuchen. Zum Beispiel im Jahre 394 v. Chr. in der Seeschlacht bei Knidos. Zuvor fand eine groß angelegte Aufrüstung der Flotte statt, deren Oberbefehl der athenische Stratege Konon erhielt. 10 Somit wurden die Spartaner so sehr geschwächt, dass der Gewinn des Krieges in weite Entfernung rückte.
Der zweite Krieg an dessen Front Sparta kämpfte, war der Korinthische Krieg. Dieser Krieg Spartas gegen Theben, Korinth, Argos und Athen begann durch einen Grenzstreit zwischen den Lokrern und den Phokern. 11
Durch die Gewaltherrschaft der Spartaner und durch persische Bestechungsgelder 12 kam es schon bald zu einer Erhebung der Griechen gegen Sparta. Durch die Unterstützung der Athener erhofften sich die Perser eine zweite Front gegen Sparta aufbauen zu können. Dies war auch leicht umzusetzen, da sich im Feldzug die „Korinther strikt geweigert hatten, ihnen Folge zu leisten und dass auch die anwesenden Truppen kampfesunlustig mitgezogen seien.“ 13 „Der Rückschlag hatte zur Folge, dass die spartanischen Bundesgenossen in Mittelgriechenland, dazu Korinth, Argos und Chalkidier, zum Gegner überwechselten.“ 14 Auch Athen wechselte zu den Persern über. Von da an kämpften nun oben genannte Poleis gegeneinander. Allerdings ohne entscheidende Siege. So konnte der Krieg nicht entschieden werden.
8 Urban, Der Königsfrieden, S.27
9 vgl. Bengtson, Griechische Geschichte, S.256/7
10 Vgl. Schulz, Athen und Sparta, S. 136
11 Vgl. Xen, Hell, III 5, 3
12 vgl Xen, Hell, III 5, 1
13 Xen, Hell,III 5, 23
14 Bengtson, Griechische Geschichte, S. 258
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Arbeit zitieren:
Stefanie Zeder, 2008, Der Königsfrieden als eigentlicher Endpunkt des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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