1 Einleitung
Allzuoft stellt sich mir die Frage, warum Wohlstand und damit auch das Vermögen so unterschiedlich, man neigt fast dazu zu sagen ungerecht, verteilt sind. Lateinamerika ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Kontinent mit den krassesten Einkommensunterschieden. Laut CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe, spanisch für
Prozent der Süd- und Zentralamerikaner im Zustand der Armut oder gar des Elends. Wie kam diese Entwicklung zustande?
Es heißt, Konsum verhelfe zu Wohlstand, je mehr konsumiert wird, umso schneller steigert man den materiellen Wohlstand. Aber muss der materielle Wohlstand denn an erster Stelle stehen? Wird Wohlstand nicht auch an persönlichen Wohlbefinden und Lebensqualität gemessen? Ist dieser materielle Wohlstand, dem wir als Industrienationen verfallen sind und der uns niemals vollkommen befriedigen kann, überhaupt erstrebenswert? Kann und möchte überhaupt der in einer Industrienation lebende Mensch sich mit dieser Problematik auseinandersetzen beziehungsweise sein Konsumverhalten dahingehend ändern, damit er anderen Menschen hilft?
Mit dieser Arbeit möchte ich einen Gedankenanstoß geben, damit sich der Leser selber die Frage stellt, warum Konsum in den Industrienationen nicht ausreichend den Wohlstand in Schwellenländern fördert, obwohl Wohlstand erstgenannter auf vielerlei Ressourcen dieser basiert? Warum versackt der Wohlstand auf dem Weg von den Industrienationen zu den Schwellenländern, die ökonomisch unterentwickelt sind, aber dennoch die Ressourcen, die Basis liefern? Müsste nicht durch unseren bewussten Konsum der Fluß des Konsums weiterfließen können? Müsste es nicht im Interesse des Konsumenten sein, Wohlstand weiter zu tragen?
Genau diese Fragen möchte ich anreißen und die zunehmende Wichtigkeit unserer Rolle als
Allgemeinen und der Liberalisierung der Märkte weltweit werden den Staaten nach und nach Möglichkeiten genommen beziehungsweise werden sie der Macht entzogen, diesen soziale Grenzen zu setzen. Im Zuge dieses Phänomens haben sich viele Politiker mehr und mehr den Unternehmen unterworfen und sich damit ihrer gesellschaftlichen Pflicht entzogen und vor allen Dingen im letzten Jahrhundert allzuoft bereichert. Insbesondere werde ich hierzu auf die Entwicklung in Lateinamerika eingehen, das seit langer Zeit unter der Politik von Unternehmen leidet.
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2 Einführung in die Thematik
Konsum, Wohlstand und Wirtschaftswachstum sind die wirtschaftlichen Begriffe, auf welchen diese Arbeit basiert. Aus diesem Grunde folgen zunächst Definitionen, um ein einheitliches Verständnis zu schaffen.
2.1 Begriff Konsum
unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung durch private oder öffentliche Haushalte. In der Wirtschaftsstatistik wird auch von privatem Verbrauch (privatem Konsum) und Staatsverbrauch gesprochen. Grundsätzlich hat der Haushalt bei der Verwendung seines Einkommens die Wahl zwischen Konsum und Sparen (Konsumverzicht). Dabei gibt die 1
2.2 Begriff Wohlstand
Haushalten oder der gesamten Gesellschaft mit Gütern und Dienstleistungen. Dieser materielle Wohlstand oder Lebensstandard wird für eine Volkswirtschaft meist anhand einer Sozialproduktgröße (z.B. Bruttoinlandsprodukt oder Pro-Kopf-Einkommen) gemessen. Im weiteren Sinne wird darüber hinaus auch das persönliche Wohlbefinden im Sinne von 2
2.3 Begriff Wirtschaftswachstum
reibt Wachstum die Zunahme einer wirtschaftlichen Größe im Zeitablauf, zum Beispiel bezogen auf Unternehmen (Unternehmenswachstum, gemessen an Eigenkapital, Wertschöpfung oder Umsatz) oder auf private Haushalte (zum Beispiel Wachstum des verfügbaren Einkommens, der Konsumausgaben, des Geldvermögens). [...] Der Wachstumsbegriff wird im engeren Sinn auf gesamtwirtschaftliche Größen bezogen und 3
1 Pollert, A. et al. (2004). Das Lexikon der Wirtschaft: Grundlegendes Wissen von A bis Z. Mannheim: Brockhaus. S. 28. 2 ebd. S. 59. 3 ebd. S. 121.
3
3 Das menschliche Handeln und der Konsum
3.1 Das menschliche Handeln
Der Mensch handelt unter verschiedensten Gesichtspunkten. Auch sein Konsumverhalten wird durch unterschiedlichste Faktoren beeinflusst. Jedoch folgt er einem natürlichen nichts mehr als die Berührung durch
Unbekanntes. 4 Es lässt sich sein alltägliches Handeln und eben auch sein Konsumverhalten über einfachste Verhaltensbetrachtung genauer erklären. In seinem Handeln ist der Mensch gewissen Dingen verpflichtet. Er ist sich seiner Verantwortung als sozial handelnder Mensch bewusst, er weiß sich seiner Familie, seinen Verwandten und Freunden sowie Mitbürgern gegenüber zu verhalten. Aber entfernt er sich aus der sicheren entwickelten Welt, so sieht er Menschen mit ausgestreckten Armen, abgemagert, schreiend oder sprachlos in der Gefahrenzone. Mit diesen Menschen bringt ihn keine Verbindlichkeit von Verwandtschaft oder Freundschaft zusammen nur der unbestimmte Anspruch eines Menschenwesens an das andere. 5
3.2 Bedürfnisse des Menschen und Selbstverwirklichung
Die Bedürfnispyramide nach Abraham
Maslow stellt die Bedürfnisse des Menschen auf anschauliche Weise dar. Laut dieser muss ein Mensch die unterste Stufe befriedigt haben um somit seinem Bedürfnissen anderer Art, einer höheren Stufe, nachgehen zu können. Wendet man nun diese Pyramide auf
die heutige Gesellschaft in Industrienationen an, so stellt man fest, dass die Konsumenten an der Spitze angelangt sind. Der Kauf von Produkten und Dienstleistungen spiegelt heutzutage vielmehr den Lebensstil somit die Selbstverwirklichung wieder. Jedoch sind in unserer Gesellschaft Wünsche nach Selbstverwirklichung meist schwieriger zu erfüllen als Grundbedürfnisse. 6
4 Canetti, E. (1980). Masse und Macht. Frankfurt am Main: Fischer. S. 13.
5 Ignatieff, M. (1993). Wovon lebt der Mensch. Hamburg: Rotbuch. S. 28.
6 v. Meinhold, R. (2001). Konsum-Lifestyle-Selbstverwirklichung. Weingarten: Die Deutsche Bibliothek. S. 63.
4
Mit Zuspitzung der Pyramide erhöht sich auch die Wichtigkeit des Konsums. Selbstverwirklichung geschieht in den meisten Fällen nur mittels Konsums. Jedoch treten hierbei einige Probleme auf, die die unterschiedlichen Arten von Selbstverwirklichung mit sich bringen. Ein ethisch und ökologisch orientierter und handelnder Mensch, zu dessen Selbstverwirklichung die Gerechtigkeit und Sicherung der Ressourcen gehören kann, ist sich meist seiner Macht als Konsument bewußt, kann aber nicht vollkommen nachhaltig handeln, da ihm weder die Politik noch die Wirtschaft alternative Möglichkeiten bieten, als seine Meinung über den Konsum kundtun zu können. 7
Ein weiteres Beispiel des genau gegensätzlich handelnden Menschen sei hier angeführt, um die Gegenläufigkeit der Selbstverwirklichungsziele darstellen zu können: Der durch Werbung stark geprägte Mensch, dessen Selbstwertgefühl ebenfalls über Konsum ausgedrückt wird, ist sich seiner Macht als Konsument eventuell nicht bewußt beziehungsweise ist sie für ihn irrelevant, da er durch Konsum nur an einer Steigerung des Selbstwertgefühls interessiert ist, und nicht an einer ökologisch und ethischen Sicherung der Ressourcen. Er möchte hauptsächlich das durch Werbung geschaffene Image einer Marke auf sich selbst übertragen, um von diesem Image zu profitieren und sich zu realisieren. Beide Konsumenten haben andere Ambitionen etwas durch ihren Konsum auszudrücken. Der ökologisch handelnde Mensch weiß von seiner Macht als Konsument, der durch Werbung geprägte, oberflächlich handelnde Mensch ist sich nur der Wirkung des konsumierten Produktes beziehungsweise der Dienstleistung auf sein Umfeld im Klaren. Um die Selbstverwirklichungsziele beider Gruppen auf einen Nenner bringen zu können, müßte es zum einen notwendig sein, daß ökologisch sowie ethisch korrektes Konsumieren das Selbstwertgefühl beider Konsumenten steigert und befriedigt sowie seine Wirkung nicht
Möglichkeit, die Selbstverwirklichung nicht mehr durch Konsum ausdrücken zu müssen, was zur Zeit kaum vorstellbar ist. Meinhold schreibt dazu folgendes:
vorrangig mittels Konsum erstrebt werden, würde damit auch eine Verminderung des 8
7 ebd. S. 43 ff.
8 v. Meinhold, R. (2001). Konsum-Lifestyle-Selbstverwirklichung. Weingarten: Die Deutsche Bibliothek. S. 46.
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Arbeit zitieren:
Christoph Klein, 2006, Gerechte Vermögensverteilung durch Selbstverwirklichung, München, GRIN Verlag GmbH
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