Inhalt
Seite
1. Einleitung 2
2. Konzepte nach Oskar Schlemmer 3
2.1 Die Bühnenelemente 3
2.2 Der Mensch auf der Bühne 4
3. Das Triadische Ballett 8
4. Das Konzept der Über-Marionette nach Edward Gordon Craig 9
5. Sind die Figurinen des Triadischen Balletts Über-Marionetten? 11
6. Fazit 13
7. Literatur 14
1
1. Einleitung
Den Begriff „Avantgarde“ 1 prägte das französische Militär, um die voranschreitende Gruppe, die zuerst Feindberührung hat, zu betiteln. Dieser Begriff wurde umkodiert und bezeichnetin Bezug auf das Theater - Vorreiter einer neuen Welle von Ideen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollzog sich im europäischen Theater eine grundlegende Veränderung. Das bürgerliche Theater wurde in Frage gestellt und von den Reformern der Theateravantgarde abgelehnt. Innovative Ideen und neue Theaterformen wurden entwickelt. Ein Ziel war es, die Passivität des Zuschauers zu überwinden, die das bürgerliche Theater mit sich gebracht hatte. Auch die Frage nach einer Neugestaltung des Theaterbaus beschäftigte die Avantgardisten. Einige befassten sich auch mit dem Schauspieler und dessen Rolle auf der Bühne. In avantgardistischen Aufführungen war dieser oft nicht wieder zu erkennen„jedenfalls nicht als Darsteller eines bestimmten historisch, sozial und psychologisch zu situierenden Individuums.“ 2 Das avantgardistische Theater stellte oft eine Herausforderung oder auch Überforderung des Zuschauers dar, der für die neuen, abstrakten und irritierenden theatralen Zeichen - betreffend Gestik, Bewegung und Sprache - eine neue Rezeptionsweise entwickeln musste. So wird die Theateravantgarde mit dem Brechen der Illusionen, einer ‚Entrümpelung’ der Bühne, der Abwendung von einer Darstellung der Realität und dem Ausbruch aus den darstellerischen Konventionen assoziiert. Mit dem Faschismus endete die Zeit der Theateravantgarde.
Der vorliegenden Seminararbeit liegen die Ideen zweier Avantgardisten zugrunde - Oskar Schlemmers und Edward Gordon Craigs. Es wird der Frage nachgegangen, ob die Figurinen im Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer als Über-Marionetten zu bezeichnen sind. Dabei wird das Prinzip der Über-Marionette des avantgardistischen Theaterreformers Edward Gordon Craig zum Vergleich herangezogen.
Zunächst werden als Grundlage verschiedene Konzepte und Ideen von Oskar Schlemmer dargestellt. Dabei wird zu Beginn auf seine Ansichten der Bühnenelemente eingegangen, daraufhin werden seine Konzepte zur Stellung des Menschen auf der Bühne dargelegt. Infolgedessen wird das Triadische Ballett nach Oskar Schlemmer vorgestellt. Des Weiteren wird das Prinzip der Über-Marionette nach Edward Gordon Craig dargelegt. Anschließend wird ein Vergleich angestellt, der fragt, ob nach Craigs Prinzip die Figurinen des Triadischen
1 Deutsch: Vorhut
2 Fischer-Lichte, 1997, S. 26.
2
2. Konzepte nach Oskar Schlemmer
Zunächst werden Konzepte dargestellt, die Oskar Schlemmer entworfen hat. Hierbei werden zuerst die Bühnenelemente nach Schlemmer dargelegt, danach wird auf die Stellung des Menschen auf der Bühne eingegangen.
Allgemein ist anzumerken, dass Oskar Schlemmer die Stellung der menschlichen Person im Raum fortwährend thematisierte, mit dem Ziel, das Verhältnis Mensch-Raum möglichst exakt zu definieren. So ist auch der Mittelpunkt Schlemmers Theaterarbeit das Spannungsverhältnis zwischen dem lebenden menschlichen Darsteller und dem unbelebten Raum der Bühne. 3 Er fragt: „Mensch und Raum sind gesetzerfüllt. Wessen Gesetz soll gelten?“ 4
2.1 Die Bühnenelemente
Als Grundlage für spätere Darstellungen werden hier zentrale Annahmen Oskar Schlemmers in Bezug auf die Bühnenelemente dargelegt.
Oskar Schlemmers Auffassung nach, ist Theater als Bühnenkunst in erster Linie eine Raumkunst. Alle Geschehnisse auf der Bühne stehen raumbedingt miteinander in Beziehung. Deshalb ist es nötig, dass der gesamte Raum geometrisch aufgeteilt wird. 5 Eine hierarchische Struktur des Baus stellt Schlemmer wie folgt auf: Die Elemente Farbe und Licht sind Teile der Form, die Form ist des Raums und der Raum wiederum ist Teil des Baus. Um die Form bestmöglich auf der Bühne darstellen zu können, müssen Linien, Flächen und Körper zunächst genauestens untersucht werden. 6
Oskar Schlemmer ist der Auffassung, dass die Bühne den Gesetzen der Planimetrie, die sich mit Flächen in der Ebene beschäftigt, und der Stereometrie - Flächen im Raum - unterstellt ist. Die elementaren Flächenformen, wie Dreieck, Quadrat und Kreis, sowie die elementaren Körperformen - Pyramide, Würfel, Kugel - tauchen dementsprechend immer auf der Bühne auf. Hilfsmittel wie Stangen, die als horizontale Balancierstangen dienen können, oder
3 Vgl. Schlemmer, 1928, S. 443.
4 Schlemmer, 1925, S. 148.
5 Vgl. Scheper, 1988, S. 254f.
6 Vgl. Scheper. 1988, S. 256.
3
Stelzen als vertikales Element unterstreichen in der Bühnenarbeit Oskar Schlemmers die Linien im Raum und verlebendigen ihn so. 7
Flächen als Wände, Vorhänge oder Raumteiler sind oft auf der Bühne vorzufinden und verschieben die Raumstruktur. Die Fläche wird, wie der Raum insgesamt, durch Teilung organisiert, beispielsweise dienen gespannte Seile zur Veranschaulichung von Luftlinien. Die Aufteilung des Raums in unendlich viele Luftlinien kreiert „ein räumlich-lineares Gespinst, das den sich darin bewegenden Menschen entscheidend beeinflusst.“ 8 Farbe und Materie sind als Mittel der Formcharakterisierung anzusehen. Der Raum der Bühne ist nach Oskar Schlemmer ideal für die Anwendung der Farbe. Dabei sind der ästhetische, sowie der funktionelle Charakter der Farbe zu beachten, wie auch eine psychologische Deutung. 9
Schlemmer sieht das Licht als körper- und raumbildend, 10 es kann beispielsweise in Form einer optischen Täuschung einen Raum erhellen und verwandeln und kann sogar selbstständige Wirkungen erlangen - zum Beispiel durch Lichtspiele. Zudem kann das Zusammenspiel von Licht und Schatten imaginäre Räume entstehen lassen. Da es an der Bauhausbühne an einigen technischen Mitteln mangelte, wurde Licht oft mithilfe von Taschenlampen und Scheinwerfern als Mittel der Beleuchtung und auch der Durchleuchtung von transparenten Wänden genutzt. 11
2.2 Der Mensch auf der Bühne
Im folgenden Abschnitt werden die Ansichten Oskar Schlemmers bezüglich des lebendigen Darstellers auf der Bühne dargestellt.
Der Mensch ist nach Oskar Schlemmer eine personifizierte Synthese von Organismus und Mechanismus. Der unbewusste, unmittelbare, transzendentale Organismus aus Fleisch und Blut steht dem maß- und zeitbedingten Phänomen gegenüber. 12 Der Mensch beherbergt zahlreiche Dualismen: Körper-Geist, Rationalität und Irrationalität, Natürlichkeit und Künstlichkeit, er kann in seinen Handlungen kann der Mensch gefühls- oder verstandesbestimmt sein. 13
7 Vgl. Scheper, 1988, S. 256f.
8 Schlemmer, 1928, S: 446.
9 Vgl. Scheper, 1988, S. 257.
10 Vgl. Schlemmer, 1925, S. 147.
11 Vgl. Scheper, 1988, S. 258.
12 Vgl. Schlemmer, 1928, S. 445.
13 Vgl. Scheper, 1988, S. 262f.
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Arbeit zitieren:
Nina Klippel, 2009, Sind die Figuren in Oskar Schlemmers Triadischem Ballett Über-Marionetten?, München, GRIN Verlag GmbH
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