1. Einleitung
Am 09. Februar 2011 stellte Marcus Lanz in seiner Sendung im ZDF 1 die kleine Laetitia Hahn vor. Sie wirkt fröhlich und aufgeweckt. In vier verschiedenen Sprachen stellt sie sich vor. Mit einem IQ von 140 gehört Laetitia zu den 2% der Bevölkerung mit einer Hochbegabung. Ihr Vater, selbst auch hochbegabt, erzählt von ihrem ersten Wort, welches sie mit bereits acht Wochen von sich gab: „Haare“. Auf die Frage von Lanz, wie es ihr in der Schule gefalle, antwortet sie mit „langweilig“. Sie begeistert sich vor allem vor allem für Musik. Mit ihren sieben Jahren hat sie bereits etliche Klavier- und Geigenstücke selbst komponiert. Fehlerfrei präsentiert sie den Opus 35 von Oskar Rieding auf ihrer Violine. Das Thema Hochbegabung finde ich sehr interessant, da es nicht alltäglich ist und es schwer bis unmöglich ist sich in eine hochbegabte Person, wie Laetitia, hineinzuversetzen. Dies macht das Phänomen zu etwas Unfassbarem, Unbegreiflichem und Geheimnisvollem, sodass ich gerne mehr darüber erfahren wollte.
In dieser Facharbeit werde ich mich mit dem Thema Hochbegabtenförderung auseinandersetzten. Ich möchte die beiden Varianten Integration und Isolation vorstellen, um mir eine Meinung darüber bilden zu können, welche Möglichkeit ich im Bezug auf die Entwicklung eines hochbegabten Kindes in unserer Gesellschaft als sinnvoll erachte.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Hochbegabung? Ich habe mich zunächst mit der Definition und den Testmöglichkeiten beschäftigt. Es folgt eine Beschreibung der Probleme, die eine Hochbegabung dem Betroffenen vor allem im Kindesalter bereiten kann, um im weiteren Verlauf der Arbeit feststellen zu können, auf welche Besonderheiten man bei der Förderung Hochbegabter eingehen muss. Anhand von Beispielen werde ich dann zwei verschiedene Meinungen, wie hochbegabte Kinder am besten gefördert werden können, darstellen, genauso wie alternative Förderungsmöglichkeiten. Schließlich werde ich abwägend entscheiden, welche Art von Umgang mit der Hochbegabung eines Kindes ich persönlich am sinnvollsten finde.
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2. Definition und Diagnose von Hochbegabung
2.1 Hochbegabung - Was ist das?
Zunächst möchte ich versuchen, den Begriff Hochbegabung zu definieren. Dabei beziehe ich mich auf einen von Monika Jost 2 geschrieben Ratgeber für Schule und Elternhaus, herausgegeben vom Universumverlag, mit dem Titel „Hochbegabte erkennen und begleiten“. Monika Jost hat durch ihren Beruf als Lehrerin eines Gymnasiums und durch ihre Aufgabe als Betreuerin hochbegabter Kinder in Ferienakademien viel Erfahrung mit Betroffenen sammeln können. Sie fungiert außerdem als externe Beraterin des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, als Vorsitzende des Regionalverbands Rheinlands-Pfalz/Saarland der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind, sowie als Sprecherin des bundesweiten Arbeitskreises Bildungspolitik. Im Rahmen dessen entwickelt sie Konzepte zur Begabtenförderung. Zudem berät sie Lehrer und Eltern und betreut eine Internetplattform zum Thema Begabtenförderung.
Es ist zu sagen, dass es schwierig ist, eine allgemeine Definition 3 von Hochbegabung zu bestimmen. Der IQ (Intelligenzquotient) als häufig verwendeter Messwert, kann keine eindeutigen Ergebnisse liefern, da die Übergänge von durchschnittlicher Begabung zu Hochbegabung fließend sind und somit keine klare Abgrenzung möglich ist.
Folglich muss man sich damit zufrieden geben, dass es mehrere Definitionen gibt, die sich leicht voneinander unterscheiden. So ist ein Wissenschaftler von der Hochbegabung einer Person mit einem IQ von 125 überzeugt, der andere aber spricht erst bei einem Wert von 140 von einer außergewöhnlichen Intelligenz. Im Übrigen hängt jenes Ermessen auch von den äußeren Bedingungen ab. Ein Lehrer beispielsweise urteilt mit Blick auf die anderen Kinder in der Klasse und stellt Vergleiche an. Ob er einen Schüler oder eine Schülerin als hochbegabt bezeichnet, hängt folglich von dem Leistungsvermögen der anderen ab. Auch Kinder, welche sich schneller als andere Gleichaltrige entwickeln, sind nicht
2 vgl. Autor unbekannt, „Die Autorin“, Hochbegabte erkennen und begleiten, 2008, S. 4
3 vgl. Monika Jost „Probleme mit der Definition“, Hochbegabte erkennen und begleiten,2008, S. 9
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unbedingt gleich hochbegabt. Vieles hängt ebenso von der Umgebung, in welchem das Kind aufwächst, ab.
Dennoch hat sich ein IQ von 130 als Richtwert herauskristallisiert, den die meisten Forscher anerkennen; so können ca. zwei Prozent der Bevölkerung als hochbegabt bezeichnet werden 4 . Letztendlich stellt sich aber immer noch die Frage nach der Vergleichbarkeit der jeweiligen Messungen. Des Weiteren ist im Laufe der Jahre eine differenziertere Sichtweise entwickelt worden. Man unterscheidet heute verschiedene Bereiche, in denen eine Hochbegabung vorhanden sein kann. Der Psychologe Howard Gardener (Havard-Intelligenzen 5 : Universität) unterscheidet acht verschiedene
1. linguistische Intelligenz (sprachliche Fähigkeiten) 2. musikalische Intelligenz
3. logisch-mathematische Intelligenz 4. räumliche Intelligenz (räumliches Denken/Vorstellungskraft) 5. körperlich-kinästhetische Intelligenz (motorische Fähigkeiten) 6. intrapersonale Intelligenz (eigenes Gefühlsleben verstehen) 7. interpersonale Intelligenz (auch: soziale Intelligenz) 8. naturalistische Intelligenz (Sensibilität für Naturvorkommnisse).
Ist ein Mensch nur in einem der Teilbereiche besonders begabt, spricht man von „Inselbegabung“ 6 . Im extremsten Fall kann es sogar vorkommen, das ein Mensch in einem der Bereiche besonders begabt, in einem anderen jedoch lernbehindert ist. Diese, in meinen Augen, sehr gelungene Differenzierung werde ich im Verlauf meiner Facharbeit verwenden, um Zusammenhänge zu erklären.
2.2 Angeboren oder durch das jeweilige Umfeld bedingt?
Jahrelang wurde über genau dieses Thema diskutiert. Die „Anlage-Umwelt-Diskussion“ 7 führte letztendlich zu dem Schluss, dass wohl beide Faktoren für herausragende Leistungen eine Rolle spielen.
Es wird behauptet, dass eine Veranlagung dafür verantwortlich ist, wenn eine besondere Begabung vorhanden ist. Allerdings muss diese durch entsprechende Umweltbedingungen gefördert werden. Jene Bedingungen müssen entsprechend
4 vgl. Monika Jost, „Wie viele Hochbegabte gibt es?“, Hochbegabte erkennen und begleiten, 2008,
S. 10
5 vgl. Howard Gardener, „Abschied vom IQ - die Rahmen - Theorie der vielfachen Intelligenzen“, Havard-Universität, 2005
6 Autor unbekannt, „So funktioniert ein Intelligenztest“, www.wissenstest.com
7 Monika Jost, Hochbegabte erkennen u. begleiten „Angeboren oder Umweltbedingt“, 2008, S.11
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das vorhandene Potential zulassen und zudem unterstützen. So hat ein Kind zunächst eine „individuelle Anlagepotenz“ 8 , welche dann in Wechselwirkung tritt mit den Einflüssen des jeweiligen sozialen Umfeldes. Das ist die moderne Erklärung für außergewöhnliche Befähigung.
Die Unterstützung der Familie und ebenso deren Vorbildfunktion, sowie entsprechendes Training und eine gute Ausbildung haben Einfluss darauf, ob eine in den Anlagen vorhandene Begabung entfaltet oder zurückgedrängt wird. Dennoch ist zu sagen, dass die Entfaltung einer Begabung nicht nur auf fleißiger Arbeit und ständigem Üben basiert. „Ein normal begabtes Kind kann nicht auf die gleiche geistige Ebene gelangen wie ein hochbegabtes Kind, welches diese von alleine, sprich ohne harte Arbeit zu erreichen vermag“ 9 .
2.3 Erkennen von Hochbegabung
Beim Testen der Begabung gibt es zwei verschiedene Varianten, welche von Monika Jost in ihrem Ratgeber beschrieben werden. Zum einen das objektive und zum anderen das subjektive Verfahren, wobei diese auch kombiniert werden können, um ein umfassenderes Ergebnis zu erhalten 10 . Eine Tabelle, welche Vor-und Nachteile der beiden Verfahren herausstellt, ist ebenso im Ratgeber enthalten 11 .
Ersteres Verfahren besteht aus Tests, wie etwa Intelligenz- oder Leistungstests, aber auch Wettbewerbe wie beispielsweise die Mathematikolympiade zählen dazu. Jenes Verfahren ist sicherlich recht zuverlässig und genau, und die Ergebnisse meist vergleichbar. Dem steht gegenüber, dass jene Tests untereinander wiederum schwer zu vergleichen sind und auch die in 2.2 angesprochenen unterschiedlichen Umfelder, aus denen die Kinder stammen, beispielsweise schichtspezifische Unterschiede zeigen.
Das zweite Verfahren besteht größtenteils aus Einschätzungen anderer Personen; dazu zählen auch Bewertungen in Form von Schulzeugnissen. Natürlich sind jene Bewertungen leicht an Land zu ziehen (ein Zeugnis beispielsweise liegt
8 Zitiert von Monika Jost, „Angeboren oder umweltbedingt“, S.11:Heller, 1994, S.47
9 Zitiert von Monika Jost, „Angeboren oder umweltbedingt“, S.11:Winner, 1998, S.146
10 vgl. Monika Jost, Hochbegabte erkennen u. begleiten „Übersicht über Diagnoseverfahren“,
2008
S.23
11 Zitiert von Monika Jost, in Hochbegabte erkennen und begleiten, „Übersicht über
Diagnoseverfahren“, Feger, Pedro, S.46
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Arbeit zitieren:
Talitha Stalp, 2011, Wie könnte eine Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher aussehen, die sowohl individuelle Fähigkeiten, als auch integrative Aspekte bezüglich des Umfeldes berücksichtigt?, München, GRIN Verlag GmbH
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