allgegenwärtigen, multiplen Kurzlebigkeit in der modernen Lebensweise. Man findet, bei näherer Betrachtung, fast keinen Bereich der Gesellschaft, in dem nicht nach diesem Muster gehandelt wird. Angefangen bei der Form des Wirtschaftens, des Konsums, der Bildung, bis hin zur Medienkultur.
In der aktuellen Wirtschaftsrealität können sich Unternehmen, die nicht ständig an der Entwicklung neuer Produkte arbeiten, kaum noch behaupten. Dies ist zum einen bedingt durch die Unterwerfung der Betriebskultur unter das Diktat des Aktienkurses. Mittlerweile werden Unternehmensbeteiligungen im Durchschnitt ein Jahr lang gehalten, im Vergleich zu früheren 10 bis 15 Jahren. Diese kurzlebige Beteiligung macht eine mittel- bis langfristige Entwicklungsperspektive des Unternehmens unmöglich, da neue Produkte gar nicht schnell genug auf den Markt kommen können, um den shareholder-value nach oben zu treiben. Die ganze Situation der globalisierten, kurzlebigen Wirtschaft lässt sich gut mit dem Gefangenen-Dilemma, einem Fallbeispiel der volkswirtschaftlichen Spieltheorie, beschreiben. Dieses beschreibt die Situation zweier Verbrecher, die im Verhör gegeneinander ausgespielt werden. Würden beide nach ihrer Verhaftung schweigen, bekämen beide durch einen folgenden Indizienprozess eine relativ niedrige Strafe. Falls aber beide gestehen, bekommen sie eine höhere Strafe als sie bei beidseitigem Schweigen bekommen würden. Die Kriminalisten versuchen nun durch ein Angebot die zwei zu ködern. Falls einer der beiden gesteht, wird er straffrei gestellt. Allerdings bekommt der Komplize nun die Höchststrafe. Es stellt sich also die beste Situation für beide ein, wenn sie sich gegenseitig vertrauen, schweigen und die Strafe nach dem Indizienprozess akzeptieren. Das Dilemma entsteht, da beide an den größtmöglichen Nutzen für sich selbst denken und der wäre Straffreiheit. Außerdem kann keiner der beiden riskieren zu schweigen, um währenddessen vom Anderen verraten zu werden. Dies hätte ja die Höchststrafe für den Schweigsamen zu Folge. Die nach Spieltheorie logische Entscheidung, was den potentiellen Gewinn und das potentielle Risiko betrifft, wäre den anderen zu verraten.
Ein Dilemma das auf viele Situationen in der kapitalistischen Produktionsweise anzuwenden ist. Wir können dies zum Beispiel bei freiwilligen Umweltauflagen sehen. Umweltauflagen bedeuten Kosten für einen Unternehmer oder auch einen Staat und somit einen Wettbewerbsnachteil. Dieser Wettbewerbsnachteil entsteht aber nur, wenn sich die anderen konkurrierenden Unternehmen oder Staaten nicht an diese Auflagen halten und sozusagen den Gutgläubigen verraten (siehe Gefangenen-Dilemma). Es entsteht durch das Misstrauen der
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Konkurrenz, und auch durch den Druck des Aktienkurses, der Zwang zu kostengünstiger Produktion und beschleunigter Produktentwicklung.
Entwicklung ist nun ein durchaus positives, menschliches Bedürfnis. Nur hat sich die Entwicklung der Weltwirtschaft mittlerweile jeglicher Kontrolle entzogen und eine Eigendynamik der multiplen Kurzlebigkeit in Gang gesetzt, wodurch eine nachhaltige Entwicklung im Moment wie ein fernes Utopia erscheint. Dabei muss noch dazu gesagt werden, dass die derzeitige Krise keine Mängelkrise ist. Nahrung und Luxusprodukte entstehen im Überfluss. Doch durch die notwendig gewordene Entwicklung von Marktneuheiten werden die Produkte teilweise schneller produziert, als sie konsumiert werden können. Es entsteht eine fast immanente Kurzlebigkeit bei Produkten. Die dadurch entstehende Produktpalette, dieser Luxus des Überflusses der in den wohlhabenden Ländern täglich zur Verfügung steht, kann natürlich nur durch einen enormen Ressourcenverbrauch bewerkstelligt werden.
Die Frage ist, ob wir die Auswirkungen verringern können, indem wir eventuell auf etwas verzichten. Hier hat der Konsument die größte Macht. Jeder hat die Entscheidung welche Produkte er kauft und vor allem welche er nicht kauft! Doch die heutige Konsumgesellschaft hat sich an die stets zur Verfügung stehende Vielfalt gewöhnt und stellt somit die Maslow’sche Bedürfnispyramide auf den Kopf. Alltägliche Wünsche der Wohlstandsgesellschaft sind über die Grundbedürfnisse hinausgehende Wünsche geworden. Die in unseren Supermarktregalen tägliche Verfügbarkeit von exotischen Produkten wie einer Ananas sollte schon stutzig machen, aber das nur nebenbei.
Besonders auffällig ist die Kurzlebigkeit bei Alltagsprodukten, wie vor allem Lebensmittel und Textilien. Zur Verdeutlichung möchte ich exemplarisch ein Produkt heranziehen, das exemplarisch für die aktuelle Produktionsweise steht. Ich möchte nun über die Entstehung eines Diskont-Pullovers erzählen.
Stellen wir uns einen indischen Bauern vor, der von Subsistenzwirtschaft lebt. Dieser bekommt ein Angebot von einer Saatgutfirma, eine neue gentechnisch veränderte Baumwollsorte anzubauen. Geködert wird er mit dem billigeren Preis des Saatguts und einem versprochenen hohen Ertrag. Tatsächlich kann sich in den ersten zwei Jahren die Ernte des Bauern sehen lassen. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass die neue Baumwollsorte einen speziellen Dünger benötigt. Dieser beschert dem Bauern nicht nur Kopfweh und Ausschläge beim Düngen, sondern kostet auch soviel, dass der Gewinn durch das billigere
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Saatgut und die höhere Ernte schwindet. Ab dem zweiten Jahr nimmt nun auch der Ernteertrag stetig ab. Dies liegt einerseits an der Monokultur, die zu einer Mineralienverarmung des Bodens führt, andererseits an der Schädigung des Bodens durch die Mehrmengen an Dünger, der durch die Verarmung des Bodens notwendig wird. Im ausgehungerten Erdreich ist wieder ein Aspekt der Kurzlebigkeit zu finden, denn der Boden wird für viele Jahre keine ergiebige Anbaufläche mehr sein. Der mittlerweile an regelmäßigen Kopfschmerzen und Ausschlag leidende Bauer beeinträchtigt seine Gesundheit durch die giftige Düngung, wodurch seine Arbeitsleistung ebenfalls - im wahrsten Sinne - kurzlebiger wird. Auch nötigt ihn der Kauf von immer mehr Düngemittel zur Kreditaufnahme. Diese Kredite gewährt ihm praktischerweise derselbe Unterhändler, der ihm auch das Düngemittel verkauft hat. Somit steht der Bauer auch vor einer nicht nachhaltigen Entwicklung seiner Finanzen, da er immer mehr Kredite für immer mehr Düngemittel benötigt.
Aus dieser Baumwolle entstehen nun Pullover in einer Textilfabrik in der Nachbarstadt und landen schlussendlich in unserem Textil-Diskonter. Nach dem Kauf eines solchen Produkts kann der Konsument nun spüren was Kurzlebigkeit auch bedeuten kann, wenn der Pullover nämlich nach dem ersten Monat in seine Einzelteile zerfällt.
Im Hinblick auf das Ernährungsbewusstsein, zumindest der Österreicher, ist hier ein positiver Gegentrend bei Fair-Trade oder Bio-Produkte festzustellen. Neben dem offensichtlichen Vorteil eines qualitativ hochwertigen, streng kontrollierten und natürlichen Produkts, sind viele Bio-Produkte aus Österreich selbst. Somit verringern sich nicht nur die täglichen Transportwege, sondern die heimische Wirtschaft würde auch im Bereich der Primärgüter gestärkt werden. Die Primärgütererzeugung spielt in industriell hochentwickelten Ländern, durch die hohe Dienstleistungsorientierung (über zwei Drittel der Jobs in dieser Ländergruppe sind meist im tertiären Sektor) ohnehin nur mehr eine marginalisierte Rolle. Ich muss hier dazu sagen, dass Österreich schon eine sehr gute Entwicklung im Bereich der biologischen Lebensmittel durchlaufen hat, da die Bevölkerung anscheinend die Sinnhaftigkeit eines natürlich erzeugten Lebensmittels erkannt hat. Der Konsument bestimmt wie immer durch seine Nachfrage das Angebot. Die Entwicklung in Bezug auf die Nachfrage nach biologisch angebauten Lebensmitteln lädt zur Hoffnung ein. Auch im alltäglichen Gespräch habe ich eine breite Sensibilisierung beim Thema Lebensmittel erkannt. Nicht unbedingt im Hinblick auf den gesunden Ernährungsstil, aber das Schnitzel isst der durchschnittliche Österreicher mittlerweile scheinbar lieber vom Bio-Bauer, als aus einem weit entfernten Mastbetrieb.
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Hier hat die Wirtschaft mit ihrem Angebot sichtbar auf die Nachfrage reagiert. Lebensmittel sind die wichtigsten Primärguter des täglichen Bedarfs, das heißt die Bevölkerung ist hier auch überdurchschnittlich sensibilisiert. Aber diese Aufklärungsbereitschaft, in Bezug auf die Herkunft und die Art der Erzeugung von Lebensmittel, lässt sich vielleicht auch in anderen Bereich des Konsums wecken. Hier kommen wir zum Knackpunkt - zur Bildung. Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)
Die Definition von Nachhaltigkeit auf die Bildung zu übertragen bereitet schon mehr Probleme. Welche Form von Bildung kann man als nachhaltig betrachten? Ich würde hier zwischen Bildung mit anhaltendem Nutzen und Bildung mit kurzlebigem Nutzen unterscheiden. An der Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften kann man diese Unterscheidung gut nachvollziehen. In ihren Anfängen war die Wirtschaftswissenschaft keine eigene Disziplin, sondern wurden von ihren Vätern wie Adam Smith oder John Stuart Mill, als gesellschaftsübergreifende Theorie verstanden, die in ihrem damaligen Ideal den Utilitarismus als Ziel hatte. Dieser will das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl an Menschen schaffen. Im heutigen Stand der Wirtschaftswissenschaft wird über Detailprozesse in einem schon als unveränderbar angenommenen System geforscht. Grundlegende Überlegungen über ein utilitaristisches Gesellschaftssystem würde ich als Bildung von anhaltendem Nutzen bezeichnen, da Theorien zum bestmöglichen menschlichen Zusammenleben dauerhaft relevant sind. Die Forschung an aktuellen Detailprozessen der Wirtschaft wäre in meiner Definition kurzlebige Bildung, da sie ihren Nutzen nur im aktuell existierenden System lukrieren kann.
Um ein plakatives Beispiel zu nennen, könnte ein Tischler der vor 100 Jahren gelernt hat, auch heute noch Möbel bauen. Ein Programmierer der sich auf einem bloß 10 Jahre alten Wissenstand befindet, wird mit aktuellen Programmcodes große Probleme haben. Solche Bildung, wie die eines Programmierers, ist natürlich trotz ihrer Kurzlebigkeit absolut relevant für unsere moderne Gesellschaft. Das Wissen, das für aktuelle komplexe Problemstellungen benötigt wird, ist so umfangreich geworden ist, dass man keine Universalgenies, wie es zum Beispiel Mill war, mehr antreffen wird. Man kann nicht mehr nur von einem Trend zu fachspezifischer Ausbildung sprechen, sie ist schon längst die Norm geworden. Die Wirtschaft braucht gut ausgebildete Fachkräfte und immer weniger interdisziplinäre Bildung.
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Es geht mir hier nicht um die Auf- oder Abwertung einer Form von Bildung, sondern nur um meine Begriffsbestimmung von nachhaltiger Bildung. Meiner Meinung nach definiert die „moderne Form“ von fachspezifischer Ausbildung auch den Begriff des lebenslangen Lernens neu. Ursprünglich hätte ich diesen Begriff, zum Beispiel bei einem Soziologen, als stetige Bereicherung des generierten Wissens, durch Weiterbildung oder neue Erkenntnisse verstanden. Das vorherig generierte Wissen bleibt deswegen trotzdem zum Großteil relevant. Bei der modernen fachspezifischen Weiterbildung, zum Beispiel eines Programmierers oder Steuerrechtexperten, ersetzt die neu generierte Bildung obsolet gewordene Bildung. Man erweitert sein Wissen nicht mehr in dem Ausmaß, man ersetzt es durch aktuelles. Die BNE geht von einem positiv belasteten Menschenbild aus. Der Mensch sei rational, eigenverantwortlich und lernfähig. In der UNO Dekade für BNE 1 soll der Mensch außerdem zu antizipatorischem Handeln aufgerufen werden, womit humanistische Ideale verfolgt werden - soweit die Grundannahme menschlichen Lernverhaltens, auf dem die BNE basiert. Am Beispiel Lebensmittelkauf habe ich versucht vor allem den Aspekt der eigenverantwortlichen Rationalität im menschlichen Handeln darzulegen. Der Österreicher will „ungiftige“ Lebensmittel essen und sich somit nicht selber schaden. Hätte der Konsument in österreichische Produkte aber nicht so großes Vertrauen, sondern eventuell in spanische Lebensmittel, würden eher diese konsumiert werden. Es dominiert somit klar die rationale Nutzenmaximierung bei der Kaufentscheidung. Jetzt ist es eine spannende Frage, ob diese Nutzenmaximierung nicht die Lernfähigkeit des Menschen bremst. Denn egal welche Konzeption der bisherigen Bildung für Nachhaltige Entwicklung führend war, ob die Ökopädagogik, die 3. Welt-Pädagogik oder auch die aktuelle Bildungskonzeption mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit, sie alle stellen die Vernunft beziehungsweise die Lernfähigkeit in der Vordergrund, nicht den Nutzen für den Menschen. Genau hier sehe ich den Knackpunkt in der Bildungsdebatte.
Die Volkswirtschaftslehre beschreibt menschliches Verhalten unter dem Paradigma der Nutzenmaximierung und das Verhalten der Unternehmen unter dem der Gewinnmaximierung. Dieser von Idealismus befreite Zugang erklärt wie ich finde viele Prozesse menschlicher Handlungsweisen. Sehr prägnant wird diese Gesetzgebung im so genannten Coase-Theorem formuliert. In diesem Basisbeispiel der Volkswirtschaftslehre geht es um die wirtschaftliche
1 http://www.bne-portal.de
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Entscheidungsfindung. Es besagt, wenn der Nutzen die Kosten übersteigt, wird etwas angeschafft oder investiert. Im Umkehrschlus wird, wenn die Kosten den Nutzen übersteigen, nicht gekauft oder investiert. So einfach und so prägnant beschreibt das Coase-Theorem die Lebenswirklichkeit auch in der Konsumgesellschaft.
Diesen Aspekt sollte BNE beachten. Der Mensch ist zwar lernfähig und versteht durchaus Zusammenhänge zwischen der Ausbeutung in der Textilproduktion armer Länder und günstiger Pullover bei uns im Laden, aber, und das ist das entscheidende, der Konsument wird die große Mehrheit seiner Kaufentscheidungen aufgrund des Coase-Theorems treffen. Wenn der Pullover, den man gerade im Schaufenster entdeckt hat, gefällt und um vieles preiswerter ist als ein heimisches oder ein „fair-gehandeltes“ Produkt, wird das billigere Produkt gekauft werden. Vor allem, wenn man den gekauften Pullover bei einem speziellen Anlass tragen will und danach wieder im Schrank verstaut. Es geht hier nicht um eine Kaufentscheidung für ein Produkt das man eine lange Zeit behalten und nützen will. Das Phänomen Kurzlebigkeit greift hier wieder („dress for the moment“). Für ein Produkt (in dem Fall ein Pullover) das man hauptsächlich für eine Gelegenheit erwirbt, ist der Nutzen prinzipiell schon stark begrenzt, weswegen die Kosten ebenso niedrig sein müssen, um die Kaufentscheidung noch als rational betrachten zu können. Obwohl es an so manchem Einkaufssamstag schwierig erscheint Rationalität im Kaufverhalten der Masse zu entdecken, ist sie für jede/jeden Einzelne/n immer Bestandteil der Kaufentscheidung. Man kann das Coase-Theorem an diesen alltäglichen Kaufentscheidungen natürlich auch umdrehen. Damit meine ich, dass viele kostengünstige Produkte es erst durch ihre niedrigen Preise schaffen, den Nutzen größer als die Kosten wirken zu lassen. In dieser Frage nach dem Ersteren, dem Huhn oder dem Ei, neige ich sogar eher dazu, dass die niedrigen Kosten zuerst existierten und dadurch erst der Nutzen für die Konsumenten entstand (jede/r mag seinen Hausrat auf Dinge prüfen die er/sie länger als 2 Jahre nicht gebraucht hat). BNE zielt auf das Individuum ab. Deswegen vermute ich, dass der Fokus bei der Bewusstseinsbildung auf den gewonnen Nutzen bei nachhaltigen Produkten gelegt werden sollte. Der Konsument muss schwerpunktmäßig darüber aufgeklärt werden, was er direkt für einen individuellen Nutzen aus der Anschaffung von fair gehandelten, Bio- und nachhaltigen (im Sinne von qualitativ hochwertigeren) Produkten ziehen kann. Hier werden Argumente bezüglich Ausbeutung und Klimawandel bei der individuellen Kaufentscheidung weniger greifen. Bei den Lebensmitteln ist es der Bevölkerung schon bewusst geworden, dass man von einem unbehandelten Apfel, in Bezug auf den Nährstoffgehalt, mehr hat, als von einer
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chemisch gedüngten, unreif geerntetem Ananas aus Costa Rica. Dieses Bewusstsein über den persönlichen Nutzen muss nun versucht werden, auch auf die Bereiche Textilindustrie und Energie zu lenken. Den Bereich der Elektronik, vor allem auf Handy’s und Computer bezogen, halte ich im Moment für zu schnelllebig um dort Nachhaltigkeit erfolgreich diskutieren zu können. Aber es gibt andere Bereiche in denen dies möglich ist. Dass eine qualitativ hochwertiges Kleidungsstück um ein vielfaches länger halten wird als ein Kleidungsstück aus dem Diskonter, wäre ein Argument für den individuellen Nutzen des nachhaltigen Produkts. Auf diesem Weg kann BNE den privaten Konsum beeinflussen, einen Teil des Problems.
Ich denke, dass auch die strukturellen Probleme durch Bildung gelöst werden können, vor allem aber durch ihre normative Kraft. Bildung beeinflusst die Normsetzung und Entstehung von Paradigmen entscheidend mit und steht vor allem für die Reproduzierbarkeit von gesellschaftlichen Verhältnissen. Dies wurde von Adorno, über Althusser, bis in die heutige Pädagogik schon vielfach wiederholt. Allerdings müsste BNE umfassend im gesamten Bildungswesen implementiert sein, dass daraus im Laufe der Zeit wirklich eine neue Normsetzung entstehen kann. Ohne eine breite Implementierung, von den Volksschulen bis zu den Universitäten, wird es schwer sein das vorherrschende Paradigma zu durchbrechen, da bestehende Systeme stets nach ihrem Erhalt bestrebt sind. Durch eine neue Normsetzung im Konsumentenverhalten könnte das strukturelle Problem der multiplen Kurzlebigkeit mittelfristig in eine nachhaltigere Richtung tendieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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Arbeit zitieren:
Mag. phil. Marcus Wohlgemuth, 2009, Die multiple Kurzlebigkeit unserer Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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