Gliederung
I. Einleitung
II. Was genau ist Jugendkultur? - Elemente einer Jugendkultur
III. Die musikalische Geschichte und Entwicklung von Techno in den 90er Jahren
IV. Techno als Erscheinungsform einer Jugendkultur in den 90er Jahren
V. Schlußbemerkungen
VI. Literaturverzeichnis
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I. Einleitung
Techno ist heute zwar nicht „tot“, was auch die Besucherzahlen der alljährlich stattfindenden Massenveranstaltungen wie der Love Parade belegen, jedoch im Vergleich zu den neunziger Jahren bezüglich der gesellschaftlichen Bedeutung und der Präsenz in den Medien stark in den Hintergrund gerückt. Man könnte auch sagen, Techno hat einen größeren Teil seiner Popularität verloren. Diese Tatsache mag auf den ersten Blick nicht gerade motivieren sich mit der Techno-Thematik eingehender zu beschäftigen. Berechtigt bleibt jedoch die Frage, warum Techno im vorigen Jahrzehnt schätzungsweise
mehrere Millionen jugendlicher, heranwachsender und sogar post-adoleszenter 1 Anhänger in Deutschland in seinen Bann gezogen hat. Techno zählt man zu den wichtigsten Jugendkulturen der neunziger Jahre, oder man könnte auch sagen, zu den interessantesten jugendkulturellen Phänomenen.
In dieser Hausarbeit will ich vor allem versuchen, neben der musikalischen Geschichte und Entwicklung in der genannten Epoche vor allem Techno als Erscheinungsform einer Jugendkultur von jugendsoziologischen, sowie allgemein von gesellschaftlichen und kulturellen Standpunkten aus zu betrachten.
Dabei beschränke ich mich, wie bereits erwähnt, abgesehen von der Betrachtung zur musikalischen Geschichte von Techno auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Diese Ausnahme hängt damit zusammen, daß man bei der Suche nach den Wurzeln von Techno unumgänglich auch auf die USA stoßen wird.
Beim Lesen dieser Einleitung wird mehrmals der recht abstrakte Begriff „Jugendkultur“ genannt. Allerdings wurde dieser Begriff bisher aber nicht näher erläutert. Der Frage „Was genau ist Jugendkultur?“ versuchen die Ausführungen im ersten Kapitel dieser Hausarbeit auf den Grund zu gehen.
1 vgl. „Zur Differenzierung der Jugendphase“ aus „Soziologie des Jugendalters“ S. 22-23 (1998, 6. Auflage) von Bernhard Schäfers. Opladen: Leske + Budrich
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II. Was genau ist Jugendkultur? - Elemente einer Jugendkultur
Rein formal bezeichnet der Begriff „Jugend“ eine menschliche Entwicklungsetappe, die nach biologischer und medizinischer Definition zwischen Geburt und Erwachsenenalter liegt. In dieser Phase stellt sich auch die Geschlechtsreife des Menschen ein. Doch dies ist nur ein Bedeutungsinhalt dieses Begriffes. Diese Feststellung führt uns unmittelbar zur Definitionsproblematik des Begriffes „Jugend“, da es sowohl in der Alltagssprache als auch in der Fachsprache der Gesellschaftswissenschaften mehrere Interpretationen für diesen gibt.
Sowohl der Anfang als auch das Ende dieser Lebensphase lassen sich in der sozialen Wirklichkeit schwer zeitlich einordnen. Durch eine ausgewogenere Ernährung, eine bessere medizinische und hygienische Versorgung als auch eine geringere physische Belastung während der Wachstumsphase sind die Menschen in den letzten 100 Jahren größer und schneller geschlechtsreif geworden. Gleichzeitig sorgt die stark von Massenmedien geprägte Welt dafür, daß die Kinder stets früher mehr wissen und können (vgl. „Echt abgedreht - Die Jugend der 90er Jahre“ S.10-11 von Klaus Jahnke und Stefan Niehues, 1995. Verlag C.H. Beck). Beides führte dazu, daß der Beginn der Jugendphase früher einsetzte. Es hat sich jedoch auch das Ende der Jugendphase durch die heute herrschenden Lebensbedingungen und den Wertewandel „nach hinten“ verschoben. Zu diesen Lebensbedingungen gehören unter anderem der, im Vergleich zur Vorkriegszeit, relativ hohe Lebensstandard und die längeren Ausbildungszeiten vieler Jugendlicher. Durch den Wertewandel verlor für viele die Familie an Bedeutung und damit auch die Ehe, sowie die Gründung einer eigenen Familie.
„Jugendkultur“ als Begriff wird mit Vorliebe für alle möglichen Dinge benutzt. Nicht selten wird auch behauptet, daß dies ein Widerspruch in sich sei oder daß man da erst gar nicht von Kultur sprechen könne. Gerne wird er auch als Sammelbegriff für alle Gesichtspunkte jugendlichen Lebens, angefangen bei der Berufswelt bis zum Sexualverhalten, verwendet (vgl. „Echt abgedreht - Die Jugend der 90er Jahre“ S. 7 von Klaus Jahnke und Stefan Niehues, 1995. Verlag C.H. Beck). Doch für mich ist Jugendkultur mehr als die Gesamtheit dessen, was Jugendliche fühlen, denken - was sie toll finden, was sie gerne machen und warum sie das gerne machen - denn erst all dies zusammengebracht ergibt ein recht umfassendes Bild von Jugendkultur, das dann durch die Integration aller Teilaspekte Gestalt annimmt.
Die „Ausdehnung“ der Jugendphase schafft jedoch nicht allein den „Nährboden“ für die Jugendkulturen der neunziger Jahre, ermöglicht es aber einer gestiegenen Anzahl von Leuten, die Zeit zum Produzieren und/oder Konsumieren der selbigen zu finden. Nicht unbedeutend ist auch die bereits genannte Abschwächung des Stellenwertes der Familie, durch die Jugendkultur zum Familienersatz geworden ist. Unter dieser Entwicklung leiden Religion und Politik in gleicher Weise. Doch dieser „Bindungsriß“ wird neu gefüllt: Für die Jugendlichen werden deshalb Cliquen, Szenen und sogenannte „peer groups“ umso wichtiger. Dort treffen sie Menschen, deren Interessen sie teilen, die sie verstehen und von denen sie sich vor allem verstanden fühlen.
Die Begriffe Clique, Szene und peer group haben mittlerweile ungefähr die gleiche Bedeutung. In Cliquen erleben die Jugendlichen gleiche Freizeitgestaltung, haben ähnliche Wertevorstellungen, kaufen die gleichen (Marken-) Artikel und gehen gemeinsamen Interessen und sportlichen Aktivitäten nach. Wer einer solchen Szene angehört versucht
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sich aber auch (möglicherweise unbewußt) von Leuten, die nicht zu dieser Szene gehören, abzugrenzen. Auch die persönlichen Orientierungen des einzelnen in einer zunehmend komplexer und unübersichtlicher werdenden Gesellschaft werden innerhalb solcher Szenen ausgebildet. Die stets stattfindende Kommunikation mit der Umwelt lässt Gegensätze und Unterschiede erkennen und führt zur Bewußtwerdung der eigenen individuellen und sozialen Existenz.
Auffallend ist, daß diese Szenen auch stark von Äußerlichkeiten geprägt sind. Kleidung dient dazu, Befindlichkeit ausdrücken und sich abzugrenzen (Beispiele: Punks, Skinheads, etc.). Die Darstellung einer gewissen Geisteshaltung bezieht sich dabei auf individuelle Wertevorstellungen. Und ob man sich beispielsweise für oder gegen den Konsum entscheidet, so bleibt stets ein Stück Ideologie dabei. Durch den hohen Grad der Technologisierung in unserer Gesellschaft hat man als Jugendlicher die Möglichkeit sich seine sozialen Kontakte außerhalb der näheren Umgebung wie Straße, Schule, Sportverein, Uni oder Arbeitsplatz zu suchen. Mit der Hilfe von Internet und Mobilkommunikation kann man seinen Aktionsradius immens vergrößern. So erhält man beispielsweise Informationen über weiter entfernte Veranstaltungen, deren Reiz für einige auch darin besteht, daß man eine längere Fahrt in Kauf nehmen muß, die unter Umständen selbst als eine Art Erlebnis angesehen werden kann.
Auf diese Weise wird die Familie als Sozialisationsinstanz in nicht unbedeutendem Maße durch Cliquen, Szenen und peer groups abgelöst. Letztendlich ist für die Jugendkultur auch ausschlaggebend, daß Jugendliche im bedeutenden Umfang finanzielle Mittel zur freien Verfügung haben. Durch den Kauf von Schallplatten, CDs, DVDs und Modeartikeln, durch Kinobesuche setzen sie Akzente in der Konsumgesellschaft. Dieses Phänomen ist schon vom Rock ’n’ Roll aus den USA der fünfziger Jahre bekannt. Bis zur heutigen Zeit hat sich diese Erscheinung in anderen Konsumgesellschaften der Industrienationen nicht verändert. Das wirtschaftliche Potenzial dieser Kaufkraft hat die Industrie schon längst erkannt. Sobald eine künstlerisch aktive Avantgarde eine neue Erscheinungsform von Jugendkultur geschaffen hat, ist die Industrie in Form von sogenannten Trend-Scouts zur Stelle und versucht neue Marktlücken zu finden. Dies kann man, wie bei allen anderen Dingen, positiv oder negativ sehen. Positiv ist das, wenn mit den Geldern der Industrie kulturelle Veranstaltungen ermöglicht werden (Sponsoring). Andererseits setzt irgendwann der Kontrollmechanismus der Industrie ein: Ein kommerzieller, regionaler Trend wird aufgegriffen, um ein neues Produkt zu schaffen. Dieses soll dann abgesetzt werden, mit der Werbebotschaft, es sei jetzt „total angesagt“. Wenn sich die Jugendkultur nach diesem Prinzip ausbreitet, dann wird es schwierig zu unterscheiden, was die authentische und was die von der Industrie künstlich produzierte Jugendkultur ist.
Bei der Verbreitung einer neuen Erscheinungsform von Jugendkultur spielen auch Medien eine sehr wichtige Rolle. Unabhängig davon ob durch Musikfernsehsender oder Zeitschriften. Diese Tatsache wird neben dem Interesse der Industrie an Jugendkulturen von den künstlerischen Schöpfern der betroffenen Jugendkulturen kontrovers behandelt. Nach dieser ziemlich allgemeinen Betrachtung von Jugendkulturen möchte ich mich gerne wieder der Techno-Thematik widmen. Dies spiegelt sich erst einmal in einem Exkurs in die musikalische Geschichte von Techno und insbesondere in die Entwicklung von Techno in den neunziger Jahren - einer Epoche, in der Techno erst populär wurde - wider.
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Arbeit zitieren:
Nikolaus Jeremic, 2003, Techno: Entwicklung und Erscheinungsform einer Jugendkultur der 90er Jahre, München, GRIN Verlag GmbH
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