Inhaltsverzeichnis
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Abbildungsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis I
1. Fragestellung und theoretischer Hintergrund 2
1.1 Physische Attraktivitätsmerkmale des weiblichen Gesichts 4
1.2 Erklärungsansätze für weibliche Gesichtsschönheit 8
1.3 Priming 9
1.4 Zentrale Hypothesen 11
2. Methoden 11
2.1 Versuchsaufbau 11
2.2 Versuchsdurchführung/ Operationalisierung 13
2.3 Störvariablen 14
3. Ergebnisse 16
3.1 Stichprobe 16
3.2 Deskriptive Statistik 17
3.2.1 Resultate des Gesichtsmerkmalseinflusses 18
3.2.2 Resultate des Primings 20
3.3 Korrelationsauswertung 21
3.4 Hypothesenprüfung 21
4. Diskussion 24
4.1 Aussagekraft der Methoden 26
4.2 Ausblick 26
Literaturverzeichnis 28
Anhang 32
1. Fragestellung und theoretischer Hintergrund
2010 gaben die Deutschen 1,8 Milliarden Euro für schönheitschirurgische Eingriffe aus, eine Suchanfrage bei google unter dem Begriff „Schönheit“ ergibt nach 0,6 Sekunden 21,3 Millionen Treffer und das erfolgreichste Model der Welt Gisele Bündchen verdiente letztes Jahr 25 Millionen US-Dollar (Schwiegel, 2011; google.de, 2011; forbes.com, 2010).
All diese Fakten sind ein Beleg dafür, wie aktuell und relevant der Mythos Schönheit noch heute ist.
Die Geschichte der Schönheit ist lang und beginnt bereits in der griechischen Antike als
Euklid
in seinem VI. Buch „Die Elemente“ (ca. 300 v. Chr.) erstmals eine Definition des Goldenen Schnitts erwähnte (Van der Schoot, 2005). Der
Goldene Schnitt
ist
[…] „die Teilung einer Strecke AB durch einen Punkt E derart, daß sich die Länge der ganzen Strecke zu der größeren Strecke AE verhält wie diese zur restlichen Strecke EB.“
(Van der Schoot, 2005, S.12). Vereinfacht dargestellt bedeutet dies, dass
die mathematische Zahl Phi (≈ 1,618) eine Strecke im Verhältnis von ca. 3:2 teilt (Van der Schoot, 2005). Die Abbildung 1 zeigt sehr anschaulich wie sich das Verhältnis des Goldenen Schnitts im menschlichen Gesichtsprofil widerspiegelt. Der Goldene Schnitt wird als ästhetisch wirksamstes Verhältnis und als die göttliche Proportion beschrieben, die in den Bereichen Kunst, Architektur, Botanik, Mathematik und in der Anatomie des Menschen wiederzufinden ist (Van der Schoot, 2005).
Die Bedeutsamkeit des Goldenen Schnitts heut zu Tage beweist der amerikanische Schönheitschirurg Dr. Stephen R. Marquardt. Dieser hat die sogenannte „Golden Decagon mask“, die in ihrer Zusammensetzung aus den Verhältnissen des Goldenen Schnitts besteht, entwickelt und operiert nach deren Vorlage die Gesichter seiner Patienten (Marquardt, 2002).
In der Vergangenheit wurde die Forschung rund um das Thema Schönheit von vielen bedeutenden Persönlichkeiten wie dem italienischen Maler Leonardo da
Vinci
(1452 - 1519) und dem bedeutendsten deutschen Philosophen
Immanuel Kant
(1724-1797) betrieben (Van der Schoot, 2005; Hergovich, 2002). Da Vinci skizzierte 1485/ 1490 das weltberühmte Proportionsschema der menschlichen Gestalt nach Vitruv (siehe Abbildung 2), während Kant etwa zwei Jahrhunderte später die These aufstellte Frauen seien
„das schöne Geschlecht“
(Van der Schoot, 2005; Hergovich, 2002).
Einen wichtigen Schritt wagte die Schönheitsforschung im 19. Jhd., als sich erstmals auch die experimentelle Psychologie mit Untersuchungen zu den Themen Symmetrie und Asymmetrie beschäftigte (Van der Schoot, 2005). Im Jahre 1894 berichtete Edgar Pierce im Psychological Review von Experimenten in Harvard, bei denen die „ästhetische Anziehungskraft asymmetrischer Teilungen wie dem goldenen Schnitt in Beziehung zur Anziehungskraft rein symmetrischer Formen“ untersucht wurde (Van der Schoot, 2005, S.238). Seit dieser Zeit ist die Zahl der Untersuchungen zum Thema physischer Attraktivität unglaublich angestiegen. Eine Recherche in den „Psychological Abstracts“, einer Zeitschrift mit internationalen Veröffentlichungen von Untersuchungen, die von der American Psychological Association veröffentlicht wird, ergab für den Zeitraum von 1973 - 1990 eine Anzahl von 830 Einträgen zum Stichwort „physical attractiveness“ (Henss, 1992). Heut zu Tage ziehen insbesondere bekannte und populäre Attraktivitätsstudien, wie die des Psychologen Dr. Martin Gründl, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich (beautycheck.de, 2001). Gründl und seine Kollegen untersuchten 2001, im Rahmen eines Forschungswettbewerbs (Deutscher Studienpreis der Körber-Stiftung), die physische Attraktivität von Gesicht und Figur des Menschen (beautycheck.de, 2001-2009). xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Dieser kurze Einblick in die Geschichte und Gegenwart Schönheitsforschung zeigt, dass das Thema Attraktivität und Ästhetik schon über Generationen und Jahrzehnte hinweg die Menschen in ihren Bann zieht. Genauso erging es auch den Autoren dieser Studienarbeit, die daher beschlossen im folgenden Verlauf die „Auswirkungen von Gesichtsmerkmalen und positivem Priming auf die physische Attraktivitätsbeurteilung von Frauengesichtern“ zu untersuchen. Die Leser dieser Arbeit stellen sich nun vielleicht die Fragen „Warum hat sich die Experimentalgruppe für die Untersuchung von Frauen entschieden“? und „Welchen Hintergrund hat es, dass nur das Gesicht und nicht die Figur, für das Experiment ausgewählt wurde?“.
Diese Fragen lassen sich auf Basis des persönlichen Interesses der Experimentatoren als auch auf der Grundlage bereits durchgeführter Studien zum Thema Attraktivität klären. Das weibliche Geschlecht wurde in erster Linie Untersuchungsgegenstand, weil die ebenfalls ausschließlich weiblichen Experimentatoren, insbesondere Interesse daran hatten, Erkenntnisse über die „das schöne Geschlecht“ zu gewinnen.
Zusätzlich hat die Experimentalgruppe das Gesicht für die Untersuchung ausgewählt, da es das informationsreichste Repräsentationsmerkmal physischer Attraktivität ist. Denn Tatsache ist, dass sich in einem Gesicht besonders viele markante Schönheitsmerkmale, wie Augenstellung, Augenbrauenform, Hauttextur, Lippenform oder Hautfarbe widerspiegeln (Hergovich, 2002). Im weiteren Verlauf wird nun geklärt, was ein attraktives weibliches Gesicht ausmacht und welche Erklärungen es für dieses Schönheitsempfinden gibt.
1.1 Physische Attraktivitätsmerkmale des weiblichen Gesichts
Floskeln wie „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ oder „Schönheit ist reine Geschmackssache“ konnten im Laufe der letzten Jahrzehnte eindeutig widerlegt werden. Studien, wie die des Psychologen Dr. Martin Gründl zeigen, dass Schönheit von Menschen aller Alterskategorien, Nationalitäten und sozialen Schichten ähnlich wahrgenommen wird (Hergovich, 2002). Es gibt aber auch Studien, die belegen, dass es kulturelle Unterschiede hinsichtlich des
Schönheitsempfindens gibt, z. B. von Jackson und McGill, die eine Untersuchung zu dem Thema „Body type preferences and body characteristics associated with attractive and unattractive bodies by african Americans and Anglo Americans” durchführten (Jackson & McGill, 1996). Resultat dieser Studie war unter anderem, dass männliche Afroamerikaner „kurvigere“ Frauen bevorzugen und eher positive als negative Persönlichkeitseigenschaften mit der Fettleibigkeit verbinden als Angloamerikaner (Jackson & McGill, 1996). Diese Untersuchung bezog sich allerdings nur auf die Figur und nicht auf die Gesichtsattraktivität. Aktuelle Studien belegen, dass es generell eine gemeinsame Basis für das Schönheitsempfinden, insbesondere bezüglich des Gesichts gibt, für das es verschiedenste plausible Begründungen gibt, auf die die Autoren im Kapitel 1.2 eingehen werden (Hergovich, 2002). Professor Dr. Andreas Hergovich und Dr. Martin Gründl präsentierten unter anderem im Zeitraum von 2001-2009 Ihre Ergebnisse über physischen Attraktivitätsmerkmale des weiblichen Gesichts, die wir Ihnen nun nicht vorenthalten möchten (Hergovich, 2002; beautycheck.de, 2001-2009). Durchschnittsgesicht
Eine Nicht-Abweichung vom durchschnittlichen Gesicht der Population wird als Durchschnittsgesicht definiert (Asendorpf, 2007). Eine sehr bedeutende Studie zu diesem Thema veröffentlichten Langlois und Roggman 1990 im Psychological Science unter dem Titel „Attractive faces are only average“ (Langlois & Roggman, 1990). Deren Resultat ergab
folgendes: „ […] composite faces […] are indeed attractive and are rated as more attractive than are the individual faces comprising the composite”. (Langlois & Roggman, 1990, S.118) Nach Langlois & Roggman bestätigte auch Dr. Martin Gründl die sogenannte „Durchschnittshypothese“, indem er und seine Kollegen Originalgesichter und gemorphte Gesichter, die aus 2, 4, 8, 16, 32, oder 64 Originalgesichtern erzeugt waren, bezüglich ihrer Attraktivität beurteilen ließ (beautycheck.de, 2001-2009). Das Ergebnis (siehe auch Abbildung 3) zeigte, je mehr
Originalgesichter in einem gemorphten Gesicht vereint sind, desto attraktiver wird es beurteilt (r = .57** für Frauengesichter) (beautycheck.de, 2001-2009). Die Durchschnittsbildung macht Gesichter sehr symmetrisch und sie weisen eine künstlich anmutende Reinheit der Haut auf, die wiederum selbst als schön wahrgenommen wird (Asendorpf, 2007). Symmetrie
Symmetrisch ist etwas, wenn es sich an einer bestimmten Achse spiegeln lässt oder bestimmten Formschemata wie ABBA entspricht (Van der Schoot, 2005). Stroebe et al. zeigten, je höher die fluktuierende Asymmetrie, d. h. das Ausmaß in dem ein Individuum von der perfekten Symmetrie abweicht, desto geringer ist die physische Attraktivität (Stroebe, Jonas, Hewstone, 2002). Symmetrie kann als ein Anzeichen für „gute Gene“ und Fitness wie Fruchtbarkeit, Gesundheit und Wachstum angesehen werden (Stroebe, Jonas, Hewstone, 2002). Symmetrische Gesichter und Durchschnittsgesichter werden als subjektiv vertrauter und damit auch als positiver empfunden (Zajonc, 1968). Die generelle Gültigkeit „symmetrisch = schön“ wird allerdings immer häufiger
hinterfragt. Im Zuge einer Metaanalyse von Langlois et al. wurde festgestellt, dass Gesichter, die als besonders schön empfunden werden nicht perfekt symmetrisch sind, sondern leichte Abweichungen von der Perfektion aufweisen (Langlois, Kalakanis, Rubenstein, Larson, Hallam & Smoot, 2000). Ein besonders gutes Beispiel für dieses Ergebnis ist der Schönheitsfleck von Cindy Crawford (siehe Abbildung 4). Babyface/ Kindchenschema
Die Neotenie-Hypothese aus der Attraktivitätsforschung besagt, dass Schönheit und Jugend äquivalent sind, d. h. ein Babyface in der Regel als attraktiver empfunden wird (Hergovich, 2002).
Bei der Betrachtung des Themas „Babyface“ oder „Kindchenschema“ geht es um bestimmte Schlüsselreize des kindlichen Gesichts, die ein beschützendes Verhalten der Erwachsenen hervorrufen und Aggressionen hemmen sollen (Hergovich, 2002). Ein kindliches Gesicht dient aus evolutionsspezifischer Sicht
dazu die Fürsorge und Aufmerksamkeit der Eltern zu erlangen und den sogenannten „Beschützerinstinkt“ zu wecken, um das Überleben des Nachwuchses zu sichern (beautycheck.de, 2001-2009). Merkmale des Babyface sind: Ein proportional größerer Kopf, große und runde Augen, runde Wangen, hohe und feine Augenbrauen, eine Stupsnase, ein zierlicher Unterkiefer, ein kleines Kinn sowie eine dominante Stirn (Hergovich, 2002; beautycheck.de, 2001-2009). Personen mit diesen Merkmalen werden bestimmte Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben, die positive Auswirkungen auf die Attraktivitätseinschätzung derjenigen Person haben (Berry, 1991). Menschen mit Babyface werden als warmherziger, liebevoller, freundlicher und weniger ernst, aber auch als naiver und schwächer,
eingeschätzt (Hergovich, 2002). Ein sehr gutes Exempel für die Umsetzung des Kindchenschemas in der Spielzeugindustrie ist die
Barbie-Puppe
(siehe Abbildung 5). Ebenso wird diese Marketingstrategie in der Zeichentrickbranche verwendet, indem Comicfiguren mit kindlichen Proportionen und riesigen Augen
die Aufmerksamkeit auf sich ziehen (beautycheck.de, 2001-2009).
Generell kann man sagen, dass die Schlüsselreize des Babyface, die auf Jugend und Fruchtbarkeit hinweisen, letztendlich dazu führen, dass insbesondere Frauengesichter als attraktiver empfunden werden (Hergovich, 2002).
Generelle Indizes für ein attraktives Frauengesicht
Neben dem Durchschnitt, der Symmetrie und den Kennzeichen des Babyfaces gibt es noch einige generelle Gesichtsmerkmale, die ein physisch attraktives Gesicht ausmachen. Dr. Martin Gründl erstellte in diesem Zusammenhang den Prototyp eines sehr attraktiven weiblichen Gesichts (siehe Abbildung 6), welches spezifische Merkmale widerspiegelt (beautycheck.de, 2001-2009). Folgende Gesichtsmerkmale werden in der Regel als
attraktiv empfunden: Leicht braune Haut, schmales Gesicht, dunkle und schmale Augenbrauen, viele, lange und dunkle Wimpern, keine Augenringe, hohe Wangenknochen, schmale Nase, volle, gepflegte Lippen, schmaler Hals, große Augen, geringe Distanz zwischen Nase und Kinn, reine Haut und weiße Zähne (Hergovich, 2002; beautycheck.de, 2001-2009).
1.2 Erklärungsansätze für weibliche Gesichtsschönheit
Es gibt zahlreiche Theorien für die Erklärung weiblicher Gesichtsschönheit, aus Sichtweise verschiedensteter Disziplinen, wie der Mathematik, der Biologie, der Kunst und der Psychologie.
Bedeutende Modelle sind unter anderem die Theorie der sexuellen Selektion von Charles Darwin (1859), das Arousal Based Model von Katz (1999) und die Fluency-Theorie (2004) von Reber et al. (Darwin, 1869; Hergovich, 2002; Reber, Schwarz & Winkielman, 2004).
Am bekanntesten ist die Theorie von Darwin mit der Hauptaussage: „Survival of the Fittest“ (Darwin, 1869). Das bedeutet diejenigen Organismen, die besser an die Umwelt angepasst sind reproduzieren sich erfolgreicher und haben mehr Nachkommen als schlechter angepasste Organismen (Darwin, 1869; Gerrig & Zimbardo, 2008). Besonders attraktive weibliche Gesichter weisen in diesem Zusammenhang Merkmale wie Jugend und Fruchtbarkeit (Siehe Kapitel 1.1 Babyface) auf und geben einen Hinweis für „gute Gene“ und Gesundheit (Siehe Kapitel 1.1 Symmetrie) (Hergovich, 2002). Das Arousal Based Model von Katz (1999) postuliert ebenfalls, dass Schönheit im Dienste der Fortpflanzung stehe, weil potentielle Partner nur über die physische Attraktivität gewonnen werden können (Hergovich, 2002). Neu ist hier die Annahme, dass es im männlichen Gehirn ein „weibliches Gesicht-Erkennungssystem“ gibt, welches Hinweise darauf liefert, welche Gesichter attraktiv sind (Hergovich, 2002). Desto „schöner“ ein Gesicht ist - hier kommen insbesondere fünf Hauptkomponenten des Gesichts (Augenbrauen, Augen, Mund, Wangen, Nase) zum tragen - umso mehr wird das System im männlichen Gehirn aktiviert und das attraktive weibliche Gesicht zieht die Aufmerksamkeit auf sich (Hergovich, 2002).
Die Fluency-Theorie von Reber et al. (2004) stellt einen sehr aktuellen Erklärungsansatz für die weibliche Gesichtsschönheit dar. Die zentrale Aussage ist: „The more fluently the perceiver can process an object, the more positive is his or her aesthetic response” (Reber et al., 2004, S. 377). D. h. je “flüssiger” ein Reiz verarbeitet werden kann, desto positiver wird er wahrgenommen. Diese Theorie unterstützt unter anderem die Präferenz von Symmetrie, denn hier kann der Stimulus leichter verarbeitet werden (Reber et al, 2004).
1.3 Priming
Gemäß dem Untersuchungsthema „Die Auswirkungen von spezifischen Gesichtsmerkmalen und positvem Priming auf die physische Attraktivitätsbeurteilung von Frauengesichtern“ hat sich die Experimentalgruppe die Frage gestellt, welchen zusätzlichen Einfluss, neben den physischen Attraktivitätsmerkmalen, Priming auf die Beurteilung von Frauengesichtern hat. Priming bedeutet: „Die Aktivierung eines Stimulus erleichtert die anschließende Verarbeitung eines anderen, damit zusammenhängenden Stimulus“ (Jonas, Streobe & Hewstone, 2007, S. 117). Das heißt, ein Konstrukt wird im Gedächtnis aktiviert und vorübergehend zugänglich gemacht, wobei der Prime als Reiz zur Aktivierung dieses Konstruktes dient (Jonas et al., 2007). Durch die Aktivierung geraten auch andere, damit assoziierte Konstrukte in einen Zustand größerer Zugänglichkeit, d. h. das Ausmaß, in dem Informationen leicht gefunden und abgerufen werden, erhöht sich (Jonas et al., 2007). Die Studien von Higgins, Rhodes und Jones (1975) sowie Bargh und Pietromonaco (1982) waren für die Experimentatoren ausschlaggebend dafür, die Probanden der Experimentalgruppe positiv zu primen und in diesem Sinne die in Kapitel 1.4 formulierten Hypothesen aufzustellen (Higgins, Rhodes & Jones, 1975; Bargh & Pietromonaco, 1982). In der Untersuchung von Higgins et al. (1975) hatten 60 Studenten/ -innen der Universität Princeton die Aufgabe eine Personenbeschreibung (über „Donald“) zu lesen, die gespickt war mit entweder positiven Adjektiven (z. B. selbstbewusst, unabhängig, unternehmungslustig) oder negativen Adjektiven (z. B. rücksichtslos, waghalsig, eingebildet), um anschließend eine Personenbewertung abzugeben (Higgins et al., 1975).
Als Resultat des Versuchs ergab sich, dass diejenigen, die sich negative Wörter eingeprägt hatten „Donald“ deutlich negativer einschätzten und die Probanden, die die positiven Wörter verinnerlicht hatten „Donald“ wesentlich positiver bewerteten (Higgins et al., 1975).
Ergänzend zeigte sich auch in der späteren Untersuchung „Automatic Information Processing and Social Perception: The influence of trait information presented outside of conscious awareness on impression formation” von Bargh und Pietromonaco (1982), dass die Versuchspersonen die zu bewertende Stimulusperson unter dem Eindruck vorher geprimter Persönlichkeitseigenschaften beurteilen (Bargh & Pietromonaco, 1982).
Das Experiment von Higgins et al. zeigt eine Art Priming mit Hilfe positiver (und negativer) Adjektive, wobei die Begrifflichkeit „positives Priming“ im weiteren Sinne folgendermaßen definiert wird: Positives Priming (auch Repetition-Priming) erfolgt, wenn durch die Eigenschaften der Prime-Präsentation die Reaktionszeiten für den Zielreiz in der darauf folgenden Präsentation verkürzt werden oder die Akkuratheit der Antworten verbessert wird (Troche, 2005). Demensprechend hat die Experimentalgruppe bei Ihrer Untersuchung zum Thema Attraktivität in zweierlei Weise positives Priming angewendet (siehe Kapitel 2.1), erstens durch die Aktivierung von positiven Konstrukten durch die Verwendung von positiven Adjektiven und zweitens durch die Reizwiederholung, welche eine Vereinfachung der relevanten Information sowie eine Hemmung irrelevanter Information bewirkt (Higgins et al., 1975; Troche, 2005).
Die Experimentatoren haben sich für die Anwendung einer positiven Priming-Technik entschieden, da mit dieser Art des Primings eher unbewusste Stimuli (des weiblichen Gesichts) wahrgenommen werden, sich die Konzentration auf die relevanten Reize (Schönheitsmerkmale) erhöht und die Akkuratheit der Antworten auf sachlicher Ebene verbessert wird (Troche, 2005). Aus den Theorien und Ergebnissen der Kapitel 1.1 und 1.3 leiten sich im folgenden Verlauf nun zwei zentrale Hypothesen ab.
1.4 Zentrale Hypothesen
Hypothese I: Hintergrund der ersten Hypothese bildet die Untersuchung, ob
H0: Spezifische Gesichtsmerkmale haben bei einer Quotastichprobe von Studenten zwischen 19 - 32 Jahren keinen Einfluss auf die physische Attraktivitätsbeurteilung von Frauengesichtern. H1: Spezifische Gesichtsmerkmale haben bei einer Quotastichprobe von Studenten zwischen 19 - 32 Jahren einen Einfluss auf die physische Attraktivitätsbeurteilung von Frauengesichtern.
Hypothese II: Die zweite Hypothese wirft die Frage auf, ob positives Priming
H0: Positives Priming hat bei einer Quotastichprobe von Studenten zwischen 19 - 32 Jahren keinen positiven Effekt auf die physische Attraktivitätsbeurteilung von Frauengesichtern.
H1: Positives Priming hat bei einer Quotastichprobe von Studenten zwischen 19 - 32 Jahren einen positiven Effekt auf die physische Attraktivitätsbeurteilung von Frauengesichtern.
2. Methoden
Im Kapitel zwei werden die Methoden, d. h. die Art und Weise des Vorgehens sowie die dazugehörigen Verfahren erläutert, welche die Experimentalgruppe verwendet hat, um ihre Hypothesen zu untersuchen.
2.1 Versuchsaufbau
Der Aufbau des Experiments zum Thema Attraktivität und Priming entspricht einem klassischen Laborexperiment, wobei die Versuchspersonen (Vpn) ge-
mäß des Prinzips der Randomisierung zufällig in Kontroll- und Experimentalgruppe eingeteilt wurden.
Das Experiment fand an drei Terminen, über zwei Wochen hinweg, in identischen Räumlichkeiten in der SRH Hochschule in Heidelberg, statt. Vor Beginn des Experiments hatten die Probanden die Aufgabe einen Fragebogen mit soziodemographischen Daten (z. B. Alter, Geschlecht), Angaben zur Person (z. B. Beziehungsstatus, sexuelle Orientierung) sowie einen PANAS (“Positive and Negative Affect Schedule”; Stimmungsfragebogen) auszufüllen, um spätere Störvariablen auszuschließen (siehe Anhang A-1). Der PANAS-Fragebogen wurde explizit verwendet, da ein wesentlicher Zusammenhang zwischen momentaner Stimmung und der Beurteilung physischer Attraktivität besteht (Hergovich, 2001). D. h. eine hohe positive Stimmung geht mit einer positiveren Attraktivitätsbeurteilung einher und umgekehrt bewerten Personen mit negativer Stimmung die Attraktivität der Stimulusperson niedriger (Joraschky, Loew & Röhricht, 2009). Als Selbstbeschreibungsinstrument beinhaltet der PANAS (siehe Anhang A-1) 20 Items, von denen je zehn eher positive (z. B. aktiv, begeistert) bzw. negative (z. B. bekümmert, gereizt) Emotionen beschreiben (Krohne, Egloff, Kohlmann & Tausch, 1996).
Im zweiten Teil (erster Teil des eigentlichen Experiments) bekam die Kontrollgruppe die Aufgabe eine neutrale Selbstbeschreibung des Gesichts vorzunehmen, während die Experimentalgruppe eine ausschließlich positive Selbstbeschreibung des Gesichts vornehmen sollte (siehe Anhang A-2). Dieser Teil des Experiments, der einzig und allein dem Priming der Experimentalgruppe diente, wurde als „Selbstwahrnehmungstest“ getarnt, um die Hinweise aus der experimentellen Situation hinsichtlich des Primings abzuschwächen. Jedem Vpn der beiden Gruppen wurde für diesen Test ein Handspiegel (6 x 8 cm) zur Verfügung gestellt, um insbesondere in der Priming-Gruppe die Konzentration auf die positiven Gesichtsmerkmale zu verstärken. Nach dem Priming der Experimentalgruppe bzw. der neutralen Selbstbeschreibung der Kontrollgruppe folgte die Bewertung von 45 Frauengesichtern, die den Probanden mit Hilfe einer Powerpoint Präsentation im Abstand von 10
Sekunden gezeigt wurden (siehe Anhang B-1). Dieser Teil der Untersuchung diente dazu die Auswirkungen von physischen Attraktivitäts-merkmalen und positivem Priming auf die Attraktivitätsbewertung zu dokumentieren. Als Messverfahren diente ein Semantisches Differential (Polaritäten-profil), bei dem die Probanden auf einer Skala von 0 („überhaupt nicht attraktiv“) - 10 („höchst attraktiv“) eine Gesichtsbewertung abgeben sollten. Die Auswahl der 45 Frauengesichter basierte auf bestimmten Kriterien, welche die Validität des Experiments unterstützen sollten. So wurden sowohl Frauen mit besonders vielen Indizes für ein schönes Gesicht, als auch relativ „unattraktive“ Gesichter ausgewählt. Zusätzlich lag es im Sinne der Experimentatoren standardisierte Bilder auszuwählen, welche immer den gleichen Bildausschnitt sowie Frauen gleicher Kultur (europäische Gesichter) zeigten und auf denen die Mimik der Frauen ungefähr identisch war. Die limitierte Bewertungszeit von 10 Sekunden pro Bild begründet sich durch die Fluency-Theorie (siehe Kapitel 1.2), eine Top-down Verarbeitung sowie den automatisierten Prozess des Primings.
2.2 Versuchsdurchführung/ Operationalisierung
Der Kreis der Versuchsteilnehmer (n = 70) wurde auf Studenten der SRH Hochschule Heidelberg beschränkt, wobei jedoch ein breites Spektrum der Studenten erreicht werden sollte, um Geschlecht, Alter und
Fakultätszugehörigkeit zu variieren (siehe Anhang C-1, C-3, C-4). Die Termine für die Durchführung des Experiments wurden gemeinsam mit den Interessenten abgestimmt, damit möglichst viele Probanden teilnehmen konnten.
Vorab bereiteten die Experimentatoren den Versuchsraum vor, indem die Sitzplätze mit Kugelschreibern, Gesichtsspiegeln und umgedrehten Fragebögen präpariert wurden. Um den Effekt der Sozialen Erwünschtheit sowie gegenseitige Einflussnahme der Probanden auszuschließen wurden die Sitzplätze mit einem Mindestabstand von 1,00 m angeordnet. Sobald alle Probanden anwesend waren wurden die Instruktionen für das Experiment von einem Mitglied der Experimentalgruppe vorgelesen, welches an allen drei Ter-
Arbeit zitieren:
Studentin (Wirtschaftspsychologie B. A.) Linda-Marie Borchard, Elke Holzer, Meike Fitzek, Alisa Resic, 2011, Mythos Schönheit – Die Auswirkungen von spezifischen Gesichtsmerkmalen und positivem Priming auf die physische Attraktivitätsbeurteilung von Frauengesichtern, München, GRIN Verlag GmbH
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