Äquivalenzbeziehungen zu beschreiben und anzugeben, welche Faktoren textueller Art die Wahl eines bestimmten Äquivalents im konkreten Übersetzungsfall bestimmen“ (Koller 1992:228). Zentraler Gegenstand der denotativen Äquivalenz ist die Lexik (Wörter und Syntagmen einer Sprache), „weil hier die Sprachen am produktivsten sind bzw. sein müssen“ (1992:228). Die denotative Äquivalenz kann mit kommentierenden Übersetzungsverfahren prinzipiell (d.h. mit Abstrichen bei Lesbarkeit u. Verständlichkeit, Empfängerbezug, konnotativen und formal-ästhetischen Werten des Textes) erreicht werden.
Im lexikalischen Bereich unterscheidet Koller fünf Entsprechungstypen: 1. Eins-zu-eins-Entsprechung: ein AS-Ausdruck -> ein ZS-Ausdruck (Bsp. dt. fünf -> sp. cinco)
Übersetzungsschwierigkeiten können bei Synonymen in der ZS auftreten, z.B. frz. samedi -> dt. Samstag/Sonnabend (hier Synonyme auf der denotativen und nicht auf der konnotativen Ebene)
2. Eins-zu-viele-Entsprechung (Diversifikation): ein AS-Ausdruck -> viele ZS-Ausdrücke (Bsp. Englisch: river -> Französisch: fleuve - rivière) Koller unterscheidet drei mögliche Fälle:
a) man kann aus dem Textzusammenhang (Kontext) oder durch Allgemeinwissen auf die richtige Entsprechung schließen b) im konkreten Textzusammenhang ist es irrelevant
c) es entsteht ein Übersetzungsproblem wenn ein unspezifizierter Ausdruck (Oberbegriff) gefordert ist (dabei handelt es sich um eine sog. unechte Lücke, weil sie rein textbedingt ist) 3. Viele-zu-eins-Entsprechung (Neutralisation): viele AS-Ausdrücke -> ein ZS-Ausdruck (Bsp. Englisch: Control - control unit - regulator - governor -> Deutsch: Regler) Die durch die Neutralisation verloren gegangene ZS-Entsprechung kann eventuell „durch adjektivische und Genitiv-Attribute, Zusammensetzungen, adverbiale Zusätze etc. ausgedrückt werden“ (Koller 1992:232).
4. Eins-zu-Null-Entsprechung (Lücke): ein AS-Ausdruck -> ZS-Fehlstelle (Englisch: layout -> dt. ?)
Es handelt „sich um echte Lücken im lexikalischen System der ZS“ (1992:232), bezüglich des Übersetzungsauftrags sind es nur vorläufige Lücken, d.h. der Übersetzer muss die Lücke schließen. Diese gibt es besonders bei Realia-Bezeichnungen (landeskonventionelle, kulturspezifische Elemente).
Koller nennt fünf Übersetzungsverfahren zum Schließen der Lücken: a) „Übernahme des AS-Ausdrucks in die ZS (ggf. in Anführungszeichen), (a) unverändert
b) Lehnübersetzung: wörtliche Übersetzung des AS-Ausdrucks in ZS (Glied für Glied) c) In ZS wird ein bereits verwendeter Ausdruck mit ähnlicher Bedeutung gebraucht (am nächsten liegende Entsprechung)
d) „Der AS-Ausdruck wird in der ZS umschrieben, kommentiert oder definiert (Explikation oder definitorische Umschreibung)“ (Koller 1992:233)
e) Adaptation: „Ersetzung des mit einem AS-Ausdruck erfassten Sachverhalts durch einen
5. Eins-zu-Teil-Entsprechung: ein AS-Ausdruck -> Teil des ZS-Ausdrucks (Bsp. Deutsch Geist -> Englisch: mind)
Typische Beispiele sind Farbbezeichnungen, wenn die Farbenspektren in AS und ZS unterschiedlich aufgeteilt werden (4-teilige Skala vs. 7-teilige Skala). Es ergeben sich dabei nicht zwangsläufig Übersetzungsschwierigkeiten, da Teilentsprechungen in bestimmten Textzusammenhängen durchaus als adäquate Übersetzung gelten können.
Wenn es auf das genaue Inhaltsspektrum bzw. auf die genaue Bedeutung des AS-Ausdrucks ankommt, stößt die Übersetzbarkeit an ihre Grenzen (hier kommen nur noch kommentierende Übersetzungsverfahren in Frage). III. Konnotative Äquivalenz
Es gibt nicht nur eine denotative Bedeutung sprachlicher Ausdrücke, sondern auch konnotative Werte. Wenn man die Entsprechungstypen nicht nur unter der denotativen Dimension betrachtet, sondern auch konnotative Werte mit einbezieht, müssen alle genannten Entsprechungsbeziehungen zugleich als Eins-zu-Teil-Entsprechungen behandelt werden (bzw. bei den Eins-zu-Teil-Entsprechungen verstärkt sich der Teil-Charakter). Die konnotative Äquivalenz gehört zu den „meist nur annäherungsweise lösbaren Problemen des Übersetzens“ (Koller 1992:241). „Konnotative Werte ergeben sich als Folge der Heterogenität der Einzelsprachen“(1992:241): So können sprachliche Ausdrücke (Wörter, Syntagmen, Sätze) z. Bsp.: - verschiedenen Sprachschichten zugeordnet werden,
- in Frequenz, stilistischer Wirkung, Anwendungsbereich unterschieden werden, - auf bestimmte Benutzergruppen beschränkt werden.
Es muss auf der Textebene zwischen textrelevanten/übersetzungsrelevanten und irrelevanten konnotativen Werten unterschieden werden. So ergibt sich der Stil eines Textes aus dem
„spezifischen Vorkommen, der Frequenz, Distribution und Kombination von konnotativ wertigen sprachlichen Einheiten auf Wort-, Syntagma-, Satz- und satzübergreifender Ebene“ (Koller 1992:242). So kann sowohl Wortschatz als auch Syntax eines Textes fachsprachlich, geographisch, aber auch durch Neutralität geprägt sein. Da sich die Systeme der stilprägenden konnotativen Werte in verschiedenen Sprachen nicht eins zu eins decken können daraus stilistische Übersetzungsprobleme resultieren.
Auch hier gibt es „die Möglichkeit, konnotative Werte, die nicht erhalten werden können, durch kommentierende Verfahren zu vermitteln“. Bei „Texten, in denen konnotative Werte eine wichtige stilprägende Funktion haben“ (Koller 1992:243) kann sich dies jedoch schwierig gestalten, da entscheidende ästhetische Qualitäten verloren gehen können. Konnotative Dimensionen
Eine konnotativ markierte Form kann oft auch verschiedenen konnotativen Dimensionen gleichzeitig zugeordnet werden.
IV. Textnormative Äquivalenz
In einer Übersetzung wird die textnormative Äquivalenz durch die Einhaltung bestimmter sprachlicher Normen (Stilnormen) hergestellt. Das betrifft sowohl die Auswahl und Verwendungsweise sprachlicher Mittel im syntaktischen und lexikalischen Bereich, als auch den Textaufbau von Vertragstexten, Gebrauchsanweisungen, Geschäftsbriefen, wissenschaftlichen Texten etc. Der Übersetzer nimmt aufgrund in der ZS geltender Textnormen (Gebrauchsnormen) bestimmte sprachliche Veränderungen vor, die sich nicht aus Unterschieden zwischen AS und ZS ergeben.
Arbeit zitieren:
Nadja Kruselburger, 2010, Äquivalenz in der Übersetzung, München, GRIN Verlag GmbH
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