S e i t e 2
Inhaltsverzeichnis
A. Was ist „Inszenierte Fotografie“?
S. 3
B. Cindy Sherman und das inszenierte Portrait 4
B.1. Cindy Sherman, Untitled Film Still No. 48, 1979 5
B.2. Cindy Sherman „History Portraits
S. 6
C Schlussbetrachtung S 8
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A. Was ist „Inszenierte Fotografie“?
Der Terminus „Inszenierung“ wird seit Anfang des 19. Jahrhundert verwendet, der Begriff der „Inszenierten Fotografie“ hingegen ist erst seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gebräuchlich. Dieser Ausdruck trat erstmals 1976/77 in Amerika in Erscheinung und erlebte seine Profilierung in Deutschland in den achtziger Jahren. Die „Inszenierte Fotografie“ wurde in dieser Form keiner exakten Definition untergeordnet. Diese Bezeichnung wird für nahezu jede Art von Fotografie verwendet, die sich offensichtlich dem sogenannten Schnappschussverfahren entzieht.
Im Kontrast zu dieser Auffassung über „Inszenierte Fotografie“ kann entgegensetzt werden, dass man diese Bezeichnung durchaus determinieren kann, wenn man sich an den Theaterbegriff der Inszenierung anlehnt. Weiterhin bedient sich die „Inszenierte Fotografie“ gemeinsamer Merkmale, die vorerst in der Fotokunst der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts sichtbar werden und die sich dann später in den achtziger Jahren konstruktiv weiterentwickelt haben.
In der zeitgenössischen Fotografie kann die Bezeichnung „Inszenierte Fotografie“ nur eingeschränkt verwendet werden. Gemeinsame Attribute aus den siebziger und achtziger Jahren sind zwar auch hier aufzufinden, diese bringen aber häufig durch den veränderten zeitlichen Zusammenhang ganz andere Konnotationen mit sich. Insbesondere hat sich die Intention der geschichtenerzählenden Kunst, welche bezeichnend für die „Inszenierte Fotografie“ in ihrem Anfangsstadium war, zugunsten dem künstlerischen Nachsinnen verschoben, wie Narration im Bild von statten gehen kann. 1 Die „Inszenierte Fotografie“ ist keine isolierte Epoche der Fotografie-Geschichte, sondern muss als eine dezidierte und künstlerische Darstellungsweise in jeder Fotoinszenierung neu entschlüsselt werden. 2
Die amerikanische Künstlerin Cindy Sherman stellt eine immens wichtige Position in der „Inszenierten Fotografie“ dar und soll deshalb zum Hauptgegenstand dieser vorliegenden Arbeit werden. Ihre aufwendig inszenierten Selbstdarstellungen sind nahezu zum Inbild des Begriffes „Inszenierte Fotografie“ geworden. Veranschaulicht werden in dieser Arbeit die Entwicklung von ihren „Untitled Film Stills“ (1977) bis zu ihren „History Portraits“ (1988) und deren Inszenierungs-Strategien für das Portrait-Genre innerhalb der Fotographie.
1 vgl. Walter, Christine: Bilder erzählen! Positionen inszenierter Fotographie: Eileen Cowin, Jeff Wall, Cindy Sherman, Anna Gaskell,
Sharon Lockhart, Tracy Moffatt, Sam Taylor Wood. Weimar VDG 2002.
2 vgl. Walter, Christine: Bilder erzählen! Positionen inszenierter Fotographie: Eileen Cowin, Jeff Wall, Cindy Sherman, Anna Gaskell,
Sharon Lockhart, Tracy Moffatt, Sam Taylor Wood. Weimar VDG 2002.
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B. Cindy Sherman und das inszenierte Portrait
Cindy Sherman zählt nicht nur zu den populärsten zeitgenössischen Fotokünstlerinnen, sondern ihre stark inszenierten und konstruierten Bilder stellen einen engen Bezugsrahmen zum Inszenierungsbegriff der „Fabricated Photography“ her. Ihre Anlehnung zum Theater und Film wurden von ihr selbst, als auch von anderen, ihr nahestehenden Autoren belegt. Peter Schjeldahl merkt an, dass Shermans Werkmodus ein äußerst theatralischer sei:
„Wie kommt es, dass das Theatralische dieser Bilder - in Thematik, Stil und allein schon in ihrer Größe (bis zu
2,50 Meter Höhe) - die Kraft einer Offenbarung gewinnt? Weil das Theater, als die eigentliche Kunstform der Darstellung/performance, die ästhetische Grundlage aller Arbeiten Cindy Shermans und ihrer Avantgarde-
Generation bildet. Indem sie explizit gemacht wird, gewinnt die theatralische Dimension ihre ganze,
ungebrochene Fülle und Kraft.“ 3
Sherman selbst sieht sich sehr stark mit dem Film verbunden. Nur aus diesem Grunde konnte sie die Entscheidung treffen, sich dem Filmstudium an der an der State University of New York in Buffalo zu widmen. Theater und Film übten ergo einen großen Einfluss auf sie und ihre Arbeiten aus. Seit 1975 arbeitete die Künstlerin an Werkserien, die in sich abgeschlossen waren, aber keine Namen erhielten. Nur eine einzige Serie betitelte sie mit „Untitled Film Stills“, alle anderen Arbeitstitel sind den Kunstwerken Shermans in der (Forschungs-) Literatur aufoktroyiert worden.
In dieser Reflexion soll anhand von zwei verschiedenen, zwischen 1977 und 1988 erstellten Werkkomplexen, der Unterschied zwischen einem narrativen Bild und einem inszenierten Portrait aufgezeigt werden.
Nach viele verschiedenen Versuchen mit Schwarzweißfotografie, begann Sherman 1977, mit der Serie „Untitled Film Stills“, welche neunundsechzig Bilder beinhaltet. Die Künstlerin wollte mit dieser Serie ihre bereits vorangegangenen Arbeiten „vereinfachen, [sie wollte] nur noch Fotos machen, die als einzelne Fotos für sich funktionieren, aber trotzdem Geschichten erzählen.“ 4 Somit zeigt sie das wichtigste Charakteristikum ihrer Serie auf, nämlich, dass das einzelne Foto narrative Züge trägt und somit teilweise einer bildhaften Realisierung einer Inszenierung darstellt. An dem Bild „Untitled Film Still No. 48“ lassen sich weitere Hinweise auf eine „Inszenierte Fotografie“ ableiten.
3 Schjeldahl, Peter zit. in Walter, Christine: Bilder erzählen! Positionen inszenierter Fotographie: Eileen Cowin, Jeff Wall, Cindy Sherman,
Anna Gaskell, Sharon Lockhart, Tracy Moffatt, Sam Taylor Wood. Weimar VDG 2002.Anna Gaskell, Sharon Lockhart, Tracy Moffatt, Sam
Taylor Wood. Weimar VDG 2002. S. 129.
4 Sherman zit. in: Walter, Christine: Bilder erzählen! Positionen inszenierter Fotographie: Eileen Cowin, Jeff Wall, Cindy Sherman, Anna
Gaskell, Sharon Lockhart, Tracy Moffatt, Sam Taylor Wood. Weimar VDG 2002.Anna Gaskell, Sharon Lockhart, Tracy Moffatt, Sam
Taylor Wood. Weimar VDG 2002. S. 129.
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2011, Cindy Sherman und das inszenierte Portrait, München, GRIN Verlag GmbH
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