“We will not go back to the days of reckless behavior and unchecked excess that was at the heart of this crisis, where too many were motivated only by the appetite for quick kills and bloated bonuses (Barack Obama (President of the USA), 14.09.09, RE-MARKS BY THE PRESIDENTON FINANCIAL RESCUE AND RE-FORM).”
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Die Finanzkrise in den USA 5
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3. Finanzkrise und kein Ende? 12
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4. Fazit 21
Literaturverzeichnis 23
Abbildungsverzeichnis
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1. EINLEITUNG
Die Finanzkrise, die mit dem Platzen der Dotcom-Blase bereits ihren Anfang nahm, hat sich zur größten Wirtschaftskrise, seit den 1930er Jahren entwickelt. Sie hat uns auf brutale Art und Weiße verdeutlicht, wie macht- und hilflos Politik und Wirtschaft bis heute dem Marktversagen gegenüber stehen. In diesem Zusammenhang hat sie auch die Diskussion um Steuerungsfähigkeiten staatlicher Politiken im Wirtschaftsbereich enorm angeheizt: Während einige die Rückkehr des Staates als Regulierungs- und Steuerungselement beteuern, sehen andere den Staat nach wie vor als Spielball der Wirtschaft an. 1 Angesichts der rekordverdächtigen Verschuldung vieler OECD-Länder muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die Nationalstaaten, und insbesondere die USA, langfristig ihre Handlungskompetenzen für Steuerungs- und Regulierungspolitik einschränken.
Viele Wissenschaftler sehen in der Krise auch eine Chance: Die Chance zu einem Kurswechsel oder gar einem Neuanfang. 2 In Anbetracht der Policy- Entwicklungenin den USA, zeigt sich aber ein komplexeres Bild: Betrachten wir die bisherigen „Reformen“ und Eingriffe 3 in den amerikanischen Markt, so wird deutlich, dass die Entscheidungsträger in Krisen zwar schnell handeln, dennoch langfristige Politiken meiden. Dieser Beitrag wird herausstellen, dass die amerikanischen Entscheidungsträger im Weißen Haus und im Kongress aus verschiedensten Gründen in Krisen zu kurzfristigen und schnellen Lösungen neigen.
Zudem wird sich zeigen, dass die Politik tatsächlich meist nur in der Lage ist ein Problem zu erkennen und zu lösen. Folgend dem Multiple Stream Framework sind Individuen aufgrund ihrer kognitiven und biologischen Einschränkungen zu einem bestimmen Zeitpunkt nur in der Lage ein bestimmtes
1 Vgl. Renate Mayntz, „Die Handlungsfähigkeit des Nationalstaats bei der Regulierung der Finanzmärkte.“ Leviathan, Nr. 38 (2010): 175-187; Wolfgang Streeck, „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren. Der Nationalstaat nach der Finanzkrise.“ Leviathan, Nr. 38 (2010): 137-159 & Sabine Donner, Hauke Hartmannund Andrea Kuhn, „Introduction: The Centrality of Governance.“ in Managing the crisis: A comparative analysis of economic governance in 14 countries, hrsg. von Bertelsmann-Stiftung, 6-8 (Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung, 2010).
2 Vgl. Stormy Mildner, „Abschied vom Markt?“ SWP-Aktuell, 78 der Gesamtfolge (2008): 1-8.
3 Als Beispiele können genannt werden: Troubled Asset Relief Program (TARP); dem Bail-out von Banken; Rettung der Automobilindustrie.
4
Problem wahrzunehmen und anzugehen. 4 In diesem Kontext ist es zudem möglich, dass die Politik durch einen Overload von Problemen in ihrer Problemlösungskompetenz eingeschränkt wird. Zudem könnte eventuell eine Lösung auf nationaler Ebene zur Regulierung der Finanzwelt zu kurz greifen oder schlicht unerreichbar sein.
Der erste Teil der Arbeit wird sich einer präzisen Darstellung der Kernpunkte der Krise in den USA widmen. Am Schluss steht eine Analyse der bisher implementierten Krisenpolitik in den USA. Der zweite Teil dieses Beitrags setzt sich mit den bereits angedeuteten Thesen genauer auseinander, und prüft inwiefern diese auf das amerikanische System zutreffen.
2. DIE FINANZKRISE IN DEN USA
Bevor wir uns den Thesen dieser Arbeit zuwenden, wollen wir vorab einen Überblick über die Krise gewinnen. In diesem Kontext gilt es herauszuarbeiten, welche Akteure Einfluss auf den Krisenverlauf hatten und diesen auch genutzt haben. Welchen Weg haben die Akteure eingeschlagen und aus welchen Motiven?
Vorab gilt es zu klären, welche Protagonisten auf den modernen Finanzmärkten überhaupt agieren oder Einfluss nehmen können: Nationale Notenbanken, Regierungen, Geschäftsbanken und Entwickler von neuen Finanzprodukten hatten alle einen Anteil an der Krise. 5 Zuletzt wären noch die Anleger zu nennen, die zwar weder einen direkten Einfluss auf die Regulierung der Märkte, noch auf die Entscheidungen an den Märkten haben, allerdings als willige Kapitalgeber unabdingbar für die Finanzwelt sind.
2.1 Die Entstehung
Ausschlaggebend für die Finanzkrise in den USA war die Entscheidung der Federal Reserve Bank (Fed) die Zinsen seit Jahren niedrig zu halten. Ausgehend von dem wirtschaftlichen Abschwung nach dem Platzen der „Dotcome“- 4 Vgl.NikoIaos Zahariadis, „The Multiple Stream Framework: Structure, Limitations, Prospects.“ in Theories of the Policy Process, hrsg. von Paul A. Sabatier (Chicago: Westview Press, 2007), 68.
5 Vgl. Hanno Beck und Helmut Wienert, „Anatomie der Weltwirtschaftskrise: Ursachen und Schuldige.“ Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 20 (2009): 7-12. http://www.bpb.de/publikationen/BX7JDP,0,Anatomie_der_Weltwirtschaftskrise:_Ur sachen_und_Schuldige.html (letzter Zugriff: 22. Juni 2010), 7.
5
Blase 6 und nach den Anschlägen am 11. September auf das World Trade Center, begann die Fed die Zinsen zu senken und eine expansive Geldpolitik zu betreiben. 7 Die Zeit des „billigen Geldes“ begann und brachte zwei verheerende Folgen mit sich: Erstens waren die Geschäftsbanken fortan in der Lage sich äußerst günstig Fremdkapital zu beschaffen und folglich ihre Kreditvergabe auszuweiten. Zweitens waren Anleger automatisch dazu gezwungen risikoneutraler Geld anzulegen, das heißt, um ihre angestrebten Zinsen zu erreichen, mussten Anleger künftig ein höheres Risiko eingehen, als dies bisher der Fall gewesen war. 8
Mit dem Sinken der Zinsen (die phasenweise nicht einmal mehr die Inflation deckten) begann ein Boom im Immobilienmarkt: Die niedrigen Kreditzinsen sorgten dafür, dass sowohl der kurzfristige Konsum, als auch der Kauf von Eigenheimen mit Kreditunterstützung bei Banken, anwuchs. So kam es, dass immer mehr Banken Kredite freizügiger an Kunden vergaben, die sie in einer anderen Situation nicht als Kreditwürdig eingestuft hätten (subprime mortgages). So stiegen die Immobilienpreise 2002 am Vorabend der Krise, um mehr als 10 Prozent. 9 Hier zeigte sich nun der starke Einfluss der Produktentwickler auf den zukünftigen Kurs der Banken, denn jede Geschäftsbank unterliegt einem Zielkonflikt: Die Bank kann zum einen konservativen Kurs setzen, sich mit einem hohen Eigenkapital absichern, hierbei aber ihre Profite geringer halten. Oder zum anderen, das Eigenkapital möglichst klein halten, um durch mehr Spekulationen einen größeren Umsatz zu erwirtschaften. Die Produktenwickler gaben nun vor mit der „Verbriefung“ und „Strukturierung“ diesen Zielkonflikt gelöst zu haben. Durch die Verbriefung werden nicht handelbare Kredite in Wertpapier-Pakete geschnürt und dann an Versicherungen oder Investmentfonds verkauft. Hierdurch kann die Bank über den Verkauf ihrer vergebenen Kredite ihren Kapitalstock erhöhen und dadurch weitere Kredite vergeben.
6 Vgl. Anatol Locker, „Als die Dotcom-Blase platzte.“. http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,8049234,00.html (letzter Zugriff: 29. Juni 2010).
7 Vgl. Andreas Falke, „USA Country Report.“ in Managing the crisis: A comparative analysis of economic governance in 14 countries, hrsg. von Bertelsmann-Stiftung, 1-20 (Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung, 2010), 2.
8 Vgl. Stormy Mildner, „Wirtschaft und Finanzen.“ in Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, hrsg. von Peter Lösche. 5., aktualisierte und neu bearb. Aufl., 471-533, Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung 690 (Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung, 2008); Kapitel C, 528 ff.
9 Vgl. Andreas Falke, „USA Country Report.“ in Managing the crisis (s. Anm. 7), 4ff.
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Arbeit zitieren:
Daniel Bischof, 2010, Finanzkrise und kein Ende, München, GRIN Verlag GmbH
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