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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Das Leben des Jean-Jacques Rousseau 3
3. Rousseaus allgemeine Theorie der Erziehung 5
4. Rousseaus Theorie der Erziehung der Frau. 8
5. Rousseaus Theorie der Erziehung der Frau im historischen
Zusammenhang und kritischen Vergleich mit anderen Theorien und
Auffassungen zur Frau. 14
5.1 Zeitalter der Aufklärung 14
5.2 Francois Poullain de la Barre. 16
5.3. Erziehung Ende des 19. Jahrhunderts 21
5.4 Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus 23
6. Schluss 27
7. Literaturverzeichnis 29
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Franzosen Jean-Jacques Rousseau, der im Jahre 1762 sein Buch „Emile ou de l’éducation“ veröffentlichte, welches noch heute eine bedeutende Rolle in der Pädagogik einnimmt.
Um den Autor und sein Werk besser nachvollziehen zu können, wird es von Nöten sein, sich einen knappen Überblick über Rousseaus Leben zu verschaffen, ehe man sich mit seiner „Allgemeinen Theorie der Erziehung“ (Kap. 3) auseinandersetzt.
Ausführlich wird im Anschluss auf die „Theorie der Erziehung der Frau“ (Kap. 4) eingegangen, welche im historischen Kontext zu betrachten ist (Kap. 5.1).
Diese Arbeit geht im Hauptteil der Frage nach, inwieweit sich die Rolle der Frau und damit auch ihrer Erziehung im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Da dies ein unendliches weitläufiges Feld ist, beschränkt sich der folgende Text ausschließlich auf die Rolle der Frau in Deutschland - auf Frauen in anderen Ländern und Kulturen wird nicht eingegangen.
Es werden im Speziellen Auffassungen über die Frau aus drei unterschiedlichen Epochen herausgegriffen, welche mit Rousseaus Theorie verglichen werden. Anhand eines Textes von Francois Poullain de la Barre aus dem Jahre 1674 (Kap. 5.2), mittels eines Erziehungsratgebers von 1894 (Kap. 5.3) und einer Anzahl an Texten über Erziehung im Nationalsozialismus (Kap. 5.4) wird untersucht, ob ein Fortschritt erkennbar ist, ob und inwiefern sich die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft verändert hat.
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2. Das Leben des Jean-Jacques Rousseau
Jean-Jacques Rousseau wird am 28.Juni 1712 in Genf geboren. Seine Mutter stirbt nur wenige Tage nach der Geburt. 1722 flieht der Vater, Uhrmacher Isaac Rousseau, aus Genf; zwei Jahre später verlässt auch Jean-Jacques’ sieben Jahre älterer Bruder Francois die Stadt. Um Jean-Jacques’ Erziehung kümmert sich nun ein calvinistischer Landpfarrer, bis er im Jahre 1725 Lehrling beim Graviermeister Ducommun wird. Ab 1740 arbeitet Rousseau als Hauslehrer in Lyon, 1743 wird er zum Sekretär des französischen Gesandten in Venedig.
Zwei Jahre später lernt er die Wäscherin Marie-Thérèse Levasseur kennen, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebt. 1746 bringt Marie-Thérèse den ersten gemeinsamen Sohn zur Welt, der, wie auch vier weitere Kinder, einem Findelhaus in Paris übergeben wird.
Auch wenn solche Übergaben damals nicht unüblich waren, so bleibt es doch ein lebenslanges Trauma für Rousseau. Im „Emile“ schreibt er später selbst: „Wer die Pflichten eines Vaters nicht erfüllen kann, hat kein Recht, es zu werden. Weder Armut noch Arbeit, noch menschliche Rücksichten sprechen ihn davon los, seine Kinder zu ernähren und sie selbst zu erziehen. Ihr könnt mir glauben, meine Leser. Ich sage es jedem voraus, der Kinder hat und so heilige Pflichten verabsäumt, er wird lange Zeit über seinen Fehler bittere Tränen vergießen und niemals getröstet werden.“ 1
Sein Buch „Emile ou de l’éducation“ erscheint im Mai 1762. Thema des Buches ist „die idealtypische Erziehung und Bildung des Zöglings Emile von der Kindheit bis zur Heirat.“ 2 Wenige Tage nach der Veröffentlichung wird das Werk in Paris verboten und verbrannt. Am 9.Juni wird ein Haftbefehl gegen Rousseau erlassen.
1 Sturma, Dieter: Jean-Jacques Rousseau, S.20f.
2 Sturma, Dieter, a.a.O., S.40
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Das Buch gilt als zu revolutionär. „Kirche und Aristokratie haben ... alles versucht, um dieses Buch zu vernichten, da sie diesen neuen Menschen, der sich aus sich selbst nach seinen persönlichen Fähigkeiten entwickelt, der keine andere Autorität über sich anerkennt als den eigenen kritischen Verstand, der sich bewußt der öffentlichen Meinung und der herrschenden Weltanschauung entzieht, ... als Gefahr für ihren eigenen Bestand erkannt hatten. Alle Einrichtungen wurden damit in Frage gestellt, und sie in Frage stellen hieß, sie verneinen und ablehnen.“ 3
Auf Anraten des Herzogs von Luxemburg entschließt sich Rousseau letztlich zur Flucht. Sein Leben ist von nun an von häufigen, oft plötzlichen Ortswechseln geprägt. Zunächst allein, dann mit seiner Frau Marie-Thérèse macht er sich auf den Weg in die Schweiz; er findet Unterschlupf in Bern, einen Monat später zieht er nach Môtiers, wo ihm zunächst Friedrich der Zweite Asyl gewährt. Als es im September 1765 zu nächtlichen Übergriffen vor Rousseaus Haus kommt, flüchtet er auf die im Berner See gelegene Insel Île de Saint-Pierre, die er Ende Oktober wieder verlässt. Die Zeit auf der Insel bezeichnet er später als die schönste Zeit seines Lebens. Jean-Jacques und Marie-Thérèse machen sich über Straßburg und Paris auf den Weg nach London. Doch schon bald kehren sie nach Frankreich zurück, wo sie unter falschem Namen bei verschiedenen adeligen Freunden wohnen. Obwohl der Haftbefehl gegen Rousseau noch immer nicht aufgehoben worden ist, kehrt er 1770 nach Paris zurück. Seinen Lebensunterhalt finanziert er sich überwiegend mit dem Kopieren von Noten.
Am 2.Juli des Jahres 1778 bricht er nach einem Spaziergang zusammen und stirbt. Über den so plötzlichen Tod kurieren zahlreiche Gerüchte, u.a. ist von Selbstmord und Vergiftung die Rede. Marie-Thérèse äußerte sich nie zum Tod ihres Mannes. 4
3 Rousseau, Jean-Jacques: Emil oder Über die Erziehung, S.538
4 Sturma, Dieter, a.a.O., S.51f.
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3. Rousseaus allgemeine Theorie der Erziehung
Rousseaus Werk „Emile ou de l’éducation“ hat die „idealtypische Erziehung und Bildung des Zöglings Emile von der Kindheit bis zur Heirat“ 5 zum Thema. Rousseau schuf in seiner Phantasie einen Jungen, den er außerhalb der Gesellschaft aufwachsen lässt, dem er Vater und Mutter nimmt und der nur allein mit seinem Erzieher zusammenlebt: „Ich habe mich also entschlossen, mir einen Zögling vorzustellen, mir selber Alter, Gesundheit, Kenntnisse und alle Gaben, die man zu seiner Erziehung braucht, anzudichten, um ihn von der Geburt bis zu der Stunde zu führen, wo er Mann und sein eigener Führer ist.“ 6
Rousseau schreibt: „Die Erziehung des Menschen beginnt mit der Geburt. Ehe er spricht, ehe er hört, lernt er schon.“ 7 Die Erziehung erhalten wir, laut Rousseau durch die Natur, durch den Menschen oder von den Dingen. „Die Natur entwickelt unsere Fähigkeiten und unsere Kräfte; die Menschen lehren uns den Gebrauch dieser Fähigkeiten und Kräfte. Die Dinge aber erziehen uns durch die Erfahrung, die wir mit ihnen machen, und durch die Anschauung.“ 8 In diesem Zusammenhang macht er deutlich, dass einzig und allein die Erziehung durch den Menschen in unserer Hand liegt, die Erziehung der Natur lässt sich nicht beeinflussen und die Erziehung durch die Dinge hängt nur in gewisser Hinsicht von uns ab. Am Ende des Erziehungsprozesses steht bei Rousseau die Einheit von Wollen und Können: „Es gilt also, das Übergewicht der Wünsche über unsere Fähigkeiten zu vermindern und Wollen und Können in vollkommenes Gleichgewicht zu bringen. Nur wenn alle Kräfte tätig sind, und die Seele dabei noch in Frieden ruht, ist der Mensch ausgeglichen.“ 9
5 Sturma, Dieter, a.a.O., S.40
6 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.25
7 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.38
8 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.10
9 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.57
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„In den zwölf Jahren seiner Kindheit und Jugend soll Emile, von den Einflüssen der Gesellschaft fern gehalten, nur mit seinem Erzieher zusammen sein, unter dessen Kontrolle sein Kontakt mit der Welt vorbereitet wird.“ 10 Rousseau stellt hohe Ansprüche an den Erzieher selbst: Er soll jung sein; so jung, dass er „Gefährte seines Zöglings und Vertrauter seiner Spiele werden kann.“ 11 Grundvoraussetzung ist, dass der Erzieher selbst eine Erziehung genossen hat, ehe er es wagt, einen anderen Menschen zu erziehen. „Er muß in sich das Vorbild finden, das er zeigen will.“ 12
Nicht nur der Erzieher spielt bei Rousseau eine wesentliche Rolle, von größerer Bedeutung noch scheint der Ort der Erziehung zu sein. So verabscheut Rousseau regelrecht die Erziehung in der Stadt: „Städte sind das Grab des Menschen. ... Schickt also eure Kinder auf das Land.“ 13 An anderer Stelle heißt es: „Auf dem Dorf ist der Erzieher viel mehr Herr der Dinge, die er seinen Zöglingen zeigen will. Sein Ansehen, seine Reden, sein Vorbild hätten einen Einfluß wie niemals in der Stadt.“ 14
Rousseaus Anliegen ist es, dass das Kind „frei von den im 18.Jahrhundert üblichen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und ohne ständige Eingriffe der Erwachsenen“ 15 aufwachsen darf: „Emil wird ... weder Fallhaube, noch Laufkorb, weder Laufstuhl noch Gängelband haben. ... Statt ihn in einem dumpfen Zimmer verkümmern zu lassen, führe man ihn täglich mitten auf eine Wiese. Da kann er laufen, sich austoben und hundertmal am Tage fallen; um so besser lernt er wieder aufstehen.“ 16
10 Mensching, Günther: Rousseau zur Einführung, S.124
11 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.26
12 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.74
13 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.35
14 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.75
15 Mensching, Günther, a.a.O., S.125
16 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.54
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Rousseau ist es zu verdanken, dass in der modernen Pädagogik die Kindheit als eigener Lebensabschnitt, mit seinen ganz eigenen Anforderungen, betrachtet wird. „Vor ihm galten Kinder eher als defiziente Erwachsene, denen der in der Gesellschaft erwünschte Habitus möglichst schnell und vollständig zu vermitteln war.“ 17 Rousseau erkennt, dass die Kindheit ihre eigene Art hat, „zu sehen, zu denken und zu fühlen, und nichts ist unvernünftiger, als ihr unsere Art unterschieben zu wollen.“ 18 An anderer Stelle heißt es: „Die Menschheit hat ihren Platz in der Ordnung der Dinge: die Kindheit den ihren in der Ordnung des menschlichen Lebens. Man muß den Erwachsenen als Erwachsenen und das Kind als Kind betrachten.“ 19 Er fordert seine Leser auf: „Achtet die Kindheit, beurteilt sie nicht voreilig, weder im Guten noch im Bösen.“ 20
So revolutionär seine Theorie damals war, so verpönt war sie auch, denn Rousseau spricht sich in seinem Werk mehr als deutlich gegen die bestehende Gesellschaftsordnung aus, so schreibt er: „Wir nähern uns einer Krise und dem Jahrhundert der Revolutionen. ... Ich halte es für unmöglich, daß die großen Monarchien Europas noch lange bestehen werden. Sie haben alle geglänzt, aber jeder Staat, der glänzt, befindet sich auf dem Abstieg. ... Man lobe, so viel man wolle, den besiegten König, der sich wie ein Rasender von den Trümmern seines Thrones begraben läßt: ich verachte ihn! Ich sehe, daß er nur durch seine Krone existiert und daß er nichts ist, wenn er nicht König ist.“ 21
Rousseau scheint sich des Ärgers und der Unruhen nach Erscheinen seines Buches bewusst zu sein, denn so schreibt er: „Wieviel Stimmen werden sich gegen mich erheben?“ 22
17 Mensching, Günther, a.a.O., S.125
18 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.69
19 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.56
20 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.88
21 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.192
22 Rousseau, Jean-Jacques, a.a.O., S.56
Arbeit zitieren:
Christiane Pötter, 2002, Jean-Jacques Rousseaus Theorie der Erziehung der Frau - „Emile ou de l’éducation“ , München, GRIN Verlag GmbH
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