INHALTSVERZEICHNIS
I Einführung Seite 4
II Definition Seite 5
III Die Geschichte des luziden Traumes Seite 6
IV Physiologische Grundlagen Seite 8
V Traumexperimente Seite 8
1. Zeitgefühl Seite 9
2. Physiologische Übereinstimmungen im Wachen und Träumen Seite 9
3. Singen und Zählen Seite 10
VI Induktion von Klarträumen Seite 11
1. Paul Tholey Seite 11
a) Die Bildtechnik Seite 12
b) Die Körpertechnik Seite 12
(1) Die Zweikörpertechnik Seite 12
(2) Die Einkörpertechnik Seite 12
2. Stephen LaBerge Seite 13
a) Die Mnemotechnische Induktion von luziden Träumen (MILT) Seite 13
b) Nützliche Hilfsmittel Seite 14
VII Der präluzide Traum und das (falsche) Erwachen Seite 15
1. Überprüfungsmöglichkeiten in prä-luziden Phasen Seite 15
a) Der Drehtest Seite 15
b) Der Sprungtest Seite 15
c) Der Lesetest Seite 15
d) Der Gegenstandstest Seite 16
e) Der Gedächtnistest Seite 16
2. Das Falsche Erwachen Seite 16
2
3. Erwünschtes Erwachen Seite 17
VIII. Die Kontrolle im luziden Traum Seite 18
1. Intellektuelle Fähigkeiten und emotionale Qualität
2. Handlungskontrolle Seite 18
IX. Anwendungsgebiete Seite 20
1. Alpträume
a) Das Klarwerden als Lösungsweg
b) Hilfe in der Psychopathologie
2. Der bewußte Umgang mit Traumgestalten (nach P.Tholey)
a) Begegnung mit einer freundlichen Traumgestalt
b) Begegnung mit einer feindlichen Traumgestalt Seite 23
X. Schlußfolgerungen und Aussichten Seite 23
XI. Literaturverzeichnis Seite 26
3
I. EINFÜHRUNG
Wenn der Traumzustand anbricht,
lieg nicht wie eine Leiche in Unwissenheit da, betrete die natürliche Sphäre der beständigen Aufmerksamkeit. Erkenne deine Träume und wandle Illusion in Illumination Schlaf nicht wie ein Tier.
Tu, was Schlaf und Wirklichkeit vermischt.
Tibetisch-buddhistisches Gebet 1
„...Ich fuhr in meinem Sportwagen die Traumstraße entlang, wobei ich mir vollkommen bewußt war, daß ich träumte. Ich war entzückt von der überirdisch schönen Landschaft, die sich mir in diesem luziden Traum darbot. Als ich noch etwas weiterfuhr, erblickte ich am Straßenrand eine sehr attraktive[...] Anhalterin. Es versteht sich von selbst, daß ich eine starke Neigung verspürte, anzuhalten und sie mitzunehmen. Aber ich sagte mir: „diesen Traum habe ich schon öfter gehabt. Wie wär´s mit etwas Neuem?“ Ich fuhr also an ihr vorüber, entschlossen, statttdessen nach „dem Höchsten“ zu streben. Sobald ich mich dieser Führung überließ, hob mein Auto vom Boden ab und stieg rasch höher, um schließlich wie eine Antriebsrakete hinter mir zu Boden zu stürzen. Ich flog höher in dieWolken hinauf, [...]. [...] gelangte ich in eine Sphäre, die ein unermeßlich mystisches Reich zu sein schien: eine riesige Leere,die dennoch voller Liebe war – ein grenzenloser Raum, der etwas Heimatliches an sich hatte. Meine Stimmung war der Höhe entsprechend immer euphorischer geworden, und ich begann, mit ekstatischer Inspiration zu singen. Die Register meiner Stimme waren einfach unglaublich – sie umfaßten die gesamte Skala vom tiefsten Baß bis zum höchsten Sopran – und ich hatte das Gefühl, in der Resonanz meiner Stimme den ganzen Kosmos zu umspannen. [...] Als ich aus diesem bemerkenswerten luziden Traum erwachte, ließ ich ihn mir durch den Sinn gehen und machte mir klar, daß er eines der beglückendsten Erlebnisse meines Lebens gewesen war.“ 2
1 Godwin: Der Traum; Seite 18.
2 LaBerge:Hellwach im Traum; Seiten 277-278.
4
Durchschnittlich verbringt ein Mensch etwa 20 Jahre im Schlaf, davon etwa 4 Jahre in der Traumwelt 3 .
Das luzide Träumen bietet uns die Möglichkeit, diese vier Jahre intensiv zu erleben, sie in die Wachwelt mitzunehmen und aus ihnen zu lernen.
Dank dieser Art von Träumen können wir uns von Alpträumen befreien und sogar Situationen beeinflussen, um intensive Gefühle (wie oben erwähnt) bewußt zu erleben. Ein grosser Vorteil des Klarträumens ist, daß es nicht nur einzelnen Personen, sondern grundsätzlich jedem, der interessiert und für das Erlernen motiviert ist, offensteht.
II. DEFINITION
Van Eeden führte 1913 den Begriff „luzider Traum“ ein, um das Phänomen, daß er sich in seinen Träumen bewußt war, daß er träumte, zu bezeichnen 4 .
Heute führt dieser Begriff zu einiger Verwirrung. Noch gibt es keine allgemeingültige Definition, unter welchen Gesichtspunkten es angebracht ist, diesen Terminus zu verwenden, bzw. welche Aussagen getroffen werden, indem er gebraucht wird. So ist für Celia Green, Leiterin des Institute of Psychological Research in Oxford, die schon im Jahre 1968 Studien über luzide Träume veröffentlichte, wichtig, daß das einzige entscheidende Wesensmerkmal eines luziden Traumes darin besteht, daß der Träumende sich seines Traumzustandes bewußt ist 5 . C.Green weist darauf hin, daß einen luziden Traum noch weitere charakteristische Merkmale, wie z.B. die Möglichkeit, klar zu denken oder sich an frühere Begebenheiten zu erinnern, begleiten, jedoch läßt sie diese nicht in ihre Definitionen mit einfliessen.
Auch für Stephen LaBerge befindet sich ein Träumender solange in einem luziden Traum, wie er sich über den Zustand klar ist, daß er schläft und träumt 6 . Für ihn steht jedoch im Mittelpunkt, daß sich der luzid Träumende an z.B. Instruktionen erinnern und diese dann auch umsetzen kann.
Paul Tholey bezieht gleich eine ganze Reihe von Merkmalen in seine Definition eines Klartraumes mit ein, die für den luziden Traum seiner Meinung nach nicht ganz zutreffend sind.
3 Garfield: Kreativ träumen; Seite 13.
4 Auszug aus: Van Eeden: A study of dreams.
5 Green/ McCreery: Träume bewußt steuern; Seite 16.
6 LaBerge: Hellwach im Traum; Seite 16.
5
Der Klartraum zeichnet sich, laut Tholey, über den luziden Traum hinausgehend, dadurch aus, daß man durch die völlige Klarheit im Traum auch bewußt handeln und Entscheidungen treffen kann.
Tholeys abgrenzenden Merkmale sind:
Klarheit darüber, daß man träumt
- Ungetrübter Bewußtseinszustand
- Uneingeschränkte Sinnesleistungen
- Vollständige Erinnerung an das Wachleben
- Im Wachen und im Klartraum eine vollständige Erinnerung an den bisherigen Klartraum. 7
-
Wieder andere Autoren verwenden sowohl „Klartraum“ als auch „luzider Traum“ für ein und dasselbe Phänomen: 8 nämlich ein Traum, in dem dem Träumenden bewußt ist, daß er träumt, und er daher frei und bewußt handeln kann.
Auch ich möchte in diesem Sinne diese beiden Begriffe gebrauchen.
III. DIE GESCHICHTE DES LUZIDEN TRAUMES
Die Geschichte des luziden Traumes reicht weit zurück. Ihre Ursprünge sind heute kaum noch nachzuvollziehen.
Gewiß ist, daß sowohl in der tibetischen Bonpo-Schule, bei den australischen Ureinwohnern und in der hinduistischen Welt Indiens das Klarträumen schon einige 1000 Jahre vor Christus bekannt war und als spiritueller Weg zu mehr Bewußtsein angesehen wurde 9 . Dank Aristoteles wissen wir,daß das luzide Träumen oder auch das Klarträumen schon den Griechen bekannt war 10 .
Godwin erwähnt, daß etwa um das Jahr 300 n.Chr. herum in einem Brief von dem heiligen Augustinus der wohl älteste westliche Bericht des Klarträumens niedergeschrieben wurde. Darin handelt es sich um einen Mann namens Gennadius, der an dem Leben nach dem Tod zweifelte.
Gennadius erschien im Traum ein Jüngling und mit dessen Auftreten wurden die Sinneseindrücke Genadius äußerst intensiv.
7 Tholey/ Utecht: Schöpferisch Träumen; Seiten 29-30.
8 Godwin: Der Traum; Seite 10.
9 Godwin: Der Traum; Seite 36.
10 Godwin: Der Traum; Seite 34
6
In einer folgenden Reihe nächtlicher Träume befragte ihn der Jüngling über das Wesen und den Zustand seines Träumens. Gennadius konnte sich noch erinnern, daß ihm der Jüngling auch schon zuvor im Traum erschien, er konnte auf die Frage, wo denn sein Körper sei, antworten, daß dieser sich im Bett befinde und wußte auch, daß seine Augen geschlossen waren. „Also träumst du, kannst mich aber trotzdem sehen!“; somit zeigte ihm der Jüngling auf, daß es nicht immer der körperlichen Augen bedarf, um Dinge sehend wahrzunehmen und überzeugte damit Gennadius von einem Leben nach dem Tod. 11 Im 8. Jahrhundert nach Christus wurde in Tibet von buddhistischen Yogis eine ausgereifte Technik des Traum-Yoga entwickelt. Ziel war es, den „Zustand des Traumes“ zu verstehen; nämlich, daß er, genau wie der im Wachen auch, „seinem Inhalt nach Täuschungt ist“.Schon hier (wie weiter unten bei Stephen LaBerge beschrieben) wurde eine hohe Motivation von Seiten des Traumschülers vorausgesetzt. 12 Im zwölften Jahrhundert war bei den persischen Sufis das Klarträumen weit verbreitet. Besonders in die Geschichte eingegangen ist der Sufi Ibn El-Arabi, der forderte, daß jeder seine Gedanken im Traum kontrolliere, um daraus Nutzen zu ziehen. Es wird gesagt, daß dieser Sufi seine Inspiration aus seinen Klarträumen zog. 13 Die erste methodische Untersuchung von Illumination in Träumen wurde vom Marquis d´Hervey de Saint-Denis geschrieben, der seit dem dreizehnten Lebensjahr seine Träume aufgeschrieben hatte und sie 1867 veröffentlichte. Er beschreibt in seinem Buch, laut Godwin, wie er die Kontrolle über seine Träume gewann und darin Experimente vornahm. So versuchte er z.B. ein Porzellantablett zu zerbrechen. 14 Wie schon ober erwähnt war der Psychater Willem Frederik van Eeden in der Traumforschung tätig. Er beschrieb mehr als dreihundert seiner eigenen klaren Träume. Auch er experimentierte in seinen Träumen auf ganz ähnliche Weise wie Saint-Denis. So versuchte er unter anderem ein Glas zu zerbrechen und kam durch seine Beobachtungen zu der Erkenntnis, daß die Traumwelt doch nur eine fehlerhafte Kopie der wirklichen Welt sei. 15 Hugh Calloway, auch als Oliver Fox bekannt, brachte sich das luzide Träumen selbst bei und wurde darin sehr geübt.
11 Godwin: Der Traum; Seite 38.
12 Evans-Wentz: Yoga und Geheimlehren Tibets, Seiten 160-164.
13 Shah: Die Sufis; Seite 129.
14 Godwin: Der Traum; Seite 39 15 Van Eeden: A study of dreams. Proceedings of the Society for Psychical Research, 26 ; 431-61.
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Arbeit zitieren:
Katharina Heiß, 2001, Der luzide Traum, München, GRIN Verlag GmbH
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