Christiane Stümke
Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mikroelektronik
Anhand der Studie „Zukunft der Angestellten“ von M. Baethge und H. Oberbeck
Hausarbeit zum Proseminar „Grundfragen und Ansätze der Arbeitssoziologie II“ Wintersemester 2002/2003 Institut für Soziologie Universität Heidelberg
0. Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung der Angestellten
3. Kurze Einführung in die Studie
4. Die Berufsperspektiven
4.1. Die Polarisierungshypothese
4.2. Eine Kaltfront zieht herauf- die neue Situation für untere, nicht einschlägig
qualifizierte Angestellte
4.3. Die Ruhe vor dem Sturm- die noch guten Zukunftsperspektiven für einschlägig
qualifiziertes Fachpersonal
5. Neue Unternehmensstrategien: Aus- und Weiterbildung
6. Rückblick und Kritik
7. Literaturverzeichnis
3
1. Einleitung
Das Proseminar „Grundfragen und Ansätze der Arbeitssoziologie“ war mein erstes Proseminar einer speziellen Soziologie. Als Erstsemester war es für mich am Anfang etwas mühsam die Textauszüge, die wir behandelten, richtig zu verstehen. Dennoch, je länger ich mich mit der Arbeitssoziologie, in diesem Fall der Angestelltensoziologie, befasste, desto mehr weckte sie mein Interesse.
Ich hatte Gelegenheit während meines Nebenjobs als Sekretariatsaushilfe die Arbeit und Mentalität von Angestellten auch in der Realität näher kennen zu lernen. Dabei hat das Proseminar mir sehr viele neue Ansätze vermittelt.
Da ich aus einer Generation komme, die mit Computern und Internet quasi aufgewachsen ist und sich diese Hilfsmittel aus ihrem Leben nicht wegdenken kann, war die Studie von Baethge/ Oberbeck zu Beginn etwas ungewöhnlich. Ich konnte mir kaum ein Büro ohne technische Geräte, ohne Fax, Computer, Kopierer und sogar Internet, vorstellen. Deshalb war die Studie schon allein unter diesem Aspekt interessant, zu erfahren, wie die Arbeit früher war und wie sie sich in den letzten, jetzt schon gut 20 Jahren, verändert hat. In meiner Hausarbeit „Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mirkoelektronik“ gehe ich nicht so sehr auf die technische Seite der EDV ein, sondern eher auf die konkreten Aspekte der Veränderungen für Angestellte selbst. Interessant war vor allem für mich das emotionale Empfinden von Angestellten, die mit diesen neuen und unbekannten Geräten und Systemen konfrontiert wurden.
Zuerst gehe ich in Kapitel 2 sowohl auf das Selbstverständnis und Selbstbild von Angestellten als auch auf ihre Wirkungsweise nach außen hin ein. Des Weiteren erläutere ich in Kapitel 3 kurz den Inhalt der Studie. Dies beinhaltet eine Kurzbeschreibung der Autoren, der Erhebungsmethoden, des Ziels und des Hintergrunds. In Kapitel 4 befasse ich mich hauptsächlich mit einer großen Hypothese der Autoren, der Polarisierungshypothese. Anschließend beleuchte ich in Kapitel 5 noch die neuen Trends der Unternehmensstrategien. Beenden werde ich meine Hausarbeit damit, rückblickend aus heutiger Sicht, gut 20 Jahre nach Erscheinen der Studie, mit Lob und oder Kritik für die Zukunftsprognosen von Baethge/ Oberbeck.
4
2. Historische Entwicklung der Angestellten
Witze über Beamte- also Angestellte des Staates- gibt es seit langer Zeit und sie erfreuen sich großer Beliebtheit. Man mokiert und ärgert sich über gewisse Privilegien, die diese Berufsgruppe gegenüber Anderen hat, z.B. ein relativ freies Zeitmanagement und die Zahlung des Gehalts bereits am 15. des Monats, also im Voraus.
Aber warum haben Angestellte bis heute einen höheren sozialen Stellenwert als z.B. Beschäftige in der Produktion?
Angestellte waren, seit sich diese Berufsgruppe begann gegen Mitte des 19. Jahrhunderts hervorzuheben, schon immer besser bezahlt und besser qualifiziert. Sie sahen sich von Anfang an eher dem Bürgertum als dem Proletariat verbunden. Dies hatte vor allem damit zu tun, dass sie geistige Arbeit leisteten und sich die Finger nicht schmutzig machten. Sie unterschieden sich außerdem in „Herkunft, Vorbildung, Kleidung und Lebensgewohnheiten“ 1 vom Proletariat. Keinesfalls konnten sie aber vollständig mit dem Bürgertum verschmelzen, auch wenn sie mit diesem in „Konservativismus und Sicherung ihrer Situation“ übereinstimmten. Daher bildete sich mit der Entstehung von Angestellten eine neue, wenn auch nicht homogene Schicht, die sich zwischen Proletariat und Bürgertum einordnen lässt. Dieser Prozess bewirkte allerdings kein übermäßiges Zusammengehörigkeitsgefühl, was neben der politischen Orientierung den mangelnden Zusammenschluss dieser Berufsgruppe in Gewerkschaftsverbände erklärt. Zu Beginn fand man Angestellte hauptsächlich im öffentlichen Bereich. Mit der „Bürokratisierung und Hierarchisierung“ der Betriebe jedoch, weiteten sie sich auch in den Industriebetrieben aus und wurde nach und nach zu einer Großgruppe. Aufgrund dieser Ausbreitung wuchs auch die Bedeutung an Expertenwissen, was Angestellte in der funktionalen Hierarchie nach oben hub und ihnen immer mehr Autorität im Rahmen ihres Amtes verlieh. Diese neu entstandenen Karrieremöglichkeiten riefen bei den Angestellten ein zusätzliches Statusbewusstsein hervor, zogen jedoch auch eine starke vertikale Differenzierung dieser Berufsgruppe nach sich. Je mehr sich die Schicht der Angestellten ausweitete, desto mehr war ein Polarisierungsprozess zu erkennen. Auf der einen Seite standen Beschäftigte im privaten und öffentlichen Bereich, bezeichnet als Dienstklasse, die noch weiter nach oben stiegen und somit eine noch günstigere Soziallage erhielten. Auf der anderen Seite waren die Büro- und Handelsangestellten zu finden, deren Arbeitsbedingungen sich immer mehr denen von Arbeitern anglichen. Sie hielten jedoch an der aus „traditionellen Differenzen begründeten Illusion des höheren Status“ im Gegensatz zu Arbeitern fest. Bereits nach dem zweiten Weltkrieg und insbesondere nach den 50er Jahren
1 Alle Zitate dieses Kapitels nach Mikl-Horke
5
änderten sich im Allgemeinen die wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Grundlagen von Industriegesellschaften. Während im primären und sekundären Bereich die Beschäftigung stagnierte bzw. schon zurückging, stieg die Nachfrage im tertiären Sektor signifikant an. Damit erfuhr die bereits als Großgruppe bezeichnete Angestelltenschaft nochmals einen erheblichen Zuwachs. Je mehr Menschen sich zu dieser Berufsgruppe zählten, desto heterogener im Bezug auf Einkommen, Qualifikation und Arbeitssituation wurde sie. Nach der Rationalisierung von Produktionsprozessen erfuhr auch die Büro- und Verwaltungsarbeit Arbeitsteilung. Dies beschnitt die Angestellten der unteren Ebene massiv und führte zu Verlust an sozialem Ansehen. Anfang und Mitte der 70er Jahre erwartete man mit Einführung der EDV und Mikroelektronik in Büros in der Angestelltenklasse einen noch tiefgreifendären Verlust an Ansehen und eine umfangreiche Abschaffung von Privilegien. Diesem Sachverhalt widmeten sich Martin Baethge und Herbert Oberbeck in ihrer Studie „Zukunft der Angestellten- Neue Technologien und berufliche Perspektiven in Büro und Verwaltung“.
Ob und in wie weit die Erwartungen an die Technisierung des Büros zutrafen oder nicht, soll nachfolgend erörtert werden.
3. Kurze Einführung in die Studie
Prof. Dr. Martin Baethge, heute Professor für Soziologie an der Universität Göttingen und Direktor des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen, genannt SOFI, schreib zusammen mit Prof. Dr. Herbert Oberbeck, der heute an der Universität Braunschweig tätig ist, die Studie „Zukunft der Angestellten- Neue Technologien und berufliche Perspektiven in Büro und Verwaltung“. Sie erschien Ende 1985 beim Campus Verlag und hatte einen Erhebungszeitraum von 5-7 Jahren. Sie stand im Zentrum von mehreren empirischen Projekten, die während dieses Zeitraums im SOFI durchgeführt wurden. Aus Sicht der Autoren war die Gruppe der Angestellten die am meisten dominierende für die Zukunft der Sozialstruktur. Das Verhalten dieser Gruppe als Mehrheit, so die Autoren, präge die Physiognomie der Gesellschaft am nachhaltigsten. Schwerpunkt der Studie war die Untersuchung der Veränderung der Beschäftigungsverhältnisse, welche durch den „Rationalisierungszugriff durch neue Technologien“ initiiert worden war. Baethge/Oberbeck wollten einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaftstheorie leisten, indem sie die Entwicklung der Arbeits- und Berufsstrukturen von Angestellten analysierten, die nachhaltig Einfluss auf die zukünftige Sozialstruktur haben würden.
6
Arbeit zitieren:
Christiane Stümke, 2003, Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mikroelektronik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Frauen in Führungspositionen - Theorien, Forschungsbefunde und Perspek...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Bachelorarbeit, 46 Seiten
Mobbing am Arbeitsplatz - soziale Konflikte als Resultat von innerbetr...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Vordiplomarbeit, 42 Seiten
Die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit, 19 Seiten
Führen Frauen anders als Männer?
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 24 Seiten
Personal als reflexive Akteure - Theorie der Strukturierung von Anthon...
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 20 Seiten
Mikropolitik in organisatorischem Wandel
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Diplomarbeit, 100 Seiten
Christiane Stümke hat den Text Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mikroelektronik veröffentlicht
Christiane Stümke hat einen neuen Text hochgeladen
Berufsstrukturen in kommunalen Räten im Wandel der Zeit
Eine empirische Untersuchung a...
Udo Rosowski
Elektronik 2. Bauelemente und Grundschaltungen der Mikroelektronik. Le...
Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an d. Universität Hannover
Because the internet does not ...
John C. Dvorak, Chris Pirillo, Wendy Taylor
Hans Holbein und der Wandel in der Kunst des frühen 16. Jahrhunderts
Bodo Brinkmann, Wolfgang Schmid
Deutsche und französische Medien im Wandel
Cornelia Frenkel, Heinz H. Lüger, Stefan Woltersdorf
Führung, Innovation und Wandel
Wie Sie Potenziale entdecken u...
Lutz Becker, Johannes Ehrhardt, Walter Gora
0 Kommentare