Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Definition wichtiger Begriffe 2
2.1 Abweichendes Verhalten 2
2.2 Der Labeling Approach 3
3. Fremd- und Selbstbilder der Betroffenen 3
3.1 Fremdwahrnehmung der Betroffenen 4
3.2 Selbstwahrnehmung der Betroffenen 5
4. Gesellschaftliche Einflussfaktoren. 7
4.1 Einfluss auf die Ursachen 7
4.2 Einfluss auf die Diagnose 9
4.3 Einfluss auf die Behandlung 10
5. Resümee 12
Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung erlangt gegenwärtig ein erhebliches öffentliches Interesse. Die mit der Abkürzung ADHS bezeichnete Verhaltensauffälligkeit wird vor allem in der medialen Darstellung zunehmend diskutiert und gelangt dabei zum Teil auch stark in Kritik. Erste Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) gaben an, dass „insgesamt 4,8 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland […] eine ärztlich oder von einem Psychologen diagnostizierte Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung [haben] (Schlack u.a. 2007: 830). Zudem gelten weitere 4,9 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 - 17 Jahren als ADHS-Verdachtsfälle (vgl. ebd.: 830f.). Zunehmend steigt zwar auch die Zahl der Erwachsenen, bei denen ADHS diagnostiziert wird, der Fokus soll in der vorliegenden Arbeit jedoch auf den von ADHS betroffenen Kindern und Jugendlichen liegen. Die Frage nach den Ursachen dieser Verhaltensauffälligkeit bleibt dabei weitestgehend ungeklärt. Die wissenschaftlichen Erklärungsversuche gehen teilweise weit auseinander, wodurch auch die unterschiedlichen Disziplinen, die Einzug in den Diskurs um die Ursachen erhalten haben, umstritten sind. Beispielsweise gehen einige Kritiker davon aus, dass die Symptome von ADHS an sich kein reines Krankheitsbild darstellen, sondern dass es sich dabei vielmehr um ein gesellschaftlich konstruiertes Syndrom handelt. In der vorliegenden Arbeit soll diese Kritik aufgegriffen werden, denn es stellt sich die Frage, inwiefern die Gesellschaft Einfluss auf den Umgang mit ADHS-betroffenen Kindern übt. Dazu sollen zunächst einige soziologische Begriffe geklärt werden, welche die Grundlage für die weitere Betrachtung liefern. Anschließend soll der Fokus auf die Fremd- und Selbstbilder der von ADHS- betroffenen Kinder gelegten werden. Dabei sollen weniger die spezifischen Verhaltensmuster der betroffenen Kinder betrachtet werden, sondern vielmehr wird das Bild von ihnen beschrieben, welches sich vor allem durch die mediale Darstellung in der Gesellschaft etabliert hat. Die gesellschaftliche Wahrnehmung hat zudem einen erheblichen Einfluss darauf, welches Selbstbild die betroffenen Kinder ausprägen. Wie die in der Gesellschaft etablierten Vorstellungen über ADHS dann im Speziellen die Bereiche der Ursachenvielfalt, der Diagnose und der Therapie von ADHS beeinflussen, wird im letzten Abschnitt genauer betrachtet.
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Anhand dieser Darstellung soll der Versuch unternommen werden, aufzuzeigen, in welchem Maße der Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit ADHS-Betroffenheit, durch gesellschaftliche Einflüsse auf die Wahrnehmung von ADHS, geprägt ist.
2. Definition wichtiger Begriffe
2.1 Abweichendes Verhalten
Von Kindern wird erwartet, dass sie sich früh an bestimmte sozial gültige Normen des Zusammenlebens halten. Besonders bei dem Besuch von Institutionen wie dem Kindergarten oder der Schule müssen sie sich an allgemeine Regeln des Handelns anpassen. Kinder, die von ADHS betroffen sind, haben meist starke Schwierigkeiten, diesen gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen, denn sie leiden unter allgemeiner motorischer Unruhe, mangelnder emotionaler Impulskontrolle und Unaufmerksamkeit bzw. Ablenkbarkeit (vgl. Rothenberger/Neumärker 2005: 9), was die charakteristischen Kernsymptome von ADHS beschreibt. In der Soziologie wird ein solches Verhalten als abweichend bezeichnet. Laut dem „Wörterbuch der Soziologie“ ist dieses „ein Verhalten von Personen, das nicht den für Interaktions-Beziehungen in einer Gesellschaft oder einer ihrer Teilstrukturen (Lebensbereiche, Organisationen, Institutionen) geltenden Normen, Vorschriften oder Verhaltenserwartungen entspricht“ (Hillmann 2007: 4). Die Abweichenden, also die Kinder, die von ADHS betroffen sind, verletzten demnach bestimmte Verhaltensregeln, welche gesellschaftlich definiert sind. Die wissenschaftliche Forschung hat zudem „die allgemeine Annahme akzeptiert, da[ss] die gesellschaftlich abweichende Handlung deshalb eintritt, weil etwas
Charakteristisches am Menschen, der sie begeht, ihr Eintreten notwendig oder unausweichlich macht (Becker 1981: 3). In der Soziologie wird eine solche pathologische Deutung des abweichenden Verhaltens hingegen abgelehnt. Vielmehr sieht sie die Ursachen in spezifischen Einstellungsmustern, die sich aufgrund von Milieueinflüssen herausgebildet haben. Außerdem lässt sich das abweichende Verhalten aus soziologischer Sicht auch als Abwehrmechanismus gegen die normative Überforderung verstehen. Diese Ansätze sollen im Verlauf dieser Arbeit weiter verfolgt werden. Zuvor wird der Schwerpunkt jedoch auf den Labeling Approach gelegt, welcher aus der Theorie des abweichenden Verhaltens hervorgeht.
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2.2 Der Labeling Approach
Der Begriff „Labeling Approach“ lässt sich vom englischen Wort „label“, also „Etikett“ ableiten. Demnach wird die Theorie des Labeling Approach im Deutschen auch als Etikettierungsansatz bezeichnet. Dieser theoretische Ansatz stammt ursprünglich aus der Kriminalsoziologie und wird auch heute hauptsächlich im Zusammenhang mit kriminellen Verhalten von Personen verwendet. Der zentrale Grundsatz des Labeling Approach lässt sich durch die klassische Definition von Frank Tannenbaum darstellen: „The young delinquent becomes bad, because he is defined as bad“ (Tannenbaum 1953: 17, zit. nach Lamnek 1994: 23). Demnach ist das abweichende Verhalten nicht objektiv vorhanden, sondern wird erst aufgrund der Etikettierung konstruiert. Nicht das physische Verhalten selbst, sondern vielmehr die negative Bewertung dieses Verhaltens definiert also den Labeling Approach. „Die soziale Kontrolle schafft damit die Abweichung, die es ohne sie nicht gäbe“ (Lamnek 1994: 23).
Wenn man diese Annahemen nun auf den Bereich der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung überträgt, lässt sich feststellen, dass es nicht die beschrieben Symptome an sich sind, welche das abweichende Verhalten der Kinder ausmachen. Vielmehr führen die vorhandenen Normen dazu, dass den verhaltensauffälligen Kindern das Etikett „ADHS-krank“ zugeschrieben wird.
Im Folgenden soll nun genauer beschrieben werden, wie sich diese Zuschreibung auf die Fremd- und Selbstwahrnehmung der betroffenen Kinder auswirkt, denn die gesellschaftliche Wahrnehmung der Kinder als krank oder gestört hat zwangsläufig auch einen erheblichen, meist negativen, Einfluss auf deren Selbstbild.
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Arbeit zitieren:
Gina Hardt, 2011, Gesellschaftliche Einflüsse auf die Wahrnehmung und den Umgang mit ADHS, München, GRIN Verlag GmbH
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