Vom wohlwollenden zum räuberischen Hegemon? - Zum Formwandel der US-amerikanischen
Suprematie
Inhaltsverzeichnis Seite
I. Einleitung 3
II. Der Begriff Imperialismus 4
1. Definition 4
2. Die „zweite Welle“ des Imperialismus 5
3. Neuer Imperialismus 10
III. Das Imperium Americanum 11
1.Differenzierung Imperium,
Imperialismus und Hegemonie 11
2. Machtakkumulation der USA 12
3. Kritik 24
4. Der Niedergang der Hegemonie und
der Aufstieg der räuberischen Vorherrschaft? 25
IV. Der Krieg im Irak als Beispiel 35
1. Im Vorfeld des Krieges 35
2. Der „Greater Middle East“ und das Öl 38
3. Einschätzung der Intervention im Irak 41
V. Ausblick 43
VI. Fazit 47
VII. Literaturverzeichnis 51
2
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Suprematie
I. Einleitung
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges standen die Vereinigten Staaten von Amerika als alleiniger Sieger da, denn obwohl natürlich Frankreich, Großbritannien und die UdSSR auch zu den Siegermächten gehörten, so hatten die USA doch bis auf Pearl Harbor keine Verluste im eigenen Land erlitten und ihre Finanzkraft war durch den Krieg stärker denn ja geworden. Fortan dominierten die USA die westliche Hemisphäre durch ihre Vormachtstellung, aber auch durch finanzielle Hilfen und Wiederaufbau. Dies änderte sich mit dem Zusammenbruch der UdSSR Anfang der 1990er Jahre, denn nun waren die USA die einzige verbleibende Weltmacht, was zu einigen Veränderungen führte. Die USA richteten ihre Strategie mit dem Ende der Bipolarität neu aus. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem neuen Imperialismus und der Frage der US-amerikanischen Vormachtstellung in den Bereichen Wirtschaft und Militär und soll analysieren, inwiefern sich die USA zu einer dominanten Weltmacht entwickelt haben und wie dies geschehen ist. Es stellen sich also die Fragen, wie die Vereinigten Staaten zu solcher internationalen Größe anwachsen konnten, welche Form des „Empire“ sie anstreben und vor allem, wie sie gedenken, diese imperiale Ausdehnung weiter zu halten. Hierzu gehe ich in drei Schritten vor, indem ich zuerst einen Blick in die Vergangenheit richte und definiere, was überhaupt Imperialismus ist, wie die „Zweite Welle“ des Imperialismus verlief um danach etwas über den neuen Imperialismus zu schreiben. Der zweite Schritt wird das „Imperium Americanum“ betreffen, in dem weiter auf die USA als Weltmacht eingegangen werden wird um zu prüfen, wie die USA Macht konzentriert und ob es die Tendenz zu einer räuberischen Vorherrschaft gibt. In einem dritten Schritt möchte ich auf den zweiten Irak-Krieg eingehen, und aufzeigen, warum er aus geoökonomischer Sicht für die USA sinnvoll war, sich aber in ein Desaster verwandelte. Darauf aufbauend soll eine Bewertung der Intervention im Irak geschehen. Zuletzt möchte ich einen Ausblick auf die post-9/11-Zeit geben und mich kurz der Präsidentschaft Barack Obamas widmen, die nun knapp 2 Jahre besteht. Zum Schluss soll ein Fazit gezogen werden, in dem beschrieben wird, ob sich die
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Hegemoniebestrebungen der USA verändert haben und wie die Situation der USA seit dem 11. September 2001 zu bewerten ist.
II. Der Begriff Imperialismus
1. Definition
Der Begriff des Imperialismus ist natürlich nichts Neues, auch wenn er in letzter Zeit häufiger verwendet wird als vor 20 Jahren und damals häufiger als vor 100 Jahren. Bereits das Imperium Romanum war, wie der Name schon erkennen lässt, ein vom Imperialismus geprägtes Großreich. Auch das Perserreich und schließlich, um ein wenig näher in unsere Zeit zu rücken, das British Empire waren Weltreiche, die sich über die fast gesamte damals bekannte Welt erstreckten. Doch was genau ist eigentlich Imperialismus und wie unterscheidet sich die USA von den früheren Großmächten?
Imperialismus bezeichnet Bestrebungen eines Staates bzw. Landes seinen Einflussbereich systematisch zu vergrößern und zu halten. Dies gilt für den politischen Bereich genauso wie für Wirtschaftsmacht, Kampfkraft im Sinne von militärischer Schlagkraft, aber auch kulturelle oder religiöse Bestrebungen mit dem Ziel einen Großraum zu „erobern“ und später zu verwalten. Dies geschieht von einem zentralen Ort aus, wie beispielsweise einer Metropole (z.B. Rom, Persepolis oder London um bei den oben bereits genannten Beispielen zu bleiben).
Soweit zur allgemeinen Definition von Imperialismus. Hier ist anzumerken, dass Imperialismus seit dem 20. Jahrhundert eher die Entwicklung kapitalistischer Industriegesellschaften beschreibt und somit greife ich auf eine Definition Frank Deppes zurück, der im Jahre 2004 den Begriff Imperium als ein „Herrschaftsgebilde in der Dimension eines Großraumes, der viele Staaten und Regionen um- und übergreift und der gleichzeitig von einem Zentrum… beherrscht, d.h. gesteuert und verwaltet wird“ beschreibt. (Deppe, 2004, S.12)
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2. Die „Zweite Welle“ des Imperialismus: Kalter Krieg, Golden Age Bevor die zweite Welle des Imperialismus thematisiert wird, also der Imperialismus nach 1945, gilt es die Vorbedingungen zu klären und somit noch kurz auf das sogenannte „Zeitalter des Imperialismus“ einzugehen, welches vom letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges andauerte.
Mit dem Ende des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 begann eine ungewöhnlich lange Zeit des Friedens in Europa, welche als „Belle Époque“ bezeichnet wird und bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges anhielt. In dieser Zeit herrschte größtenteils Ruhe und Wohlstand, zumindest in der bürgerlicharistokratischen Oberschicht. Diese Periode des Friedens schlug aber mit Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 in das „Zeitalter der Katastrophen“ (Eric Hobsbawm) um, welches durch die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise, die Oktoberrevolution in Russland, die faschistischen Diktaturen in Italien, Deutschland, Portugal und Spanien, den Stalinismus, die Klassenkämpfe und die Anfänge der antikolonialen Befreiungsbewegungen gekennzeichnet ist (Deppe, 2004, S.13).
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Zerschlagung des deutschen und japanischen Imperialismus, taten sich zwei neue Großmächte auf, die von nun an die Machtverhältnisse unter sich aufteilen sollten. Im westlichen Raum waren die USA, im östlichen die UdSSR die neuen Herren der Weltpolitik. Das alte Europa, welches von der Antike bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges das Zentrum der Macht gewesen war, lag in Schutt und Asche. Die Wirtschaft lahmte, die Versorgung der Bevölkerung musste schnell verbessert und die Massenarbeitslosigkeit bekämpft werden. Dies galt auch für die Siegermächte Großbritannien und Frankreich. Diese dringend benötigte Hilfestellung leistete die USA, diese waren nämlich „das einzige Land, das durch den Krieg reicher - undtatsächlich viel reicher - wurde statt ärmer. Am Ende des Krieges besaß Washington Goldreserven im Wert von 20 Milliarden Dollar, beinahe zwei Drittel der gesamten Goldreserven der Welt […] Mehr als die Hälfte der Industrieproduktion der Welt kam aus den Vereinigten Staaten […] die Hälfte
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der Schiffe der ganzen Welt befanden sich in ihrem Besitz. Ökonomisch gesehen war die Welt nun Washingtons Auster“ (Deppe 2004, S.41, Zitiert nach Kennedy 1989, S.533f.). Dieser Vorteil und die damit verbundene Kreditvergabe an Großbritannien und Frankreich hatte als Gegenleistung zur Folge, dass die USA einen sehr starken Zuwachs an Verhandlungsmacht in der internationalen Arena erhielten. Hinzu kam, dass die alten Kolonialreiche mit Druck von antikolonialen Freiheitsbewegungen konfrontiert wurden. Da die Kolonialmächte natürlich nicht bereit waren ihre Macht über fremdes Land einfach so zu gewähren, kam es zu teilweise sehr gewalttätigen Kriegen in den Kolonien, die Unmengen an Geld verschlangen, welches eigentlich für Wiederaufbau, Modernisierungen in der Wirtschaft, welche es nun mit dem hoch überlegenen Modell des Fordismus zu tun hatte dem nichts entgegenzusetzen war, sowie den Aufbau von Sozialsystemen, die die erstarkte Arbeiterbewegung forderte, dringend benötigt wurde (Deppe, 2004, S.38f). Dies führte dazu, dass der Zusammenbruch jener Kolonialreiche des „alten Europas“ bis in die 1960er Jahre so gut wie abgeschlossen war.
Auf der anderen Seite - wenn auch im gleichen System des westlichen Kapitalismus - standen die Vereinigten Staaten von Amerika als „winning team“ des Zweiten Weltkrieges. Sie waren mit Abstand die dominanteste Macht auf der Weltbühne, hatten mit dem fordistischen Modell den seinerzeit besten Kapitalmarkt hinter sich, hatten keine wirtschaftlichen Verluste im eigenen Land, wenn man einmal von Pearl Harbor absieht, waren durch die immensen Goldreserven und dem starken Dollar als Leitwährung zusätzlich gestärkt und kein Militärapparat der Welt konnte dem den USA das Wasser reichen. Ihr einziger ernstzunehmender Gegner war die UdSSR. Diese jedoch hatte selbst mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu kämpfen, bei dem die Sowjetunion ca. 14 Millionen Soldaten und etwa 7 Millionen Zivilisten (Harvey) verloren und eine Reduzierung der wirtschaftlichen Kapazitäten erlitten hatte. Auch wenn die UdSSR durch die Erschließung neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten in den neuen Satellitenstaaten Osteuropas und Asiens, sowie den Rückzug der Industrie hinter den Ural einiges an Wirtschaftskraft gewinnen konnte, so konnte sie sich doch nicht mit der militärischen Stärke und der
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Wirtschaftskraft der USA messen. Außerdem hatte man die Hauptlast des Kampfes gegen den Nationalsozialismus getragen und eine entscheidende Rolle für den Sieg der Alliierten durch die Belagerung von Stalingrad sowie die darauf folgende Zerstörung eines großen Teils deutscher Militärkapazitäten gespielt (Harvey, 2005, S.54).
Die USA hingegen hatten ökonomische und militärische Potentiale, die als wichtigste Ressourcen zum Ausbau ihrer Führungsposition dienten und sie - in der westlichen Welt - zur Führungsmacht aufsteigen ließen, was zum Amerikanischen Frieden (Pax Americana, abgeleitet von Pax Romana und Pax Britannica) führte. Deppe erklärt die Durchsetzung der Führungsposition einerseits durch eine „passive Revolution“, nämlich der transnationalen Durchsetzung der „fordistischen Formation des Kapitalismus in der entwickelten kapitalistischen Welt“, andererseits durch die Entwicklung eines Netzwerkes internationaler Organisationen (z.B. der IWF sowie die NATO), um jenes System des Pax Americana zu institutionalisieren. (Deppe, 2004, S. 41). Nicht ohne Grund charakterisierte der Historiker Eric Hobsbawm jene Epoche zwischen 1945 und 1973 als das „Golden Age of Capitalism“. Zu diesem Golden Age trug der Zusammenhang zwischen ökonomischer Entwicklung in Produktions- und Betriebsweise mit der amerikanischen Hegemonie maßgeblich bei, was, in Anlehnung an Antonio Gramsci, als „Fordismus“ bezeichnet wird. Diese „Transformation“ des Kapitalismus hat ihre Ursprünge in der US-amerikanischen Gesellschaft vor und während des Zweiten Weltkrieges. Betrachtet man den New Deal sowie die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik so lassen sich hier die Grundlagen für jenes internationale politischökonomische Regime finden, welches nach dem Weltkrieg als Weltwirtschaftssystem von Bretton Woods (1944) 1 seinen Ausdruck fand (Salomon 2006, S.31f) und durch die Parität zwischen US-Dollar und Gold den USA auch im internationalen wirtschaftlichen Rahmen eine dominierende Rolle einbrachte. Natürlich war auch hier das Interesse der USA an Freien Märkten und die gleichzeitige Ausschaltung kommunistischer Bestrebungen ein
1 Bretton Woods, ein Ort in New Hampshire, war die politische Arena in der sich 44 Nationen für
ein System fester Wechselkurse entschieden, welches den US-Dollar als Wertgeld in Parität
zum Gold und zu anderen Währungen vorsah. Hierin lag der Grundstein für den GATT (später
als WTO bekannt), den OEEC, den IWF sowie die Weltbank (www.bpb.de).
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wichtiger Faktor. Mit der „kommunistischen Bedrohung“ wurde im Übrigen ein weiterer wichtiger Grund für die Vormachtstellung der USA angeführt, denn im Gegensatz zur vorangegangenen Epoche der untereinander rivalisierenden Imperien schworen die USA die westliche Welt, und damit eben jene früheren Imperialmächte auf eine neue, gemeinsam wahrgenommene Bedrohungslage ein und schloss Konflikte innerhalb dieser westlichen Welt erstens durch diese Bedrohung von außen und zweitens durch die bereits erwähnten
Organisationen quasi aus. Des Weiteren wartete die USA mit einem „atomaren Schutzschild“ für jeden Verbündeten auf, was die Sowjetunion natürlich ab 1949 auch tat (Deppe, 2004, S.44ff).
Robert Cox schrieb 1998 in Anlehnung an Gramsci, dass die globale Hegemonie der USA nicht nur auf Dominanz und Überlegenheit beruhe, sondern auch auf dem Konsens und der Zustimmung der Beherrschten (Deppe, 2004, S.42). Dies ist wohl eine sehr zutreffende Formulierung für die amerikanische „wohlwollende Hegemonie“ nach dem 2. Weltkrieg, allerdings nahm diese Hegemonie in manchen Fällen auch räuberische Formen an. Natürlich waren der Marshallplan oder das Schutzversprechen gegenüber Europa keine milden Gaben der USA sondern Ausdruck harter US-Interessen, aber in manchen Fällen wurden diese US-Interessen auch mit starker Militärgewalt durchgesetzt. Dies geschah beispielsweise im Vietnamkrieg, wo die USA einen Krieg zur „Eindämmung des Kommunismus“ führten und Mitte der 70er Jahre verloren. Im Zuge dieser Eindämmungsversuche und im Schatten des Ost-West-Konfliktes wurden viele Kriege zu Stellvertreterkriegen zwischen den rivalisierenden Systemen. Oft jedoch führte die USA auch nur indirekte Militärinterventionen durch, um Marionettenregime, die durch die USA selbst oder aber amerikanische Konzerne kontrolliert wurden, an der Macht zu halten und die jeweiligen Vorteile des Landes (Bodenschätze, strategische Punkte etc.) zu nutzen (Deppe, 2004, S.47ff). Beispielhaft hierfür ist eine Depesche des CIA im Zuge dessen, was die Chilenen ihren „kleinen 11. September 1973“ nennen. Salvador Allende, demokratisch gewählter Sozialist, wurde 1973 durch einen Putsch von General Augusto Pinochet gestürzt. Der CIA telegrafierte folgendes: „Feste und anhaltende Absicht ist, dass Allende durch einen Putsch gestürzt werden soll…Zu diesem Zweck werden wir
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weiterhin maximalen Druck ausüben und jedes geeignete Mittel einsetzen. Es ist unbedingt erforderlich, dass diese Aktionen geheim und sicher durchgeführt werden, so dass die Beteiligung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika verborgen bleiben“(Johnson, 2000, S.18 zitiert in Harvey, 2005, S.16). Hier lässt sich durchaus darüber streiten, warum es den USA so wichtig war Allende durch einen Putsch beseitigen zu lassen - denn die CIA hat natürlich kein Regime selbst gestürzt - aber es könnte mit dem Regierungsprogramm der Unidad Popular zusammen hängen. Allendes Regierungsprogramm benennt schon am Anfang das große Problem, welches es zu lösen gelte: „Chile ist ein kapitalistisches Land, das vom Imperialismus abhängig ist und von Gruppen der Bourgeoisie beherrscht wird, deren Struktur mit dem ausländischen Kapital verquickt ist“ (Allende, 1972, S.135f). Das ausländische Kapital, von dem hier die Rede ist wird später präzisiert: „Von 1952 bis zur Gegenwart investierten die Amerikaner 7,474 Milliarden Dollar in Lateinamerika und verdienten in derselben Zeit 16 Milliarden Dollar. […] Die nordamerikanischen Monopole haben […] fast unsere gesamten Kupfer-, Eisen-und Salpeterbestände an sich gebracht. Sie kontrollieren den Außenhandel und lenken die Wirtschaftspolitik über den Internationalen Währungsfond und andere Organismen.“ (Allende, 1972, S.137f.).
1973 markierte darüber hinaus einen großen Wendepunkt in der Geschichte des Neoimperialismus, wie viele Historiker die Phase zwischen 1945 und 1970 nennen um eine Abgrenzung zum klassischen Imperialismus zu schaffen. Das Ende des Golden Age kündigte sich an, auch wenn erst in den achtziger Jahren klar wurde, dass bereits in den siebziger Jahren die Fundamente dieses Wachstumszyklus zerstört worden waren. Des Weiteren brach das Bretton-Woods Abkommen zusammen und destabilisierte den Weltmarkt weiter, der durch die enormen Ölpreiserhöhungen der OPEC in den Jahren 1973/74 endgültig in die Stagflation 2 rutschte. Außerdem kam es seit Mitte der 70er Jahre zu Massenarbeitslosigkeit sowie der Transformation von der Industriezur Dienstleistungsgesellschaft (Deppe, 2004, S.72 und Salomon, 2006, S.36). Hinzu kam, dass der US-amerikanische Vorsprung in Wirtschaftskraft und
2 Stagflation beschreibt einen Zustand der Inflation bei Stagnation, also steigende Preise bei
rückläufigen Wachstumsraten (www.bpb.de).
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Produktivität, der lange Zeit maßgebend in der Welt gewesen war, nun von starken Konkurrenten (Deutschland und Japan) streitig gemacht wurde, die auf den Feldern Autoproduktion, Unterhaltungselektronik sowie bei den modernen Kommunikationstechniken stark an Boden gewannen (Deppe, 2004, S.73).
3. Neuer Imperialismus
Ende der 70er Jahre, mit dem Amtsantritt Ronald Reagans, vollzog sich eine neoliberale Wende in Innen- und Außenpolitik der USA. Die Vereinigten Staaten sollten wieder die „Nummer eins in der Welt“ werden. Mit einer drastischen Erhöhung der Leitzinsen der amerikanischen Zentralbank (Volcker Shock) richtete man die trotz nicht mehr existierendem Bretton-Woods-System immer noch bestehenden Institutionen (vor allem aber den Internationalen Währungsfond) neu aus. Der IWF vertrat zunehmend die Interessen der Gläubiger (Banken, Regierungen und IWF) gegenüber den verschuldeten Staaten des Südens, welche vorher durch Zinsschock und die darauf folgende Dauerkrise schon in die völlige Zahlungsunfähigkeit getrieben worden waren. Dies zog Strukturanpassungsprogramme nach sich, womit ein Teufelskreis geschaffen wurde, der wachsende Arbeitslosigkeit und damit Einnahmeausfälle des Staates bewirkte, was gleichzeitig wieder zu zunehmender Staatsverschuldung führte. Die USA nehmen in diesem System wiedermal eine Sonderrolle ein, denn sie sind das einzige Land, welches sich sowohl eine hohe Verschuldung als auch eine negative Außenhandelsbilanz leisten können, da sie sich in eigener Währung verschulden können weil der US-Dollar als Wertgeld funktioniert. Des Weiteren kommt noch hinzu, dass der von Peter Gowan als das „Dollar-Wall-Street-Regime“ betitelte Finanzmarkt der USA der profitabelste Anlageplatz der Welt ist und von überall Kapitalzufluss auf sich zieht.
Als 1989/90 der Ost-West Konflikt mit dem Zusammenbruch der UdSSR endete und die USA als „einzige Weltmacht“ (Brzezinski, 1997) zurückblieben verschoben sich die globalen Kräfteverhältnisse wesentlich. Fortan war der amerikanische Staat mit der Herausforderung konfrontiert die Weltordnung neu zu definieren. Durch das Wegfallen der „Bedrohung von außen“ benötigte die
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US-Hegemonie, die auf eben jenem antikommunistischen Konsens fußte, eine neue Perspektive, da ihre Verbündeten nun nicht mehr auf den schon erwähnten atomaren Schutzschild der USA angewiesen waren (Deppe, 2004, S.84 und Salomon, 2006, S.36f).
III. Das Imperium Americanum
1. Differenzierung Imperium, Imperialismus, Hegemonie Bevor wir uns mit dem American Empire beschäftigen und darstellen, wie die Machtakkumulation der USA funktioniert möchte ich kurz auf 3 Begrifflichkeiten eingehen, die näherer Erklärung bedürfen, nämlich den Begriffen Imperialismus, Imperium und Hegemonie. Was Imperialismus bedeutet ist sicherlich in den voran gegangenen Seiten schon geklärt worden, dennoch möchte ich die zentralen Kriterien aufzeigen. Das Wort Imperialismus beschreibt die Erweiterung sowie den systematischen Aufbau des Einflussbereiches eines einzelnen Staates in den Bereichen Wirtschaft, Militär, Politik und Kultur. Auch indirekte Abhängigkeitsverhältnisse (wie beispielsweise der IWF mit dem US-Dollar als Leitwährung) können als imperiale Bestrebungen definiert werden. Wichtig ist allerdings die Abgrenzung zum Imperium, da Imperialismus von grundsätzlich jedem Land betrieben werden kann, das Vorkommen von Imperialismus aber noch nicht darauf hinweist dass er sich dabei auch um ein Imperium handelt.
Als Imperien werden Reiche beschrieben, welche einen Großteil der jeweils bekannten Welt unter sich vereinen und gleichzeitig auch bedeutende Einflüsse auf politische, geographische sowie kulturelle Entwicklungen haben. Hier kann man als Beispiel wieder das Imperium Romanum mit seiner geographischen Ausdehnung, der weit verbreiteten Kultur und Religion, nennen. Dies bringt mich auch auf den Schluss, dass die USA eigentlich kein Imperium im klassischen Sinne sind. Eher ist die Existenz eines „Westlichen Imperiums“ zu beobachten, welches die USA als zentrale Macht hat und maßgeblich von westlichen Einflüssen, wie dem Kapitalismus und dem Dollar-Wallstreet Regime, beeinflusst wird.
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Michael Vogel, 2011, Vom wohlwollenden zum räuberischen Hegemon? , München, GRIN Verlag GmbH
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