Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Medienkompetenz und Kritik 2
2.1. Vorbemerkungen: Medien - Kompetenz 2
2.2. Konzept der Medienkompetenz 3
2.3. Medienkritik als besondere Dimension der Medienkompetenz. 5
3. Medienkritik als Emanzipation? 7
3.1. Paradoxien der Medienkritik 7
3.2. Der medienkritische Diskurs 8
3.3. Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0 10
4. Schlussbetrachtung 11
5. Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
Eine beliebte Gegenwartsdiagnose ist die der Mediengesellschaft. Medien im Allgemeinen, „Neuen Medien“ im Besonderen, durchdringen die Lebenswelten in einem immer höheren Maße. Das Bedienen und die Beherrschung der Techniken ist eine zunehmende Notwendigkeit, um sowohl beruflich, wie auch privat nicht von Möglichkeiten ausgeschlossen zu sein. Doch neben der Medienkunde, -nutzung und -gestaltung ist die Medienkritik in der Mediengesellschaft unabdingbarer Bestandteil der individuellen Befähigung. Erst wenn man Fragen wie: „Helfen uns die Technik und ihre Produkte, unser Leben besser zu organisieren und zu verstehen, oder geraten wir in eine Abhängigkeit zu ihnen? Entfremden uns Medienprodukte von uns selbst und der Realität? Sind Medieninhalte nichts mehr als ein von der Kulturindustrie vorgefertigtes Produkt? Oder sind die „Neuen Medien“ eine Chance für mehr Freiheit des Individuums?“ zu beantworten sucht, so kann sich eine umfassende Medienkompetenz bilden, die nicht bloß an der Oberfläche stehen bleibt, sondern eine emanzipatorische Kraft entwickelt. „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“ konstatiert Niklas Luhmann (1996: S.9) und impliziert damit zwei Fragen: (1) Wie ist es möglich, den Einzelnen zur Partizipation in dieser medialen Gesellschaft zu befähigen? (2) Wie ist es möglich, sich von dieser Abhängigkeit durch die Medien zu emanzipieren?
Das dominierende Konzept, welches Antworten zu geben versucht, ist das der Medienkompetenz, wie es im ersten Teil vorgestellt wird. Dies hat sich mit der Entwicklung der neuen Medien im Diskurs über Medien etabliert, auch wenn der Kompetenzbegriff nicht unumstritten ist. Das vorherrschende Medienkompetenzmodell ist das des Medienpädagogen Dieter Baacke. Vor allem besticht dieses Modell durch partizipatorische Elemente, während das emanzipatorische Moment nicht hinreichend erklärt wird. Dieses Moment kann nur in der Medienkritik liegen, läuft aber in diesem Kontext Gefahr individualistisch verkürzt zu werden. Im zweiten Teil wird der Begriff der Medienkritik ergänzt. Zunächst werden Paradoxien der Medienkritik aufgedeckt, die bestimmend für den medienkritischen Diskurs sind. Zum Schluss sollen die gewonnen Erkenntnisse auf die gegenwärtigen Entwicklungen der Medienlandschaft angewandt werden.
Seite | 1
2. Medienkompetenz und Kritik
2.1. Vorbemerkungen: Medien - Kompetenz
Die Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt und zwar in zweifacher Weise. Zum einen hat sich die Fernsehlandschaft als massenmediales Leitmedium ausdifferenziert. Es gibt wesentlich mehr private Anbieter von Medieninhalten. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind nicht mehr die dominierenden Informationssender und müssen vielmehr in Konkurrenz mit den Privatsendern ihre eigenen Inhalte umstellen. Zum anderen haben sich durch den technologischen Fortschritt ganz neue Strukturen gebildet. Die größte Veränderung stellen die neuen Medien mit ihren nutzergenerierten Medieninhalten und der non-linearen Mediennutzung dar (vgl. Bachmaier 2008: S. 23). Diese neuen Medien haben sich in den westlichen Gesellschaften, aber mittlerweile auch in fast allen anderen Teilen der Welt, etabliert und beeinflussen unsere Wirklichkeitskonstruktion in hohem Maße durch die von ihnen geschaffenen neuen Möglichkeiten der Kommunikation. „Wie zu keiner Zeit vorher sind Medien nicht nur "Medium", sondern auch ein "Faktor" gesellschaftlicher und politischer Entwicklung“ (Sarcinelli 2000: S. 30) im Modernisierungsprozess. Vor allem die Entwicklung des Internets zum Web 2.0, auch Social Media genannt, ermöglicht es seinem Nutzer nicht nur Rezipient, sondern auch Produzent von Medieninhalten zu sein. Parallel zu dieser historischen Neuerung wurde das Konzept der Medienkompetenz entwickelt, um auf die Frage antworten zu können, wie das Individuum dazu befähigt werden kann sich in diesen neuen Strukturen der Mediengesellschaft orientieren zu können. Der Kompetenzbegriff ist nicht unumstritten, vor allem aus medienpädagogischer Sicht. Kompetenz, wie auch bereits Dieter Baacke anführt, besticht im Vergleich zu Erziehung oder Bildung durch seine „pädagogische Unspezifität“ (Baacke 1997: S. 99). Zudem besitzt er im umgangssprachlichen, ökonomisch geprägten Sinn ein sozialtechnologisches Element. Kritiker sehen also die Problematik, dass Kompetenz „vor allem der Vermittlung von instrumentellem Wissen bzw. Verfügungswissen entspreche, das also in erster Linie Qualifizierungsfunktion habe“ (Hugger 2008: S. 97). Als Gegenbegriff wird
Seite | 2
Medienbildung verwand, da er sowohl Reflexionswissen beinhalte, als auch einer zweckrationalen und damit zu beendende individuellen Qualifikation das Ideal eines nicht zu vollendenden Lernens entgegensetze (vgl. ebd.). Man darf jedoch nicht vergessen, dass bei Medienkompetenzkonzepten, wie auch schon bei der Kommunikativen Kompetenz von Jürgen Habermas 1 (vgl. Habermas 1971), welcher diesen Begriff in den gesellschaftswissenschaftlichen Diskurs einführte, ein ethischreflexives Element mit einbezogen wird.
Diese Vorüberlegungen dienen dazu, im Folgenden Eindeutigkeit zu schaffen. Wird von Medien gesprochen, so werden die neusten Entwicklungen einbezogen. Kompetenz wird als mehrdimensionaler Begriff gebraucht, wie er in seiner konzeptionellen Ausprägung von Baacke definiert wird.
2.2. Konzept der Medienkompetenz
Der Medienpädagoge Dieter Baacke führte bereits 1973 in seiner Habilitationsschrift Kommunikation und Kompetenz die Kernelemente einer Medienkompetenz ein, ohne sie jedoch so zu benennen. Der Medienkompetenz gehen Überlegungen in Anlehnung an die von Jürgen Habermas konzipierte kommunikative Kompetenz voraus. Während unter dieser die umfassende Fähigkeit der personalen Kommunikation zu verstehen ist, unabhängig von und in ihrer Vermittlung durch Medien, ist Baackes Ziel als Pädagoge „ein emanzipiertes Publikum zu erziehen, das die Maßstäbe eigener kommunikativer Erfahrungen auch für seine Rezipientenrolle übernimmt, also zum selbstbestimmten Rezipienten wird“ (Baacke 1973: S. 336). Die Medienkompetenz nimmt also bewusst die Vermittlungsebene in den Fokus. Kommunikative Kompetenz als Entwicklungsmodell gedacht, hat als Ziel den öffentlichen Diskurs, vernachlässigt dabei aber die Rolle des Mediensystems. Ausgehend von den Überlegungen der kritischen Theorie, dass die massenmediale „Öffentlichkeit in all ihren Erscheinungsformen ein System“ ist, das „mehr und mehr produziert und beherrscht [wird] von Public Relations-Managern
1 Erinnert werden soll an die vier Geltungsbedingungen: Gesprächspartner wählen angemessene
Sprache, sagen die Wahrheit, sind wahrhaftig und nehmen angemessene Rolle ein. Um dies tun zu
können, bestimmt Habermas die Sprachfähigkeit zum angemessenen Sprechen, die kognitive
Fähigkeit zum Erkennen von Wahrheitsgehalten, eine Ich-Stabilität als Fähigkeit um wahrhaftig zu
sein, und eine moralische Fähigkeit, um die Geltung von Normen beurteilen zu können.
Seite | 3
Arbeit zitieren:
Flemming Ipsen, 2010, Medienkompetenz und Medienkritik - Medienkritik als Emanzipation?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe: Medienkompetenz und Medienkritik - Medienkritik als Emanzipation? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe: neuer Titel erschienen: Medienkompetenz und Medienkritik - Medienkritik als Emanzipation?
Flemming Ipsen hat einen neuen Text hochgeladen
Politische (Nicht-) Öffentlichkeit in der Mediendemokratie
Eine Analyse der Beziehungen z...
Philip Baugut, Maria-Theresa Grundler
Grundlagen, Beispiele und Prax...
Horst Niesyto, Matthias Rath, Hubert Sowa
Medienkompetenz für ErzieherInnen 2
Ein Handbuch für die konvergen...
Gudrun Marci-Boehncke, Matthias Rath
0 Kommentare