Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Pornographie 4
2.1 Nutzungsverhalten Jugendlicher 4
2.2 Kann häufiger Pornographiekonsum negative
Auswirkungen auf Jugendliche haben? 4
2.3 Wie können Jugendliche vor negativen
Auswirkungen geschützt werden? 5
3. Begriffsdefinitionen 6
3.1 Definition Kompetenzbegriff 6
3.2 Definition Medienkompetenzbegriff 7
4. Perspektiven auf Mediensozialisationsprozesse 8
5. Wie kann Medienkompetenz im Umgang mit
Pornographie vermittelt werden? 10
5.1 Vermittlung von Medienkompetenz 10
5.2 Besondere Aspekte der sexualpädagogischen
Jugendarbeit 11
6. Beispiele 12
6.1 Beispiel 1: Frauen-Bilder, Männer-Bilder 13
6.2 Beispiel 2: Sex we can? 14
6.3 Beispiel 3: § Recht und Gesetz: Pornographie 15
7. Fazit 15
Literaturverzeichnis 17
Abbildungsverzeichnis 19
1. Einleitung
Das Internet stellt eine riesige Masse an Informationen bereit und ermöglicht es jedem Menschen mit Internetzugang innerhalb kürzester Zeit auf die Informationen zuzugreifen, die er bekommen möchte. Diese Möglichkeit birgt eine Vielzahl von Gefahren. Da es prinzipiell jedem möglich ist, jeden Inhalt auf einen Server, der überall in der Welt stehen kann, hochzuladen, ist eine inhaltliche Kontrolle kaum möglich. Was zum einen als eine nicht vorhandene Zensur gelobt wird, birgt zum anderen die Gefahr, dass Medieninhalte zugänglich gemacht werden, die illegal oder nicht jugendfrei sind. Ein Beispiel hierfür sind pornographische Filme, die in großer Menge im Internet zu finden sind. Jugendliche können diese jederzeit durch entsprechende Suchanfragen gewollt aufrufen oder z.B. durch irreführende Werbung zufällig auf sie stoßen. Auch wenn bisher keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen, ob der Konsum von pornographischen Filmen Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung gefährden könnte, so ist dies zumindest nicht auszuschließen (vgl. Grimm 2010, S. 7). Da eine vollständige Entfernung durch den Jugendschutz technisch unmöglich ist, müssen Kinder und Jugendliche daher die Fähigkeit besitzen, das Gesehene einzuordnen und von der Realität abzugrenzen. Diese Fähigkeit ist Teil der Medienkompetenz, um deren Vermittlung es im Folgenden anhand des Beispiels pornographischer Filme im Internet gehen soll. Um zu beleuchten, warum das Verfügen von Medienkompetenz bei Jugendlichen im Umgang mit pornographischen Filmen im Internet von großer Bedeutung und Wichtigkeit ist, soll daher zunächst das Nutzungsverhalten Jugendlicher und die Wirkung von Pornographie auf sie untersucht werden, bevor erläutert wird, wie der Begriff Medienkompetenz und der übergeordnete Kompetenzbegriff überhaupt definiert ist. Der Ansicht, dass Jugendliche befähigt werden sollen, kompetent mit dem Internet umzugehen, statt verschiedene Inhalte von ihnen fern zu halten, liegt eine subjektorientierte Perspektive auf die Gestaltung des Mediensozialisationsprozesses von Jugendlichen zugrunde. Diese soll erläutert und von der gegensätzlichen medienzentrierten Perspektive abgegrenzt werden. Wie Sozial-, Sexual-, und Medienpädagogen den Jugendlichen Medienkompetenz vermitteln können und was insbesondere bei der Thematisierung von Pornographie und der damit einhergehenden Befassung mit sexualen Themen beachtet werden muss, wird in Kapitel 5 erläutert. Bevor ein abschließendes Fazit gezogen wird, werden zudem drei verschiedene Projekte exemplarisch vorgestellt, die Jugendlichen verschiedene Dimensionen der Medienkompetenz vermitteln sollen.
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2. Pornographie
2.1 Nutzungsverhalten Jugendlicher
Im Internet sind pornographische Filme jederzeit und für jeden Nutzer frei zugänglich. Laut einer Befragung unter 352 Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren, die vom Institut für Publizistik an der Universität Mainz durchgeführt wurde, hatten 89% der männlichen und ein Drittel der weiblichen Befragten bereits willentlich pornographische Filme im Internet aufgerufen. 47% der männlichen Teilnehmer gaben sogar an, mindestens täglich pornographische Inhalte aufzusuchen. Bei den Mädchen lag dieser Wert nur bei 3%. Der erste Kontakt mit Pornographie war jedoch nur bei der Hälfte der Teilnehmer geplant. Der Durchschnitt liegt hier bei etwa 13 Jahren. (vgl. Weber 2009, S. 16f) 2.2 Kann häufiger Pornographiekonsum negative Auswirkungen auf Jugendliche haben?
Der Forschungsstand zu Gefahren, die ein häufiger Pornographiekonsum Jugendlicher in sich bergen kann, ist als dürftig und uneinheitlich zu bezeichnen (vgl. Hajok 2009, S. 4).
Im Zuge der Studie „Porno im Web 2.0“ wurden die Wahrnehmungsweisen Jugendlicher von Pornographie, sich daraus ergebende Geschlechterrollenbilder sowie Risiken, die sich aus dem Konsum ergeben könnten, untersucht. Es wurden sowohl Jugendliche verschiedenen Alters und Geschlechts zu ihren Erfahrungen, Motiven und inneren Einstellungen zu pornographischen Filmen, als auch Experten, zu Risiken für die Jugendlichen befragt. (vgl. Grimm 2010, S. 4ff)
Die Autoren der Studie entnahmen den Experteninterviews, dass keine monokausale Wirkung zwischen Pornographiekonsum und potentiellen Risiken bestehe, sondern eine Vielzahl weiterer Einflussfaktoren zusätzlich eine Rolle spielen. Zentrale Einflussfaktoren sind für die Experten hierbei bisherige Bindungs- und Beziehungserfahrungen der Jugendlichen. Hinzu kommen z.B. Geschlecht, Alter, soziales und kulturelles Umfeld und das eigene Werte- und Normensystem. (vgl. ebd.)
Die Autoren stellten außerdem fest, dass unter den Experten eine Einigkeit in der Auffassung besteht, dass die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen dem in den Pornos Gezeigtem und der Realität bei den Jugendlichen überwiegend vorhanden sei. Der Grad dieser Fähigkeit sei jedoch, abhängig vom Alter und der Medienkompetenz, unterschiedlich stark ausgeprägt. Einige Experten waren dennoch der Ansicht, dass es bei
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häufigem Konsum zu einem Gewöhnungseffekt komme, der sich wiederum auf das Sexualverhalten der Jugendlichen, sowie deren Geschlechterrollenbilder auswirke. Ihrer Meinung nach können sich pornographische Skripte auf die jugendliche Vorstellung davon auswirken, welches Sexualverhalten als normal angesehen wird. (vgl. Grimm 2010, S. 6f)
Mit Hinweis auf die Tatsache, dass wissenschaftlich aussagekräftige Daten bisher nicht existieren, formulierten die Experten mithilfe persönlicher beruflicher Erfahrung sowie Erkenntnissen aus Nachbarforschungsgebieten eine Reihe von Wirkungshypothesen, die ihrer Meinung nach in Verbindung mit zahlreichen weiteren Einflussfaktoren aus dem häufigen und regelmäßigen Konsum von Internetpornographie entstehen können. Einige der Wirkungshypothesen sollen im Folgenden kurz dargestellt werden. Neben dem bereits angesprochenem Normalisierungseffekt, besteht laut den Experten die Gefahr, dass die Jugendlichen sich an den Körperbildern der Darsteller und den dargestellten sexuellen Praktiken orientieren und so ein Leistungs- und Perfektionsdruck bezüglich ihres eigenen Körpers und ihrer sexuellen Fähigkeiten entsteht. Zudem könne der häufige Konsum negative Auswirkungen auf ihr Frauen- bzw. Männerbild haben. So könnten Jungen, laut den Experten, Probleme bei ihrer Rollenfindung bekommen, weil sie davon ausgehen, dass von ihnen ein sehr dominantes Männlichkeitsverhalten, wie es in den Pornos dargestellt wird, erwartet wird. Auch die Einstellung Frauen gegenüber könne gestört werden, da in den Pornos oft Elemente von Frauenfeindlichkeit, ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen in Paarbeziehungen sowie Verknüpfungen zwischen Sexualität und Gewalt vorzufinden seien. (vgl. Grimm 2010, S. 7) Die Autoren der Studie betonen zwar, dass es sich hierbei lediglich um Wirkungshypothesen handele, stellen aber klar, dass die befragten Experten dennoch dazu aufriefen, die Jugendlichen „bis zum Beweis des Gegenteils“ (vgl. ebd.) vor den erwähnten Gefahren zu schützen (vgl. ebd.). Wie ein solcher Schutz realisiert werden könnte, soll im folgenden Kapitel erläutert werden.
2.3 Wie können Jugendliche vor negativen Auswirkungen geschützt werden? Durch den immensen Informationsumfang des Internets und die unterschiedlichen Rechtslagen in den verschiedenen Ländern scheint eine Einschränkung durch Jugendschutzbehörden unmöglich, da nicht verhindert werden kann, dass Kinder und Jugendliche, gewollt oder ungewollt, mit pornographischem Material im Internet in Kontakt kommen. Die vielfache Forderung lautet daher, den Kindern und Jugendlichen durch
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pädagogische Angebote Medienkompetenz zu vermitteln. Die jungen Internetuser sollen befähigt werden, das Gesehene selbst zu reflektieren und von der Realität abzugrenzen sowie verantwortungsvoll und eigenständig entscheiden zu können, ob sie sich bestimmten Medieninhalten aussetzen wollen. (vgl. Urban 2008, S. 482f) Hier ist eine Zusammenarbeit von Sexual- und Medienpädagogen sowie Sozialpädagogen in der Jugendarbeit gefordert.
Dem Ansatz, Jugendliche zu befähigen, kompetent mit den Medieninhalten umzugehen, liegt eine subjektorientierte Perspektive auf die Gestaltung des Mediensozialisationsprozesses von Jugendlichen zugrunde. Diese soll im Folgenden erläutert und von einer subjektorientierten Perspektive abgegrenzt werden, nachdem zunächst der Begriff Medienkompetenz sowie der übergeordnete Kompetenzbegriff definiert worden sind.
3. Begriffsdefinitionen
3.1 Definition Kompetenzbegriff
Der Kompetenzbegriff ist in der Vergangenheit stark diskutiert worden und hat eine Vielzahl von Definitionen, mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen erfahren (vgl. Dehnborstel 2007, S. 31). Im Folgenden soll die von Rolf Arnold entwickelte Definition des Kompetenzbegriffs dargestellt werden.
Arnold grenzt den Kompetenzbegriff explizit vom Qualifikationsbegriff ab, der für ihn verwendungsorientiert ist und die Befähigung konkrete Anforderungen bewältigen zu können bezeichnet. Der Kompetenzbegriff hingegen ist laut Arnold subjektorientiert und ganzheitlich zu verstehen. Die Kompetenz einer Person umfasse demnach nicht nur ihr inhaltliches Wissen, sondern ebenso überfachliche Fähigkeiten. Arnold unterteilt diese in die Dimensionen Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Personalkompetenz. Allen ist gemeinsam, dass subjektives Potential aufgebaut werden soll, welches selbstständiges Handeln in zahlreichen Gesellschaftsbereichen ermöglicht. Zudem merkt er an, dass es nicht möglich ist, Kompetenz allein durch institutionalisierte Lernprozesse zu vermitteln, sondern selbstgesteuertes Lernen sowie Erfahrungslernen im Laufe des Lebens notwendig seien. (vgl. Arnold 2010, S. 172f) Demnach ist es für den Kompetenzerwerb also notwendig, dass die Subjekte sich diese selbsttätig und durch Erfahrungslernen erarbeiten. Eine Vermittlung von Kompetenzen an passive Subjekte, z.B. mittels eines Vortrags, ist nicht möglich, da ein aktiver Aneignungsprozess nötig ist.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Thielen, 2011, Vermittlung von Medienkompetenz am Beispiel pornographischer Filme im Internet, München, GRIN Verlag GmbH
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